News

Freude auf mehr Frauenpower

Viele ihrer Predigten schreibt Petra Oehninger zuhause am Küchentisch statt im Büro.

Inspi­ra­tion für eine Predigt find­en und gegen Lam­p­en­fieber ankämpfen: Petra Oehninger beschreibt, was zum Predi­gen alles dazuge­hört und wie sie mit Vorurteilen umge­ht. Die 49-Jährige arbeit­et seit 14 Jahren als Seel­sorg­erin in der Region Werdenberg.

(mehr …)

«Den Kindern etwas mitgeben»

Die Glaubens­ge­mein­schaft erleb­bar machen wie im Schülertreff Click in Niederuzwil:
Dort war auch schon die Clown­frau Geron­i­ma Fröh­lich zu Besuch.

Das neue Schul­jahr startet ohne das Fach «ERG Kirchen». Doch in den Pfar­reien gibt es neue
Ideen und Pro­jek­te. Das Pfar­reifo­rum hat in Uzwil und Gos­sau nachgefragt.

Es wird nicht ein­fach­er, die christliche Botschaft unter die jun­gen Leute zu brin­gen», sagt Mar­tin Rusch, Seel­sorg­er in Gos­sau. «Aber es funk­tion­iert bess­er darüber, den Glauben erleb­bar zu machen als Reli­gion­sun­ter­richt wie vor 30 Jahren zu geben.» Rusch gehört zu jen­em Team in Gos­sau, das nach dem Aus für das Schul­fach «ERG Kirchen» (siehe Pfar­reifo­rum 01/2021) neue Ersatzange­bote aus­gear­beit­et hat. Los geht es im neuen Schul­jahr nach den Som­mer­fe­rien. Angemeldet haben sich rund 40 Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler. Während zwei Jahren wer­den sie neb­st dem Schu­lun­ter­richt den Pro­jek­tun­ter­richt der Pfar­rei besuchen.

Erleb­nis, Gemein­schaft, Feier
Die Jugendlichen kön­nten dabei zwis­chen ver­schiede­nen Ange­boten in den drei Sparten Erleb­nis, Gemein­schaft und Feier auswählen und sich so ihren Unter­richt selb­st zusam­men­stellen. So kön­nen sie beispiel­sweise von Rap­per­swil nach Ein­siedeln pil­gern und dort die Klosterkirche besichti­gen, einen Nach­mit­tag zusam­men mit Flüchtlingskindern gestal­ten, den All­t­ag ein­er Per­son im Roll­stuhl ken­nen­ler­nen oder Zeit mit Senior­in­nen und Senioren während eines Spie­le­nach­mit­tags ver­brin­gen. Auch Besuche in der Gassenküche St.Gallen und von Rorate- und Jugend­gottes­di­en­sten ste­hen auf dem Pro­gramm. Einige Ange­bote waren bere­its Teil des Schul­fach­es «ERG Kirchen», bei anderen han­delt es sich um kom­plett neue Punk­te. «Uns ist es wichtig, den Jugendlichen auf diese Weise ver­mit­teln zu kön­nen, dass es sich bei der christlichen Botschaft um eine Top­botschaft han­delt», sagt Rusch. Mit­tels Fly­ern, die in den Klassen verteilt wer­den, im direk­ten Kon­takt mit den Jugendlichen und auf ihrer Web­seite wird die Pfar­rei Gos­sau auf ihr neues Ange­bot aufmerk­sam machen.

Als Ate­lier gestal­tet
Nicht nur für die Jugendlichen der Ober­stufe, son­dern auch für die Primarschülerinnen und ‑schüler hat sich das Team in Gos­sau etwas ein­fall­en lassen. Unter dem Mot­to «Tankstelle – Dankstelle» sind die jährlich vier hal­ben Tage zusam­menge­fasst, an denen die Kinder die Kirche als zen­tralen Ort der Gemein­schaft ken­nen­ler­nen kön­nen. «Das Spezielle ist, dass sich dieses Ange­bot nicht nur an Kinder richtet, son­dern ganz bewusst an alle Per­so­n­en zwis­chen 0 und 99 Jahren», sagt Rusch. Die hal­ben Tage seien inhaltlich wie Ate­liers gestal­tet und würden jew­eils einen Kat­e­ch­eseteil sowie ein gemein­sames Essen und eine Feier bein­hal­ten. Das erste Ate­lier find­et bere­its am 11. Sep­tem­ber statt. An diesem wird die Hochzeit zu Kana The­ma sein, an der Jesus an ein­er Hochzeit Wass­er in Wein ver­wan­delte. Ein weit­eres Ate­lier ist an einem Fre­itagabend im Dezem­ber zum The­ma Advent geplant. 30 Schul­stun­den sind mit der Abschaf­fung des Fach­es «ERG Kirchen» in Gos­sau wegge­fall­en, die Reli­gion­slehrper­so­n­en zuvor jährlich mit ihren Schülerinnen und Schülern gestal­ten kon­nten. «Mit unseren neuen Ange­boten möcht­en wir das abfed­ern», sagt Mar­tin Rusch.

Ehre­namtliche unterstützen
«Es ist wichtig, die Kirche weit­er­hin als Leben­sraum erfahrbar zu machen», sagt auch Daniela Grem­minger, Seel­sorg­erin in der Katholis­chen Kirche Uzwil und Umge­bung. «Bei uns wer­den nach dem Aus des Schul­fach­es ‹ERG Kirche› aus den freige­wor­de­nen Lek­tio­nen daher Reli­gion­slehrper­so­n­en im Bere­ich Ler­nort Kirche bezahlt.» Einige der Ange­bote gebe es schon länger. Andere Ange­bote würden hinge­gen neu aufge­gleist oder stärk­er geführt. Als Beispiel nen­nt Daniela Grem­minger die Kinder­feiern, die bis­lang ehre­namtlich organ­isiert wur­den. Neu wird das zuständi­ge frei­willige Team durch eine Kat­e­chetin unterstützt. «Das ermöglicht es uns, viel flex­i­bler auf die ver­schiede­nen Bedürfnisse der Fam­i­lien einzuge­hen», sagt sie.

Über­raschung in der Kirche
Auch für die älteren Kinder und Jugendlichen ist einiges in Pla­nung. So soll beispiel­sweise im Herb­st eine Klei­der­tauschbörse für die Ober­stufe stat­tfind­en. Dort kön­nen die Jugendlichen Klei­der, die sie nicht mehr brauchen, abgeben. Im Gegen­zug bekom­men sie eine bes­timmte Anzahl Sug­us, die sie wiederum für andere Kleidungsstücke ein­tauschen kön­nen. Zudem ist eine Nacht der Kirchen vorge­se­hen, in der die Kinder und Jugendlichen, die von Kirche zu Kirche gehen, an jedem Ort etwas Spezielles ent­deck­en kön­nen. Auch die Lichter­feier beschreibt Daniela Grem­minger als beson­deres Erleb­nis. Die Feier startet zunächst mit ein­er Über­raschung in der Kirche, wech­selt dann in den Wald, wo es ein Feuer und Würste gibt, und endet mit einem Spiel. «Das sind alles sehr nieder­schwellige Ange­bote. Aber ihnen ist gemein­sam, dass sie die Glaubens­ge­mein­schaft erleb­bar machen. Wir haben den Kindern etwas mitzugeben», sagt sie. Umso wertvoller sei es, die freige­wor­de­nen per­son­ellen Kapaz­itäten nun in diese Bere­iche und in Anlässe wie das Bibelfest, den Ver­söh­nungsweg sowie in den Jugendtr­e­ff Enjoy it und den Schülertreff Click investieren zu kön­nen. (nar)

Margrit Stadler-Egli

Administrationsrätin Margrit Stadler hört auf

Nach 22 Jahren tritt Margrit Stadler-Egli Ende des Jahres von ihrem Amt als Admin­is­tra­tionsrätin zurück. Im Gespräch mit dem Pfar­reifo­rum erzählt die Bazen­hei­derin von ihren her­aus­fordernd­sten und glück­lich­sten Momenten in ihrer Amt­szeit, in welche Rollen sie am lieb­sten schlüpft und was sie jun­gen Frauen rät.

«Wenn du etwas will, musst du nach vorne und für deine Anliegen ein­ste­hen», sagt Margrit Stadler, «du darf­st dich nicht in der zweit­en Rei­he ver­steck­en. Das habe ich schon in meinem Eltern­haus gel­ernt.» Sie wächst auf einem Bauern­hof auf. «In einem dur­chaus patri­ar­chalen Sys­tem», merkt sie an. Drei Jahre Sekun­darschule? «Das hiel­ten meine Eltern für mich als Mäd­chen nicht notwendig.» Die ehe­ma­lige Gäh­wi­lerin set­zte sich durch und absolvierte schliesslich auch die Ver­wal­tungslehre. Als sie das kür­zlich bei einem Jubiläum­san­lass zum Frauen­stimm­recht am St.Galler Gal­lus-Schul­haus (Mei­tle-Flade) den Schü­lerin­nen erzählte, hin­gen ihr diese an den Lip­pen: «Heute kön­nen sich die Schü­lerin­nen das kaum mehr vorstellen, wir leben heute in ein­er kom­plett anderen Welt.» Den Schü­lerin­nen gab sie mit: «Egal ob damals oder heute, es ist nach wie vor wichtig, für etwas zu kämpfen und für ein Anliegen einzustehen.»


Später Polit-Ein­stieg

Margrit Stadler schlug alles andere als einen vorgeze­ich­neten Weg ein. Der Ein­stieg in die Poli­tik erfol­gte erst spät, nach der Fam­i­lien­phase, als die zwei Kinder erwach­sen waren. Sie wird in den St.Galler Kan­ton­srat gewählt – als Polit-New­com­erin. «Meine einzige poli­tis­che Erfahrung waren das GPK-Man­dat in der Schul­ge­meinde, das Prä­sid­i­um im Spi­tex-Vere­in und die Mitar­beit im Pfar­reirat», merkt sie an. Fast zeit­gle­ich mit der Kan­di­datur für den Admin­is­tra­tionsrat ste­ht auch die Kan­di­datur für ein Nation­al­rats­man­dat als Option im Raum: «Rück­blick­end bin ich froh, dass ich mich für den Admin­is­tra­tionsrat entsch­ieden habe», sagt die 65-Jährige, «diese Auf­gaben passten bess­er zu meinem Naturell und mein­er Per­son. Auch wenn ich eine Kämpferin bin, ist mir die Har­monie wichtig. In Bern hätte schon ein ander­er Wind geweht.»


Margrit Stadler-Egli
Margrit Stadler-Egli hat in ihrer Amt­szeit viele emo­tionale Momente erlebt.

Viele emo­tionale Momente
In 22 Jahren als Admin­is­tra­tionsrätin habe sie viele emo­tionale Momente erlebt: «Ich denke zum Beispiel an die Altarneugestal­tung in der Kathe­drale – das war ein langer und sehr emo­tionaler Prozess.» Die 200-Jahr-Feier der flade, die Wahl und Wei­he von Bischof Markus Büchel – der Admin­is­tra­tionsrat und das Kol­legium des Katholis­chen Kon­fes­sion­steils­des Kan­tons St.Gallen sind bei der Wahl des St.Galler Bischofs dabei. Das ist weltweit einzi­gar­tig. In ihre Amt­szeit fiel auch die Revi­sion der Ver­fas­sung mit der Ein­führung des Aus­län­der­stimm­recht­es und der Volksmo­tion, der Auf­bau der Dom­s­ingschule und vieles mehr. Am meis­ten Herzblut steck­te Margrit Stadler aber in ihre Auf­gaben als Schul­präsi­dentin der Flade, die sie selb­st heute als «mein Kind» bezeichnet.

Margrit Stadler-Egli
Margrit Stadler-Egli sieht die Flade als Mehrw­ert für die Stadt.


Gross­er Mehrw­ert
Die Bazen­hei­derin übern­immt das Prä­sid­i­um in ein­er schwieri­gen Phase: Es geht um die Zukun­ft der katholis­chen Schule, es müssen neue Vere­in­barun­gen mit der Stadt ver­han­delt wer­den. Ein Prozess, der sich hinzieht und dessen Aus­gang bis zum Schluss offen ist. «Ich habe das Ziel nicht aus den Augen ver­loren und mir immer wieder bewusst gemacht, dass ich Ver­ant­wor­tung für viele Angestellte habe», erk­lärt sie. «Ich werde nie den Tag vergessen, als ich mor­gens um sieben Uhr die achtzig Mitar­bei­t­en­den informieren kon­nte: Wir haben eine Lösung gefun­den.» Bei den her­aus­fordern­den Ver­hand­lun­gen habe sie gemerkt, wie wichtig es ist, sich mit Herzblut für etwas einzuset­zen. «Es gelingt nur, wenn du selb­st von etwas ganz überzeugt bist.» Margrit Stadler beze­ich­net die neuen Vere­in­barun­gen zwis­chen der Stadt und der Flade als zukun­ftsweisend. Neu ste­ht die Flade allen Schü­lerin­nen und Schülern der Stadt St.Gallen offen, unab­hängig von ihrer Kon­fes­sion. Die Flade erweit­ert ihr Ange­bot und führt auch Real-Klassen. Die Stadt übern­immt das Schul­geld für Jugendliche aus der Stadt. «Es ist für die Stadt ein gross­er Mehrw­ert, dass es eine Schule mit christlich­er Prä­gung gibt», betont Margrit Stadler, «und die Schule ist eine Chance für die Kirche: die Kirche hat einen wichti­gen Bil­dungsauf­trag. Hier kön­nen wir jun­gen Men­schen etwas fürs Leben mitgeben.»

Ort­skirche zählt
«Oft wurde ich gefragt: Was willst du als Frau bei der katholis­chen Kirche – warum tust du dir das an?», sagt Margrit Stadler. Sie habe sich als Frau in der katholis­chen Kirche immer willkom­men und respek­tiert gefühlt: «Für mich ste­ht die Ort­skirche im Vorder­grund, hier lebe ich und engagiere ich mich – und hier hat es für mich immer ges­timmt.» Sie finde es wichtig, dass Frauen sich für die Gle­ich­berech­ti­gung in der Kirche ein­set­zen. «Gle­ichzeit­ig sollte man auch sehen und schätzen, was im Bis­tum St.Gallen alles möglich ist: In der Seel­sorge, in den Gremien und auch im Admin­is­tra­tionsrat sind die Frauen heute ganz selb­stver­ständlich vertreten.»

Margrit Stadler-Egli
Margrit Stadler-Egli freut sich auf mehr Zeit mit ihren Enkelkindern und für das Theaterspielen.

Spanisch ler­nen
«Ich erre­iche mit dem 65. Geburt­stag das Pen­sion­salter, zudem wurde die 3‑jährige Ein­führungsphase des neuen Flade Schulmod­ells diesen Som­mer abgeschlossen», sagt Margrit Stadler, «das ist der richtige Zeit­punkt, um aufzuhören.» Mit dem Rück­tritt heisst es für das aktuell amt­säl­teste Mit­glied des Admin­is­tra­tionsrates auch Abschied­nehmen von der Stadt St.Gallen – die Stadt sei der waschecht­en Toggen­burg­erin ans Herz gewach­sen. Um nah am Geschehen zu sein, mietete sie während ihrer Amt­szeit eine Zweit­woh­nung in der Stadt. Sie freue sich auf die Zeit danach. «Ich spüre, dass der näch­ste Lebens­ab­schnitt viel Poten­zial für Neues bere­i­thält, darauf freue ich mich.» Konkrete Pläne will sie noch nicht schmieden. Sie freut sich auf mehr Zeit mit ihrem Mann, den Kindern und den Enkelkindern. «Ich möchte Spanisch ler­nen», sagt sie. Ihre Schwiegertochter, eine gebür­tige Mexikaner­in, möchte ihr näm­lich schon lange ihre Heimat zeigen. «Da will ich mich ver­ständi­gen kön­nen.» Und für eines soll kün­ftig wieder mehr Zeit sein: Das The­ater­spie­len. Sie spielte in der von ihr mit­ge­grün­de­ten The­ater­gruppe Bazen­heid, später grün­dete sie mit fünf Frauen die „The­ater­ladies“. Bis heute standen sie über vier­hun­dert Mal vor Pub­likum auf der Bühne. Margrit Stadler erzählt von den ver­schiede­nen Rollen, die sie über­nom­men hat: «Der Kapuzin­er, Petrus oder der Bahn­hofsvorste­her … Es waren immer Män­nerrollen. Das war jedes Mal eine beson­dere Erfahrung.» Die Freude der Zuschauerin­nen und Zuschauer habe ihr viel Kraft gegeben. «Bei diesem Hob­by kon­nte ich immer meine Energiequellen wieder aufladen.» Die schei­dende Admin­is­tra­tionsrätin strahlt und man ahnt, dass sie auch in Zukun­ft in manch uner­wartete Rolle schlüpfen wird.

Text: Stephan Sigg
Bilder: Ana Kontoulis

Berggottesdienste

Auch in diesem Som­mer find­en im Alp­stein und in anderen Regio­nen des Bis­tums St.Gallen zahlre­iche Berggottes­di­en­ste statt. Hier find­en Sie eine Übersicht.

(mehr …)
Sr. Rosmarie (links) und Sr. Ursula

«Der Abschied fällt nicht leicht»

Sr. Ros­marie und Sr. Ursu­la nehmen Abschied vom Kloster Rap­per­swil: Das Ange­bot «Kloster zum Mitleben» wird in diesem Som­mer eingestellt – trotz gross­er Nach­frage. Damit endet eine 23-jährige Zusam­me­nar­beit zwis­chen Men­zinger-Schwest­ern und den Kapuzinern.

Ein Som­mertag wie aus dem Bilder­buch. Die bei­den Men­zinger-Schwest­ern Ros­marie Sieber und Ursu­la Raschle set­zen sich auf die Ter­rasse des Klosters. Beim Blick auf den Zürich­see begin­nen sofort die Erin­nerun­gen an ihre Jahre im Kloster Rap­per­swil zu sprudeln. «Der Abschied fällt nicht leicht», sagt Sr. Ursu­la, gebür­tige Ostschweiz­erin, «doch jet­zt ist Zeit für etwas Neues.» Nach rund dreis­sig Jahren wird das Ange­bot «Kloster zum Mitleben» been­det. 2022 soll ein neues Ange­bot starten. «Die Ver­ant­wortlichen hät­ten es begrüsst, dass wir weit­er­hin dabei sind», hält Sr. Ursu­la fest, «aber wir haben gemerkt, dass jet­zt jün­gere Kräfte am Zug sind. Zudem schien es uns sin­nvoller, dass die Neuaus­rich­tung auch von neuen Ver­ant­wortlichen begleit­et und geprägt wird.» Auch in Zukun­ft soll das Kloster Rap­per­swil ein «Kloster zum Mitleben» sein. Das neue Konzept ist aber noch in Entwick­lung. Kün­ftig soll das Pro­jekt noch stärk­er öku­menisch aus­gerichtet sein.

Inno­v­a­tives Mod­ell
Vor 23 Jahren begann in Rap­per­swil ein inno­v­a­tives Kloster-Mod­ell: Zwei Ordens­frauen leben gemein­sam mit den Kapuzin­ern. Das war nicht nur damals ein Novum. Dieses beson­dere Mod­ell ist bis heute einzi­gar­tig in der deutschsprachi­gen Kloster­land­schaft. «Wir haben uns immer sehr wohlge­fühlt, wir erlebten das Miteinan­der wie Geschwis­ter », sagt Sr. Ros­marie. Doch wie viele Klöster wurde auch die Gemein­schaft in Rap­per­swil in den let­zten Jahren älter und klein­er. Manche Brüder zogen in andere Klöster. «Wir mussten auf­passen, nicht immer mehr in eine klas­sis­che Frauen­rolle gedrängt zu wer­den», hält Sr. Ros­marie fest, «beispiel­sweise ver­liess uns der Koch und plöt­zlich waren wir auch noch für die Küche zuständig.» 

Zeit für Gäste
Viele Suchende aus der Schweiz, aber auch aus dem benach­barten Aus­land ver­bracht­en kürzere und län­gere Aufen­thalte im Kloster Rap­per­swil. Die Men­zinger-Schwest­ern haben sie begleit­et und in den Seel­sorgege­sprächen viel über die Nöte und Sehn­süchte erfahren. «Die Nach­frage nach solchen Ange­boten ist unge­brochen», sagt Sr. Ursu­la, «für viele ist es eine ganz wichtige Erfahrung, dass jemand Zeit für sie hat und ihnen zuhört. Manche ver­standen selb­st nicht, wie gross ihr Bedürf­nis war, endlich mal alles erzählen zu kön­nen.» Es habe die bei­den über­rascht, was der Aufen­thalt im Kloster bei manchen Gästen bewirk­te und dass selb­st in der kurzen Zeit eine Verän­derung wahrnehm­bar war. Mit manchen blieben sie auch noch nach ihren Aufen­thal­ten im Kon­takt – per Mail und Tele­fon. Eines hat nicht nur die Gäste, son­dern auch die bei­den Schwest­ern immer wieder beein­druckt: «Das Kloster liegt zen­tral, ganz nah bei den Men­schen. Doch sobald man die Klostertür hin­ter sich geschlossen hat, ist man wie in ein­er anderen Welt.»

«Wir mussten auf­passen, nicht immer mehr in eine klas­sis­che Frauen­rolle gedrängt zu werden»


Neue Auf­gaben
Dem Neustart sehen die bei­den Ordens­frauen opti­mistisch ent­ge­gen. Der Ortswech­sel biete die Chance für einen klaren Bruch. Sr. Ros­marie zieht in die Zen­trale der Men­zinger-Schwest­ern in Men­zin­gen ZG. Dort soll sie Auf­gaben im Bere­ich Kom­mu­nika­tion ver­ant­worten. Sr. Ursu­la wird kün­ftig im Mari­a­heim in Ein­siedeln leben, wo sie die Leitung der Gemein­schaft übernehmen wird. Fün­fzehn Schwest­ern leben dort, einige schon hochbe­tagt. «Ich freue mich auf die Kon­tak­te mit den älteren Mitschwest­ern. Ich möchte mir Zeit für sie und ihre Lebens­geschicht­en nehmen», so
Sr. Ursu­la. «Wir lassen uns nochmals ein auf einen neuen Ort, auf eine neue Gemein­schaft und eine neue Auf­gabe – natür­lich ist das in unserem Alter auch ein Wag­nis.». In Rap­per­swil hät­ten sie ein sehr selb­st­ständi­ges und unab­hängiges Leben geführt. «Jet­zt müssen wir uns wieder mehr in die Hier­ar­chie ein­fü­gen», ist sich Sr. Ros­marie bewusst, «daran werde ich mich zunächst wieder gewöh­nen müssen.» Auch wenn vieles noch unklar sei, lassen sie sich ver­trauensvoll auf das Neue ein: «Auch die Mut­ter Bernar­da Heim­gart­ner, die Grün­derin unser­er Gemein­schaft, wagte immer wieder Auf­brüche und Neuan­fänge. Sie ist für mich ein Vor­bild, das mir Mut macht», sagt Sr. Ursu­la und Sr. Ros­marie ergänzt: «Und wir dür­fen darauf ver­trauen, dass der Heilige Geist uns unterstützt.»

Stephan Sigg

Pfarreiforum HV 2021

26. Mai 2021, Start: 19.15 Uhr (Ein­loggen ab 19.00 Uhr)

Bitte melden Sie sich vor­ab im Doo­dle an (Tra­gen Sie Ihren Namen und Ihre Kirchge­meinde bzw. Zweck­ver­band ein):

Anmel­dung via Doodle

Mit fol­gen­dem Zoom-Link kön­nen Sie am 26. Mai an der HV teilnehmen:

Zoom-Link

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Vom Vater zum Backen inspiriert

Andreas Scham­bron hat eine eigene Bäck­erei in Ebnat-Kap­pel. Sil­vio Scham­bron arbeit­et bei ein­er regionalen Bäck­erei mit mehreren Fil­ialen. Vater und Sohn erzählen, wie sich der Beruf und der Wert des Brotes wan­delt. Welchen Ein­fluss haben diese Verän­derun­gen auf die beiden?

70-Stun­den-Wochen und die zunehmende Konkur­renz durch die Grossverteil­er: Andreas Scham­bron, wie fan­den Sie es, dass Ihr Sohn genau wie Sie Bäck­er wer­den wollte?

Sil­vio Scham­bron: Darf ich vor­weg­greifen? Für mich war von Anfang an klar, dass ich anders als mein Vater nie ein eigenes Geschäft würde haben wollen. Ich habe bei meinem Vater gese­hen, was das heisst und wie viel Zeit er in die eigene Bäck­erei steckt. Ich habe einen etwas anderen Weg gewählt und arbeite in ein­er regionalen Bäck­erei mit mehreren Fil­ialen. Dort kon­nte ich mich spezial­isieren und bin aktuell Einkauf­sleit­er. Es ist ein span­nen­der Job mit dem Vorteil, dass ich nach Feier­abend auch ein­fach abschal­ten kann.

Andreas Scham­bron: Als klar war, dass du Sil­vio eben­falls Bäck­er wer­den woll­test, wollte ich dir das zunächst ausre­den. Ich wollte nicht, dass du den Beruf wegen mir lernst. Aber du warst schon überzeugt und da freute ich mich natür­lich. Aber ich habe dir emp­fohlen, die Lehre in einem anderen Betrieb zu machen. Es ist wichtig, eigene Erfahrun­gen zu sam­meln. Für mich ist es beispiel­sweise nie in Frage gekom­men, den Betrieb mein­er Eltern zu übernehmen. Sie besassen im aar­gauis­chen Rudolf­stet­ten-Friedlis­berg eine Bäck­erei, zu der ausser­dem eine Beiz gehörte. Das war mir aber zu viel. So arbeit­ete ich an ver­schiede­nen Orten in der Schweiz, bis ich eines Tages eine Bäck­erei in Ebnat-Kap­pel ent­deck­te, die zum Verkauf aus-geschrieben war. Mit­tler­weile lebe und arbeite ich hier seit 26 Jahren.

Das Bäck­er­gen scheint in Ihrer Fam­i­lie zu steck­en. Woran erin­nern Sie sich am liebsten?

Andreas Scham­bron: Schon als Kind war ich oft in der Back­stube meines Vaters und durfte ihm dabei helfen, Guet­zli in Schog­gi zu tunken oder abends einen Vorteig zu machen. Am meis­ten liebte ich aber frischge­back­ene Bür­li. Bere­its in der Pri­marschule war für mich klar, dass ich Bäck­er wer­den würde.

Sil­vio Scham­bron: Ich war wohl defin­i­tiv auch von meinem Vater vorgeprägt. Als Kind ging ich gerne in der Back­stube. Ich liebte die Gerüche in der Wei­h­nacht­szeit und dass ich manch­mal die Lebkuchen aus­gar­nieren durfte. Und genau wie mein Vater wusste ich schnell, dass ich etwas mit Lebens­mit­teln machen und entwed­er Koch oder Bäck­er wer­den wollte.

Sie sind Bäck­er aus ver­schiede­nen Gen­er­a­tio­nen. Führt das zu Meinungsverschiedenheiten?

Andreas Scham­bron: Das nicht. Aber Sil­vio denkt bes­timmt, ich bin ein stur­er Bock. Und ja, in der Tat: Einige der neuen Entwick­lun­gen tun mir im Herz weh, ich bin eben vom alten Korn. Ich bin bekan­nt für grosse Brote und dafür, dass ich alles frisch backe. In Bäck­ereien mit Fil­ialen wird das Brot zen­tral vorge­back­en, dann aus­geliefert und in der jew­eili­gen Fil­iale fer­tig geback­en. Damit kann ich mich als klas­sis­ch­er Dorf­beck nicht anfre­un­den. Ich mache von Anfang bis Ende alles selber.

Sil­vio Scham­bron: Mein­er Mei­n­ung nach schmeckt man da keinen Unter­schied. Das Brot kommt frisch aus dem Ofen. In der heuti­gen Zeit wün­scht sich die Kund­schaft eine grosse Auswahl ver­schieden­er Spezial­brote. Da müssen ger­ade grössere Bäck­ereien mit mehreren Fil­ialen ihre Abläufe opti­mieren. Im Bere­ich der Dig­i­tal­isierung hat sich dies­bezüglich in den ver­gan­genen Jahren viel verän­dert. Von Hand aus­ge­füllte Backzettel mit Men­gen­berech­nun­gen für den näch­sten Tag gibt es bei uns beispiel­sweise nicht mehr. Mein Vater und ich kön­nen einan­der aber auch unter­stützen: Er kann von meinem Prozess­denken prof­i­tieren, ich wiederum von sein­er Lebens- und Beruf­ser­fahrung und seinem Ver­ständ­nis für die einzel­nen Produkte.

Sie bei­de arbeit­en bei Bäck­ereien, die jew­eils in der Fas­ten- zeit bei der Aktion «Brot zum Teilen» mit­machen. Mit dem Erlös von 50 Rap­pen pro Brot wer­den ver­schiedene Pro­jek­te im Süden unter­stützt. Warum dieses Engagement?

Andreas Scham­bron: Für mich ist das eine Herzenssache, etwas für andere zu tun. Wenn ich mir etwas für die Zukun­ft wün­schen kön­nte, dann dass sich mehr Men­schen auf Werte wie Näch­sten­liebe zurückbesin­nen wür­den. Ich wün­sche mir mehr Gelassen­heit und einen respek­tvolleren Umgang der Men­schen miteinan­der. Mir per­sön­lich hil­ft dabei mein Glaube.

Sil­vio Scham­bron: Ich finde solche Aktio­nen wichtig. Wir haben eine grosse Ver­ant­wor­tung gegenüber der Zukun­ft. Als Bäck­ereien kön­nen wir dazu beispiel­sweise etwas beitra­gen, indem wir regionale Pro­duk­te beziehen wie etwa Toggen­burg­er Mehl, Alter­na­tiv­en zu Palmöl ein­set­zen oder uns im Bere­ich Food­waste weit­er­en­twick­eln. Auch dabei prof­i­tieren wir von der Dig­i­tal­isierung und Apps wie «To good to go». Let­ztere verbindet Kun­den mit Restau­rants und Läden, die über­schüs­sige und nicht verkaufte Pro­duk­te zu einem stark reduzierten Preis anbi­eten. Aber qual­i­ta­tiv hochste­hende Pro­duk­te kosten natür­lich etwas mehr. Das ste­ht im Gegen­satz zum verän­derten Kun­den-ver­hal­ten. Viele Men­schen wollen immer weniger für Lebens­mit­tel aus­geben. Das bere­it­et mir Sor­gen. (nar)

Zum Inter­view

Pater Stephan Dähler

Marienburg: Adieu nach 93 Jahren

Die Tage in Thal SG sind für die Steyler Mis­sion­are gezählt: Nach 93 Jahren wer­den sie die Marien­burg aufgeben. Wie es genau mit den sieben Patres weit­erge­ht, sei noch nicht entschieden.

«Momen­tan wer­den ver­schiedene Optio­nen geprüft», sagt Pater Stephan Däh­ler. Die Her­aus­forderung sei, eine Lösung zu find­en, die sowohl für die jün­geren wie für die älteren Patres passt. Was fest­ste­ht: Der Ver­trag für das Gebäude läuft Ende Okto­ber aus (siehe Kas­ten). Auch wenn die Steyler Mis­sion­are kün­ftig keine grössere Nieder­las­sung im Bis­tum St.Gallen mehr haben wer­den, wollen sie weit­er­hin in der Seel­sorge im Bis­tum tätig sein. «Beson­ders in den Pfar­reien der Seel­sorgeein­heit Buech­berg, zu der die Marien­burg gehörte, wollen wir weit­er­hin präsent sein», betont Pater Stephan. Eine Option sei, dass die Patres kün­ftig dezen­tral in Woh­nun­gen leben. «Diese Lösung reibt sich aber mit dem Gemein­schafts­gedanken», räumt Pater Stephan ein.

Steyler Missionare verlassen die Marienburg Thal
Auf dem Gelände der Marien­burg soll neuer Wohn­raum entstehen.
Marienburg Thal
Pater Stephan Dähler
Pater Stephan Däh­ler wird auch kün­ftig als Seel­sorg­er im Bis­tum tätig sein.


Mis­sion­ar­ische Arbeit
Stephan Däh­ler, aufgewach­sen in Gais AR, ist selb­st ehe­ma­liger Schüler der Marien­burg. Heute ist der The­ologe Prov­inzial (Leit­er) der Mit­teleu­ropäis­chen Prov­inz der Steyler Mis­sion­are und pen­delt zwis­chen Wien und Thal. Auss­er im Mis­sion­shaus St.Gabriel (bei Wien), wo über 40 Mis­sion­are zusam­men­leben, gibt es in der ganzen Prov­inz ver­streute Nieder­las­sun­gen. «Auch an anderen Stan­dorten von uns in Frankre­ich, Kroa­t­ien und Öster­re­ich sind wir mit der Zukun­fts­frage beschäftigt», sagt er. Vor kurzem sei eine Nieder­las­sung bei Salzburg aufgegeben wor­den. «Man muss real­is­tisch sein: Die Zeit der grossen katholis­chen Gemein­schaften ist vor­bei», sagt er. In der Ostch­weiz seien die Steyler Mis­sion­are heute fast zu hun­dert Prozent in der Pfar­reiseel­sorge tätig. «Das ist eine Her­aus­forderung für die konkrete Gestal­tung des Gemein­schaft­slebens. Dieses ist ein wichtiger Pfeil­er für unser mis­sion­ar­isches Wirkens vor Ort.»

Marienburg Thal
Auf dem Gelände ste­hen die ältesten Mam­mut­bäume der Schweiz.

Älteste Mam­mut­bäume
Sieben Patres leben zurzeit noch in der Marien­burg, früher waren es auch schon mal über 25. Über neun­zig Jahre waren die Steyler Mis­sion­are in Thal SG präsent. 1929 kauften sie die Wein­burg und gaben ihr den Namen Marien­burg. Bis 2012 wurde die Inter­nats- und Tagess­chule von ein­er Stiftung geführt. Im Park der Marien­burg ste­ht der älteste Mam­mut­baum der Schweiz. Er wurde 1858 von der Köni­gin Vik­to­ria in Eng­land der dama­li­gen Besitzerin, dem Fürsten­haus Hohen­zoller-Sig­marin­gen geschenkt. Aus dieser Zeit stammt der Park. Aktuell ist im Gebäude des ehe­ma­li­gen Schul­be­triebes der Trägervere­in Inte­gra­tionspro­jek­te des Kan­tons St.Gallen (TISG) eingemietet welch­er darin unbe­gleit­ete min­der­jährige Asyl­be­wer­ber unter­bringt. Nun soll hier neuer Wohn­raum entste­hen. 2016 kaufte die Indus­triehold­ing Men­zi Muck Gruppe AG mit Sitz in Kriessern das Anwesen.

Am Pfin­gst­mon­tag soll der öffentliche Abschieds­gottes­di­enst mit anschliessen­dem Fest gefeiert wer­den. «Wir hof­fen, dass es bis dann trotz Coro­na-Sit­u­a­tion wieder möglich ist, mit ein­er grösseren Gemein­schaft zu feiern, sodass auch viele der ehe­ma­li­gen Marien­burg-Schü­lerin­nen und ‑Schüler dabei sein kön­nen», so Pater Stephan.

Kapelle Marienburg Thal
Kapelle der Marien­burg Thal

Prä­gend für das Bistum

Felix Bischof­berg­er, Präsi­dent des Steyler Fre­un­deskreis­es, beze­ich­net das Ende der Marien­burg als Zäsur für die Region, aber auch für das Bis­tum. «Diese Entwick­lung hat sich abgeze­ich­net, alle kon­nten sich darauf vor­bere­it­en», sagt er, «trotz­dem ist es ein emo­tionaler Moment.» Die Marien­burg habe nicht nur das Bis­tum St.Gallen, son­dern die gesamte Kirche der Deutschschweiz geprägt. «Viele ehe­ma­lige Schüler sind heute als Seel­sorg­er tätig oder engagieren sich frei­willig in ihren Pfar­reien. Und auch in vie­len Pfar­reiräten und Kirchen­ver­wal­tun­gen sind ehe­ma­lige Schüler vertreten.» Zu den ehe­ma­li­gen Schülern gehören zum Beispiel auch Bischof Markus Büchel. «Unser Vere­in hat 1300 Mit­glieder. Es wäre ein gross­er Ver­lust, dieses Net­zw­erk aus­laufen zu lassen. Wir haben uns deshalb schon vor vier Jahren bewusst dafür entsch­ieden, den Vere­in in die Zukun­ft zu führen.» Der Alum­ni-Vere­in wurde zum Steyler-Fre­un­deskreis weit­er­en­twick­elt. «Auf diese Weise soll es möglich sein, unab­hängig von der Marien­burg auch kün­ftig die wichtige Arbeit der Steyler Mis­sion­are zu unter­stützen – in der Schweiz, aber auch bei ihren zahlre­ichen Pro­jek­ten in Asien, Afri­ka und Südamerika.»

Marienburg Thal
Die Schule in der Marien­burg wurde 2012 geschlossen.
Steyler Missionare verlassen die Marienburg Thal
93 Jahre lebten die Steyler Mis­sion­are in der Marien­burg Thal
Steyler Missionare verlassen die Marienburg Thal

Text: Stephan Sigg, Bilder: Ana Kontoulis

Arnd Bünker

«Ein Baustein, um in die Zukunft zu gehen»

16.03.21 Braucht das Pfar­reifo­rum einen neuen Namen? Darüber haben an einem Info-Anlass vom Pfar­reifo­rum 40 Teil­nehmende disku­tiert. Arnd Bünker (siehe Bild) vom Schweiz­erischen Pas­toral­sozi­ol­o­gis­chen Insti­tut (SPI) in St.Gallen lieferte einen Überblick über die aktuelle Kirch­enen­twick­lung und die Bedeu­tung für ein diöze­sanes Pfarrblatt.

«Wir disku­tieren heute über ein brisantes The­ma, bei dem die Mei­n­un­gen weit auseinan­der gehen.» Mit diesen Worten begrüsste Bar­bara Häch­ler, Admin­is­tra­tionsrätin des Katholis­chen Kon­fes­sion­steils des Kan­tons St.Gallen und Präsi­dentin des Vere­ins Pfar­reifo­rum – Pfar­rblatt im Bis­tum St.Galllen, die 40 Teil­nehmenden des Zoom-Anlass­es zum The­ma «Neuer Name fürs Pfar­reifo­rum?» am 11. März 2021. Die Teil­nehmenden set­zten sich unter anderem aus Kirchen­ver­wal­tungsrätIn­nen, Seel­sorg­erIn­nen, Bis­tumsvertreterIn­nen und Redak­tion­s­mit­gliedern zusam­men. Pan­demiebe­d­ingt fand der Anlass online statt. Ziel war es, eine fundierte Grund­lage für die Abstim­mung über einen Namenswech­sel der Pub­lika­tion Pfar­reifo­rum an der Hauptver­samm­lung des Vere­ins Pfar­reifo­rum am 26. Mai 2021 zu schaf­fen. Dafür soll­ten am Zoom-Anlass vor allem die gesellschaftliche Gesamt­si­t­u­a­tion und die kirch­liche Real­ität beleuchtet werden.

Zwei Kirchenaus­tritte auf eine Taufe

Als Ref­er­ent ein­ge­laden war Arnd Bünker, Leit­er des Schweiz­erischen Pas­toral­sozi­ol­o­gis­chen Insti­tuts (SPI) in St.Gallen. «Was ich Ihnen präsen­tieren möchte, ist der Ver­such, eine extrem kom­plizierte Beziehung zu erk­lären», sagte Bünker. «Es geht um die Beziehung viel­er Kirchen­mit­glieder zur Kirche und zur Pfar­rei. Viel Roman­tik ist da nicht mehr. Die Beziehung ist oft abgekühlt.» Zunächst ging Bünker auf aktuelle Zahlen ein. So sind 2019 in der Deutschschweiz rund 32’000 Per­so­n­en aus der Kirche aus­ge­treten. Allein im Kan­ton St. Gallen waren es rund 3’400 Men­schen. 2019 kamen im Kan­ton St.Gallen auf zwei Kirchenaus­tritte auf eine Taufe. «Dieser Trend wird sich fort­set­zen», sagt Bünker. Immer wenn Skan­dale oder Ärg­ernisse hinzukom­men, nehmen die Kirchenaus­tritte zusät­zlich nochmals zu.

Einein­halb Mil­lion Kirchen­mit­glieder in der Schweiz kön­nen gemäss Bünker mit der Kirche kaum noch etwas anfan­gen. «Ein Drit­tel der Kirchen­mit­glieder hat schon über einen Aus­tritt nachgedacht», sagt er und betont, wie wichtig das Pfar­reifo­rum als Gesprächsin­stru­ment ger­ade auch mit den Mit­gliedern sei, die weit ent­fremdet sind.

Bünker unterteilt die Kirchen­mit­glieder in die «Behei­mateten» und in die «Dis­tanzierten». Zu den Behei­mateten zählen rund 20 Prozent. Sie erleben Kirche vor allem in ihrer Pfar­rei. Glaube hat einen fes­ten Platz in ihrem All­t­ag. Dis­tanzierte machen mit zwei Drit­teln der Kirchen­mit­glieder allerd­ings die Mehrheit aus. Per­sön­liche brauchen sie die Kirche nicht, find­en es aber gut, wenn die Kirche für andere da ist.

Für Dis­tanzierte und Beheimatete

«Das Pfar­reifo­rum soll nun Behei­matete und Dis­tanzierte gle­icher­massen ansprechen. Aber kann das über­haupt gelin­gen?», fragte Arnd Bünker. Behei­matete wür­den unab­hängig vom Namen zum Pfar­reifo­rum greifen. Bei den Dis­tanzierten hinge­gen wür­den Fra­gen im Vorder­grund ste­hen, «wieviel nahe Kirche, wieviel Pfar­rei, wieviel Kircheniden­ti­fika­tion mit dem Cov­er des Pfar­reifo­rums und mit dem Titel Pfar­reifo­rum gegeben sei» ? Bünker fragt: Passt das zum Ver­such, die Kom­mu­nika­tion mit den Dis­tanzierten möglichst vor­sichtig und behut­sam wieder aufzunehmen? Oder ver­schreckt der Titel eher diejeni­gen Kirchen­mit­glieder, um die wir uns eigentlich beson­ders küm­mern müssten?»

Über let­ztere Fra­gen disku­tierten die Teil­nehmenden in Grup­pen. Die Ergeb­nisse wur­den anschliessend im Plenum präsen­tiert. So zeigten sich viele Teil­nehmende über­rascht darüber, dass zwei Drit­tel aller Kirchen­mit­glieder Dis­tanzierte sind. Es kam die Frage auf, ob der Name der Pub­lika­tion wirk­lich so wichtig sei oder ob es nicht eher auf das Lay­out und den Inhalt ankomme. Einige sprachen sich für einen neuen Namen aus, um auch jene Kirchen­mit­glieder zu erre­ichen, die keinen Bezug zu ein­er Pfar­rei und somit zum «Pfar­reifo­rum» haben.

Skep­sis gegen Mut: Das waren die zwei Emo­tio­nen, die sich an diesem Abend am stärk­sten abze­ich­neten. «Mein­er Mei­n­ung nach ist der Name auss­chlaggebend für die Wahrnehmung», sagte Präsi­dentin Bar­bara Häch­ler. Das Pfar­reifo­rum hat eine Auflage von rund 122’000 Exem­plaren und ist für viele der einzige Kon­takt, den sie mit der Kirche haben. «Das Pfar­reifo­rum kann daher ein Baustein dafür sein, als Kirche erfol­gre­ich in die Zukun­ft zu gehen», sagte sie.  (nar)

Video Refer­at Arnd Bünker

Perplex bei Witzen über Armut

Satirik­er Rena­to Kaiser bei dig­i­talem Anlass der Caritas

Armut in der Schweiz sei für ihn als Satirik­er ein absur­des The­ma, sagt Rena­to Kaiser. Der St.Galler erzählt, wieso Armut ein Gesicht braucht und wie Witze über Vorur-teile funktionieren.

«Unfair finde ich es, wenn man den Leuten auf der Strasse Geld wegen ihrem Erschei­n­ungs-bild gibt. Ich zum Beispiel bin pri­vat sehr schlecht gek­lei­det. Also nicht, weil ich kein Geld habe, son­dern ein­fach keinen Stil. Es kön­nte also dur­chaus sein, dass ein Obdach-los­er mich von oben bis unten anschaut, mir das Geld zurück­gibt und sagt, ich hätte das Geld nötiger als er.» Der St.Galler Satirik­er Rena­to Kaiser ste­ht auf der Bühne. In vorder­ster Rei­he im Pub­likum sitzt eine allein­erziehende Mut­ter, die am Exis­tenzmin­i­mum lebt. Neben ihr zu sehen ist ein Mann, der nach einem Burnout alles ver­lor. Und dann ist da noch Markus, der bei Pflegeel­tern und im Heim aufwuchs und für den das Schlimm­ste an der Armut die soziale Ver­wahrlosung ist. Nachgeschaut wer­den kann die Szene im SRF Archiv. Sie ist Teil der Sendung «Tabu», in der Rena­to Kaiser 2019 einige Tage mit von Armut betrof­fe­nen Men­schen ver­brachte und ver­suchte, der Armut in der Schweiz ein Gesicht zu geben.

Reich und fair

«Armut in der Schweiz ist für mich als Satirik­er eines der inter­es­san­testen The­men, denn es ist ein absur­des The­ma. Ich baue es seit Jahren regelmäs­sig in meine Pro­gramme ein», sagt Rena­to Kaiser gegenüber dem Pfar­reifo­rum. Er nen­nt das The­ma deshalb absurd, weil man auf den ersten Blick meinen kön­nte, Armut gebe es in der Schweiz eigentlich gar nicht, da die Schweiz doch so reich ist und irgend­wie fair daherkommt. «Bringe ich also Witze über Armut, dann sind viele im Pub­likum erst ein­mal aufrichtig per­plex. Manche haben sich noch nie Gedanken über dieses Prob­lem gemacht», sagt der 35-Jährige. Als Gegen­beispiel nen­nt er Sex­is­mus oder Ras­sis­mus – bei­des The­men, die mit ver­gle­ich­sweise mehr offen­sichtlichen Vorurteilen belastet seien.

Eigene Vorurteile entlarven

Das näch­ste Mal das The­ma Armut im Rah­men sein­er Auftritte aktu­al­isieren wird Rena­to Kaiser am 25. März. Dann hat ihn die Car­i­tas als Haupt-Act am dig­i­tal­en Frei­willi­ge­nan­lass «Gemein­sam gegen Armut mit Rena­to Kaiser» gebucht (siehe Text unten). The­ma des Abends ist unter anderem, wie sich im ganzen Car­i­tas-Netz in der Schweiz 4600 Men­schen gegen Armut ein­set­zen. «Bei Ver­anstal­tun­gen wie bei der Car­i­tas wis­sen eigentlich alle bess­er über das The­ma Bescheid als ich. Meine Auf­gabe als Satirik­er ist es daher, nicht ober­lehrerhaft daherzukom­men, son­dern den Blick von aussen hineinzubrin­gen», sagt Rena­to Kaiser. «Zweck der Satire ist es, nach oben auszuteilen und auch seine eige­nen Vorurteile zu ent­lar­ven.» Auf diese Weise gelinge es, Witze über harte The­men wie Armut zu machen. Rena­to Kaiser geht dabei oft von sich sel­ber aus: Was geht ihm durch den Kopf, wenn ihn auf Strasse ein Obdachlos­er um Geld bit­tet? Oder: Was denkt er, wenn wieder ein­mal Schlagzeilen liest wie etwa «Der frech­ste Sozial­hil­febezüger»? Die Art und Weise, wie in den Medi­en über Sozial-hil­febe­trof­fene berichtet wurde, war es denn auch, die ihn einst auf das The­ma Armut in der Schweiz aufmerk­sam machte. «Ich fand diese Sprache so komisch, dass ich mich zu fra­gen begann, woher das kommt», sagt er. (nar)

Frei­willig gegen Armut

An den dig­i­tal­en Frei­willi­ge­nan­lass «Gemein­sam gegen Armut mit Rena­to Kaiser» am 25. März 2021 sind alle ein­ge­laden, die sich für das frei­willige Engage­ment in der Car­i­tas inter­essieren oder sich bere­its als Frei­willige betäti­gen. Der Link zur Online-Ver­anstal­tung wird auf www.caritas-stgallen.ch pub­liziert. Ohne das frei­willige Engage­ment wäre die Bekämp­fung von Armut in der Schweiz nicht machbar.

Pfarrblatt im Bistum St.Gallen
Webergasse 9
9000 St.Gallen

T +41 71 230 05 31
info@pfarreiforum.ch