Der Nescafé und frische Beeren stehen auf einem Picknicktisch an der Uferpromenade in Walenstadt bereit. «Heute sind wir eine kleinere Gruppe, weil es kurz vor den Sommerferien ist», sagt Romana Králová, die in Walenstadt den Frauentreff der Stiftung Mintegra leitet. Sie stammt aus Tschechien, hat dort Heilpädagogik studiert und weiss, wie es ist, in einem anderen Land beruflich und sozial neu anzufangen. Sie zog vor 20 Jahren zusammen mit ihrem damaligen Mann in die Schweiz, der eine Stelle in der Rehaklinik Walenstadtberg bekommen hatte. «Die Sprache und ein Netzwerk sind wichtig, um hier Fuss zu fassen», sagt sie. «Indem ich den Frauentreff leite, kann ich meine Erfahrungen weitergeben.»
Unkompliziert üben
Nach und nach trudeln die Frauen ein: Suvada aus Bosnien lebt seit elf Jahren in der Region und kam mit ihrer Familie wegen der Arbeit in die Schweiz. Elena aus Russland zog vor vier Jahren mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern wegen eines Jobs hierher. «Wir haben zuvor in Bali gelebt und gearbeitet und kannten die Schweiz nur von den Ferien», sagt sie. Katarzyna aus Polen kam vor Kurzem ebenfalls wegen eines Jobs ihres Partners in die Schweiz. «Ich habe bisher viele Deutschkurse besucht und viel Grammatik gelernt», sagt sie. «An den Frauentreffs kann ich unkompliziert üben, deutsch zu reden.» Marianne hingegen stammt aus der Region und ist bei fast jedem Frauentreff dabei. Sie hat früher bei der karitativen Foodsave-Organisation «Tischlein deck dich» mitgeholfen, die sich die Räume mit dem Frauentreff im Pfarreizentrum in Walenstadt teilt. «So haben wir uns kennengelernt«, sagt sie. «Finde eine neue Wohnung für Marianne, das ist eine Mission, bei der wir uns gerade unterstützen», sagt Katarzyna aus Polen. Die Frauen tauschen via Whatsapp Inserate aus. Manchmal besuchen sie zusammen auch Veranstaltungen wie ein Orgelkonzert von Elena.
In die alte Heimat?
An diesem Vormittag reden die Frauen über künstliche Intelligenz und darüber, ob diese ein guter Gesprächspartner sein kann, etwa in Momenten, in denen man sich alleine fühlt. Sie erzählen, wie sie vom Frauentreff erfahren haben – fast alle von ihnen über Mund-zu-Mund-Propaganda. Und da ist die Frage, ob man einmal ins Heimatland zurückgehen möchte. Suvada aus Bosnien schüttelt den Kopf, als wir über eine Fernseh-Reportage reden, die Schweizerinnen und Schweizer mit bosnischen Wurzeln in zweiter oder dritter Generation bei der Rückkehr ins Land ihrer Eltern und Grosseltern begleitete. Suvada sagt: «Ich weiss nicht, ob das eine gute Idee ist. Als Auswanderer nimmt man immer viel auf sich.»