Mehr Kandidatinnen und Kandidaten als Plätze: «Das Interesse an der Freiwilligenarbeit ist jedes Mal gross», sagt Maximilian Merz. «Und es wird auch jedes Jahr mehr. Sobald das Anmeldeportal online freigegeben wird, dauert es keine 24 Stunden, bis wir die 200-Anfragen-Marke erreicht haben. Leider ist dann auch der Punkt erreicht, an dem wir einfach voll sind. Wir freuen uns natürlich über das Interesse und sind deshalb umso mehr betrübt darüber, fähige und interessierte Bewerberinnen und Bewerber ablehnen zu müssen.»
Von 16 bis 85+ Jahren: «Informatikerinnen und -informatiker, Lehrpersonen, Fachleute aus dem Handwerksmeister- und Ingenieurbereich, aber auch Historikerinnen und Historiker, Archäologinnen und Archäologen. Es gibt kaum Berufe, die noch nicht am Campus Galli mitgeholfen haben. Auch die Altersgruppen reichen von 16 bis 85+ und kommen fast aus der ganzen Welt. Die meisten sind aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, aber wir durften auch schon Engagierte aus Kanada oder Norwegen bei uns willkommen heissen.»
Motivation? «Die einen möchten nur etwas Abwechslung zu ihrem Bürojob haben und mehr in der Natur arbeiten», so Maximilian Merz, einer der Verantwortlichen für die Freiwilligenarbeit auf dem Campus Galli. «Die anderen sind an der Zeit interessiert, die wir darstellen oder begeistern sich für die klassischen Handwerkstechniken.» Ein Vorwissen müsse nicht vorhanden sein. «Natürlich ist es hilfreich zu wissen, wo das gefährliche Ende der Axt ist. Man sollte Interesse an der Arbeit haben, bereit sein, etwas Neues zu lernen, und Motivation mitbringen.»
Die ideale Vorbereitung? «Man sollte sich vorab ein wenig mit dem historischen Hintergrund auseinandergesetzt haben. Karl der Grosse sollte ein Begriff sein und den Klosterplan sollte man auch schon mal gesehen haben. Als Ehrenamtliche oder Ehrenamtlicher muss man sich bewusst sein, dass man viel mit unseren Besucherinnen und Besuchern redet. Es gibt Tage, da ist man nur noch in die Gespräche vertieft und hinterher genauso müde wie nach einem Tag voller Handwerk.»
Was löst der Einsatz aus? «Wir kommen nächstes Jahr wieder», sei einer der häufigsten Sätze, die sie als Feedback bekommen. «Es ist für viele ein komplett anderer Alltag, wenn man ohne Handy oder Uhrzeitkontrolle arbeitet. Es entsteht neue Wertschätzung für das Handwerk in allen Bereichen und auch vielleicht eine andere Perspektive auf unsere Moderne, die oft schon als zu selbstverständlich gesehen wird.» Ein Grossteil der Ehrenamtlichen sei zum wiederholten Mal dabei und teilweise helfen sie schon seit mehreren Jahren auf dem Campus Galli mit.
Bild: Campus Galli
Einen Tag lang ins Mittelalter eintauchen
Die Saison auf dem Campus Galli (bei Meßkirch, ca. 60 Minuten von Friedrichshafen entfernt) ist Mitte April gestartet und dauert bis Ende Oktober. An den Wochenenden gibt es jeweils verschiedene Führungen, auch regelmässig besonders für Familien, und wöchentlich den «Mitmach-Mittwoch». Infos und Tickets: www.campus-galli.de
Der St. Galler Klosterplan
Der St. Galler Klosterplan gilt als einzigartig, kein anderer Bauplan ist aus dem frühen Mittelalter bekannt. Er ist die älteste überlieferte Architekturzeichnung Mitteleuropas. Gezeichnet wurde der Plan von Mönchen vor dem Jahr 830 auf der Insel Reichenau im Bodensee. Er wurde ursprünglich für das Kloster St. Gallen geschaffen, in dessen Stiftsbibliothek er bis heute liegt.