11.11. um 11:11

Erich Guntli, Pfarrer der Seelsorgeeinheit Werdenberg (Bild: zVg)

Kaum ist das Bet-Läuten um 11 Uhr zu Ende, ertönt vom Rathausplatz her am 11.11. um 11 Uhr 11 dröhnende Blasmusik, Guggenmusik.

Mitte des 20. Jahrhunderts schwappte dieser Brauch aus dem Rheinland in die Schweiz und Österreich herüber. Die «fünfte Jahreszeit» beginnt: Fasnacht.

Von der Antike bis ins Mittelalter soll die Zahl 11 als Narrenzahl gegolten haben. 1 mehr als die 10 der Gebote Gottes; Zeichen der Ausgelassenheit, Masslosigkeit und Sünde. Der 11.11. ist auch der Gedenktag des hl. Martin von Tours. Bekannt ist er aus der Erzählung, wie er vor den Toren von Amiens seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Darauf erschien ihm Christus und bedankte sich. Schliesslich wurde er Bischof von Tours.

 

Das Närrische und das Heilige

Das Närrische und das Heilige liegen oft nahe beieinander. Martin war Soldat und quittierte den Dienst an der kaiserlichen Garde, als er Frieden in Christus fand. Am 11.11.1918 trat der Waffenstillstand nach dem 1. Weltkrieg in Kraft. Der Streit darüber, wie Frieden werden soll, dauert an. Rechtfertigungen für neue Kriege werden schnell gefunden, Opfer in Kauf genommen.

 

Wer heute vom Frieden spricht, gilt als Narr. Schämen wir uns nicht Narren in Christus zu sein, wie es der hl. Martin war, und übertönen wir das Kriegstreiben unserer Zeit mit Guggenmusik.

 

Text: Erich Guntli, Pfarrer der Seelsorgeeinheit Werdenberg

Veröffentlichung: 15.10.2026