Meine Sicht: Im Sturm

Schwester M. Monja Schnider, Schönstatt Marienschwester in Quarten und Klinikseelsorgerin. (Bild: zVg)

Als Klinikseelsorgerin sitze ich an Spitalbetten und teile Momente grosser Verletzlichkeit.

Wenn das Gespräch tiefer geht, begegnet mir regelmässig dieselbe schmerzhafte Frage: «Ich habe Zweifel – wie kann Gott all die Kriege und die Zerstörung in der Welt zulassen?» Es ist eine Frage, die mich selbst nie kaltlässt. Sie entspringt einer tiefen Sehnsucht nach einem Frieden, den diese Welt im Grossen wie im Kleinen tatsächlich vermissen lässt. Unsere menschlichen Rezepte – politische Kompromisse oder Verträge – erweisen sich im Angesicht aktueller Krisen als erschreckend brüchig.

 

In genau diese Ohnmacht hinein vernehme ich das Wort Jesu wie einen Weckruf: «Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.» (Joh 14,27). Diese Zusage höre ich in jeder heiligen Messe. Wenn wir uns im Gottesdienst den Friedensgruss zusprechen, ist das nicht mein Friede. Wir sprechen uns den Frieden Jesu zu – den Frieden Gottes, den nur er geben kann. Er verspricht kein plötzliches Ende aller Stürme, sondern einen inneren Anker gegen Angst und Hass. Das ist mir so wichtig geworden. Deshalb sage ich in Mundart beim Friedensgruss gerne: «I wünsch dir de Friede Gottes!» oder «I wünsch dir de Friede Jesu!»

 

Wie dieser göttliche Friede wirkt, zeigt uns der heilige Bruder Klaus von Flüe, dessen Fest wir am 25. September feiern. Mitten im Verhandlungssturm von Stans wurde der Einsiedler zum besonnenen Friedensstifter, weil er wusste: «Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede. Und Gott, der der Friede ist, kann nicht zerstört werden.» In seinem Gebet «Mein Herr und mein Gott» setzt er in seinem Leben radikal alles auf Gott – er erfährt: Ganz in ihm zu leben, heisst im Frieden mit sich und der Welt zu sein. Wer innerlich nicht mehr von Angst getrieben ist, gewinnt Raum, um anderen unvoreingenommen zu begegnen. Wenn unser Herz befriedet ist, können wir gütig bleiben, einander zuhören und Brücken bauen. Ein solches Miteinander im Kleinen trägt letztlich zum Frieden im ganzen Land bei. Diesen Frieden müssen wir nicht aus eigener Kraft erzwingen – wir dürfen ihn uns immer wieder zusprechen lassen. In diesem Sinn wünsche ich uns ein zufriedenes Herz und Frieden – einen Frieden, den nur Gott uns schenken kann.

 

Text: Schwester M. Monja Schnider, Schönstatt Marienschwester in Quarten und Klinikseelsorgerin

Veröffentlichung: 13.08.2026