Jubiläum Pfarreiforum St.Gallen Archiv

Knapp 400 Ausga­ben in 30 Jahren: Wie hat sich das Pfar­rei­fo­rum seit seiner Grün­dung im Septem­ber 1995 verän­dert? Welche Arti­kel inspi­rie­ren bis heute? Die Redak­ti­on blickt zurück.

«Hektik macht krank. Lange­wei­le ist ein Geschenk.» So heisst der Titel des Schwer­punk­tes einer Ausga­be des Pfar­rei­fo­rums vor 16 Jahren. Sofort begin­ne ich zu lesen. Das Thema ist aktu­ell. Wie wenig Zeit bleibt vielen von uns im Alltag für Lang­wei­le. Und können wir Lang­wei­le trotz hohem Smartphone-Gebrauch über­haupt noch krea­tiv nutzen? Von Kindern sollen wir lernen, zu genies­sen sowie gleich­zei­tig in Gedan­ken voll da und weit weg zu sein, lautet ein Tipp. Dann höre ich meine Kolle­gen lachen. Als Redak­ti­on haben wir uns an diesem sonni­gen Spät­som­mer­mor­gen eini­ge Stun­den Zeit genom­men, anläss­lich des 30-Jahr-Jubiläums des Pfar­rei­fo­rums auf der Terras­se eines Cafés in den alten Ausga­ben zu stöbern. Gegen 400 gedruck­te und in Ring­ord­nern abge­leg­te Exem­pla­re sind es. «Ich kann mich echt nicht daran erin­nern, dass ich diese Repor­ta­ge von der Bischofs­wei­he von Markus Büchel gemacht habe», sagt Stephan Sigg, unser Redak­ti­ons­lei­ter. Damals war er beim Pfar­rei­fo­rum Praktikant.

Posi­ti­ves bewegen

Gene­rell fällt uns auf, wie viele der Beiträ­ge wir verges­sen haben oder, im Gegen­satz, wie viele uns bis heute inspi­rie­ren. «Unse­re Themen sind nicht reis­se­risch. Oft tref­fen wir gewöhn­li­che Menschen, die sich ehren­amt­lich für etwas einset­zen und etwas bewe­gen wollen. Über Posi­ti­ves berich­ten zu können, tut in der heuti­gen Zeit gut und moti­viert mich, fürs Pfar­rei­fo­rum zu arbei­ten», sagt Ales­sia Paga­ni. Sie ist seit zwei Jahren Teil der Redak­ti­on. Ich selbst bin seit sechs Jahren dabei. «Es gehört auch zu unse­ren Aufga­ben, kritisch zu berich­ten und genau hinzu­schau­en. Diese Kombi­na­ti­on macht für mich die Arbeit auf der Redak­ti­on aus», sagt Stephan Sigg. Kritisch hinzu­schau­en, dazu fordern auch die Statu­ten des Pfar­rei­fo­rums auf. Als Verein 1995 gegrün­det, hat die Redak­ti­on jour­na­lis­ti­sche Frei­heit in der Themen­wahl und der Gestal­tung ihrer Beiträge.

Vorbild fürs Alter

Welche Begeg­nung oder Recher­che hat uns am meis­ten inspi­riert? «Spon­tan denke ich an den Rhein­ta­ler Maler Josef Ebnö­ther, die Care-Migrantin Maria oder die St.Galler Künst­le­rin Johan­na Schnei­der», sagt Stephan Sigg. Mit ihren pinken Haaren und ihrem Taten­drang habe ihn die 80-Jährige beein­druckt. «Sie ist bis heute mein Vorbild dafür, wie ich im Alter sein möch­te.» Ales­sia Paga­ni nennt ihre Repor­ta­gen aus den Klös­tern in Mels und Wurms­bach. «Es ist für mich berei­chernd, dass ich einen Blick auf die Welt kennen­ge­lernt habe, den ich bis dahin nicht kann­te», sagt sie. Zudem habe sie etwa bei den Schwes­tern des Klos­ters Maria­zell Wurms­bach am Ober­see eini­ge Über­ra­schun­gen erlebt. «Ich habe nicht erwar­tet, dass die Schwes­tern solche Social-Media-Profis sind», sagt Ales­sia Paga­ni über ihre Repor­ta­ge zum Medi­en­wan­del in Klös­tern. Stephan Sigg nickt zustim­mend: «Gera­de in Klös­tern begeg­nen wir oft sehr offe­nen, unkom­pli­zier­ten und humor­vol­len Menschen.»

Schö­nes schaffen

Mir fallen die fili­gra­nen Klos­ter­ar­bei­ten des Kunst­hand­wer­kers Sander Kunz ein. Während Netflix-Sessions fertigt er aus alltäg­li­chen Dingen wie Cupca­ke­pa­pier oder Perlen perfek­te Geste­cke und Kunst­wer­ke an. Oder ich denke an die Freund­schaft der Gonte­ner­in Patri­zia Leder­ger­ber und Schwes­ter Elisa­beth vom Klos­ter in Jakobs­bad. Ich lern­te die beiden Mitte-Dreissig-Jährigen kürz­lich bei einem Spazier­gang durch den wunder­schö­nen Klos­ter­gar­ten kennen. «Wieso tun diese Menschen bloss, was sie tun?», frage ich mich bei diesen Begeg­nun­gen immer. Die Antwort ist meist, um Schö­nes zu schaf­fen oder vor dem Verges­sen zu bewahren.

Jenseits von Langeweile

Unser Tref­fen im Café neigt sich dem Ende zu. Mit dem Durch­blät­tern unse­rer Archiv­ord­ner sind wir fertig. Da kommt ein Kolle­ge vorbei. Obwohl wir alle seine Einla­dung zu einem weite­ren Getränk ableh­nen, steht er kurz darauf mit vier Gläsern Haus­eis­tee vor uns. Statt davon­zu­ei­len werden wir also sitzen blei­ben. Lang­wei­lig wird uns aller­dings nicht. Wir stöbern spon­tan noch etwas weiter und schmun­zeln über aus heuti­ger Sicht aus der Zeit gefal­le­ne Beiträ­ge. Unser High­light: «Jugend zwischen Lust und Frust: Das Lebens­ge­fühl von Jugend­li­chen in der Rock­mu­sik der 90er-Jahre» – aus kirch­li­cher Sicht. Wer möch­te nicht wissen, wie die damals war?

Jubi­lä­ums­ta­gung am 23. Septem­ber mit Startup-Unternehmerin Betti­na Hein

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Weite­re Informationen

Text und Bild: Nina Rudnicki

Veröf­fent­li­chung: 26. August 2025

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