Zu einer Pilgerreise aufbrechen

Zwischenrast: Anlässlich der traditionellen und regionalen Feier zum Jakobustag am 25. Juli sind die Pilgerinnen und Pilger zu Fuss von Flawil über Herisau zur evangelischen Pfarrkirche in Bruggen in St. Gallen gepilgert. (Bild: zVg)

Sommerserie (3/3): In der Pilgerherberge St. Gallen nimmt Brigitte ­Hungerbühler eine Flasche Pilgerwein aus dem Regal. «Alles was wir als Verein einnehmen, soll den Pilgerinnen und Pilgern wieder zugutekommen», sagt sie.

«Daher haben wir auch unseren eigenen Wein», sagt Brigitte Hungerbühler und erwähnt den Jakobustag Ende Juli: Bratwürste, der Wein und andere Getränke würden jene Pilgerinnen und Pilger am Ende des Tages stärken, die anlässlich der traditionellen und regionalen Feier zum Jakobustag zu Fuss von Flawil über Herisau zur evangelischen Pfarrkirche in Bruggen in St. Gallen gepilgert wären. Das Schönste an solchen Anlässen sei, alte Bekannte zu treffen und sich mit Gleichgesinnten übers Pilgern auszutauschen.

Die Pilgerherberge St.Gallen hat einen eigenen Pilgerwein. (Bild: Ana Kontoulis)
Alles, was der Verein Pilgerherberge St.Gallen einnimmt, wie etwa durch den Verkauf der Pilgerpässe, kommt am Ende wieder den Pilgerinnen und Pilgern zugute. (Bild: Ana Kontoulis)

Die Sinne schulen

Vom Weitwanderer zum Pilger: Am Jakobustag als Pilgerseelsorger mit dabei ist Bruno Fluder. Er erzählt, wieso er sich vor rund einem Jahr entschieden hat, sein seine Leidenschaft fürs Wandern zum Beruf zu machen und die Stelle als Pilgerseelsorger anzutreten. Seither ist er auch im Vereinsvorstand der Pilgerherberge. «Wer zu Fuss und über weite Strecken unterwegs ist, nimmt seine Umgebung und somit auch seinen Körper anders wahr» sagt er. «Schmecken, Riechen, Fühlen, Hören und Sehen bekommen eine andere Bedeutung. Zudem ist man als Pilgernder offener für Begegnungen und übt sich durchs Unterwegssein in Zuversicht.» Viele Personen würden sich gerade in Lebensumbrüchen oder in Krisen auf eine Pilgerreise begeben. Auch Bruno Fluder selbst hat sich als Vorbereitung auf die neue Stelle als Übergangsritual für zwei Wegstücke auf dem Columbanweg entschieden, einmal in Frankreich von Luxeuil-les-Bains nach Dole und einmal ab dem Malojapass nach Lecco in Italien. «Wobei das eigentliche Ziel ja immer der Weg und nicht ein bestimmter Ort ist.»

 

Nebst dem berühmten Jakobsweg führen auch der etwas unbekanntere Columbanweg oder die Via Francisca durch St.Gallen. (Bild: zVg)

Eine Einladung, aufzubrechen

An der Jakobsfeier in Bruggen ist es für einmal umgekehrt: Rund 70 Personen feiern nach der eintägigen Pilgerreise ihr Ankommen zusammen in der Kirche. Dazu gehören jene zwanzig Personen, die den ganzen Weg zurückgelegt haben, sowie alle übrigen, die einfach zum Anstossen und für den Gottesdienst vorbeigekommen sind. «Das spannendste für mich ist auch nach einem Jahr als Pilgerseelsorger immer noch, die Gemeinschaft der Pilgerinnen und Pilger kennenzulernen, die in der Region aus mehreren hundert Personen besteht», sagt Bruno Fluder. Ein Anliegen ist es ihm ausserdem, die Vielfalt an Pilgerwegen aufzuzeigen. «Alleine durch St. Gallen führen nebst dem berühmten Jakobsweg der etwas unbekanntere Columbanweg oder die Via Francisca», sagt er. Wieso das also nicht als Einladung verstehen, einfach einmal aufzubrechen?

 

Text: Nina Rudnicki

Veröffentlichung: 15.08.2026