Stefan Wieske, Fotograf, Kirchenmusiker und Chorleiter aus Thal
Der Tod, der mich am stärksten geprägt hat, war der eines sehr engen Familienmitglieds. Sie wurde 2013 mit gerade einmal 21 Jahren von ihrem Ex-Partner getötet. Bei einem solchen Tod bleiben unendlich viele Fragen zurück und vor allem gab es keine Möglichkeit, sich wirklich zu verabschieden. Mir hat damals und bis heute der Chorus von «Because He Lives» Halt gegeben:
Because He lives, I can face tomorrow
Because He lives, all fear is gone
Because I know He holds the future, and life is worth the living, just because He lives.
Ich bin nicht wahnsinnig fromm und nehme nicht jeden Satz wörtlich. Für mich sagt dieser Chorus auch nicht, dass alles wieder gut wird. Denn manche Dinge werden nicht wieder gut. Manche Fragen bleiben unbeantwortet und manche Menschen fehlen ein Leben lang.
Aber dieser eine Satz ist für mich geblieben: «I can face tomorrow – Ich kann dem Morgen entgegensehen». Da steht nicht, dass ich das Gestern verstehen muss. Nicht, dass ich auf alles eine Antwort finden werde. Nur, dass nach dem schlimmsten Gestern trotzdem ein Morgen kommen darf. Vielleicht ist genau das mein Ritual geworden: Musik beantwortet meine offenen Fragen nicht. Aber sie gibt ihnen einen Platz. Und manchmal ist sie dabei für einen Moment wieder ein kleines Stück näher.
Schwester M. Monja Schnider, Schönstatt Marienschwester in Quarten und Klinikseelsorgerin
Mein Bruder ist mit 23 Jahren in Spanien im Meer ertrunken. Ich konnte mich in dieser Welt nicht mehr von ihm verabschieden. Verabschiedet haben wir bei der Beisetzung, das was irdisch und sterblich war an ihm – seinen Leib. Diese Beisetzung zusammen mit vielen Menschen, die ihn oder uns gekannt haben, war von grosser Bedeutung im Trauerprozess – für uns als trauernde Familie, aber auch für seine Freunde, Bekannten und Verwandten. Das was von meinem Bruder bleibt und «nur die Seiten, hinter den Horizont», gewechselt hat, seine unsterbliche Seele, musste ich nicht verabschieden. Gespräche mit ihm und inzwischen auch mit meiner verstorbenen Mutter, sind mir geblieben. In mir ist der Glaube und das Erleben gewachsen: das ewige Leben in der Liebe (Gottes) hört niemals auf.
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Einer unserer Mitarbeitenden wurde durch einen tödlichen Absturz beim Paragleiten von einem Arbeitstag zum anderen «aus dem Leben gerissen». Dies war für alle ein Schock. Von Seiten der Familie war keine Beisetzung vorgesehen. Ich habe daraufhin für unsere Mitarbeitenden eine Abschiedsfeier gestaltet, an der am Ende auch seine Angehörigen und Freunde teilnahmen. Alle konnten auf eine Karte schreiben, was noch gesagt sein wollte und wozu keine Gelegenheit mehr war. Ein Dank, ein Gruss, eine Erinnerung oder wenn es etwas zu verzeihen gab oder noch «ungelöst» war. Da das Fliegen eine Leidenschaft des Verstorbenen war – liessen wir diese Karten an einem bunten Luftballon für ihn zum Himmel steigen.
Gabi Ceric, Seelsorgerin in der Region Rorschach
Meine Mutter starb an Krebs, als ich 28 Jahre alt war. Ich hätte sie gefragt: Warum hast du mir nicht gesagt, dass du sterben wirst? Dahinter steht das Anliegen, für sie da zu sein und sie zu begleiten. Und ich weiss eigentlich, was sie geantwortet hätte: Damit du dich nicht um mich sorgen brauchst. Es war ihr Entscheid. Ich konnte es so gut sein lassen. Weil es für sie so gut war. Mir bedeutet es viel, dass sie auf mich gewartet hat, bevor sie ihren letzten Atemzug gemacht hat, und ich ihr den Sterbesegen zusprechen konnte.