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Pele Mathys

«Der Sternenhimmel verbindet uns»

«Zu Beginn war ich mit mir sel­ber im Clinch», sagt Pele Math­ys Anfangs Novem­ber beim Inter­view mit dem Pfar­reifo­rum. Sie lacht und erk­lärt: «Ich habe mich gerne auf diese Her­aus­forderung ein­ge­lassen, auch wenn das Pro­jekt rel­a­tiv kurzfristig umge­set­zt wer­den musste und mir einige Vor­gaben gestellt wur­den.»

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Wie lässt sich in Zeiten von Corona und Abstandsregelungen trotz Distanz trauern? Das hat das Pfarreiforum Jacqueline Bollhalder vom Trauercafé in Gossau gefragt.

Sich umarmt fühlen

Bild: pixabay.com

Wie lässt sich in Zeiten von Corona und Abstandsregelungen trotz Distanz trauern? Das hat das Pfarreiforum Jacqueline Bollhalder vom Trauercafé in Gossau gefragt.

Tipp 1: Eigene Abschiedsfeier gestalten

Wer nicht an einem Begräb­nis teil­nehmen kann, kann stattdessen eine häus­liche Feier gestal­ten. Eine bren­nende Kerze, ein Foto oder ein Musik­stück erin­nern an die ver­stor­bene Per­son. Erkundi­gen Sie sich zudem bei der zuständi­gen Seel­sorg­erin oder dem Seel­sorg­er nach den Tex­ten, die während der Trauer­feier gele­sen wer­den. Auch Trauer­cafés und Trauertr­e­ffs bieten häu­fig Broschüren mit Gebeten, Tex­ten und Impulsen an, die durch die Trauer­phase helfen. Gedanken und Gefüh­le lassen sich dabei per What­sapp oder Tele­fon mit Ange­höri­gen und Fre­un­den teilen.

Tipp 2: Alltagsgegenstände, die durch den Tag helfen

«Neb­st spir­ituellen Tex­ten kön­nen auch ganz alltägliche Dinge Trost spenden », sagt Jacque­line Boll­halder vom Trauer­café Gos­sau. Sie nen­nt als Beispiel Glas­murmeln, die sie während eines Tre­ffs an die Teil­nehmenden verteilt hat­te. Sym­bol­isch lassen sich Gedanken und Gefüh­le, aber auch Wün­sche für die ver­stor­bene Per­son in die Murmel leg­en und in die Ver­gan­gen­heit aber auch in die Zukun­ft blick­en. «Ein Teil­nehmer erzählte mir, dass er die Murmel sei­ther immer bei sich trage und sie ihm in schwieri­gen Sit­u­a­tio­nen weit­er­helfe», sagt Jacque­line Boll­halder. Eine weit­ere Idee find­et sich auf der Home­page der Katholis­chen Kirche Luzern: Zu einem verabre­de­ten Zeit­punkt kön­nen Ange­hörige ihre Gedanken in Fed­ern, Ästchen oder dünne Zweige leg­en, diese dann dem Wind übergeben und so bewusst loslassen.

Tipp 3: Trostkissen statt Umarmungen

Nichts hil­ft in Trauer­phasen so sehr wie Umar­mungen. «Ger­ade ältere Trauernde erzählen mir, wie sehr ihnen vor allem die Umar­mungen der Grosskinder fehlen», sagt Jacque­line Boll­halder. «Kinder helfen einem gut über Trauer hin­weg, weil sie anders mit dem Tod umge­hen als Erwach­sene. Sie akzep­tieren diesen viel ein­fach­er.» Ganz auf die Enkelkinder verzicht­en müssen Sie aber auch während der Coro­na- Pan­demie nicht: Tre­f­fen Sie sich an der frischen Luft. Über die fehlende Kör­pernähe hin­weghelfen kön­nte beispiel­sweise ein Trostkissen, das Sie für sich oder für die Enkelkinder aus Klei­dungsstück­en des Ver­stor­be­nen nähen. Eine Anleitung find­et sich auf der Plat­tform «Abschied­srituale für Zuhause» unter der etwas kom­plizierten Webadresse sway.o_ce.com/ HycAcAotl6wLWXHd.

Tipp 4: Sich gemeinsam etwas gönnen

Miteinan­der essen und trinken oder sich etwas Spezielles gön­nen, das man schon lange nicht mehr gehabt hat: Auch das hil­ft laut Jacque­line Boll­halder Betro_enen über ihre Trauer hin­weg. Während der Coro­na-Zeit sind im Inter­net diverse Plat­tfor­men mit Rezep­tideen für gemein­sames Kochen per Videochat ent­standen. Zu den schön­sten Ideen gehört jene der Schweiz­er The­olo­gin Bar­bara Lehn­er. Ein­er ihrer Tipps ist, sich per Videochat zu verabre­den und dann gemein­sam ein Lieblings­menü der ver­stor­be­nen Per­son zuzu­bere­it­en und gemein­sam zu essen.

Tipp 5: Der Trauer Raum geben

«Die Licht- und Dunkel­heit-The­matik ist Teil jedes Trauer­prozess­es», sagt Jacque­line Boll­halder. «Im Trauer­café zün­den wir daher gemein­sam Kerzen für die Ver­stor­be­nen an und beten das Vaterunser. » Boll­halder emp­fiehlt, dieses Rit­u­al auch zuhause zu wieder­holen. Alter­na­tiv kön­nen Sie in die Kirche oder auf den Fried­hof gehen. In manchen Kirchen gibt es einen speziellen Bere­ich, wo an die Ver­stor­be­nen gedacht wird. Auf diese Weise kann das Trauern einen Raum find­en. (nar)

Jacque­line Boll­halder. (Bild: pd)

«Mehr Frauen ermutigen»

Bild: Regi­na Kühne

Was die neue Präsidentin Alexa Sutter mit dem Frauenbund St.Gallen-Appenzell vor hat.

Die Degersheimerin Reg­u­la Senn hat das Amt der Präsi­dentin des Katholis­chen Frauen­bun­des St.Gallen-Appenzell (KFB SGA) an Alexa Sut­ter aus Wald­kirch übergeben. Ein Gespräch über die Frauen­frage in der Katholis­chen Kirche, Frauen­förderung und wieso es gelebte Gemein­schaften braucht.  

Überalterung und Nachwuchsschwierigkeiten: Viele Vereine haben Mühe, genügend Personen zu finden, die sich engagieren. Wie zeitgemäss sind da noch Frauengemeinschaften?

Reg­u­la Senn: Generell würde ich das mit der Über­al­terung und den Nach­wuchss­chwierigkeit­en so nicht sagen. Denn in Bezug auf die Frauenge­mein­schaften ist es stark region­s­ab­hängig, wie viele Per­so­n­en sich engagieren. Ger­ade in ländlichen Gegen­den gibt es viele Frauenge­mein­schaften, bei denen es bezüglich Mit­gliedern sehr gut läuft. Natür­lich haben sich die Pri­or­itäten und unsere Ange­bote etwas ver­lagert. Aber nach wie vor sind die Frauenge­mein­schaften Orte der gelebten Gemein­schaft.  

Alexa Sut­ter: Ausser­dem stellen wir fest, dass viele Frauen bere­it sind, sich pro­jek­t­be­zo­gen zu engagieren. Da lassen sich genü­gend Per­so­n­en find­en. Schwieriger ist es, wenn es um ein langfristiges Engage­ment oder um die Über­nahme eines Amtes geht. Frauenge­mein­schaften sind aber nach wie vor wichtig, ger­ade wenn es um die soziale Ver­net­zung geht.  

Reg­u­la Senn: Das ist ein wichtiger Punkt. Viele Frauen haben heute neb­st Beruf- und Fam­i­lien­ar­beit kaum Zeit für sich selb­st. An Tre­f­fen in den Ortsvere­inen oder Fach­ta­gun­gen, die wir seit­ens des Ver­ban­des organ­isieren, kön­nen Frauen ein­mal bewusst etwas nur für sich tun. Gelebte Gemein­schaft heisst aber auch, dass alle mitein­be­zo­gen wer­den, wenn sie möcht­en. Ger­ade auch für Witwen und Alle­in­ste­hende ist das ein wichtiges Ange­bot.  

Wie kamen Sie selbst zum Frauenbund?

Alexa Sut­ter: Ich zog als junge Mut­ter nach Wald­kirch und suchte nach Möglichkeit­en, mich im Ort zu ver­net­zen. In der lokalen Frauenge­mein­schaft engagierte ich mich, wurde deren Präsi­dentin und lernte so die kan­tonale Ebene, den Frauen­bund (KFB SGA) ken­nen. Dort wurde ich zunächst Region­alvertreterin für die Regio­nen Gos­sau, St.Gallen, Alt­toggen­burg und Wil, danach Vizepräsi­dentin des Kan­ton­alver­ban­des.

Reg­u­la Senn: In unser­er Fam­i­lie war das Tra­di­tion, als Zeichen der gelebten Frauen­sol­i­dar­ität. Bere­its meine Gross­mut­ter war Einzelmit­glied. Als Einzelmit­glied besuchte ich die Tagun­gen des Frauen­bun­des und lernte so den Vor­stand ken­nen. Ich kam als Quere­in­steigerin in den Kan­ton­alvor­stand. 2011 wurde ich Vizepräsi­dentin, vier Jahre später Präsi­dentin.  

Was will der Frauenbund SGA für die Frauen in der katholischen Kirche erreichen?

Reg­u­la Senn: Da möchte ich das Pro­jekt «Kirche mit* den Frauen» nen­nen, das wir unter­stützen. Dieses set­zt sich seit 2014 dafür ein, dass Män­ner der Kirche in Zukun­ft nicht mehr ohne Frauen über deren Stel­lung, Rolle und Funk­tion berat­en und über die Belange der Kirche entschei­den. Die Grund­lage dafür ist im Bis­tum St.Gallen gut. Mit dem Bis­tum sind wir im Dia­log und ver­ste­hen uns als Part­ner.  

Alexa Sut­ter: Wir haben einen «guten Draht» zu Bischof Markus, und freuen uns auf die jährlichen Tre­f­fen. Bischof Markus ste­ht der Frauen­frage offen gegenüber. Wäre es anders, hätte ich Mühe. Damit sich etwas bewegt, ist es aber wichtig, dass wir es seit­ens des Ver­ban­des schaf­fen, noch mehr Frauen in Entschei­dungspo­si­tio­nen zu brin­gen. Eine gute Entwick­lung ist, dass im Sep­tem­ber erst­mals eine Del­e­ga­tion des Frauen­bun­des zu einem Gespräch mit der Schweiz­er Bischof­skon­ferenz ein­ge­laden war, um über den «Weg zur Erneuerung der Kirche» zu disku­tieren. Dies sind zielführende Schritte.  

Damit sprechen Sie die Ziele an, die Sie sich als neue Präsidentin gesteckt haben?

Alexa Sut­ter: Ja. Ich kön­nte mir gut vorstellen, dass wir unseren Ver­band noch etwas poli­tis­ch­er aus­richt­en. Wir kön­nen Frauen ger­ade im Vor­feld von Wahlen ermuti­gen. Es muss mehr Raum für Frauen geben, in denen sie etwa an Podi­ums­diskus­sio­nen zu Wort kom­men. Weit­ere Ziele sind, die Ver­net­zung zu unseren Frauenge­mein­schaften zu pfle­gen sowie gemein­same Aktiv­itäten mit anderen Organ­i­sa­tio­nen durchzuführen. Unser Kan­ton­alver­band muss attrak­tiv sein und bleiben, damit sich die vie­len Einzelmit­glieder mit uns iden­ti­fizieren kön­nen.  

Regula Senn, was war die grösste Veränderung während Ihrer präsidialen Amtszeit?

Reg­u­la Senn: Das war die Statuten­re­vi­sion im Jahr 2017. Wir haben die Organ­i­sa­tion extrem ver­schlankt, so dass wir viel effzien­ter arbeit­en kön­nen. Nun kön­nen wir die ver­schiede­nen Geschäfte direkt im Gremi­um des Kan­ton­alvor­standes behan­deln und ver­ab­schieden. Generell war es mir wichtig, die Arbeits­be­din­gun­gen beim Frauen­bund im Span­nungs­feld zwis­chen ehre­namtlich­er und bezahlter Mitar­beit weit­er zu entwick­eln. Längst kann beim Katholis­chen Frauen­bund St.Gallen-Appenzell nicht mehr alles im Ehre­namt erledigt wer­den. (nar)

Papst-Schreiben: «Fratelli tutti»

Am 4. Okto­ber hat Papst Franziskus seine Sozial-Enzyk­li­ka «Fratel­li tut­ti» veröf­fentlicht. Darin macht er sich stark für eine neue Wirtschaft­sor­d­nung: «Wir sitzen alle im gle­ichen Boot».

Enzyk­li­ka im Wort­laut

Das Schreiben ist auch in Buch­form im Herder Ver­lag erschienen: Gebun­den 256 Seit­en ISBN: 978–3‑451–39013‑5, im Buch­han­del erhältlich

Eine Über­sicht auf die Reak­tio­nen auf die Enzyk­li­ka ist in der Novem­ber-Aus­gabe zu find­en.

Archehof Rüegg

Tiersegnungen — zunehmend ein Bedürfnis

Tiere spie­len in katholis­chen Gottes­di­en­sten meis­tens nur eine mar­ginale Rolle. Son­ja Kroiss von der Seel­sorgeein­heit Mit­tleres Sar­ganser­land möchte dies ändern: Ein­mal im Jahr spricht die Seel­sorg­erin vor der Spleekapelle in Sar­gans Tieren und ihren Hal­tern Gottes Segen zu.

Warum bietet Seel­sorg­erin Son­ja Kroiss Tierseg­nun­gen an?

Bei der Tierseg­nung in Sar­gans wird jedes Tier und dessen Hal­terin oder Hal­ter einzeln mit Wei­h­wass­er geseg­net.

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Über die Schöpfung staunen

Schöp­fungsZeit lädt im Sep­tem­ber ein, sich bewusst mit dem Sehsinn auseinan­derzuset­zen.

Unter­richt­en mit Sehbeein­träch­ti­gung: Clau­dia Rupf aus Oberuzwil erzählt, wie das geht

«Sehen bedeutet immer auch, aufmerk­sam und acht­sam zu sein. Das würde ich als meine Stärken beze­ich­nen.»

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Hellebarden in «Tippilzou»

Ehe­ma­lige Schweiz­er­gardis­ten tre­f­fen sich im Rhein­tal

Hun­dert ehe­ma­lige Schweiz­er­gardis­ten tre­f­fen sich am zweit­en Sep­tem­ber-Woch­enende in Diepold­sau. «Diese Tagung ist auch eine Chance, bei jun­gen Män­nern das Inter­esse an der Schweiz­er­garde zu weck­en», sagt OK-Präsi­dent Ralph Lehn­er (33), «von meinem Dienst in Rom prof­i­tiere ich noch heute.»

«Aus der Pfar­rei Diepold­sau haben sich in jün­ger­er Ver­gan­gen­heit über­durch­schnit­tlich viele Män­ner für den Dienst in der Schweiz­er­garde entsch­ieden», so der gebür­tige Diepold­sauer Ralph Lehn­er. Deshalb habe sich «Tip­pil­zou» ger­adezu als Aus­tra­gung­sort für die Tagung ange­boten. Die Mitwirk­enden für das OK waren schnell gefun­den – es sind vier weit­ere ehe­ma­lige Diepold­sauer Gardis­ten und ein Gardist, der eine Diepold­sauerin geheiratet hat und deshalb ins Rhein­tal gezo­gen ist.


Offen­heit gel­ernt
Ralph Lehn­er, der heute als Stan­dort­förder­er des Kan­tons AR tätig ist, diente von 2007 bis 2009 in der Schweiz­er­garde. Die Kam­er­ad­schaft in der Garde habe ihn geprägt. Man eigne sich viele «Soft­skills» an, die einem pri­vat und beru­flich zugutekä­men. «Und bei den Wach­di­en­sten lernt man natür­lich auch den Umgang mit Ungeduld», merkt er lächel­nd an. «Mich hat damals die Vielfalt der Kul­turen und der Sprachen sehr beein­druckt, ich bin dadurch oener gewor­den.» Ihn selb­st zieht es bis heute immer wieder mal nach Rom. In seinem pri­vat­en und beru­flichen Umfeld werde er um «Geheimtipps» gefragt, wenn jemand eine Rom-Reise plant. «All­ge­meine Tipps sind schw­er, das hängt vom Inter­esse der jew­eili­gen Per­son ab», so der ehe­ma­lige Gardist, «aber es emp­fiehlt sich, den Peters­dom gle­ich am frühen Mor­gen zu besuchen. Da ist es noch ruhig.»

Mehr als Nos­tal­gie
Einige Kon­tak­te, die er in Rom und im Vatikan geknüpft hat­te, beste­hen bis heute. «Unsere Ehe­ma­li­gen-Tagun­gen sind wie ein Klassen­tr­e­f­fen und sich­er ein Stück weit auch von Nos­tal­gie geprägt», sagt Ralph Lehn­er, «wir sehen diese Tagun­gen aber auch als Chance, sicht­bar zu sein.» Die Schweiz­er­garde ver­sucht heute mit ver­schiede­nen Werbe­mass­nah­men, junge Män­ner für den Dienst im Vatikan zu motivieren. «Wichtig ist, dass man Jugendliche schon früh darauf aufmerk­sam macht», ist Ralph Lehn­er
überzeugt. Dies kön­nte auch der Grund sein, warum Diepold­sau in den let­zten zehn, zwanzig Jahren ver­glichen mit anderen Pfar­reien in der Ostschweiz über­durch­schnit­tlich viele Gardis­ten her­vorge­bracht habe. «Die meis­ten waren mit einem Gardis­ten ver­wandt, kan­nten einen per­sön­lich oder lern­ten die Schweiz­er­garde bei ein­er Min­is­tran­ten-Reise nach Rom ken­nen.»


Zurück ins Rhein­tal
Seinen Diepold­sauer OK-Kol­le­gen und ihm liege bei der Tagung im Rhein­tal aber auch noch etwas Anderes am Herzen: «Wir wollen unseren ehe­ma­li­gen Kam­er­aden zeigen, wie schön Diepold­sau und Umge­bung ist.» Auf dem Tagung­spro­gramm ste­ht unter anderem eine Fahrt mit dem Rhy­bähn­li bis zur Rhein­mün­dung. Auch Ralph Lehn­er kann nicht ohne Rhein­tal sein: Nach­dem er mehrere Jahre in Goss au gelebt hat, zieht er im Herb­st mit sein­er Fam­i­lie zurück nach Diepold­sau.

Stephan Sigg

Web­site Ehe­ma­li­gen-Tre­f­fen Schweiz­er­garde in Diepold­sau

Milch ins Spital gebracht

Die Vater-Kind-Beziehung wird heute viel bewusster gelebt. Doch auch schon in ver­gan­genen Jahrzehn­ten waren Väter für viele prä­gend. «Mein Vater war für mich bis zu seinem Tod eine wichtige Bezugsper­son», sagt Bea S.

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Arnold Benz

Im Staunen weit voraus

Hat die Astro­physik Gott über­flüs­sig gemacht? Anerkan­nte Wis­senschaftler wie der mehrfache Ehren­dok­tor Arnold Benz wieder­legen diese Aus­sage. Der ETH-Pro­fes­sor der Astronomie plädiert für eine Ver­söh­nung von Urk­nall und Schöp­fung.

Die Astro­physik kommt der Null­stunde des Kos­mos immer näher. Wo haben ob all dieser Erken­nt­nisse Glaube, Schöp­fung und Gott noch einen Platz?
Arnold Benz: Andere Frage: Wo hat Kun­st, Trauer, Liebe und Ethik noch einen Platz? Man kann sie wed­er messen noch berech­nen. Sie alle haben mit dem men­schlichen Bewusst­sein zu tun. Sobald ein Men­sch an der Wahrnehmung teil­nimmt, wird sie von der Natur­wis­senschaft als sub­jek­tiv aus­geschlossen. Gott zeigt sich in den Erfahrun­gen unseres Lebens, wo er noch viel Platz hat. Die Welt ist gröss­er als die Natur­wis­senschaften wahrnehmen.

Eine Ihrer The­sen, die sich als Brück­en­schlag zwis­chen Schöp­fungs­glaube und physikalis­ch­er Kos­molo­gie ver­ste­ht, lautet: «Wer von Gott reden will, muss es mit men­schlichen Erfahrun­gen verbinden. Gott als Hypothese zur Erk­lärung des Natur­phänomens ist nicht beweis­bar und unnötig.» Weshalb darf Ihrer Mei­n­ung nach Gott nicht als Beweis­grund­lage für Natur­phänomene beige­zo­gen wer­den?
Wenn wir Gott in unserem Leben als gütig und über­wälti­gend erfahren, öff­nen sich unsere Augen für seine Spuren im Uni­ver­sum. Sie sind jedoch nicht von der Art, dass man daraus Gott berech­nen kön­nte etwa so wie die Winkel­summe im Dreieck. Es würde schlecht passen zu einem Gott, der von sich sagte: «Ich bin, der ich bin».

Was vor dem Urk­nall war, wis­sen Astro­physik­er nicht. Hat doch Gott das Uni­ver­sum geschaf­fen? Oder anders gefragt: Welche Daseins­berech­ti­gung hat Ihrer Mei­n­ung nach die Schöp­fungs­geschichte
nach Gen­e­sis?

Sonne, Mond, Erde und das meiste im Uni­ver­sum sind nicht im Urk­nall ent­standen. Die Geschichte des Uni­ver­sums ist eine faszinierende Abfolge von Vorgän­gen, durch die aus Chaos leben­snotwendi­ge Struk­turen gewach­sen sind. Das trit sich mit den Worten in Gen­e­sis 1, dass die Schöp­fung «gut» war. Mit «gut» ist gemeint, das Uni­ver­sum sei geord­net und wun­der­bar funk­tionell. Beson­ders schön finde ich den Gedanken, dass zum Schluss ein Tag der Ruhe und des Friedens fol­gt. Damit wird dem Kos­mos ein Ziel zuge­ord­net, das weit über die Astro­physik hin­aus­re­icht.


Gott zeigt sich in den Erfahrun­gen unseres Lebens, wo er noch viel Platz hat. Die Welt ist gröss­er als die Natur­wis­senschaften wahrnehmen.

Arnold Benz

Ihre Frau, Ruth Wiesen­berg Benz, ist Pfar­rerin. Wie brin­gen Sie die Span­nungs­felder Astro­physik und Glaube auf einen har­monis­chen Nen­ner? Muss man sich Ihre Ehe als ständi­ges Stre­it­ge­spräch
vorstellen?

Nein, wir stre­it­en nicht. Im Gegen­teil, wir haben uns – bei­de ver­witwet – gegen­seit­ig ange­zo­gen. Ich habe mich schon vor unser­er Heirat mit The­olo­gie befasst. Meine Frau ist mir im Staunen über das Uni­ver­sum weit voraus. Sie hat aus meinen Schriften Zitate aus­gewählt und zu einem gemein­samen Buch mit Bildern zusam­mengestellt. Es trägt den Titel «Wis­sen und Staunen».


Mal angenom­men Sie dürften Gott drei Fra­gen stellen, was er sich bei der Schöp­fung des Uni­ver­sums über­legt hat. Was wären dies für Fra­gen?
Ich möchte gerne wis­sen, ob es andere intel­li­gente Lebe­we­sen im Uni­ver­sum gibt und wenn ja: wo? Als zweites würde mich bren­nend inter­essieren, wie es kommt, dass die Vorgänge im Uni­ver­sum so fein abges­timmt sind, sodass es sich bis zur Entste­hung des men­schlichen Bewusst­seins entwick­eln kon­nte? Die abschliessende Frage wäre, wie weit das Uni­ver­sum jen­seits des für uns sicht­baren Teils geht. Auch wenn wir nicht wis­sen, wie gross das Uni­ver­sum ist: Fest ste­ht, in unser­er Galax­ie existieren vier­hun­dert Mil­liar­den Sterne.

Haben Sie einen per­sön­lichen Lieblingsplatz, um den Ster­nen­him­mel zu beobacht­en?
Ich würde den Ster­nen­him­mel am lieb­sten auf Titan beobacht­en, dem grössten Mond des Plan­eten Sat­urn. Da gibt es zack­ige, hohe Berge aus Wassereis und Seen aus Methan. Der Him­mel ist allerd­ings etwas getrübt vom Dun­st aus Tholin-Aerosolen. Es ist auch recht kalt auf der Ober­fläche mit minus 180 Grad.

Welche som­mer­liche Ster­nenkon­stel­la­tion find­en Sie per­sön­lich beson­ders faszinierend?
Ich liebe das Stern­bild der Kas­siopeia, das grosse W am Him­mel. In der Ver­längerung des zweit­en Vs nach unten sieht man von blossem Auge die Androm­e­da Galax­ie. Links der Kas­siopeia liegt Perseus mit ein­er Dunkel­wolke, in der ich einige Male mit dem Her­schel-Wel­traumte­leskop
Sterne beobachtet habe, die am Entste­hen sind.


In welchen Momenten fühlen Sie sich inmit­ten des Uni­ver­sums beson­ders klein?
Immer dann, wenn ich mir vor Augen führe, wie wenig wir immer noch vom Uni­ver­sum ver­ste­hen.

Ros­alie Manser

Pfarrblatt im Bistum St.Gallen
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