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Mit Krippe und Car unterwegs in den Vatikan

Eine Krippe mit Ostschweiz­er Fach­w­erk-Fas­sade und dem Alp­stein als Kulisse: Das hat eine Gruppe aus Montlin­gen in hun­derten Stun­den Arbeit für die Schweiz­er­garde gebaut. Zum Pro­jekt gehörte auch die Reise in den Vatikan und die feier­liche Ein­wei­hung der Krippe.

«Nach diesem Jahr brauche ich erst ein­mal Ferien», sagt Daniel Küh­nis Anfang Okto­ber am Tele­fon. Es ist der Tag, bevor der 57-Jährige zusam­men mit seinen Kol­le­gen vom Krip­pen­bau­vere­in Montlin­gen-Eichen­wies, frei­willi­gen Helferin­nen und Helfern und ein­er Jour­nal­istin der «Schweiz­er Fam­i­lie» den Car Rich­tung Vatikan besteigt. 30 Per­so­n­en sind es ins­ge­samt. Dort wird die Gruppe von weit­eren Medi­en­schaf­fend­en erwartet. Mit solch einem Medi­en­rum­mel hat­te Daniel Küh­nis nicht gerech­net, als er mit seinem Team vor gut einem Jahr zusagte, eine Krippe für die Schweiz­er­garde in Rom zu bauen. Eine Kol­le­gin in der Kirchen­ver­wal­tung hat­te allerd­ings einige Fotos aus der Werk­statt und von der entste­hen­den Krippe auf Insta­gram und Face­book veröf­fentlicht. So ver­bre­it­ete sich die Geschichte über die Sozialen Net­zw­erke, zunächst zu lokalen Zeitun­gen und schliesslich zu den nationalen Medien.

Über­raschung kurz vor Abreise

Bis die Krippe im Gepäck­fach des Cars ver­staut war, gab es einiges zu tun. Gegen 600 Arbeitsstun­den haben Daniel Küh­nis und sein Team in das Pro­jekt gesteckt. Neb­st der eigentlichen Krip-pe galt es etwa, eine Kulisse zu bauen, Schwal­bennester zu schnitzen, Acces­soires wie Beeren, Brot und Äpfel anzufer­ti­gen, Wände zu ver­put-zen und unzäh­lige Schin­deln anzu­malen. «Allerd­ings hat gegen Ende der Bauphase nicht alles so geklappt wie es sollte», erin­nert sich Daniel Küh­nis und erzählt, wie Ende August, kurz vor der Aus­liefer­ung, auf ein­mal unklar war, ob es die Krippe im Vatikan über­haupt brauchen würde. «Über eine Kon­tak­t­per­son bei der Schweiz­er­garde war von den Massen der Krippe, unserem Reise­da­tum und dem Auf­bau in der Kapelle schon alles abgemacht», sagt er. «Nach einem per­son­ellen Wech­sel wusste zunächst aber auf ein­mal nie­mand mehr über unser Pro­jekt Bescheid.»

Mit Gardis­ten eingeweiht

Umso schön­er wurde dann die Reise, der Emp­fang, Auf­bau und die Ein­wei­hungsmesse der Krippe. Fünf Tage nach dem Auf­bruch in den Vatikan und ein­er zwölf­stündi­gen nächtlichen Heim­fahrt ist Daniel Küh­nis wieder zuhause in Montlin­gen. «Auf dem Pro­gramm stand viel Sight­see­ing. Ein Schweiz­er­gardist führte uns durch den Vatikan und Rom», sagt Daniel Küh­nis und erzählt, wie sie selb­st die Ein­wei­hungsmesse mit­gestal­ten kon­nten. Ein­er der Helfer spielte Alphorn, ein ander­er Schwyz­erörgeli und schliesslich wurde die Krippe mit Wei­h­wass­er geseg­net. Erstaunt war Daniel Küh­nis auch darüber, wie haar­ge­nau die Krippe an den vorge­se­henen Platz in der Kapelle der Schweiz­er­garde gepasst hat­te. So hat­te das Team vom Krip­pen­bau­vere­in Montlin­gen-Eichen­wies die Form und Grösse der Krippe etwa anhand von Fotos und Mas­sangaben der Kapelle berech­net. «Dass nun alles so per­fekt passen würde, damit hat­te ich nicht gerech­net», sagt er.

Ein Stück Heimat

Den Schweiz­er­gardis­ten ein Stück Heimat brin­gen: Das sei von Anfang an ihre Moti­va­tion gewe­sen, sagt Daniel Küh­nis. «Weil unter den Schweiz­er­gardis­ten auch einige Ostschweiz­er sind, woll­ten wir eine Ostschweiz­er Krippe bauen. Darum haben wir uns für eine Fach­w­erk-Fas­sade entsch­ieden.» Auf der Kulisse sind zudem ein Auss­chnitt des Alp­steins und der Sän­tis als Haupt­gipfel zu sehen. Etwas Schönes, das von Hand gemacht ist und das einen Gegen­satz zu unser­er schnel­llebi­gen Zeit bildet, das gefällt Daniel Küh­nis am Krip­pen­bauen. «Ausser­dem ist die Krippe die Wiege unseres Glaubens und gehört zum christlichen Kul­turgut», sagt Küh­nis, der schulis­ch­er Heilpäd­a­goge und Kirchen­ver­wal­tungsrat­spräsi­dent der Kirchge­meinde Montlin­gen-Eichen­wies ist. Ein beson­deres Anliegen ist ihm daher, Kindern das Krip­pen­bauen beizubrin­gen. Das war auch die Idee, die am Anfang der Vere­ins­grün­dung vor drei Jahren stand. Sei­ther bietet der Krip­pen­bau­vere­in Montlin­gen-Eichen­wies jedes Jahr zwei Kurse mit je zwölf Halb­ta­gen für Kinder an, in denen sie das Handw­erk des Krip­pen­bauens erler­nen. Hinzu kom­men regelmäs­sige Kurse für Erwachsene.

Zufalls­fund im Estrich

Zahlre­iche Krip­pen hat das Team rund um Daniel Küh­nis sei­ther gebaut. Am Montlinger Advents­markt wer­den diese jew­eils aus­gestellt. Dass es zu dem Grosspro­jekt rund um die Vatikan-Krippe kam, ist indes einem Zufall zu ver­danken. Daniel Küh­nis, der im Vor­stand der Krip­pen­fre­unde Schweiz vertreten ist, erfuhr durch ein Mail, dass die Schweiz­er­garde lan­desweit ange­fragt hat­te, ob jemand eine Krippe für sie bauen wolle. Zur gle­ichen Zeit räumte die Kirchge­meinde den Estrich der Kirche auf. Dabei kamen wertvolle, hun­dertjährige Krip­pen­fig­uren zum Vorschein, deren grösste 45 Zen­time­ter misst. «Wir schätzten den Wert auf 1000 Franken pro Fig­ur», sagt Küh­nis. Die Kirchen­ver­wal­tung bewil­ligte, die Fig­uren der Schweiz­er­garde in Rom zu spenden. Kirchge­mein­den der Region, die Orts­ge­meinde und poli­tis­che Gemeinde, der Verkehrsvere­in und der Admin­is­tra­tionsrat in St.Gallen spende­ten weit­ere 5000 Franken für den Bau der Krippe.

Eine Reise inkognito

Die Krip­pe­nausstel­lung am Montlinger Advents­markt ist nun das näch­ste Pro­jekt, das für den Krip­pen­vere­in anste­ht. Die kom­menden Monate möcht­en die Vere­ins­mit­glieder ausser­dem dazu nutzen, weit­ere Helferin­nen und Helfer für die Krip­penkurse zu find­en. Diese wer­den laut Küh­nis drin­gend benötigt, um den Kindern fachgerecht das Handw­erk beib­rin­gen zu kön­nen. Ausser­dem träumt Daniel Küh­nis davon, den inter­na­tionalen Krip­penkongress in sieben Jahren in die Vier­län­derecke zu holen. Derzeit läuft die Bewer­bungs­frist. Und in naher Zukun­ft ste­ht vielle­icht nochmals ein Besuch in der Adventszeit in den Vatikan an. Daniel Küh­nis sagt: «Unsere Krippe bei den Schweiz­er­gardis­ten würde ich doch sehr gerne in wei­h­nachtlich­er Beleuch­tung sehen. Wer weiss, ob ich die Reise nicht nochmals mache, dann aber inkog­ni­to.» (nar)

Bilder: Bilder: zVg. / Robert Hangartner

Abstimmen und wählen auch ohne Schweizer Pass

Ende Okto­ber fand im Bun­de­shaus die Frauenses­sion statt. An dieser set­zten sich der Schweiz­erische Katholis­che Frauen­bund und die Evan­ge­lis­chen Frauen Schweiz dafür ein, dass Aus­län­derin­nen und Aus­län­der in der Schweiz wählen und abstim­men dür­fen. Die katholis­chen St.Gallerinnen und St.Galler ver­fü­gen auf kirch­lich­er Ebene schon länger über diese Rechte. 

Fast ein Vier­tel der Bevölkerung der Schweiz hat keinen Schweiz­er­pass und kann bei poli­tis­chen Fra­gen nicht oder nur sehr eingeschränkt mitentschei­den», schreibt der Schweiz­erische Katholis­che Frauen­bund (SKF) in ein­er Medi­en­mit­teilung zur Frauenses­sion Ende Okto­ber 2021. An dieser forderte der SKF gemein­sam mit den Evan­ge­lis­chen Frauen Schweiz (EFS) das Stimm- und Wahlrecht auf nationaler Ebene für Ein­wohner­in­nen und Ein­wohn­er der Schweiz nach fünf Jahren Aufen­thalt unab­hängig vom Aufen­thaltssta­tus. Mit der Forderung wurde ein The­ma aufge­grif­f­en, das seit Jahren regelmäs­sig zu hitzi­gen Diskus­sio­nen führt. Jüngst etwa im St.Galler Kan­ton­srat, der das kom­mu­nale Aus­län­der­stimm­recht im Juni mit ein­er Zwei­drit­telmehrheit ablehnte – dies obwohl sich die St.Galler Regierung dafür aus­ge­sprochen hatte. 

Sich auch zur Wahl stellen

Etwas anders sieht die Sit­u­a­tion bei den Kirchen aus. Viele von ihnen erteilen bere­its heute Nicht-Schweiz­ern und Nicht-Schweiz­erin­nen inner­halb der lan­deskirch­lichen Struk­turen das Stimm- und Wahlrecht. Im Kan­ton Thur­gau etwa sind aus­ländis­che Katho­likin­nen und Katho­liken stimm- und wahlberechtigt, sofern sie erwach­sen sind und min­destens eine B‑Bewilligung besitzen. Möglich wurde dies durch die neue Lan­deskirchen­ver­fas­sung, die im Juni 2021 angenom­men wurde. Davor kon­nten sie sich erst für das Stimm- und Wahlrecht ein­tra­gen, wenn sie seit fünf Jahren in der Schweiz wohn­ten. Der Katholis­che Kon­fes­sion­steil des Kan­tons St.Gallen hat das Stimm­recht für Aus­län­derin­nen und Aus­län­der bere­its vor 15 Jahren einge­führt, aktiv und pas­siv. Das bedeutet, dass Per­so­n­en ohne Schweiz­er Pass nicht nur wählen und abstim­men dür­fen, son­dern sich auch zur Wahl stellen kön­nen. «Die Katholis­che Bevölkerung stimmte der neuen Ver­fas­sung, die seit 2007 in Kraft ist, mit über­wälti­gen­dem Mehr zu», erin­nert sich Thomas Franck, Ver­wal­tungs­di­rek­tor der Katholis­chen Admin­is-tra­tion. Lediglich zwei kri­tis­che Voten habe es zuvor im Katholis­chen Kol­legium gegeben. «Man fürchtete Nachteile aus dem Recht­sun­ter­schied zu den Poli­tis­chen Gemein­den und zum Staat. Eben­so ver­wies man auf die Möglichkeit zur Ein-bürgerung von aus­ländis­chen Kirchen­mit­gliedern», sagt er und fügt an: «In der Kirche gibt es nur Getaufte, keine Aus­län­derin­nen und Aus­län­der.» Zudem sei es pos­i­tiv, wenn die Vielfalt im Gottesvolk auch in den Kirchge­mein­de­be­hör­den abge­bildet werde. 

Zwei mit aus­ländis­chem Pass

Doch wie hat sich das Stimm­recht für Aus­län­derin­nen und Aus­län­der auf das Engage­ment in kirch­lichen Gremien und Ämtern aus­gewirkt? Im Katholis­chen Kol­legium des Kan­tons St.Gallen haben derzeit nur zwei von 180 Mit­gliedern eine aus­ländis­che Staat­sange­hörigkeit. Eine Über­sicht, wie viele Per­so­n­en mit aus­ländis­chem Pass sich in den Kirchen­ver­wal­tun­gen engagieren, gibt es laut Franck nicht. «Das Aus­län­der­stimm­recht hil­ft aber sich­er mit, Per­so­n­en für ein Amt zu gewin­nen, da poten­ziell mehr Men­schen dafür in Frage kom­men», sagt er. Allerd­ings sei der Anteil von Kirchge­mein­de­be­hör­den­mit­gliedern mit aus­ländis­ch­er Staat­sange­hörigkeit im Ver-hält­nis zu ihrem Anteil der Kirchen­mit­glieder unterdurchschnittlich.

Forderun­gen überreicht

Die Diskus­sio­nen auf nationaler Ebene wer­den kün­ftig allen­falls auch die Par­la­mente beschäfti­gen. Der fehlende Zugang zu poli­tis­chen Recht­en für Ein­wohner­in­nen und Ein­wohn­er ohne Schweiz­er Staats­bürg­er­schaft in Kom­bi­na­tion mit ein­er rigi­den Ein­bürgerungspoli­tik beein­trächtige auf lange Sicht die Qual­ität der demokratis­chen Ord­nung in der Schweiz, schreibt der SKF. Die Schweiz­er Demokratie müsse über die poli­tis­che Teil­habe der ständi­gen Bevölkerung ohne Schweiz­er Staats­bürg­er­schaft gestärkt wer­den. Die Forderun­gen, die an der Frauenses­sion disku­tiert und beschlossen wur­den, wer­den nun Par­la­ment und Bun­desrat über­re­icht. (nar)

Bild: pixabay.com

Kopfwehloch Berschis

Kopfwehloch Berschis

Über Walen­stadt thront auf ein­er Fel­szinne die Kapelle St. Georg. Wieso es neb­st Spaziergängern auch Kopfwe­hge­plagte zum Aus­sicht­spunkt zieht, erk­lärt Apothek­erin Doris Son­dereg­ger-Marthy unter­wegs zur ältesten roman­is­chen Kapelle der Ostschweiz.

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Jemanden eine Zeit lang nur für sich haben

Ob Bräteln, ein Muse­ums­be­such oder eine Velo­fahrt: Regelmäs­sig tre­f­fen sich Mosana (9) und Dona­ta Züger im Rah­men des Paten­schaft­spro­jek­tes «mit mir», um gemein­sam Zeit zu ver­brin­gen. Frei­willige, die sich als Patin­nen und Pat­en engagieren, wer­den immer wichtiger.

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«Den Kindern etwas mitgeben»

Die Glaubens­ge­mein­schaft erleb­bar machen wie im Schülertreff Click in Niederuzwil:
Dort war auch schon die Clown­frau Geron­i­ma Fröh­lich zu Besuch.

Das neue Schul­jahr startet ohne das Fach «ERG Kirchen». Doch in den Pfar­reien gibt es neue
Ideen und Pro­jek­te. Das Pfar­reifo­rum hat in Uzwil und Gos­sau nachgefragt.

Es wird nicht ein­fach­er, die christliche Botschaft unter die jun­gen Leute zu brin­gen», sagt Mar­tin Rusch, Seel­sorg­er in Gos­sau. «Aber es funk­tion­iert bess­er darüber, den Glauben erleb­bar zu machen als Reli­gion­sun­ter­richt wie vor 30 Jahren zu geben.» Rusch gehört zu jen­em Team in Gos­sau, das nach dem Aus für das Schul­fach «ERG Kirchen» (siehe Pfar­reifo­rum 01/2021) neue Ersatzange­bote aus­gear­beit­et hat. Los geht es im neuen Schul­jahr nach den Som­mer­fe­rien. Angemeldet haben sich rund 40 Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler. Während zwei Jahren wer­den sie neb­st dem Schu­lun­ter­richt den Pro­jek­tun­ter­richt der Pfar­rei besuchen.

Erleb­nis, Gemein­schaft, Feier
Die Jugendlichen kön­nten dabei zwis­chen ver­schiede­nen Ange­boten in den drei Sparten Erleb­nis, Gemein­schaft und Feier auswählen und sich so ihren Unter­richt selb­st zusam­men­stellen. So kön­nen sie beispiel­sweise von Rap­per­swil nach Ein­siedeln pil­gern und dort die Klosterkirche besichti­gen, einen Nach­mit­tag zusam­men mit Flüchtlingskindern gestal­ten, den All­t­ag ein­er Per­son im Roll­stuhl ken­nen­ler­nen oder Zeit mit Senior­in­nen und Senioren während eines Spie­le­nach­mit­tags ver­brin­gen. Auch Besuche in der Gassenküche St.Gallen und von Rorate- und Jugend­gottes­di­en­sten ste­hen auf dem Pro­gramm. Einige Ange­bote waren bere­its Teil des Schul­fach­es «ERG Kirchen», bei anderen han­delt es sich um kom­plett neue Punk­te. «Uns ist es wichtig, den Jugendlichen auf diese Weise ver­mit­teln zu kön­nen, dass es sich bei der christlichen Botschaft um eine Top­botschaft han­delt», sagt Rusch. Mit­tels Fly­ern, die in den Klassen verteilt wer­den, im direk­ten Kon­takt mit den Jugendlichen und auf ihrer Web­seite wird die Pfar­rei Gos­sau auf ihr neues Ange­bot aufmerk­sam machen.

Als Ate­lier gestal­tet
Nicht nur für die Jugendlichen der Ober­stufe, son­dern auch für die Primarschülerinnen und ‑schüler hat sich das Team in Gos­sau etwas ein­fall­en lassen. Unter dem Mot­to «Tankstelle – Dankstelle» sind die jährlich vier hal­ben Tage zusam­menge­fasst, an denen die Kinder die Kirche als zen­tralen Ort der Gemein­schaft ken­nen­ler­nen kön­nen. «Das Spezielle ist, dass sich dieses Ange­bot nicht nur an Kinder richtet, son­dern ganz bewusst an alle Per­so­n­en zwis­chen 0 und 99 Jahren», sagt Rusch. Die hal­ben Tage seien inhaltlich wie Ate­liers gestal­tet und würden jew­eils einen Kat­e­ch­eseteil sowie ein gemein­sames Essen und eine Feier bein­hal­ten. Das erste Ate­lier find­et bere­its am 11. Sep­tem­ber statt. An diesem wird die Hochzeit zu Kana The­ma sein, an der Jesus an ein­er Hochzeit Wass­er in Wein ver­wan­delte. Ein weit­eres Ate­lier ist an einem Fre­itagabend im Dezem­ber zum The­ma Advent geplant. 30 Schul­stun­den sind mit der Abschaf­fung des Fach­es «ERG Kirchen» in Gos­sau wegge­fall­en, die Reli­gion­slehrper­so­n­en zuvor jährlich mit ihren Schülerinnen und Schülern gestal­ten kon­nten. «Mit unseren neuen Ange­boten möcht­en wir das abfed­ern», sagt Mar­tin Rusch.

Ehre­namtliche unterstützen
«Es ist wichtig, die Kirche weit­er­hin als Leben­sraum erfahrbar zu machen», sagt auch Daniela Grem­minger, Seel­sorg­erin in der Katholis­chen Kirche Uzwil und Umge­bung. «Bei uns wer­den nach dem Aus des Schul­fach­es ‹ERG Kirche› aus den freige­wor­de­nen Lek­tio­nen daher Reli­gion­slehrper­so­n­en im Bere­ich Ler­nort Kirche bezahlt.» Einige der Ange­bote gebe es schon länger. Andere Ange­bote würden hinge­gen neu aufge­gleist oder stärk­er geführt. Als Beispiel nen­nt Daniela Grem­minger die Kinder­feiern, die bis­lang ehre­namtlich organ­isiert wur­den. Neu wird das zuständi­ge frei­willige Team durch eine Kat­e­chetin unterstützt. «Das ermöglicht es uns, viel flex­i­bler auf die ver­schiede­nen Bedürfnisse der Fam­i­lien einzuge­hen», sagt sie.

Über­raschung in der Kirche
Auch für die älteren Kinder und Jugendlichen ist einiges in Pla­nung. So soll beispiel­sweise im Herb­st eine Klei­der­tauschbörse für die Ober­stufe stat­tfind­en. Dort kön­nen die Jugendlichen Klei­der, die sie nicht mehr brauchen, abgeben. Im Gegen­zug bekom­men sie eine bes­timmte Anzahl Sug­us, die sie wiederum für andere Kleidungsstücke ein­tauschen kön­nen. Zudem ist eine Nacht der Kirchen vorge­se­hen, in der die Kinder und Jugendlichen, die von Kirche zu Kirche gehen, an jedem Ort etwas Spezielles ent­deck­en kön­nen. Auch die Lichter­feier beschreibt Daniela Grem­minger als beson­deres Erleb­nis. Die Feier startet zunächst mit ein­er Über­raschung in der Kirche, wech­selt dann in den Wald, wo es ein Feuer und Würste gibt, und endet mit einem Spiel. «Das sind alles sehr nieder­schwellige Ange­bote. Aber ihnen ist gemein­sam, dass sie die Glaubens­ge­mein­schaft erleb­bar machen. Wir haben den Kindern etwas mitzugeben», sagt sie. Umso wertvoller sei es, die freige­wor­de­nen per­son­ellen Kapaz­itäten nun in diese Bere­iche und in Anlässe wie das Bibelfest, den Ver­söh­nungsweg sowie in den Jugendtr­e­ff Enjoy it und den Schülertreff Click investieren zu kön­nen. (nar)

Margrit Stadler-Egli

Administrationsrätin Margrit Stadler hört auf

Nach 22 Jahren tritt Margrit Stadler-Egli Ende des Jahres von ihrem Amt als Admin­is­tra­tionsrätin zurück. Im Gespräch mit dem Pfar­reifo­rum erzählt die Bazen­hei­derin von ihren her­aus­fordernd­sten und glück­lich­sten Momenten in ihrer Amt­szeit, in welche Rollen sie am lieb­sten schlüpft und was sie jun­gen Frauen rät.

«Wenn du etwas will, musst du nach vorne und für deine Anliegen ein­ste­hen», sagt Margrit Stadler, «du darf­st dich nicht in der zweit­en Rei­he ver­steck­en. Das habe ich schon in meinem Eltern­haus gel­ernt.» Sie wächst auf einem Bauern­hof auf. «In einem dur­chaus patri­ar­chalen Sys­tem», merkt sie an. Drei Jahre Sekun­darschule? «Das hiel­ten meine Eltern für mich als Mäd­chen nicht notwendig.» Die ehe­ma­lige Gäh­wi­lerin set­zte sich durch und absolvierte schliesslich auch die Ver­wal­tungslehre. Als sie das kür­zlich bei einem Jubiläum­san­lass zum Frauen­stimm­recht am St.Galler Gal­lus-Schul­haus (Mei­tle-Flade) den Schü­lerin­nen erzählte, hin­gen ihr diese an den Lip­pen: «Heute kön­nen sich die Schü­lerin­nen das kaum mehr vorstellen, wir leben heute in ein­er kom­plett anderen Welt.» Den Schü­lerin­nen gab sie mit: «Egal ob damals oder heute, es ist nach wie vor wichtig, für etwas zu kämpfen und für ein Anliegen einzustehen.»


Später Polit-Ein­stieg

Margrit Stadler schlug alles andere als einen vorgeze­ich­neten Weg ein. Der Ein­stieg in die Poli­tik erfol­gte erst spät, nach der Fam­i­lien­phase, als die zwei Kinder erwach­sen waren. Sie wird in den St.Galler Kan­ton­srat gewählt – als Polit-New­com­erin. «Meine einzige poli­tis­che Erfahrung waren das GPK-Man­dat in der Schul­ge­meinde, das Prä­sid­i­um im Spi­tex-Vere­in und die Mitar­beit im Pfar­reirat», merkt sie an. Fast zeit­gle­ich mit der Kan­di­datur für den Admin­is­tra­tionsrat ste­ht auch die Kan­di­datur für ein Nation­al­rats­man­dat als Option im Raum: «Rück­blick­end bin ich froh, dass ich mich für den Admin­is­tra­tionsrat entsch­ieden habe», sagt die 65-Jährige, «diese Auf­gaben passten bess­er zu meinem Naturell und mein­er Per­son. Auch wenn ich eine Kämpferin bin, ist mir die Har­monie wichtig. In Bern hätte schon ein ander­er Wind geweht.»


Margrit Stadler-Egli
Margrit Stadler-Egli hat in ihrer Amt­szeit viele emo­tionale Momente erlebt.

Viele emo­tionale Momente
In 22 Jahren als Admin­is­tra­tionsrätin habe sie viele emo­tionale Momente erlebt: «Ich denke zum Beispiel an die Altarneugestal­tung in der Kathe­drale – das war ein langer und sehr emo­tionaler Prozess.» Die 200-Jahr-Feier der flade, die Wahl und Wei­he von Bischof Markus Büchel – der Admin­is­tra­tionsrat und das Kol­legium des Katholis­chen Kon­fes­sion­steils­des Kan­tons St.Gallen sind bei der Wahl des St.Galler Bischofs dabei. Das ist weltweit einzi­gar­tig. In ihre Amt­szeit fiel auch die Revi­sion der Ver­fas­sung mit der Ein­führung des Aus­län­der­stimm­recht­es und der Volksmo­tion, der Auf­bau der Dom­s­ingschule und vieles mehr. Am meis­ten Herzblut steck­te Margrit Stadler aber in ihre Auf­gaben als Schul­präsi­dentin der Flade, die sie selb­st heute als «mein Kind» bezeichnet.

Margrit Stadler-Egli
Margrit Stadler-Egli sieht die Flade als Mehrw­ert für die Stadt.


Gross­er Mehrw­ert
Die Bazen­hei­derin übern­immt das Prä­sid­i­um in ein­er schwieri­gen Phase: Es geht um die Zukun­ft der katholis­chen Schule, es müssen neue Vere­in­barun­gen mit der Stadt ver­han­delt wer­den. Ein Prozess, der sich hinzieht und dessen Aus­gang bis zum Schluss offen ist. «Ich habe das Ziel nicht aus den Augen ver­loren und mir immer wieder bewusst gemacht, dass ich Ver­ant­wor­tung für viele Angestellte habe», erk­lärt sie. «Ich werde nie den Tag vergessen, als ich mor­gens um sieben Uhr die achtzig Mitar­bei­t­en­den informieren kon­nte: Wir haben eine Lösung gefun­den.» Bei den her­aus­fordern­den Ver­hand­lun­gen habe sie gemerkt, wie wichtig es ist, sich mit Herzblut für etwas einzuset­zen. «Es gelingt nur, wenn du selb­st von etwas ganz überzeugt bist.» Margrit Stadler beze­ich­net die neuen Vere­in­barun­gen zwis­chen der Stadt und der Flade als zukun­ftsweisend. Neu ste­ht die Flade allen Schü­lerin­nen und Schülern der Stadt St.Gallen offen, unab­hängig von ihrer Kon­fes­sion. Die Flade erweit­ert ihr Ange­bot und führt auch Real-Klassen. Die Stadt übern­immt das Schul­geld für Jugendliche aus der Stadt. «Es ist für die Stadt ein gross­er Mehrw­ert, dass es eine Schule mit christlich­er Prä­gung gibt», betont Margrit Stadler, «und die Schule ist eine Chance für die Kirche: die Kirche hat einen wichti­gen Bil­dungsauf­trag. Hier kön­nen wir jun­gen Men­schen etwas fürs Leben mitgeben.»

Ort­skirche zählt
«Oft wurde ich gefragt: Was willst du als Frau bei der katholis­chen Kirche – warum tust du dir das an?», sagt Margrit Stadler. Sie habe sich als Frau in der katholis­chen Kirche immer willkom­men und respek­tiert gefühlt: «Für mich ste­ht die Ort­skirche im Vorder­grund, hier lebe ich und engagiere ich mich – und hier hat es für mich immer ges­timmt.» Sie finde es wichtig, dass Frauen sich für die Gle­ich­berech­ti­gung in der Kirche ein­set­zen. «Gle­ichzeit­ig sollte man auch sehen und schätzen, was im Bis­tum St.Gallen alles möglich ist: In der Seel­sorge, in den Gremien und auch im Admin­is­tra­tionsrat sind die Frauen heute ganz selb­stver­ständlich vertreten.»

Margrit Stadler-Egli
Margrit Stadler-Egli freut sich auf mehr Zeit mit ihren Enkelkindern und für das Theaterspielen.

Spanisch ler­nen
«Ich erre­iche mit dem 65. Geburt­stag das Pen­sion­salter, zudem wurde die 3‑jährige Ein­führungsphase des neuen Flade Schulmod­ells diesen Som­mer abgeschlossen», sagt Margrit Stadler, «das ist der richtige Zeit­punkt, um aufzuhören.» Mit dem Rück­tritt heisst es für das aktuell amt­säl­teste Mit­glied des Admin­is­tra­tionsrates auch Abschied­nehmen von der Stadt St.Gallen – die Stadt sei der waschecht­en Toggen­burg­erin ans Herz gewach­sen. Um nah am Geschehen zu sein, mietete sie während ihrer Amt­szeit eine Zweit­woh­nung in der Stadt. Sie freue sich auf die Zeit danach. «Ich spüre, dass der näch­ste Lebens­ab­schnitt viel Poten­zial für Neues bere­i­thält, darauf freue ich mich.» Konkrete Pläne will sie noch nicht schmieden. Sie freut sich auf mehr Zeit mit ihrem Mann, den Kindern und den Enkelkindern. «Ich möchte Spanisch ler­nen», sagt sie. Ihre Schwiegertochter, eine gebür­tige Mexikaner­in, möchte ihr näm­lich schon lange ihre Heimat zeigen. «Da will ich mich ver­ständi­gen kön­nen.» Und für eines soll kün­ftig wieder mehr Zeit sein: Das The­ater­spie­len. Sie spielte in der von ihr mit­ge­grün­de­ten The­ater­gruppe Bazen­heid, später grün­dete sie mit fünf Frauen die „The­ater­ladies“. Bis heute standen sie über vier­hun­dert Mal vor Pub­likum auf der Bühne. Margrit Stadler erzählt von den ver­schiede­nen Rollen, die sie über­nom­men hat: «Der Kapuzin­er, Petrus oder der Bahn­hofsvorste­her … Es waren immer Män­nerrollen. Das war jedes Mal eine beson­dere Erfahrung.» Die Freude der Zuschauerin­nen und Zuschauer habe ihr viel Kraft gegeben. «Bei diesem Hob­by kon­nte ich immer meine Energiequellen wieder aufladen.» Die schei­dende Admin­is­tra­tionsrätin strahlt und man ahnt, dass sie auch in Zukun­ft in manch uner­wartete Rolle schlüpfen wird.

Text: Stephan Sigg
Bilder: Ana Kontoulis

Berggottesdienste

Auch in diesem Som­mer find­en im Alp­stein und in anderen Regio­nen des Bis­tums St.Gallen zahlre­iche Berggottes­di­en­ste statt. Hier find­en Sie eine Übersicht.

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Sr. Rosmarie (links) und Sr. Ursula

«Der Abschied fällt nicht leicht»

Sr. Ros­marie und Sr. Ursu­la nehmen Abschied vom Kloster Rap­per­swil: Das Ange­bot «Kloster zum Mitleben» wird in diesem Som­mer eingestellt – trotz gross­er Nach­frage. Damit endet eine 23-jährige Zusam­me­nar­beit zwis­chen Men­zinger-Schwest­ern und den Kapuzinern.

Ein Som­mertag wie aus dem Bilder­buch. Die bei­den Men­zinger-Schwest­ern Ros­marie Sieber und Ursu­la Raschle set­zen sich auf die Ter­rasse des Klosters. Beim Blick auf den Zürich­see begin­nen sofort die Erin­nerun­gen an ihre Jahre im Kloster Rap­per­swil zu sprudeln. «Der Abschied fällt nicht leicht», sagt Sr. Ursu­la, gebür­tige Ostschweiz­erin, «doch jet­zt ist Zeit für etwas Neues.» Nach rund dreis­sig Jahren wird das Ange­bot «Kloster zum Mitleben» been­det. 2022 soll ein neues Ange­bot starten. «Die Ver­ant­wortlichen hät­ten es begrüsst, dass wir weit­er­hin dabei sind», hält Sr. Ursu­la fest, «aber wir haben gemerkt, dass jet­zt jün­gere Kräfte am Zug sind. Zudem schien es uns sin­nvoller, dass die Neuaus­rich­tung auch von neuen Ver­ant­wortlichen begleit­et und geprägt wird.» Auch in Zukun­ft soll das Kloster Rap­per­swil ein «Kloster zum Mitleben» sein. Das neue Konzept ist aber noch in Entwick­lung. Kün­ftig soll das Pro­jekt noch stärk­er öku­menisch aus­gerichtet sein.

Inno­v­a­tives Mod­ell
Vor 23 Jahren begann in Rap­per­swil ein inno­v­a­tives Kloster-Mod­ell: Zwei Ordens­frauen leben gemein­sam mit den Kapuzin­ern. Das war nicht nur damals ein Novum. Dieses beson­dere Mod­ell ist bis heute einzi­gar­tig in der deutschsprachi­gen Kloster­land­schaft. «Wir haben uns immer sehr wohlge­fühlt, wir erlebten das Miteinan­der wie Geschwis­ter », sagt Sr. Ros­marie. Doch wie viele Klöster wurde auch die Gemein­schaft in Rap­per­swil in den let­zten Jahren älter und klein­er. Manche Brüder zogen in andere Klöster. «Wir mussten auf­passen, nicht immer mehr in eine klas­sis­che Frauen­rolle gedrängt zu wer­den», hält Sr. Ros­marie fest, «beispiel­sweise ver­liess uns der Koch und plöt­zlich waren wir auch noch für die Küche zuständig.» 

Zeit für Gäste
Viele Suchende aus der Schweiz, aber auch aus dem benach­barten Aus­land ver­bracht­en kürzere und län­gere Aufen­thalte im Kloster Rap­per­swil. Die Men­zinger-Schwest­ern haben sie begleit­et und in den Seel­sorgege­sprächen viel über die Nöte und Sehn­süchte erfahren. «Die Nach­frage nach solchen Ange­boten ist unge­brochen», sagt Sr. Ursu­la, «für viele ist es eine ganz wichtige Erfahrung, dass jemand Zeit für sie hat und ihnen zuhört. Manche ver­standen selb­st nicht, wie gross ihr Bedürf­nis war, endlich mal alles erzählen zu kön­nen.» Es habe die bei­den über­rascht, was der Aufen­thalt im Kloster bei manchen Gästen bewirk­te und dass selb­st in der kurzen Zeit eine Verän­derung wahrnehm­bar war. Mit manchen blieben sie auch noch nach ihren Aufen­thal­ten im Kon­takt – per Mail und Tele­fon. Eines hat nicht nur die Gäste, son­dern auch die bei­den Schwest­ern immer wieder beein­druckt: «Das Kloster liegt zen­tral, ganz nah bei den Men­schen. Doch sobald man die Klostertür hin­ter sich geschlossen hat, ist man wie in ein­er anderen Welt.»

«Wir mussten auf­passen, nicht immer mehr in eine klas­sis­che Frauen­rolle gedrängt zu werden»


Neue Auf­gaben
Dem Neustart sehen die bei­den Ordens­frauen opti­mistisch ent­ge­gen. Der Ortswech­sel biete die Chance für einen klaren Bruch. Sr. Ros­marie zieht in die Zen­trale der Men­zinger-Schwest­ern in Men­zin­gen ZG. Dort soll sie Auf­gaben im Bere­ich Kom­mu­nika­tion ver­ant­worten. Sr. Ursu­la wird kün­ftig im Mari­a­heim in Ein­siedeln leben, wo sie die Leitung der Gemein­schaft übernehmen wird. Fün­fzehn Schwest­ern leben dort, einige schon hochbe­tagt. «Ich freue mich auf die Kon­tak­te mit den älteren Mitschwest­ern. Ich möchte mir Zeit für sie und ihre Lebens­geschicht­en nehmen», so
Sr. Ursu­la. «Wir lassen uns nochmals ein auf einen neuen Ort, auf eine neue Gemein­schaft und eine neue Auf­gabe – natür­lich ist das in unserem Alter auch ein Wag­nis.». In Rap­per­swil hät­ten sie ein sehr selb­st­ständi­ges und unab­hängiges Leben geführt. «Jet­zt müssen wir uns wieder mehr in die Hier­ar­chie ein­fü­gen», ist sich Sr. Ros­marie bewusst, «daran werde ich mich zunächst wieder gewöh­nen müssen.» Auch wenn vieles noch unklar sei, lassen sie sich ver­trauensvoll auf das Neue ein: «Auch die Mut­ter Bernar­da Heim­gart­ner, die Grün­derin unser­er Gemein­schaft, wagte immer wieder Auf­brüche und Neuan­fänge. Sie ist für mich ein Vor­bild, das mir Mut macht», sagt Sr. Ursu­la und Sr. Ros­marie ergänzt: «Und wir dür­fen darauf ver­trauen, dass der Heilige Geist uns unterstützt.»

Stephan Sigg

Das Leben unter die Haut gemalt

Ob ein Löwe auf dem Ober­arm, eine Trauer­wei­de auf dem Unter­schenkel oder Jesus auf dem Rück­en: Das Pfar­reifo­rum hat drei Per­so­n­en aus dem Bis­tum St.Gallen gefragt, was ihnen ihre Tätowierun­gen bedeuten und warum sie sich für diese Motive entsch­ieden haben.

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Jubla

Jetzt rettet die Prinzessin den Prinzen

Keine Diskri­m­inierung von Trans­gen­der und non-binären Per­so­n­en und Nein zu Geschlechterk­lis­chees. Die St.Gallerin Sil­ja Balmer (25) hat am neuen Jubla-Grund­la­gen­pa­pi­er «Gen­der» mit­gear­beit­et. Die katholis­che Kinder- und Jugen­dor­gan­i­sa­tion will damit mehr Bewusst­sein für die Geschlechter-Vielfalt schaffen.

«Wir wollen in der Jubla Kindern und Jugendlichen eine ganzheitliche Entwick­lung ermöglichen und die Entwick­lung
der Geschlecht­si­den­tität ist ein wichtiger Teil davon», sagt Sil­ja Balmer, ehe­ma­lige Scharlei­t­erin beim Blau­r­ing St.Gallen-Riethüsli. «Mir sind die The­men Gle­ich­berech­ti­gung und Vielfalt der Geschlechter­rollen per­sön­lich sehr
wichtig.» Deshalb hat es die Pflege­fach­frau sehr begrüsst, dass Jubla Schweiz im ver­gan­genen Jahr ihr Gen­der-Grund­la­gen­pa­pi­er über­ar­beit­et und die neuen wis­senschaftlichen Erken­nt­nisse aufgenom­men hat. Die Arbeits­gruppe, die das zwei­seit­ige Papi­er mit Unter­stützung von Exper­tin­nen und Experten bear­beit­ete, bestand aus zehn Jubla-Vertreterin­nen und ‑vertretern aus der ganzen Deutschschweiz. Neben Sil­ja Balmer war mit Michelle Agiatel­lo aus Eschen­bach SG eine zweite St. Gal­lerin dabei. 

«Für Jubla ist jedoch klar, nie­man­den auf sein biol­o­gis­ches Geschlecht zu reduzieren», betont Sil­ja Balmer. Wenn ein Kind oder ein Jugendlich­er* Trans­gen­der oder intergeschlechtlich (non-binär) ist, könne diese Per­son wählen, ob es sich bei Jung­wacht oder Blau­r­ing mehr zuge­hörig fühle.

Nicht nur zwei Geschlechter
Jubla ermöglicht Kindern und Jugendlichen nicht nur Gemein­schaft­ser­leb­nisse. Die Organ­i­sa­tion will auch ein Bewusst­sein für Gle­ich­berech­ti­gung ver­mit­teln und die Vielfalt der Geschlechter­rollen sicht­bar und erleb­bar machen. Das Grund­la­gen­pa­pi­er sen­si­bil­isiert dafür, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. «Es gibt Men­schen, die ihre Geschlecht­si­den­tität wed­er männlich noch weib­lich zuord­nen. Dieser Aspekt war im alten Grund­la­gen­pa­pi­er noch nicht zu find­en», so Sil­ja Balmer. In der aktu­al­isierten Ver­sion räumt Jubla selb­stkri­tisch ein, dass lokale Jubla-Ange­bote oft eine binäre Geschlechter­struk­tur wider­spiegeln. «Für Jubla ist jedoch klar, nie­man­den auf sein biol­o­gis­ches Geschlecht zu reduzieren», betont Sil­ja Balmer. Wenn ein Kind oder ein Jugendlich­er* Trans­gen­der oder intergeschlechtlich (non-binär) ist, könne diese Per­son wählen, ob es sich bei Jung­wacht oder Blau­r­ing mehr zuge­hörig fühle.

Buben kochen
Seit eh und je sind viele Ange­bote der Jubla geschlechter­ge­tren­nt. «Jung­wacht und Blau­r­ing sindin den let­zten Jahren nicht nur auf nationaler Ebene, son­dern auch in den Pfar­reien immer mehr zusam­mengewach­sen», weiss Sil­ja Balmer. Doch geschlechter­ge­tren­nte Grup­pen­stun­den sind vielerorts noch immer die Regel. Das sei auch nicht per se prob­lema­tisch. «Buben und Mäd­chen wer­den manch­mal ger­ade noch mehr mit Geschlechter­fra­gen kon­fron­tiert, wenn sie unter sich sind: Bei einem reinen Buben-Lager müssen auch die Buben Auf­gaben übernehmen, die sie son­st tra­di­tioneller­weise den Mäd­chen über­lassen wür­den wie zum Beispiel kochen und abwaschen», hält Sil­ja Balmer fest. «Bei geschlechtergemis­cht­en Lagern soll ver­mieden wer­den, dass die Buben automa­tisch die Zelte auf­bauen und alle Mäd­chen zum Blachen knüpfen eingeteilt werden.»

Stereo­type auf­brechen
Der Umgang mit Gen­der-The­men sorgt oft für kon­tro­verse Diskus­sio­nen. Doch die Rück­mel­dun­gen auf das neue Grund­la­gen­pa­pi­er seien mehrheitlich pos­i­tiv aus­ge­fall­en. «Inwiefern das Papi­er in den Scharen vor Ort the­ma­tisiert und umge­set­zt wird, hängt natür­lich von der Sen­si­bil­ität der Ver­ant­wortlichen ab. Da gibt es sich­er grosse Unter­schiede», sagt Sil­ja Balmer, «Aber das Papi­er ist ein Beitrag, damit alle das The­ma im Blick behal­ten.» In vie­len Scharen sei es schon länger Stan­dard, bei den ver­schiede­nen Anlässen und Aktiv­itäten Geschlechter­stereo­type aufzubrechen: «Das schlägt sich zum Beispiel auch auf die Lager­mot­tos nieder: Es wird darauf geachtet, dass auch weib­liche Märchen­fig­uren eine starke, aktive Rolle haben. Zum Beispiel ret­tet die Prinzessin den Prinzen und nicht umgekehrt.» In ihrer Schar gehe man sehr acht­sam mit Gen­der-The­men um. Die Jubla St.Otmar-Riethüsli set­zt unter anderem auf eine geschlechterg­erechte Sprache – in Briefen, aber auch in der mündlichen Kom­mu­nika­tion. Das Grund­la­gen­pa­pi­er wurde an der Bun­desver­samm­lung im Herb­st 2020 ver­ab­schiedet – ohne Gegenstimme.


Jubla-Haltungspapier Gender

«Wir nehmen unsere gesellschaftliche Mitver­ant­wor­tung wahr, die wir als Kinder- und Jugend­ver­band bei Geschlechterthe­men haben. Wir anerken­nen die Vielfalt von Geschlecht­si­den­titäten und machen diese Vielfalt sicht- und erleb­bar, sodass sich jede Per­son willkom­men fühlt. Wir fördern die Gle­ich­stel­lung aller Geschlechter und verurteilen jede Form von Benachteili­gung auf­grund des Geschlechts.» (aus dem Jubla-Haltungspapier«Gender»)

Zum Hal­tungspa­pi­er Gender


Text: Stephan Sigg
Bild: zvg

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