Aus einem Chatverlauf von jungen Leuten: Er: «Ich habe keinen Bock, etwas zu unternehmen. Ich bleib lieber zu Hause.» Sie: «RIP»
Immer wieder begegne ich im Bereich der digitalen Kommunikation Abkürzungen. Sie werden verwendet, um bei wenig Platz und Zeit eine kurze Botschaft mitzuteilen. Die Buchstaben MFG (Mit freundlichem Gruss), LOL (lautes Lachen) OMG (Oh, mein Gott) sind Beispiele dafür. Oder eben auch RIP.
Die junge Frau, die mir von dem Chat erzählte, kannte die Bedeutung der drei Buchstaben: Rest In Peace (Ruhe in Frieden).
Die Abkürzung wurde schon Jahrhunderte vor den sozialen Medien verwendet. Ihr ursprünglicher Verwendungsort war der Grabstein. RIP sind die Anfangsbuchstaben vom lateinischen Satz «Requiescat in pace» (er/sie ruhe in Frieden). Es ist eine Bitte, die Teil der katholischen Beerdigungsliturgie ist: «O Herr, gib ihm/ihr die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihm/ihr. Lass ihn/sie ruhen in Frieden.»
Betroffenheit teilen
Es ist ein zutiefst menschliches Anliegen – auch im Bereich der sozialen Medien –, die Nachricht des Ablebens eines Menschen anderen mitzuteilen, die Trauer miteinander zu teilen oder die Betroffenheit über ein Unglück.
Ob der Papst stirbt, ein Schauspieler, ein Popstar, eine Lehrperson, ein Bekannter, ein guter Freund, eine Person, mit der ich ein Stück meines Lebens verbinde, eine solche Nachricht lässt mich innehalten. Ich möchte darauf reagieren. Und weil ich nicht so wortgewandt bin wie andere oder gerade nicht die notwendige Zeit dafür habe, mache ich es so wie viele anderen. Ich kommentiere die Nachricht einfach mit diesen drei Buchstaben RIP (Ruhe in Frieden):
Ruhe: Nichts mehr machen müssen. Nicht mehr kämpfen müssen. Ausruhen von allem, was mich belastet hat …
Frieden: Meinen Frieden gefunden haben. Mein Leben gut sein lassen … Wenn ich noch das Emoji, welches gefaltete Hände zeigt, anhänge, wird offenkundig, dass ich diesen Wunsch als an Gott gerichtet verstehe: In Seine Ruhe kehrt der Mensch heim. In Seinem Frieden (Schalom) ist der Mensch ganz heil.
LIF – Leben in Fülle
Der Schweizer Benediktiner und ehemalige Abt des Klosters Einsiedeln, Pater Martin Werlen, meinte einmal sinngemäss an einem Gottesdienst in St. Gerold: «Meine Vorstellung vom Leben nach dem Tod ist nicht ‹Ruhe in Frieden›, nicht endlose Ruhe, sondern Leben in Fülle mit allem, was dazu gehört.» Im Sinne unseres christlichen Auferstehungsglaubens (vgl. Joh 10,10) könnte man darum auf Social Media auch eine andere Abkürzung verwenden. Zum Beispiel: LIA (engl. Life in abundance) oder LIF (dt. Leben in Fülle).
Text: Gabi Ceric, Seelsorgerin
Leserfragen an info@pfarreiforum.ch

Text: Gabi Ceric
Bild: Regina Kühne
Veröffentlichung: 8. Juli 2025