«Wer Fragen stellt, geht mit offenen Sinnen durchs Leben», sagt Silvan Hollenstein. Er ist Seelsorger in der Seelsorgeeinheit Magdenau und hat zusammen mit Pfarrer Markus Schöbi das Diskussionsformat «zämä sophierä» gestartet. «Zämä steht für zusammen und sophierä für die Weisheit suchen, also zusammen das Weise suchen», sagt Silvan Hollenstein. Das klappe am besten an Orten, an denen sich der Alltag abspiele: In einem Restaurant in Degersheim wie im vergangenen Frühling, an einer Feuerstelle in Flawil wie im Sommer, in der Kirche in Niederglatt am kommenden 9. September und in einer Lounge in Wolfertswil am 18. November.
Antworten gemeinsam suchen
«Ist Zweifeln erlaubt? Wieso schwindet der Glaube? Was sollen wir von künstlicher Intelligenz halten? Was dürfen wir loslassen? Wer bin ich?» Markus Schöbi sagt: «Während der Gottesdienste habe ich gemerkt, wie viele Fragen die Menschen haben und wie spannend es wäre, diese in einem separaten Format aufgreifen zu können.» Dasselbe stellte Silvan Hollenstein während seines Angebots «Zämägang», also gemeinsame Spaziergänge, und am Mittagstisch «zämä esse» fest. «Wer Fragen stellt und sich offen auf Diskussionen und andere Meinungen einlässt, der nimmt daraus immer etwas für sich selbst mit», sagt er.
Zuhören, andere Ansichten aushalten, mit einem direkten Gegenüber diskutieren: Das sind Dinge, die gerade in Zeiten der sozialen Medien und der Verlagerung von zwischenmenschlichen Begegnungen in den digitalen Raum in den Hintergrund geraten. Silvan Hollenstein und Markus Schöbi haben sich daher bewusst für «zämä sophierä», für die synodale Gesprächskultur entschieden. Synodal bedeutet, gemeinsam unterwegs zu sein, und geht im aktuellen Kontext auf Papst Franziskus und sein Anliegen zurück, die Kirche als Gemeinschaft zu stärken, in der sich alle Beteiligten einbringen können. Bei «zämä sophierä» haben zunächst alle die Möglichkeit, nacheinander und gleich lang, ihre Meinung zu einer Frage zu äussern. «Wir hören einander mit Respekt und Offenheit zu und unterbrechen einander nicht», sagt Silvan Hollenstein. Je nach Anzahl werden die Teilnehmenden dabei in zwei Gruppen aufgeteilt. Danach folgt ein Austausch in grosser Runde. «Unser Ziel ist es nicht, fixe Antworten zu liefern, sondern uns auf eine gemeinsame Suche einzulassen.»
Konstruktiv zur Teamsitzung
Die Fragen bringen die Teilnehmenden selbst mit. Ergänzend sammeln Markus Schöbi und Silvan Hollenstein die Fragen aus der Bevölkerung in Briefkästen, die in den vier Kirchen der Seelsorgeeinheit aufgestellt sind. Sich auf einen Perspektivenwechsel und sich auf vielleicht überraschende Ansichten anderer Personen einzulassen, tue allen gut, sind die beiden überzeugt. Zudem bringe das Ganze auch einen praktischen Nutzen. «Wir haben festgestellt, dass wir bei unseren Teamsitzungen und im Arbeitsalltag offener und konstruktiver miteinander diskutieren und umgehen, seit wir ‹zämä sophierä› anbieten», sagt Silvan Hollenstein. «Das ist ein wirklich guter Effekt.» Gefreut hat die beiden auch die Rückmeldung einer Teilnehmerin, die die beiden im Vorfeld nicht kannten. «Sie schätzte vor allem, dass man bei ‹zämä sophierä› nicht versuchen muss, sich in eine bestehende Gruppe, die sich schon länger kennt, einzubringen, was schwierig sein kann», sagt Markus Schöbi und fügt an: «Für sie bedeutete das, sich einbringen und austauschen zu können, ohne Stress.»
→ «Zämä sophierä», 9. September 2026 in der Kirche Niederglatt, und 18. November 2026 in der Chile-Lounge Wolfertswil, jeweils 19.30–21 Uhr, ohne Anmeldung, Infos: www.se-ma.ch