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Eine familiäre Hochschule

Der St. Galler Lukas Gemein­der (27) arbei­te­te bisher im Kauf­män­ni­schen Bereich und s­uchte ­einen Beruf, der ihn mehr erfüllt. Jetzt studiert er an der Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le Chur. Wie er haben viele der Studie­ren­den vor dem Theo­lo­gie­stu­di­um in ande­ren Beru­fen gearbeitet.

«Ich enga­gie­re mich schon seit länge­rem frei­wil­lig in der Kirche», erzählt Lukas Gemein­der (27) aus St. Gallen, «dabei habe ich immer mehr gespürt, dass mich diese Arbeit mehr erfüllt als meine beruf­li­che Tätig­keit im Kauf­män­ni­schen. Zudem habe ich in den letz­ten Jahren wieder stär­ker zum Glau­ben zurück­ge­fun­den und mich schliess­lich für das Theo­lo­gie­stu­di­um entschie­den mit dem kirch­li­chen Dienst als Ziel.» Das Studi­um gefal­le ihm: «Die unter­schied­li­chen Fächer wie etwa Musik, Liturgie-Wissenschaft, Kirchen­ge­schich­te und Spra­chen machen das Studi­um sehr span­nend und viel­sei­tig. Dank des brei­ten Spek­trums kann man persön­li­che Stär­ken und Schwä­chen in einzel­nen Fächern gut kompen­sie­ren. Auch wenn es manch­mal sehr theo­re­tisch ist, wird immer auch ein prak­ti­scher Bezug hergestellt.»

Lukas Gemein­der (rechts) in der Kaffee-Pause mit ande­ren Studie­ren­den aus dem Bistum St.Gallen.

Umfeld reagiert erstaunt

Einer der Studie­ren­den aus dem Bistum St. Gallen ist auch Simon Sigg (32), Reli­gi­ons­päd­ago­ge und Jugend­seel­sor­ger in Gossau. Er absol­viert ein berufs­be­glei­ten­des Studi­um im bischöf­li­chen Studi­en­pro­gramm. «Mein Umfeld reagiert manch­mal ein biss­chen erstaunt, dass ich als junger Mensch Theo­lo­gie studie­re und ich spüre auch eine gewis­se Span­nung in Bezug auf die Kirche», sagt er. «Auch wenn mich die Skan­da­le oder die vielen Kirchen­aus­trit­te trau­rig und nach­denk­lich stim­men, denke ich, dass die Kirche eine Zukunft hat.» Ihn moti­vie­re die Arbeit mit Jugend­li­chen. «Ich spüre eine Offen­heit gegen­über Reli­gi­on und auch ein Bedürf­nis nach Spiri­tua­li­tät. Ich bin über­zeugt von der frohen Botschaft der Kirche und möch­te diese weiter­tra­gen.» Mit Anfang 30 verspür­te er die Moti­va­ti­on, sich persön­lich vermehrt mit exis­ten­zi­el­len und philo­so­phi­schen Fragen ausein­an­der­zu­set­zen und den Glau­ben zu hinter­fra­gen und zu begrün­den. «Ich arbei­te schon seit eini­gen Jahren in der Pfar­rei­seel­sor­ge und woll­te mein Wissen erwei­tern und vertie­fen.» Für Chur hat er sich entschie­den, weil die Hoch­schu­le dort klein und fami­li­är sei. «Man kennt sich persön­lich, isst und disku­tiert zusam­men am Mittags­tisch. Ich habe bereits Reli­gi­ons­päd­ago­gik studiert und zwar in Luzern. Ich woll­te noch eine ande­re Hoch­schu­le kennen lernen und entschied mich auch deshalb für Chur.»

Viele der Studie­ren­den an der Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le Chur kommen aus den Kanto­nen Grau­bün­den, St. Gallen und Zürich.

50 bis 60 Studierende

«Das gros­se Plus der Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le Chur ist die Nähe von Hoch­schu­le und Semi­nar», hält René Scha­ber­ger, Rekto­rats­as­sis­tent an der Hoch­schu­le, fest. «Es wird nicht nur Theo­lo­gie gelehrt, sondern wir ermög­li­chen den Studie­ren­den auch eine ganz­heit­li­che Persön­lich­keits­bil­dung.» Auch bezeich­net René Scha­ber­ger die gute Betreu­ung der Studie­ren­den als einen Mehr­wert. «Wir können auch indi­vi­du­el­le Studi­en­pro­gram­me anbie­ten für Studie­ren­de, die berufs­tä­tig sind.» Etwa fünf­zig bis sech­zig Perso­nen studie­ren an der Theo­lo­gi­schen Hoch­schu­le Chur. Diese Zahl sei seit Jahren stabil. «Heute begin­nen die wenigs­ten direkt nach der Matu­ra mit dem Theo­lo­gie­stu­di­um. Die meis­ten haben schon eine Berufs­aus­bil­dung absol­viert und zum Teil auch mehre­re Jahre im Beruf gear­bei­tet.» Viele der Studie­ren­den kommen laut René Scha­ber­ger aus den Kanto­nen Grau­bün­den, St. Gallen und Zürich. Es gebe auch verein­zel­te Gast­hö­rer im Renten­al­ter, die die eine oder ande­re Vorle­sung besuchen.

Text: Katja Hongler

Bild: zVg.

Veröf­fent­licht: 31.01.2023

Online-­Infoveranstaltungen

Inter­es­sier­te erhal­ten bei den Online-­Informationsveranstaltungen am 13. und 21. Febru­ar, jeweils 19.30 Uhr, kompakt die wich­tigs­ten Infor­ma­tio­nen zum ­Studi­um der Theo­lo­gie an der TH Chur sowie einen Einblick in die Insti­tu­ti­on. Es werden auch Fragen beantwortet.

→ Anmel­dung: www.thchur.ch/info

An jenem Abend vor 22 Jahren

Was hält Paare zusam­men? Wieso tren­nen sie sich? Und wie schafft man es, dass ­Alltäg­li­ches seinen Zauber behält? Das Projekt paargeschichten.ch sammelt Erzäh­lun­gen von Paaren. 

Meine Momo

«Wenn Momo zuhör­te, blüh­te die Fanta­sie der Erzäh­len­den auf wie eine Früh­lings­wie­se. Die Gedan­ken, die bisher zu Fuss gegan­gen sind, beka­men plötz­lich Flügel», heisst es im gleich­na­mi­gen Buch von Micha­el Ende. Ich habe das Privi­leg, Momo bei mir zu Hause zu haben: Sie schlum­mert zwischen zwei Buch­de­ckeln, bis ich sie zum Leben erwe­cke; oder sitzt mir am Küchen­tisch gegen­über. Meine Momo ist meine Frau. Wenn ich ihr eine vage Idee erzäh­le, entwi­ckelt sich diese wie von selbst weiter, allein durch ihre Art des Zuhö­rens. Sie ergänzt einen Gedan­ken, trifft mit einer Frage ins Schwar­ze oder hört einfach zu, mit den Augen.

Dort, in Rapperswil

Zwan­zig Jahre, nach­dem er sich von mir getrennt hat, ruft er an – nach zwan­zig Jahren tota­ler Funk­stil­le ruft er einfach unver­mit­telt an. Er sagt, dass er keine Angst vor der Angst mehr habe und dass er daher diesen Anruf gewagt habe. Ich falle, wie man sagt, aus allen Wolken, freue mich sehr. Und wir machen ein Tref­fen ab. In Rappers­wil. Dort gehen wir dann zusam­men über den Seesteg. Er erzählt mir, dass er einen Herz­in­farkt hatte. Und dass dieser ihn gelehrt habe, mehr auf sein Herz zu hören. Er wolle lernen zu lieben. Nach zwei­hun­dert Metern auf dem Seesteg sind wir wieder total verliebt.

Leiden­schaft statt Partnerschaft

Genies­se ich Spar­geln, tunke ich das Köpf­chen in die Sauce, sauge es aus – den Rest werfe ich weg. Es könn­te bitter sein, holzig oder schlecht geschält. Und genau­so halte ich es mit der Paar­be­zie­hung: Endlos spie­le ich den Akt des Sich-Verliebens, endlos beschäf­ti­ge ich mich mit Ouver­tü­ren, mit dem ersten Blick, der ersten Berüh­rung, dem ersten Kuss, der ersten Verei­ni­gung. Wird es aber ernst und kommen Paarbeziehungs-Gefühle auf, habe ich Angst, es könn­te, wie die Spar­geln, bitter werden, holzig. Und ich breche ab. Auf der einen Seite, ja, sehne ich mich so sehr nach Zwei­sam­keit, auf der ande­ren Seite gera­te ich dermas­sen in Panik, sie in einer Part­ner­schaft zu fixie­ren – zu mono­ga­mi­sie­ren, alles auf eine Karte zu setzen. Wieso kapi­tu­lie­re ich vor der Paar­be­zie­hung, wo ich doch den Gross­teil meines Lebens in genau dieser Form von Bezie­hung gelebt habe? Oder ist es umge­kehrt? Habe ich für mich gemerkt, dass die Paar­be­zie­hung selber die Kapi­tu­la­ti­on ist? Die Kapi­tu­la­ti­on vor der Leiden­schaft, vor dem ewig Neuen?

Die Bett­fla­sche

In den drei­zehn Jahren, in denen ich Flora kenne, gab es viel­leicht fünf Aben­de, an denen ich vor ihr ins Bett gegan­gen bin. Sie geht früh ins Bett, manch­mal schon vor 21 Uhr. Sie liebt ihr Bett. Und wenn sie einmal drin ist, ist sie die Köni­gin. Doch wenn ich spät von der Arbeit komme, Zeit mit ihr verbrin­gen will, ist Flora schon auf dem Rück­zug. Dieser allabend­li­che Moment der Tren­nung fühl­te sich für mich viele Jahre lang wie eine Nieder­la­ge an. Auch Flora litt unter meiner Enttäu­schung. Bis zu dem Tag, viel­leicht vor fünf Jahren, als Flora mich bat, ihr eine Bett­fla­sche zu machen. Ich erhitz­te sie – und brach­te sie ihr ins Zimmer. Anfangs moch­te ich das nicht unbe­dingt. Doch indem sie mich fragt, ob ich ihr die Bett­fla­sche mache, teilt sie mir mit, habe ich mit der Zeit verstan­den, dass sie ins Bett geht. Und seit ich das verstan­den habe, tue ich das fast jeden Abend für sie. Es ist zu unse­rem gemein­sa­men Ritu­al des Zubett­ge­hens gewor­den. Ich brin­ge die Wärme­fla­sche herein und lege mich zu Flora, plau­de­re mit ihr und lasse den Tag gemein­sam mit ihr ausklin­gen. In manchen Näch­ten muss ich ihr manch­mal, wenn ich mit der Bett­fla­sche ins Schlaf­zim­mer komme, ihren Kopf frei­le­gen, um sie küssen zu können, so fest ist sie in ihre Decke einge­wi­ckelt. In diesen Näch­ten grum­melt sie nur; kein «Gute Nacht», kein Kuss, keine Aufmerk­sam­keit. Aber ich weiss selbst dann, dass wir zusam­men sind. Anspruchs­los und wohlig verlas­se ich das Schlaf­zim­mer. Wenn mich Flora fragt, ob ich ihr ihre Bett­fla­sche gemacht habe, fragt sie mich: «Teilen wir diesen Abend?» Sie fragt mich auch: «Gefällt es dir, dein Leben mit mir zu verbrin­gen?» Und: «Weisst du, wie froh ich bin, dass du hier bist?» Ja, habe ich, Flora. Ja, das tun wir. Ja, sehr. «Ja, ich weiss.»

Der Besser­wis­ser

Bei jeder Gele­gen­heit zück­te er sein Handy, um zu googeln, ob nun Selma oder er recht hatte. Immer schon hat sie das genervt. Doch dann kam: Sizi­li­en. Sie hatten eine Feri­en­woh­nung in einem klei­nen mittel­al­ter­li­chen Städt­chen und sassen auf der Piaz­za beim Nacht­es­sen, gleich gegen­über einer Kirche. Über der Eingangs­tür stand in tief­ro­ten Lettern «Chie­sa del Purga­to­rio» – und Willy frag­te sie, was wohl «Purga­to­rio» bedeu­te. Ohne zu über­le­gen, sagte sie es ihm: «Fege­feu­er!» Wieso sie das nun wieder wisse, sagt er, und: «Wenn du solche Sachen weisst, ist es klar, dass bei dir dafür ande­re Hirn­area­le unter­ent­wi­ckelt sind!» Sie woll­te etwas entgeg­nen, konn­te aber nicht, es ging nicht mehr, wort­los stand sie auf, warf die Servi­et­te auf den halb leer­ge­ges­se­nen Teller mit dem Riso ai Frut­ti di Mare, ging in die Feri­en­woh­nung zurück, pack­te ihren Koffer und fuhr zum Flug­ha­fen. Zuhau­se lösch­te sie seine fünf­zehn Anru­fe in Abwe­sen­heit und acht­zehn SMS. Und blockier­te seine Nummer.

Vor dem Velokurierladen

Ein paar Tage nach­dem ich von einer langen Pilger­rei­se nach Sant­ia­go zurück­kam, stand ich in meinem Velo­ku­rier­ge­schäft, als zwei Frau­en herein­ka­men. Sie frag­ten mich, ob sie ihre Velo­rei­fen pumpen könn­ten. Und so kamen sie ins ­Gespräch mit mir und den ande­ren Velo­ku­rier­fah­re­rin­nen und ‑fahrern, die noch im Laden herum­stan­den oder am Ende ihrer Schicht etwas zusam­men trin­ken woll­ten. Wir hatten eine gute Zeit, und als sich die munte­re Gesell­schaft aufzu­lö­sen begann, war es Abend gewor­den. Meine Geschäfts­part­ner, die eine Frau und ich blie­ben etwas länger. Als wir die Tür abschlos­sen, kam er, dieser eine Moment, der mein Leben verän­dern soll­te: Mein Heim­weg führ­te mich in diesel­be Rich­tung, die auch mein Geschäfts­part­ner einschlug. Doch der Weg der Frau ging in die entge­gen­ge­setz­te Rich­tung. Ich stand unent­schlos­sen da. Die Frau auch. Mein Geschäfts­part­ner rief: «Kommst du …?» Ich aber beweg­te mich nicht. Bis sie schliess­lich zu mir sagte: «Küss mich, aber rich­tig!» Und so habe ich sie geküsst, an jenem Abend vor 22 Jahren. Heute sind wir Eltern von drei Kindern.

Texte: paargeschichten.ch

Illus­tra­tio­nen: Lea Neuenschwander

Veröf­fent­licht: 25.01.2023

Auch mal einen Besen in die Hand nehmen

Bischof Markus Büchel hat am 26. Novem­ber den Kapu­zi­ner Kletus Hutter (51) zum ­Pries­ter geweiht. Der aus Kries­sern stam­men­de Ordens­mann will ein boden­stän­di­ges Pries­ter­bild verkörpern.

Die Kapu­zi­ner­kir­che in Rappers­wil ist voll­be­setzt. Auf den Stüh­len sitzen nicht nur Wegge­fähr­ten von Bruder Kletus Hutter, sondern auch viele Menschen, die ihn im Klos­ter Rappers­wil als «Bruder auf Zeit» kennen gelernt haben. Bischof Markus Büchel ist bester Laune, als er an diesem sonni­gen Vormit­tag die Fest­ge­mein­de begrüsst. «Eine Pries­ter­wei­he, das ist heute etwas Selte­nes», sagt der Bischof von St. Gallen. Und: «Es gibt tatsäch­lich noch Wunder!» Kletus Hutter stammt aus Kries­sern im St. Galler Rhein­tal. Nichts deute­te darauf hin, dass er einmal Pries­ter werden würde. Zunächst war er kauf­män­ni­scher Ange­stell­ter. Danach studier­te er in Luzern Reli­gi­ons­päd­ago­gik und arbei­te­te später als Reli­gi­ons­päd­ago­ge im Bistum St. Gallen. Im Klos­ter Rappers­wil lern­te er das Konzept «Bruder auf Zeit» kennen und fing Feuer fürs Leben als Ordensmann.

Unrea­lis­ti­sches Priesterbild

Heuti­ge Pries­ter, sagt Bischof Markus Büchel in seiner Predigt, litten unter einem falschen Pries­ter­bild, das in gros­sen Teilen der Bevöl­ke­rung herr­sche: «Es ist unrea­lis­tisch und über­höht.» Manche glaub­ten, ein Pries­ter stehe über allen irdi­schen Dingen oder sei ein gott­ähn­li­ches Wesen. Nicht mit beiden Füssen am Boden, verbun­den mit der Basis. Nicht bei den Sorgen der Menschen. Mit solch einem Pries­ter­bild könne Kletus Hutter nichts anfan­gen. Bischof Markus Büchel sagte, er habe gehört, dass sich Kletus Hutter für nichts zu scha­de sei. Er nehme auch mal einen Besen in die Hand, um nach dem Gottes­dienst die Kirche zu wischen. Die Kirche brau­che solche beschei­de­nen, boden­stän­di­gen und authen­ti­schen Priester.

Franz von Assi­si als Vorbild

Kletus Hutter sagt, dass ihm der Dienst am Menschen am Herzen liege. Zusam­men mit den Menschen unter­wegs zu sein, sei Teil der fran­zis­ka­ni­schen Spiri­tua­li­tät. Für ihn blei­be Franz von Assi­si eine lebens­lan­ge Inspi­ra­ti­on für ein erfüll­tes Leben. «Schon seit jungen Jahren kam mir immer wieder der Gedan­ke, ob Pries­ter werden etwas für mich wäre», sagt Kletus Hutter. «Die Zeit war aber wohl nicht reif. Ich fand immer schlüs­si­ge Grün­de, diesen Schritt nicht zu tun. Ein Schlüs­sel­er­leb­nis hatte ich während meiner Zeit als Gast im Klos­ter Rappers­wil: Eine halbe Stun­de nach dem Gottes­dienst putz­te ich mit dem Zele­bran­ten zusam­men die Kirche. Diese Haltung gefiel mir: ein Orden, in dem jemand dem Gottes­dienst vorste­hen kann aber es auch selbst­ver­ständ­lich ist, sich bei Alltags­ar­bei­ten die Hände schmut­zig zu machen.»

«Klos­ter auf Zeit»

Im Kapuziner-Kloster Rappers­wil hat Kletus Hutter an der Neukon­zep­ti­on des Ange­bots «Klos­ter auf Zeit» mitge­wirkt: «Unser Klos­ter steht nach wie vor Menschen offen, die bei uns als Gast mitle­ben wollen. Neu ist, dass wir eine Lebens­ge­mein­schaft bilden aus Brüdern und fran­zis­ka­nisch Inter­es­sier­ten, die ihren Lebens­mit­tel­punkt im Klos­ter Rappers­wil haben. Sie blei­ben in der Gemein­schaft für mindes­tens ein Jahr und gehen einer Erwerbs­ar­beit ausser­halb des Klos­ters nach.» Bis jetzt habe sich eine Frau auf dieses Projekt einge­las­sen, eine refor­mier­te Pfar­re­rin. «Sie passt sehr gut in unse­re Runde, enga­giert sich im Kern­team – also der Leitungs­grup­pe zusam­men mit zwei Brüdern – und im Haus. Unser Konzept sieht noch weite­re fran­zis­ka­nisch inter­es­sier­te Menschen vor. Die suchen wir noch. Es gibt zwar eini­ge Inter­es­sier­te, ein verbind­li­ches Zusam­men­le­ben stellt aber auch eine Heraus­for­de­rung dar.»

Text: Vera Rütti­mann / Walter Ludin

Bild: Vera Rüttimann

Veröf­fent­licht: 09. Janu­ar 2023

Bücher für alle Lebensfragen

Bücher über Heldin­nen, Glück oder das Alter – neu kann die gesam­te ­Bevöl­ke­rung im Bistum St. Gallen bei der Reli­gi­ons­päd­ago­gi­schen Medi­enstel­le in Altstät­ten Medi­en ­auslei­hen – und das kostenlos.

Wie Kindern den Tod erklä­ren? Wie gehe ich mit Konflik­ten um? Wie stil­le ich meine Sehn­sucht? Über 7000 Medi­en stehen in der kirch­li­chen Medi­enstel­le zum Auslei­hen bereit. Eine gemüt­li­che Kaffee-Ecke lädt ein, gleich vor Ort in den Büchern zu stöbern. Bisher war die Fach­bi­blio­thek vor allem bekannt bei allen, die in Kate­che­se, Reli­gi­ons­un­ter­richt und ERG tätig sind. «Neu rich­tet sich unser Ange­bot an die gesam­te Bevöl­ke­rung», hält Hildi Bandel, Leite­rin der Medi­enstel­le, fest. «Seit zwei Jahren sind wir bei Swiss Libra­ry Service Platt­form (SLSP) im Verbund mit 475 Biblio­the­ken. Alle können bei uns Medi­en auslei­hen. Dafür ist nur eine Regis­trie­rung notwen­dig.» Wer nicht nach Altstät­ten kommen will, kann die Medi­en via Online-Katalog auswäh­len und sich für 12 Fran­ken schi­cken lassen.

Viele Bilder­bü­cher

Oft kommen Inter­es­sier­te vorbei, die gezielt ein Buch suchen, das sie bei einer aktu­el­len Lebens­fra­ge unter­stützt: «Das sind zum Beispiel Eltern, die bei ihren Kindern den Tod thema­ti­sie­ren wollen oder Gross­el­tern, die ihren Enkeln den Glau­ben weiter­ge­ben möch­ten», sagt Manue­la Mitte­rer, Kate­che­tin und Mitar­bei­te­rin in der Medi­enstel­le. «Aber auch wer einfach ein Bilder­buch zu einem bestimm­ten Thema sucht, wird bei uns fündig.» Denn neben Sach­bü­chern und Unter­richts­ma­te­ria­li­en verfü­ge die Medi­enstel­le über einen gros­sen Bestand an Bilder­bü­chern inklu­si­ve Wimmel­bü­chern. Hildi Bandel hält das Buch «Hier kommt Boris» in die Höhe: «Eine witzi­ge Geschich­te über Vorbil­der und Held­sein.» Die beiden Mitar­bei­te­rin­nen haben aber auch immer ein offe­nes Ohr für alle, die sie mit ihren persön­li­chen Lebens­fra­gen oder Bedürf­nis­sen konfron­tie­ren – und suchen dann geeig­ne­te Medi­en heraus.

Bücher über das Glück — ideal zum Einstieg ins neue Jahr.

Auch viele Spiele

Wer durch die Medi­enstel­le spaziert, erkennt sofort, wie viel­fäl­tig das Sorti­ment ist. Auch viele Bücher zu den Welt­re­li­gio­nen, zu ethi­schen oder psycho­lo­gi­schen Themen warten auf die Lese­rin­nen und Leser. «In den letz­ten Jahren haben wir ange­fan­gen, auch eine Samm­lung von Spie­len, die sich für Klas­sen, Grup­pen oder Fami­li­en eignen, aufzu­bau­en», so Hildi Bandel. Die gesell­schaft­li­chen Entwick­lun­gen lassen sich laut Bandel gut am Bestand und an der Nach­fra­ge able­sen: So habe in den letz­ten Jahren die Nach­fra­ge nach Büchern zum Thema Beten sowie Bücher, die sich mit inner­kirch­li­chen Themen beschäf­ti­gen, nach­ge­las­sen. «Belieb­ter sind Medi­en zu Ritua­len, christ­li­chen Werten oder Vorbil­dern», weiss Manue­la Mitte­rer. Hildi Bandel merkt an: «Im Gegen­satz zu früher achten die Verla­ge heute mehr auf die Optik. Selbst bei Fach­bü­chern ist die Spra­che süffi­ger gewor­den. Auch wer nicht mit der Mate­rie vertraut ist, schafft sofort den Einstieg und hat das Buch schnell gelesen.»

Neue Leitung ab 2023

Auch in Zeiten der Digi­ta­li­sie­rung sind Hildi Bandel und Manue­la Mitte­rer über­zeugt, dass das Buch eine Zukunft haben wird: «Es ist etwas Ande­res, wenn ich es mir mit dem Kind oder Enkel­kind auf dem Sofa gemüt­lich mache und wir gemein­sam in einem Buch blät­tern als Ergän­zung zu den digi­ta­len Ange­bo­ten.» Künf­tig will die Medi­enstel­le auch vermehrt Veran­stal­tun­gen anbie­ten. Zunächst stehen jedoch inter­ne Verän­de­run­gen an: Im kommen­den Jahr wird die lang­jäh­ri­ge Stel­len­lei­te­rin Hildi Bandel die Leitung an ihre Nach­fol­ge­rin Manue­la Mitte­rer über­ge­ben. Sie selbst wird weiter­hin in der Medi­enstel­le tätig sein.

Text: Stephan Sigg

Bild: Ana Kontoulis

Ange­bot des Kath. Konfessionsteils

Die RPM Altstät­ten wird finan­ziert vom Katho­li­schen Konfes­si­ons­teil des Kantons St. Gallen. Verant­wort­lich für den Betrieb ist das Amt für Kate­che­se und Reli­gi­ons­päd­ago­gik des ­Bistums St. Gallen. Die RPM ist Teil des Medi­en­ver­bunds der Pädago­gi­schen Hoch­schu­le St. Gallen. ­Öffnungs­zei­ten: Montag, 14 bis 17 Uhr, Diens­tag – Frei­tag, 9 bis 11.30 Uhr, 14 bis 17 Uhr.Ferien vom 24. Dezem­ber 2022 bis 8. Janu­ar 2023.

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Unterwegs zur Spitalkapelle

Seit 30 Jahren enga­giert sich der St. Galler Markus Enz für den frei­wil­li­gen Betten­dienst im Kantons­spi­tal St. Gallen. Dieser ermög­licht Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten den Besuch des ­Gottes­diens­tes in der Spital­ka­pel­le. Aktu­ell werden drin­gend mehr Frei­wil­li­ge gesucht.

Kurz nach 9 Uhr sind die Vorbe­rei­tun­gen in vollem Gang: Eini­ge Frei­wil­li­ge stecken in der ­Spital­ka­pel­le des Kantons­spi­tals St. Gallen Verlän­ge­rungs­ka­bel ein. Dort sollen später jene ­Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten während des ­Gottes­diens­tes einen Platz bekom­men, deren Infu­si­ons­ge­rä­te beispiels­wei­se Strom benö­ti­gen. Draus­sen vor der Kapel­le im 1. Stock des Hauses 21 teilt Spital­seel­sor­ger Sepp Koller weite­re Frei­wil­li­ge in Grup­pen ein. Sie werden in der nächs­ten Stun­de zu zweit 25 Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten in den verschie­de­nen Häusern des Spitals abho­len und sie im Bett, im Roll­stuhl oder zu Fuss durch das unter­ir­di­sche Verbin­dungs­sys­tem bis zur Spital­ka­pel­le trans­por­tie­ren und beglei­ten. Nebst Mitglie­dern der Pfar­rei Witten­bach sowie der evangelisch-reformierten Kirch­ge­mein­de Witten­bach helfen an diesem Sonn­tag eini­ge Jugend­li­che aus Gossau mit, die den Einsatz im Rahmen eines Sozi­al­pro­jek­tes leisten.

«Unse­re Gesell­schaft wäre ohne all das frei­wil­li­ge Enga­ge­ment um ­eini­ges ärmer», sagt Markus Enz, der die Einsät­ze koordiniert.

Nur noch halb so viele helfen

Dann geht es los. Mit dabei ist auch Markus Enz, der sich seit 30 Jahren für den frei­wil­li­gen Betten­dienst im Kantons­spi­tal enga­giert. Seit 2008 koor­di­niert er zudem die Einsät­ze aller Grup­pen der Stadt St. Gallen. Aktu­ell sind es elf Grup­pen wie etwa die sozia­le Männer­be­we­gung St. Fiden, zu der Markus Enz gehört, oder Grup­pen, die sich in den Pfar­rei­en zusam­men­ge­schlos­sen haben. Jede Grup­pe hat fünf bis sechs Einsät­ze im Jahr. «Nun stehen wir aber vor dem Problem, dass wir immer weni­ger sind und es schwie­rig ist, neue Perso­nen zu finden, die sich frei­wil­lig für diesen Dienst enga­gie­ren», sagt Markus Enz, während er mit dem Lift hinun­ter ins UG fährt, wo sich auch der Zugang zu den unter­ir­di­schen Verbin­dungs­gän­gen befin­det. Vor eini­gen Jahren waren es noch rund 300 Perso­nen die mithal­fen. Heute sind es noch 140. «Werden es noch weni­ger, können wir diesen Frei­wil­li­gen­dienst nicht mehr stem­men», sagt der 63-Jährige.

Einsatz­be­spre­chung um 9 Uhr bevor es los geht: In Zwei­er­teams ­werden die Frei­wil­li­gen die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten abholen.

Vom Glau­ben begleitet

Markus Enz hält in der Hand eine oran­ge Karte mit verschie­de­nen Infos wie Name, Haus- und Zimmer­num­mer des Pati­en­ten, den er heute abho­len wird. Es geht ins Haus Nr. 1 zu Ferdi­nand Hutter. Der 66-Jährige hat eine neue Niere bekom­men und besucht den Gottes­dienst in der Spital­ka­pel­le an diesem Sonn­tag mit seiner Frau und seiner Toch­ter. «Diese Frei­wil­li­gen­ar­beit ist sensa­tio­nell. Ich schätz es sehr, dass mir jemand auf diese Weise ermög­licht, den Gottes­dienst besu­chen zu können. Ich bin gerne in der Kapel­le und der Glau­be beglei­tet mich mein Leben lang», sagt er. Auch seine Toch­ter Corne­lia Hutter erzählt, wie wich­tig dieser Gottes­dienst vielen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten ist. Sie selbst arbei­tet als Pfle­ge­fach­frau auf der Palliativ-Station und betont, dass im Spital ohne die Frei­wil­li­gen niemand Zeit hätte, so viele Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen zur Kapel­le zu begleiten.

Die Spital­ka­pel­le bietet neben Sitz­plät­zen auch Platz für die Betten der Pati­en­tin­nen und Patienten.

Freund­schaft und Dank

Dann ist es Zeit, sich auf den Weg zur Kapel­le zu machen. Vom Zimmer aus geht es mit dem Lift wieder ins UG und unter­ir­disch zurück ins Haus Nr. 21. In der Kapel­le haben sich bereits eini­ge Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten einge­fun­den. Ferdi­nand Hutters Bett ist neben einer der Steck­do­sen plat­ziert. Seine Frau und seine Toch­ter haben sich mit Stüh­len direkt neben ihn gesetzt. Die frei­wil­li­gen Helfe­rin­nen und Helfer verlas­sen derweil die Kapel­le und versam­meln sich draus­sen, um noch etwas zu reden. Ande­re feiern den Gottes­dienst mit. «In all den Jahren, in denen ich mich für den Betten­dienst enga­gie­re, sind viele Freund­schaf­ten entstan­den», sagt Markus Enz. Das und die Dank­bar­keit, die man seitens der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten erhal­te, sei der Lohn, den man für seinen Einsatz erhal­te. Er sagt: «Vor allem aber wäre unse­re Gesell­schaft ohne all das frei­wil­li­ge Enga­ge­ment um eini­ges ärmer.»

Einsät­ze am Sonntag

Die Spital­seel­sor­ge am Kantons­spi­tal St. Gallen findet kaum genü­gend Frei­willige, die am Sonn­tag die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten zum Gottes­dienst beglei­ten. Dieser wird abwech­selnd katho­lisch, evan­ge­lisch, manch­mal ökume­nisch ­gestal­tet. In den vergan­ge­nen Jahren hat die Zahl der Frei­wil­li­gen stark abge­nommen. Es werden deshalb zusätz­li­che ­Begleit­per­so­nen für den Sonn­tags­got­tes­dienst gesucht. Diese tref­fen sich jeweils um 9 Uhr bei der Spital­ka­pel­le. Bis 10 Uhr werden die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten abge­holt. Nach dem Gottes­dienst werden sie wieder in ihr Zimmer gebracht.

Text: Nina Rudnicki

Bilder: Ana Kontoulis

Veröf­fent­li­chung: 30.12.2022

Fokus auf Prävention

«Noch immer ist es für viele Miss­brauchs­be­trof­fe­ne ein gros­ser Schritt, sich an das ­Fach­gre­mi­um zu wenden und über das erfah­re­ne Leid zu spre­chen», sagt Danie­la Sieber, ­Präsi­den­tin des Fach­gre­mi­ums gegen sexu­el­le Über­grif­fe im Bistum St. Gallen. Bischof Ivo Fürer hat das Gremi­um 2002 installiert.

Dieses Jahr jähr­te sich die Grün­dung des Fach­gre­mi­ums zum zwan­zigs­ten Mal. Als Bischof Ivo Fürer 2002 als Reak­ti­on auf einen Miss­brauchs­fall das Gremi­um instal­lier­te, wurde noch kaum über sexu­el­le Miss­bräu­che im kirch­li­chen Umfeld gespro­chen. «In den vergan­ge­nen zwan­zig Jahren hat sich extrem viel getan», fasst Danie­la Sieber, Juris­tin und Media­to­rin, zusam­men. «Das Gremi­um hat sich konse­quent weiter­ent­wi­ckelt und profes­sio­na­li­siert.» Das Fach­gre­mi­um ist heute fest etabliert, in ande­ren Bistü­mern gibt es heute ähnli­che Gremi­en und Anlauf­stel­len. Ging es anfangs vor allem um straf­recht­li­che Themen, habe sich der Fokus auf die Präven­ti­on verla­gert. Ein wich­ti­ger Schritt war 2016 die Einfüh­rung des Schutz­kon­zep­tes im Bistum St. Gallen. Jähr­lich finden Einfüh­rungs­kur­se für alle Ange­stell­ten und frei­wil­lig Enga­gier­te im Bistum statt. Das Thema ist auch fester Teil der Berufs­ein­füh­rung der Seel­sor­gen­den. Seit 2017 können sich Betrof­fe­ne von physi­scher und psychi­scher Gewalt, Mobbing, Arbeits­platz­kon­flik­ten und emotio­na­len Grenz­ver­let­zun­gen auch an zwei Ombuds­per­so­nen wenden. Einen Beitrag zur Aufar­bei­tung leis­tet auch ein Genug­tu­ungs­fonds der Schwei­zer Bischofs­kon­fe­renz. Dass ein Bewusst­sein für die Not und die Erfah­run­gen der Betrof­fe­nen geschaf­fen wurde, dazu hätten auch die Medi­en beigetra­gen. «Und beson­ders all die Betrof­fe­nen, die ihre Erfah­run­gen öffent­lich gemacht haben.»

«Dennoch gehen wir davon aus, dass es auch in unse­rem Bistum Betrof­fe­ne gibt, die sich noch nicht gemel­det haben.»

Danie­la Sieber

Hilfe bei Verarbeitung

Aktu­ell hat das Fach­gre­mi­um keinen straf­recht­li­chen Fall zu bear­bei­ten. In diesem Jahr haben sich acht Perso­nen gemel­det. Im Bistum St. Gallen sei es für Betrof­fe­ne nieder­schwel­lig möglich, sich an das Fach­gre­mi­um zu wenden. Sie behal­ten die Kontrol­le über die Schrit­te und welche Infor­ma­tio­nen an welche Stel­le gelan­gen. «Dennoch gehen wir davon aus, dass es auch in unse­rem Bistum Betrof­fe­ne gibt, die sich noch nicht gemel­det haben», sagt Danie­la Sieber. Deshalb sei das Gremi­um daran, sich immer wieder ins Gespräch zu brin­gen und auf sein Ange­bot aufmerk­sam zu machen. Für Theo­lo­gin und Psycho­lo­gin Regu­la Sarbach, Ansprech­per­son für Betrof­fe­ne, kann es ein Beitrag zur Verar­bei­tung sein, wenn sich Betrof­fe­ne auch Jahr­zehn­te nach dem Miss­brauch melden: «Das Erzäh­len der Erfah­run­gen wird von vielen Betrof­fe­nen als wich­tig und entlas­tend erlebt», sagt sie, «oft sind für die Betrof­fe­nen die Frage nach einer finan­zi­el­len Genug­tu­ung oder straf­recht­li­chen Konse­quen­zen zweit­ran­gig. Selbst wenn der Täter schon verstor­ben ist, kann es entlas­tend sein, Gehör zu finden.» Teil­wei­se sind es auch Perso­nen, die grenz­ver­let­zen­des Verhal­ten beob­ach­tet haben und sich melden.

Spiri­tu­el­ler Missbrauch

Rela­tiv neu ist das Bewusst­sein für den spiri­tu­el­len Miss­brauch. Dieser wurde vor allem durch das Buch «Spiri­tu­el­ler Miss­brauch in der katho­li­schen Kirche» der deut­schen Theo­lo­gin Doris Reisin­ger zum Thema: In vielen Grup­pen und Gemein­schaf­ten gibt es Perso­nen, die leiten und Verant­wor­tung tragen. Diese Perso­nen haben Macht, die sie zum Guten einset­zen, aber auch miss­brau­chen können. «Solche Fälle sind oft noch­mals viel komple­xer als ein sexu­el­ler Über­griff und für die Betrof­fe­nen schwer zu erken­nen und benen­nen», so Danie­la Sieber. Um auch diese Betrof­fe­nen opti­mal beglei­ten zu können, könn­te es laut Sieber sinn­voll sein, eine eige­ne Anlauf­stel­le zu schaffen.

Nicht­kirch­li­che Meldestelle

In den letz­ten Jahren sind zahl­rei­che Bücher von Miss­brauchs­be­trof­fe­nen erschie­nen. Es gibt inzwi­schen auch Netz­wer­ke und Grup­pen, zu denen sich Betrof­fe­ne zusam­men­ge­schlos­sen haben wie zum Beispiel die «Inter­es­sen­ge­mein­schaft für Miss­brauchs­be­trof­fe­ne im kirch­li­chen Umfeld». Diese fordert die Errich­tung einer gesamt­schwei­ze­ri­schen, neutra­len und unab­hän­gi­gen Melde­stel­le. Danie­la Sieber kann diese Forde­rung nach­voll­zie­hen: «Die Situa­ti­on in den Bistü­mern ist bis heute ganz unter­schied­lich. Im Bistum St. Gallen ist auch hier das Bewusst­sein gewach­sen. Heute ist im Fach­gre­mi­um kein Mitglied mehr aus der Perso­nal­ab­tei­lung oder dem Ordi­na­ri­at des Bistums vertre­ten.» Sieber sieht gespannt den Ergeb­nis­sen der histo­ri­schen Studie zum sexu­el­len Miss­brauch im Umfeld der römisch-katholischen Kirche entge­gen, die die Schwei­zer Bischofs­kon­fe­renz im Früh­ling in Auftrag gege­ben hat. Diese soll einen weite­ren Beitrag zur Aufar­bei­tung und Präven­ti­on leis­ten. Die Ergeb­nis­se werden für Herbst 2023 erwartet.

Text: Stephan Sigg

Bild: zVg.

Weiter­bil­dung für frei­wil­lig Engagierte

Worauf müssen frei­wil­lig Enga­gier­te ­achten? Das Bistum St. Gallen bietet 2023 die Weiter­bil­dung ­«Pfarreirat-Updates» zur Umset­zung des Schutz­kon­zep­tes an. Pfarrei- und ­Pasto­ral­rä­te haben, so die  Ausschrei­bung, meist das ganze ­Spek­trum der Frei­wil­li­gen in ihrer Pfar­rei und Seel­sor­ge­ein­heit im Blick. Ihnen komme deshalb eine wich­ti­ge Rolle zu.

Sams­tag, 14. Janu­ar 2023, Mels oder ­Sams­tag, 18. Febru­ar 2023, Degers­heim, ­jeweils 9 bis 12.45 Uhr

→ Infor­ma­tio­nen und Anmel­dung: www.bistum-stgallen.ch

Geschlechterklischees ­überwinden

Mehr Sensi­bi­li­tät für die Geschlech­ter­viel­falt – die Tagung der ­Fach­stel­le für Jugend­ar­beit im Bistum St. Gallen (Daju) regte an, über Geschlech­ter­rol­len, Diskri­mi­nie­rung und die Perspek­ti­ve von sexu­el­len Minder­hei­ten nachzudenken.

Was macht dich zur Frau, was macht dich zum Mann? Welche Geschlech­ter­vor­ur­tei­le machen dir zu schaf­fen? Was wäre in meinem Leben anders, wenn ich ein ande­res Geschlecht hätte? Was ist unweib­lich und unmänn­lich – und wer legt das fest? Gleich zu Beginn der Daju-Tagung in Trogen AR konfron­tiert ein Frage­bo­gen die Jugend­seel­sor­gen­den mit ihrer eige­nen Haltung zum Geschlecht. Bei der anschlies­sen­den Diskus­si­on in Klein­grup­pen wird schnell klar: Auch wer sich selbst als tole­rant und offen im Umgang mit der Geschlech­ter­viel­falt bezeich­net, hat beim Frage­bo­gen den einen oder ande­ren Aha-Moment erlebt. Vieles, das selbst­ver­ständ­lich scheint, ist doch gar nicht so selbst­ver­ständ­lich. Im Austausch mit den ande­ren schil­dern die kirch­li­chen Jugend­ar­bei­ten­den aber auch bald Erfah­run­gen aus ihrem Berufs­all­tag: «Ich erle­be noch immer, dass manche Jugend­li­che sich gegen einen Lehr­be­ruf entschei­den, weil dieser als zu weib­lich oder zu männ­lich gilt und sie sich vor Häme und Vorur­tei­len fürch­ten.» Auch bekom­men die Jugend­ar­bei­ten­den mit, wie sehr Ideal­bil­der von Männ­lich­keit und Weib­lich­keit in Werbung und Medi­en auch heute viele junge Menschen unter Druck setzen.

Kirch­li­che Jugendarbeiter*innen aus dem Bistum St.Gallen setz­ten sich mit der Geschlech­ter­viel­falt auseinander.

Offen und unverkrampft

Die Teil­neh­men­den spre­chen ganz offen und unver­krampft. Man spürt, dass es in der kirch­li­chen Jugend­ar­beit schon viel Sensi­bi­li­tät im Umgang mit Geschlech­ter­viel­falt und sexu­el­len Orien­tie­run­gen gibt. Viele Jugend­seel­sor­gen­de sind bemüht, Jugend­li­che bei der Entwick­lung einer gelin­gen­den Geschlechts­iden­ti­tät zu unter­stüt­zen. Ande­re wieder­um berich­ten, dass die Akzep­tanz von quee­ren Jugend­li­chen unter Gleich­alt­ri­gen noch gar nicht so verbrei­tet ist wie man oft den Eindruck hat: Ein Jugend­seel­sor­ger erzählt von homo­pho­ben Äusse­run­gen, die Jugend­li­che in seiner Pfar­rei von sich gege­ben haben.

Die Tagung ging auch der Frage nach, wie kirch­li­che Jugend­ar­beit zeit­ge­mäss mit der Geschlech­ter­viel­falt umgeht und nieman­den ausschliesst.

Mit Spra­che ausdrücken

Refe­ren­tin Simo­ne Dos Santos, Geschäfts­lei­te­rin der Fach­stel­le für Aids- und Sexu­al­fra­gen St. Gallen, zeigt immer wieder auf, wie sehr die Gesell­schaft bis heute in Kate­go­rien denkt. «Das gilt es zu hinter­fra­gen», sagt sie. Die binä­re Eintei­lung grei­fe zu kurz und schlies­se viele Geschlech­ter­iden­ti­tä­ten aus. Während die einen die Viel­falt als berei­chernd erle­ben, löst sie bei ande­ren Unsi­cher­hei­ten und Ableh­nung aus. «Die meis­ten von uns haben ihre Geschlech­ter­rol­len auto­ma­tisch ange­nom­men. Viele der heuti­gen Jugend­li­chen setzen sich inten­siv mit der Frage ausein­an­der, wer sie sind und wie sie ihr Geschlecht leben wollen. Manche spie­len auch krea­tiv damit.» Das heis­se aber nicht auto­ma­tisch, dass es für sexu­el­le Minder­hei­ten heute einfa­cher sei. Simo­ne Dos Santos moti­viert die Teil­neh­men­den, die Viel­falt auch in der Spra­che sicht­bar zu machen: Beispiels­wei­se hätten Studi­en gezeigt, dass Kinder sich mehr Beru­fe zutrau­en, wenn die Geschlech­ter­viel­falt in Beru­fen auch sprach­lich immer wieder expli­zit ausge­drückt wird. An der Tagung kommen auch Betrof­fe­ne selbst zu Wort – am Vormit­tag in Film­ein­spie­lun­gen und am ­Nach­mit­tag stellt sich Aman­da, eine junge Trans­frau aus der Ostschweiz, den Fragen der Teilnehmenden.

Refe­ren­tin Simo­ne Dos Santos moti­vier­te für eine geschlech­ter­sen­si­ble Sprache.

Die Bibel und die Geschlechter

Im Tagungs­saal hängt ein Banner an der Wand: «Gott liebt viel­fäl­tig.» Was sagt die Bibel zu diesem Thema? Dieser Frage geht am zwei­ten Tag Gregor Emmen­eg­ger, Profes­sor für Kirchen­ge­schich­te an der Univer­si­tät Frei­burg, nach. Er zeigt auf, dass die Bibel sehr viel­fäl­ti­ge Aussa­gen zu den Geschlech­tern macht: Zum Beispiel habe Gott in erster Linie Adam als Menschen geschaf­fen und nicht als Mann und daraus die Frau, wie das verkürzt in jahr­hun­der­te­lan­gen Bibel­aus­le­gun­gen wieder­ge­ge­ben wurde. Auch der Umgang mit den Geschlech­tern habe sich im Laufe der ­Kirchen­ge­schich­te gewan­delt (s. Inter­view S. 11). Der Apos­tel Paulus schrieb im Brief an die ­Gala­ter: «Es gibt nicht mehr Juden und Grie­chen, nicht Skla­ven und Freie, nicht männ­lich und weib­lich; denn ihr alle seid einer in Chris­tus Jesus.»

Trans­frau Aman­da gab offen und ehrlich Einbli­cke in ihre Geschich­te und den Umgang mit Vorurteilen.
Die Teil­neh­men­den schil­der­ten persön­li­che Erfah­run­gen aus ihrem Arbeits­all­tag in der kirch­li­chen Jugendarbeit.

Text: Stephan Sigg

Bild: Ana Kontoulis

Veröf­fent­licht: 28. Novem­ber 2022

«Immer wieder weiterentwickelt»

Gregor Emmen­eg­ger, Sie haben über die histo­ri­sche Entwick­lung der kirch­li­chen Haltung zu Geschlech­ter­fra­gen refe­riert. Die Kirche lehrt, es gibt Mann und Frau. Ist die Frage damit nicht schon beantwortet?

Im Gegen­teil – die Haltung der Kirche hat sich im Laufe der Jahr­hun­der­te immer wieder verän­dert. Die Idee, dass Mann und Frau sich dualis­tisch gegen­über­ste­hen, verbrei­tet sich erst ab dem 17. Jahrhundert.

Wie gingen denn die Kirche und die Theo­lo­gie im frühen Chris­ten­tum mit dem Thema um?

Wer von Geschlech­tern redet, denkt darüber nach, was Menschen verbin­det und was sie trennt. In der Anti­ke und im Mittel­al­ter wurden die Geschlechts­merk­ma­le nicht auf zwei Geschlech­ter hin inter­pre­tiert. Man ging davon aus, dass es nur ein Menschen­ge­schlecht gibt, in stär­ke­rer männ­li­cher und schwä­che­rer weib­li­cher Ausprä­gung, und ohne abso­lu­te Tren­nung dazwi­schen. Man reflek­tier­te so mit medi­zi­ni­schem Voka­bu­lar die Gesell­schafts­ver­hält­nis­se: Der Bauer unter­schied sich nicht sehr von der Bäue­rin, aber sehr vom Ritter. Im 17. Jahr­hun­dert verän­der­te sich das. Die Frau­en blie­ben zuneh­mend zu Hause, die Männer gingen auswärts arbei­ten. Ein neues gesell­schaft­li­ches Modell entwi­ckel­te sich und man gewann einen neuen Blick auf die Geschlech­ter. Auch in der Kirche und in der Medi­zin wurde seit­her die Diffe­renz der Geschlech­ter betont.

Die Gender-Diskussion wird heute oft emotio­nal geführt. Was lehrt uns der Blick in die Kirchengeschichte?

In den vergan­ge­nen Jahr­hun­der­ten hatte die Kirche im Umgang mit diesem Thema weni­ger Mühe. Die Viel­falt wurde nicht als Gefahr verstan­den. Es wäre eine Chan­ce, wenn die Kirche heute die Menschen in ihrer Viel­falt sehen lernt und diese Viel­falt als Mehr­wert versteht. (ssi)

In jedem Winkel ein Friedenslicht

Durch das ­Enga­ge­ment von Privat­per­so­nen und Pfadis ­gelangt das Friedens­licht bis in die Pfar­rei­en – etwa in die Pfar­rei St. Maria Neudorf in St. Gallen. Dort können alle, die möch­ten, das Licht mit nach Hause nehmen.

Für Millio­nen von Menschen in aller Welt ist das Frie­dens­licht aus Beth­le­hem eine wich­ti­ge Weih­nachts­tra­di­ti­on. In der Schweiz wird es bereits zum 30. Mal verteilt und weiter­ge­ge­ben. Woher kommt der Brauch? Wie gelangt das Licht in all die Kirchen in der Regi­on? Und wieso braucht es einen persön­li­chen Beitrag zu Dialog und Frieden?

15. Novem­ber 2022: ­Entzün­dung des Friedenslichts

«Jeder Mensch kann in seinem persön­li­chen Umfeld einen klei­nen Beitrag leis­ten, der von Herzen kommt und zu Herzen geht», sagt Walter Stäh­lin, Präsi­dent des Vereins Frie­dens­licht Schweiz. Die Friedenslicht-Aktion steht in der Schweiz in diesem Jahr daher unter dem Motto «Ein star­kes Zeichen». Stäh­lin sagt: «Wege zur Versöh­nung brau­chen oft Mut, zeigen aber auch Stär­ke.» In diesem Jahr kommt das Frie­dens­licht bereits zum 30. Mal in die Schweiz. Entzün­det in der Geburts­grot­te in Beth­le­hem, wird es als Zeichen des Frie­dens von Mensch zu Mensch weiter­ge­schenkt und bleibt dabei immer dassel­be Licht. Spezi­ell in diesem Jahr ist, dass der Verein Frie­dens­licht Schweiz Ende Novem­ber eine Reise durchs Heili­ge Land orga­ni­sier­te. Am 15. Novem­ber war Stäh­lin auch bei der Entzün­dung des Frie­dens­lichts in der Geburts­grot­te von Beth­le­hem dabei – dies auf die Einla­dung des ORF. Der öster­rei­chi­sche Fern­seh­sen­der hatte 1986 die Idee für diese Akti­on. Das Licht soll­te als Zeichen des Frie­dens an den Sinn von Weih­nach­ten erin­nern. Seit­her reist in jedem Jahr ein öster­rei­chi­sches Kind nach Beth­le­hem, um dort das Licht zu entzün­den und nach Öster­reich zu brin­gen. In diesem Jahr war das die 12-jährige Sarah Noska.

11. Dezem­ber 2022: Über Wien nach Zürich

Norma­ler­wei­se nehmen Pfadis und ande­re Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen aus verschie­de­nen Ländern das Frie­dens­licht in Wien entge­gen. Von dort aus reist die Schwei­zer Dele­ga­ti­on jeweils mit dem Zug zurück in die Schweiz. Um das Frie­dens­licht in der ÖBB und SBB trans­por­tie­ren zu dürfen, braucht es einen Spezi­al­be­häl­ter und eine Trans­port­be­wil­li­gung. In diesem Jahr läuft die Über­ga­be etwas anders ab: Zum Jubi­lä­um «30. Friedenslicht-Ankunft in der Schweiz» werden die Haupt­ver­ant­wort­li­chen des ORF zusam­men mit einer Film­crew das Frie­dens­licht am 11. Dezem­ber nach Zürich brin­gen. Dort wird es an Frie­dens­licht­kin­der über­ge­ben, die es zu den Haupt­stütz­punk­ten Basel, Fribourg, Luzern und Zürich brin­gen. An diesen Orten wird das Licht zeit­gleich um 17 Uhr umrahmt von einer klei­nen Feier allen Anwe­sen­den über­ge­ben. Auf diese Weise gelangt es in weite­re Städ­te und Dörfer in der ganzen Schweiz.

Ab 11. Dezem­ber 2022:In die ganze Ostschweiz verteilt

Seit 29 Jahren holt die St. Galle­rin Jda Gara­ven­ta das Frie­dens­licht jeweils in Zürich ab und bringt es mit dem Zug nach St. Gallen. Auf die Akti­on aufmerk­sam wurde sie durch eine Freun­din in Zürich, die mit ihrer Schul­klas­se das Frie­dens­licht abhol­te. «Das war in einem ganz klei­nen Rahmen. Nebst meiner Freun­din war nur noch ich dabei», sagt die 66-Jährige. Die Ankunft des Frie­dens­lich­tes berühr­te sie so, dass sie fort­an jedes Jahr nach Zürich reis­te. «Ich empfand Ehrfurcht vor dem Licht, das aus der Geburts­grot­te in Beth­le­hem kam. Zudem hat eines meiner drei Kinder eine Behin­de­rung. Da der Erlös der Akti­on unter ande­rem in Projek­te für Menschen mit einer Behin­de­rung fliesst, fühl­te ich mich sehr aufge­ho­ben», sagt sie. In den ersten zwölf Jahren benutz­te Jda Gara­ven­ta eine Petroll­am­pe, um das Licht trans­por­tie­ren zu können. Diese stell­te sie dann jeweils im Trep­pen­haus vor ihrer Wohnungs­tür auf. Wer woll­te, konn­te sich dort das Frie­dens­licht nach Hause holen. Seit eini­gen Jahren benutzt sie eine offi­zi­el­le Frie­dens­ker­ze und verteilt das Licht mit Hilfe ihres Freun­des­krei­ses an Stütz­punk­te, die ihr wich­tig sind wie die Kathe­dra­le, das Kantons­spi­tal, das inner­rho­di­sche Klos­ter Wonnen­stein und an den Bischof. Unter­stützt wird sie beim Abho­len und Vertei­len des Frie­dens­lich­tes immer von ihrem Mann Charles Gara­ven­ta und ihren drei Kindern. In diesem Jahr kommt das Frie­dens­licht am 11. Dezem­ber in St. Gallen an und wird in den folgen­den Tagen auch mit Hilfe eini­ger Pfadiab­tei­lun­gen in verschie­de­ne Pfar­rei­en verteilt. Jda Gara­ven­ta sagt: «Ich stau­ne jedes Jahr über dieses Licht, das mir so wich­tig gewor­den ist und so viele Menschen zu Tränen rührt.»

24. Dezem­ber 2022: Ein Licht für zuhause

Spätes­tens ab dem 24. Dezem­ber kann das Frie­dens­licht in einer Viel­zahl von Kirchen mit nach Hause genom­men werden. Infos dazu finden sich auch in den verschie­de­nen, regio­na­len Innen­tei­len des Pfar­rei­fo­rums. Nach­fol­gend sind eini­ge Beispie­le aufgelistet:

Kathe­dra­le St. Gallen

«Die Weih­nachts­bot­schaft vom Licht und vom Frie­den bewegt die Menschen sehr, beson­ders in dieser Zeit», sagt Dompfar­rer Beat Grög­li. «Mit dem Frie­dens­licht können sie etwas von dieser Hoff­nung mit nach Hause nehmen.» Am 24. Dezem­ber gibt es in der Kathe­dra­le um 14.30 Uhr eine Krip­pen­fei­er für Fami­li­en mit klei­nen Kindern. Um 17 Uhr folgt der Weih­nachts­got­tes­dienst mit Fami­li­en und für alle. «In diesen Feiern geben wir das Frie­dens­licht weiter. Danach steht die Later­ne mit dem Frie­dens­licht bei der Krip­pe. Alle können in den Weih­nachts­ta­gen bis Neujahr das Licht dort abho­len», sagt er.

Neudorf St. Gallen

«Die geseg­ne­ten Kerzen sind gefragt. Sie erin­nern an die Frie­dens­sehn­sucht und lassen viele für den Frie­den beten», sagt Hans­jörg Frick, Pfar­rei­be­auf­trag­ter St. Maria Neudorf. Er schätzt, dass rund 500 der offi­zi­el­len Frie­dens­licht­ker­zen, die in einem Korb bei der Krip­pe liegen, verkauft werden. Der Erlös geht an die Akti­on Frie­dens­licht. «Alle sind einge­la­den, bei Chris­tus, dem Licht der Welt, eine Frie­dens­ker­ze zu entzün­den», sagt er. In den kirch­li­chen Südos­ten der Stadt St. Gallen gelangt das Frie­dens­licht durch die Pfadi Fonta­na, die es entwe­der in Zürich oder in einer benach­bar­ten Pfar­rei abholt.

Walen­see

«Für viele Perso­nen ist das Frie­dens­licht in den vergan­ge­nen Jahren immer wich­ti­ger gewor­den», sagt Pavel Zupan, Pfar­rei­be­auf­trag­ter in Berschis-Tscherlach. «Und gera­de in diesem Jahr ist das Bewusst­sein dafür, wie zerbrech­lich Frie­den ist, wegen des Kriegs in der Ukrai­ne stark. Ich rech­ne daher damit, dass sich noch mehr Perso­nen als sonst das Frie­dens­licht nach Hause holen werden. Darun­ter werden vermut­lich auch viele sein, die keinen star­ken Bezug zur Kirche haben.» ­Spätes­tens an Weih­nach­ten steht das Frie­dens­licht in jeder Pfarr­kir­che der Seel­sor­ge­ein­heit Walen­see bereit.

Werden­berg

«Das Frie­dens­licht bedeu­tet vielen Menschen viel, zumal es eine emotio­na­le Verbin­dung zu Beth­le­hem herstellt», sagt Erich Gunt­li, Pfar­rer der Seel­sor­ge­ein­heit Werden­berg. Das Frie­dens­licht gelangt via Bad Ragaz in die ganze Seel­sor­ge­ein­heit. «Die gros­se Friedenslicht-Kerze steht ab dem Morgen des Heilig­abends in den Kirchen. Dort können sich alle das Licht nach Hause ­holen», sagt er.

Toggen­burg

«Wir holen das Frie­dens­licht für unse­re Seel­sor­ge­ein­heit Unte­res Toggen­burg selbst in Zürich ab», sagt Pfar­rer Josef Manser. Alle, die möch­ten, könn­ten ihn als Vertre­ter des Pasto­ral­teams auf der Bahn­rei­se am 11. Dezem­ber nach und von Zürich ­zurück beglei­ten. «Am 13. Dezem­ber um 9 Uhr feiern wir das Frie­dens­licht in der Kirche St. Kili­an in Bütschwil im Gottes­dienst. Dort bleibt es bis zum 8. Janu­ar», sagt Josef Manser.

Das Frie­dens­licht in der Kirche St. Kili­an in Bütschwil. 

Text: Nina Rudnicki

Bild: Benja­min Manser

Veröf­fent­li­chung: 22. Novem­ber 2022

Ein Frustrierter bricht auf

Inspi­riert durch Pilge­rin­nen und Pilger und deren Erleb­nis­se hat die Rorscha­che­rin ­Beatri­ce Mock das ­Thea­ter­stück ­«#JAKOB S WEG – ein Pilger­stück» geschrie­ben. Die Komö­die ­beleuch­tet die unter­schied­li­chen Pilger-Beweggründe. Im Novem­ber ist Premiere. 

Die Theo­lo­gin und Thea­ter­schaf­fen­de Beatri­ce Mock wurde vom Verein Pilger­her­ber­ge Sankt Gallen ange­fragt, ein Pilger­thea­ter zu entwi­ckeln. «Ein Stück zwischen Klamauk, Komö­die und spiri­tu­el­lem Gebet, etwa so laute­te der Auftrag», erklärt Beatri­ce Mock mit Schalk in ihrer Stim­me. Von Seite des Vereins Pilger­her­ber­ge sagt Erika Pert­zel, Ideen­ge­be­rin und OK-Präsidentin für das Pilger­thea­ter: «Wir möch­ten bewusst auch Leute ausser­halb der Pilger-Szene anspre­chen und die Pilge­rei noch bekann­ter machen.»

Stephan Bitsch spielt die Haupt­rol­le Ambros.

Eine intel­lek­tu­el­le Reise

Mock hat den Jakobs­weg noch nicht unter die eige­nen Füsse genom­men, dennoch ist sie faszi­niert vom Pilgern. «Wir alle sind stän­dig unter­wegs von einem Ort zum andern, von einer Szene zur nächs­ten. Beim Pilgern möch­ten viele den Alltag hinter sich lassen und sich neu besin­nen.» Bei ihrer inten­si­ven Recher­che hat sie erstaun­li­che Eindrü­cke und Fakten über das Pilgern erhal­ten und rasch gemerkt, dass die Asso­zia­tio­nen zum Pilgern sehr viel­sei­tig sind. Nach der Lektü­re von Studi­en und Büchern folg­te der prak­ti­sche Teil: An fünf Tref­fen mit Bekann­ten aus ihrer «Theater-Bubble» und Jakobsweg-Interessierten hat sie indi­vi­du­el­le Erfah­run­gen und Ansich­ten von Pilgern­den und Ange­hö­ri­gen einge­holt. Sie haben disku­tiert, warum sich jemand auf eine Pilger­rei­se begibt und was das Gehen auslöst. Eine wich­ti­ge Inspi­ra­ti­ons­quel­le war auch die Ausstel­lung von Johann Kralew­ski mit 17 lebens­gros­sen Skulp­tu­ren. Das Credo des Künst­lers laute­te: «Ich will bewe­gen, dies gilt sowohl auf körper­li­cher Ebene wie auch in intel­lek­tu­el­ler Hinsicht.» Ihre gesam­mel­ten Inputs hat Mock zu einer Geschich­te verar­bei­tet. Das fina­le Dreh­buch schrieb sie in Vezelay – einem male­ri­schen Dorf im fran­zö­si­schen Burgund, wo Pilgern­de aus ganz Euro­pa vorbei­zie­hen. «Durch einen Facebook-Post bin ich zu einer Unter­kunft an diesem Pilger-Hotspot gekom­men», sagt Mock. 

Beatri­ce Mock hat das Stück geschrie­ben und sie wirkt auch als Regis­seu­rin mit.

Hash­tag bedeu­tet Stress

Nicht selten ist eine Krise der Auslö­ser für eine Pilger­rei­se. So auch beim Haupt­dar­stel­ler Ambros. Er ist ein Jour­na­list der alten Schu­le, der mit seiner geplan­ten Story «Jakob ist weg» versagt. Frus­triert über den ober­fläch­li­chen und schnell­le­bi­gen Online-Journalismus, bricht er aus seinem Hams­ter­rad aus und geht auf den Jakobs­weg. Ange­spro­chen auf den Hash­tag im Titel des Stückes, erklärt Mock: «Damit symbo­li­sie­ren wir die moder­ne Welt des Jour­na­lis­mus, die Jagd nach «Klicks» und «Views» als Kontrast zur seriö­sen, fakten­ori­en­tier­ten Bericht­erstat­tung, wie sie unser Ambros betreibt.» Im Stück spie­len zwei weite­re pilgern­de Figu­ren mit: eine älte­re Dame, die ihre Reise auf dem Jakobs­weg als spiri­tu­el­le Schluss­auf­ga­be vor dem Tod sieht und eine junge Bike-Pilgerin, die stän­dig neue, aben­teu­er­li­che Trails sucht. «Viele pilgern heute aus sehr unter­schied­li­chen Beweg­grün­den, das wollen wir mit diesem Thea­ter aufgrei­fen. Die Fragen rund um das Thema Pilgern sind sehr mensch­lich, aktu­ell und kultur­über­grei­fend.» Ob sie auch reli­giö­ser Natur sind, über­las­se sie dem Publikum. 

Das Ensem­ble probt einmal bis zwei Mal pro Woche in Rorschach.

Keine einfa­che Hauptrolle

Das Theater-Ensemble besteht aus sechs Laien-Schauspielende und einer profes­sio­nel­len Spre­che­rin. «Die gröss­te Heraus­for­de­rung besteht darin, passen­de Proben­ter­mi­ne zu finden», gesteht Mock. Für Stephan Bitsch, der die Haupt­rol­le Ambros spielt, bedeu­ten die ein- bis zwei­mal wöchent­li­chen Proben und die Ausein­an­der­set­zung mit der Rolle einen gros­sen Zeit­auf­wand. Er selbst arbei­tet als Sozi­al­päd­ago­ge und hat vor sechs Jahren die Ausbil­dung zum Thea­ter­päd­ago­gen absol­viert. Er freut sich, mit dieser Rolle nun auch Bühnen­er­fah­rung als Schau­spie­ler sammeln zu können: «Es ist aller­dings keine einfa­che Rolle, ich muss­te mich zuerst in die Gefühls­la­ge des frus­trier­ten Typen in seiner Lebens­kri­se hinein­ver­set­zen bis ich merk­te, dass ein klei­ner Teil in mir auch unzu­frie­den ist. In der Rolle kann ich nun diese eige­ne Unzu­frie­den­heit ausle­ben, was sehr befrei­end ist. Gleich­zei­tig bin ich froh, dass Ambros in diesem Stück auch eine Wand­lung durch­macht.» Pilgern kennt Bitsch aus eige­ner Erfah­rung: «Ich war schon drei­mal auf dem Pilger­weg in der Schweiz, einmal auch fastend, was das Erleb­nis noch inten­si­ver mach­te». Die Auffüh­run­gen im Novem­ber sollen erst der Anfang sein, die Thea­ter­crew will mit ihrem Stück auf Tour gehen.

Das Theater-Ensemble besteht aus sechs Laien-Schauspielende und einer profes­sio­nel­len Sprecherin

Weite­re Infos Pilgertheater

Text: Katja Hongler

Bilder: Ana Kontoulis

Veröf­fent­licht: 14.11.2022

«Den anderen nicht besiegen»

Was tun, wenn sich ein Kind weigert, in die Schu­le zu gehen? Und wie soll man mit ­respekt­lo­sem Verhal­ten umge­hen? Schul­ex­per­te Stefan Gander spricht im Inter­view darüber, wie Erwach­se­ne und Lehr­per­so­nen in solchen Situa­tio­nen reagie­ren können.

Erzie­hen war nie schwie­ri­ger als heute: Stimmt das und ­wieso entsteht dieser Eindruck?

Stefan Gander: Mit solchen pauscha­len Aussa­gen habe ich Mühe. Jede Genera­ti­on hat ande­re und neue Heraus­for­de­run­gen. Wir befin­den uns derzeit in einer unbe­stän­di­gen Zeit. Alles ist unsi­cher und von der steten Verfüg­bar­keit geprägt. Die Jugend­li­chen haben durch die sozia­len Medi­en immer das Gefühl, etwas verpas­sen zu können. Ein weite­rer Punkt ist, dass wir heute stark geprägt sind vom Wort «sofort». Warten fällt uns schwer. Gera­de Jugend­li­che wollen dort sein, wo etwas passiert. Sich darauf einlas­sen, ist aber schwie­rig, weil an einem ande­ren Ort ja gleich­zei­tig auch etwas passiert.

Führt das dazu, dass wir keine Gren­zen mehr kennen? Und die Lehr­per­so­nen können dann ausba­den, was zuhau­se in der Erzie­hung versäumt wurde?

Stefan Gander: Das kann ich so nicht bestä­ti­gen. Es gibt nicht einfach Die Jugend­li­chen, Die Eltern oder Die Lehr­per­so­nen. Es gibt ganz viele gelin­gen­de und posi­ti­ve Beispie­le, Fami­li­en, Bezie­hun­gen und so weiter. Als Eltern wie auch als Lehr­per­so­nen kann man aber in Situa­tio­nen gera­ten, in denen man nicht mehr weiter weiss und sich ohnmäch­tig fühlt. Dieses Gefühl der Ohnmacht könn­te man viel­leicht mit dem Vorwurf gleich­set­zen, dass Kinder und Jugend­li­che heute keine Gren­zen mehr kennen würden.

Hier setzt die Metho­de der Neuen Auto­ri­tät an, nach der Sie an Ihren Schu­len arbei­ten. Worum handelt es sich dabei?

Stefan Gander: Die Neue Auto­ri­tät des israe­li­schen Psycho­lo­gen Haim Omer ist in den 1990er-Jahren dadurch entstan­den, dass er die Hilf­lo­sig­keit von Eltern im Gaza­strei­fen wahr­nahm. Es handelt sich dabei um eine Extrem­si­tua­ti­on ohne Zukunfts­per­spek­ti­ven oder Hoff­nung für die Jugend­li­chen. Drogen und Banden wurden unter den Jugend­li­chen ein gros­ses Thema. Allen Eltern war gemein­sam, dass sie eben in diese Ohnmacht gerie­ten. Die Neue Auto­ri­tät ist darauf ein Stück weit eine Antwort. Ich verwen­de heute lieber den Begriff der Verbin­den­den Auto­ri­tät nach Elia­ne Wieben­ga, da er zeit­ge­mäs­ser und meiner Meinung nach zutref­fen­der ist.

Lehr­per­so­nen sind für Stefan Gander, Bereichs­lei­ter Förder­an­ge­bo­te Verein tipi­ti, wie gute Gast­ge­ber. Ein Gast­ge­ber dürfe verlan­gen, dass man die ­Füsse nicht auf den Tisch lege. Ein Gast­geber sei aber auch als erster vor Ort.

Wann fingen Sie an, nach ­diesem Ansatz zu arbeiten?

Stefan Gander: 1996 grün­de­te ich mit der SBW Haus des Lernens Heri­s­au meine erste Privat­schu­le mit. 2005 entdeck­te ich die Metho­de von Haim Omer und merk­te, dass er syste­ma­tisch fest­ge­hal­ten hatte, was wir in den Jahren zuvor schon umge­setzt hatten. Durch Haim Omer hatten wir eine tref­fen­de Spra­che für unse­re Haltung gefun­den. Ziel ist es, als Lehr­per­son in fest­ge­fah­re­nen Situa­tio­nen wieder hand­lungs­fä­hig zu werden. Ich verglei­che Lehr­per­so­nen oft mit einem guten Gast­ge­ber. Ein Gast­ge­ber darf verlan­gen, dass man die Füsse nicht auf den Tisch legt. Ein guter Gast­ge­ber ist aber beispiels­wei­se auch immer als erster vor Ort. Man kann seine Klas­se nicht ins Schul­zim­mer rennen lassen, selbst erst fünf Minu­ten später hinzu­kom­men und erwar­ten, dass das funk­tio­niert. Dann ist die Präsenz nicht da, eine der wich­tigs­ten Grund­la­gen der Verbin­den­den Autorität.

Haben Sie ein weite­res ­Beispiel, wie man Konflik­te mit Kindern und Jugend­li­chen löst?

Stefan Gander: Nehmen wir das Beispiel eines Kindes, das sich weigert, in die Schu­le zu gehen. Das ist ein Problem, das nicht selten vorkommt. In erster Linie bestär­ken wir die Eltern dann darin, eine klare Haltung einzu­neh­men und sich selbst zu kontrol­lie­ren. Das sind eben­falls Elemen­te der Verbin­den­den Auto­ri­tät. In einem zwei­ten Schritt geht es darum, das Netz­werk zu akti­vie­ren. Dazu können beispiels­wei­se die Gross­el­tern, Freun­de oder Lehr­per­so­nen gehö­ren. Einmal mach­ten wir in einem solchen Fall einen Plan, wer an welchem Tag morgens das Kind abholt und dabei klar und liebe­voll beharrt, dass es mitkommt. Zehn Tage funk­tio­nier­te das nicht. Am elften Tag ging das Kind mit dem Gross­va­ter mit zur Schule.

Es geht also darum, bei einer klaren Haltung zu blei­ben und die Last auf verschie­de­nen Schul­tern zu tragen?

Stefan Gander: Ja. Es ist aber immer wich­tig, zwischen dem Verhal­ten und dem Kind als Person zu unter­schei­den: «Dich als Toch­ter lieben wir. Dein Verhal­ten können wir aber nicht akzep­tie­ren.» Das trifft gera­de auch bei respekt­lo­sem Verhal­ten zu. Hilf­reich ist, sich zunächst auf einen einzi­gen Punkt zu konzen­trie­ren, den man ändern möch­te und dass man dabei beharr­lich bei seinem Stand­punkt bleibt. Verhal­tens­än­de­run­gen brau­chen Zeit. Es nützt nichts, wenn man sagt, wenn du jetzt nicht das oder das machst, darfst du nicht in den Ausgang. Und man muss immer in der Bezie­hung zum Kind blei­ben. Als Erwach­se­ne sind wir dafür verant­wort­lich, immer wieder Bezie­hungs­an­ge­bo­te zu machen. Darin liegt die Kunst: Man muss in der Bezie­hung zum Kind blei­ben und Präsenz zeigen, gleich­zei­tig aber das stören­de Verhal­ten klar benen­nen. Indem man als Erwach­se­ner in seiner Haltung deut­li­cher wird, verän­dert sich das Verhal­ten eines Kindes.

Ist das Bewusst­sein für diese Erzie­hungs­me­tho­de nicht schon längst Alltag?

Stefan Gander: Das Bewusst­sein für diese Metho­de ist defi­ni­tiv vorhan­den. Manch­mal fehlen einem aber Hand­lungs­in­stru­men­te. Ich werde häufig von unter­schied­lichs­ten Schu­len ange­fragt, Refe­ra­te zu halten oder Weiter­bil­dun­gen zu geben. Eini­ge Schu­len beglei­te ich mit einem Team während eines ganzen Jahres, um den Ansatz der Verbin­den­den Auto­ri­tät umzu­set­zen. Im Zentrum steht immer die Frage, wie ich meine Haltung aufzei­gen kann, ohne den ande­ren zu besie­gen. Eines der wich­tigs­ten Bücher von Haim Omer heisst «Stär­ke statt Macht». Das trifft, worum es geht.

Vortrag an flade

Am 15. Novem­ber sind alle Inter­es­sier­ten zu einem Vortrags­abend der flade, der ­katho­li­schen Kantons­se­kun­dar­schu­le St. Gallen, einge­la­den. An dem tradi­tio­nel­len Bildungs­an­lass mit anschlies­sen­dem Apéro spricht Stefan Gander, ­Bereichs­lei­ter Förder­an­ge­bo­te Verein ­tipi­ti, zum Thema «Verbin­den­de Auto­ri­tät – durch Präsenz und Bezie­hung». Im Fokus steht, wie Eltern und Lehr­personen regel­mäs­sig mit unge­wöhn­li­chen oder destruk­ti­ven Verhal­tens­wei­sen von ­Jugend­li­chen konfron­tiert sind und welche Art von Auto­ri­tät dies erfor­dert.

→ 15. Novem­ber, 19 Uhr, Schutzengel­kapelle, Klos­ter­hof 2, St. Gallen

Text: Nina Rudnicki

Bilder: zVg.

Veröf­fen­li­chung: 7. Novem­ber 2022

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