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Viel mehr als nur Wasser treten

«Natür­lichkeit und Ein­fach­heit ist die Haupt­sache.» So fasste Sebas­t­ian Kneipp seine Naturheillehre zusam­men. Der soge­nan­nte Wasserp­far­rer kam vor 200 Jahren am 17. Mai in Ober­schwaben zur Welt und gilt als Vor­re­it­er des ganzheitlichen Naturheil­ver­fahrens. Pfar­reifo­rum-Redak­torin Ros­alie Manser hat unter fachkundi­ger Anleitung die Kneipp-Philoso­phie in einem Selb­stver­such getestet.

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Pfarreiforum HV 2021

26. Mai 2021, Start: 19.15 Uhr (Ein­loggen ab 19.00 Uhr)

Bitte melden Sie sich vor­ab im Doo­dle an (Tra­gen Sie Ihren Namen und Ihre Kirchge­meinde bzw. Zweck­ver­band ein):

Anmel­dung via Doodle

Mit fol­gen­dem Zoom-Link kön­nen Sie am 26. Mai an der HV teilnehmen:

Zoom-Link

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Vom Vater zum Backen inspiriert

Andreas Scham­bron hat eine eigene Bäck­erei in Ebnat-Kap­pel. Sil­vio Scham­bron arbeit­et bei ein­er regionalen Bäck­erei mit mehreren Fil­ialen. Vater und Sohn erzählen, wie sich der Beruf und der Wert des Brotes wan­delt. Welchen Ein­fluss haben diese Verän­derun­gen auf die beiden?

70-Stun­den-Wochen und die zunehmende Konkur­renz durch die Grossverteil­er: Andreas Scham­bron, wie fan­den Sie es, dass Ihr Sohn genau wie Sie Bäck­er wer­den wollte?

Sil­vio Scham­bron: Darf ich vor­weg­greifen? Für mich war von Anfang an klar, dass ich anders als mein Vater nie ein eigenes Geschäft würde haben wollen. Ich habe bei meinem Vater gese­hen, was das heisst und wie viel Zeit er in die eigene Bäck­erei steckt. Ich habe einen etwas anderen Weg gewählt und arbeite in ein­er regionalen Bäck­erei mit mehreren Fil­ialen. Dort kon­nte ich mich spezial­isieren und bin aktuell Einkauf­sleit­er. Es ist ein span­nen­der Job mit dem Vorteil, dass ich nach Feier­abend auch ein­fach abschal­ten kann.

Andreas Scham­bron: Als klar war, dass du Sil­vio eben­falls Bäck­er wer­den woll­test, wollte ich dir das zunächst ausre­den. Ich wollte nicht, dass du den Beruf wegen mir lernst. Aber du warst schon überzeugt und da freute ich mich natür­lich. Aber ich habe dir emp­fohlen, die Lehre in einem anderen Betrieb zu machen. Es ist wichtig, eigene Erfahrun­gen zu sam­meln. Für mich ist es beispiel­sweise nie in Frage gekom­men, den Betrieb mein­er Eltern zu übernehmen. Sie besassen im aar­gauis­chen Rudolf­stet­ten-Friedlis­berg eine Bäck­erei, zu der ausser­dem eine Beiz gehörte. Das war mir aber zu viel. So arbeit­ete ich an ver­schiede­nen Orten in der Schweiz, bis ich eines Tages eine Bäck­erei in Ebnat-Kap­pel ent­deck­te, die zum Verkauf aus-geschrieben war. Mit­tler­weile lebe und arbeite ich hier seit 26 Jahren.

Das Bäck­er­gen scheint in Ihrer Fam­i­lie zu steck­en. Woran erin­nern Sie sich am liebsten?

Andreas Scham­bron: Schon als Kind war ich oft in der Back­stube meines Vaters und durfte ihm dabei helfen, Guet­zli in Schog­gi zu tunken oder abends einen Vorteig zu machen. Am meis­ten liebte ich aber frischge­back­ene Bür­li. Bere­its in der Pri­marschule war für mich klar, dass ich Bäck­er wer­den würde.

Sil­vio Scham­bron: Ich war wohl defin­i­tiv auch von meinem Vater vorgeprägt. Als Kind ging ich gerne in der Back­stube. Ich liebte die Gerüche in der Wei­h­nacht­szeit und dass ich manch­mal die Lebkuchen aus­gar­nieren durfte. Und genau wie mein Vater wusste ich schnell, dass ich etwas mit Lebens­mit­teln machen und entwed­er Koch oder Bäck­er wer­den wollte.

Sie sind Bäck­er aus ver­schiede­nen Gen­er­a­tio­nen. Führt das zu Meinungsverschiedenheiten?

Andreas Scham­bron: Das nicht. Aber Sil­vio denkt bes­timmt, ich bin ein stur­er Bock. Und ja, in der Tat: Einige der neuen Entwick­lun­gen tun mir im Herz weh, ich bin eben vom alten Korn. Ich bin bekan­nt für grosse Brote und dafür, dass ich alles frisch backe. In Bäck­ereien mit Fil­ialen wird das Brot zen­tral vorge­back­en, dann aus­geliefert und in der jew­eili­gen Fil­iale fer­tig geback­en. Damit kann ich mich als klas­sis­ch­er Dorf­beck nicht anfre­un­den. Ich mache von Anfang bis Ende alles selber.

Sil­vio Scham­bron: Mein­er Mei­n­ung nach schmeckt man da keinen Unter­schied. Das Brot kommt frisch aus dem Ofen. In der heuti­gen Zeit wün­scht sich die Kund­schaft eine grosse Auswahl ver­schieden­er Spezial­brote. Da müssen ger­ade grössere Bäck­ereien mit mehreren Fil­ialen ihre Abläufe opti­mieren. Im Bere­ich der Dig­i­tal­isierung hat sich dies­bezüglich in den ver­gan­genen Jahren viel verän­dert. Von Hand aus­ge­füllte Backzettel mit Men­gen­berech­nun­gen für den näch­sten Tag gibt es bei uns beispiel­sweise nicht mehr. Mein Vater und ich kön­nen einan­der aber auch unter­stützen: Er kann von meinem Prozess­denken prof­i­tieren, ich wiederum von sein­er Lebens- und Beruf­ser­fahrung und seinem Ver­ständ­nis für die einzel­nen Produkte.

Sie bei­de arbeit­en bei Bäck­ereien, die jew­eils in der Fas­ten- zeit bei der Aktion «Brot zum Teilen» mit­machen. Mit dem Erlös von 50 Rap­pen pro Brot wer­den ver­schiedene Pro­jek­te im Süden unter­stützt. Warum dieses Engagement?

Andreas Scham­bron: Für mich ist das eine Herzenssache, etwas für andere zu tun. Wenn ich mir etwas für die Zukun­ft wün­schen kön­nte, dann dass sich mehr Men­schen auf Werte wie Näch­sten­liebe zurückbesin­nen wür­den. Ich wün­sche mir mehr Gelassen­heit und einen respek­tvolleren Umgang der Men­schen miteinan­der. Mir per­sön­lich hil­ft dabei mein Glaube.

Sil­vio Scham­bron: Ich finde solche Aktio­nen wichtig. Wir haben eine grosse Ver­ant­wor­tung gegenüber der Zukun­ft. Als Bäck­ereien kön­nen wir dazu beispiel­sweise etwas beitra­gen, indem wir regionale Pro­duk­te beziehen wie etwa Toggen­burg­er Mehl, Alter­na­tiv­en zu Palmöl ein­set­zen oder uns im Bere­ich Food­waste weit­er­en­twick­eln. Auch dabei prof­i­tieren wir von der Dig­i­tal­isierung und Apps wie «To good to go». Let­ztere verbindet Kun­den mit Restau­rants und Läden, die über­schüs­sige und nicht verkaufte Pro­duk­te zu einem stark reduzierten Preis anbi­eten. Aber qual­i­ta­tiv hochste­hende Pro­duk­te kosten natür­lich etwas mehr. Das ste­ht im Gegen­satz zum verän­derten Kun­den-ver­hal­ten. Viele Men­schen wollen immer weniger für Lebens­mit­tel aus­geben. Das bere­it­et mir Sor­gen. (nar)

Zum Inter­view

Pater Stephan Dähler

Marienburg: Adieu nach 93 Jahren

Die Tage in Thal SG sind für die Steyler Mis­sion­are gezählt: Nach 93 Jahren wer­den sie die Marien­burg aufgeben. Wie es genau mit den sieben Patres weit­erge­ht, sei noch nicht entschieden.

«Momen­tan wer­den ver­schiedene Optio­nen geprüft», sagt Pater Stephan Däh­ler. Die Her­aus­forderung sei, eine Lösung zu find­en, die sowohl für die jün­geren wie für die älteren Patres passt. Was fest­ste­ht: Der Ver­trag für das Gebäude läuft Ende Okto­ber aus (siehe Kas­ten). Auch wenn die Steyler Mis­sion­are kün­ftig keine grössere Nieder­las­sung im Bis­tum St.Gallen mehr haben wer­den, wollen sie weit­er­hin in der Seel­sorge im Bis­tum tätig sein. «Beson­ders in den Pfar­reien der Seel­sorgeein­heit Buech­berg, zu der die Marien­burg gehörte, wollen wir weit­er­hin präsent sein», betont Pater Stephan. Eine Option sei, dass die Patres kün­ftig dezen­tral in Woh­nun­gen leben. «Diese Lösung reibt sich aber mit dem Gemein­schafts­gedanken», räumt Pater Stephan ein.

Steyler Missionare verlassen die Marienburg Thal
Auf dem Gelände der Marien­burg soll neuer Wohn­raum entstehen.
Marienburg Thal
Pater Stephan Dähler
Pater Stephan Däh­ler wird auch kün­ftig als Seel­sorg­er im Bis­tum tätig sein.


Mis­sion­ar­ische Arbeit
Stephan Däh­ler, aufgewach­sen in Gais AR, ist selb­st ehe­ma­liger Schüler der Marien­burg. Heute ist der The­ologe Prov­inzial (Leit­er) der Mit­teleu­ropäis­chen Prov­inz der Steyler Mis­sion­are und pen­delt zwis­chen Wien und Thal. Auss­er im Mis­sion­shaus St.Gabriel (bei Wien), wo über 40 Mis­sion­are zusam­men­leben, gibt es in der ganzen Prov­inz ver­streute Nieder­las­sun­gen. «Auch an anderen Stan­dorten von uns in Frankre­ich, Kroa­t­ien und Öster­re­ich sind wir mit der Zukun­fts­frage beschäftigt», sagt er. Vor kurzem sei eine Nieder­las­sung bei Salzburg aufgegeben wor­den. «Man muss real­is­tisch sein: Die Zeit der grossen katholis­chen Gemein­schaften ist vor­bei», sagt er. In der Ostch­weiz seien die Steyler Mis­sion­are heute fast zu hun­dert Prozent in der Pfar­reiseel­sorge tätig. «Das ist eine Her­aus­forderung für die konkrete Gestal­tung des Gemein­schaft­slebens. Dieses ist ein wichtiger Pfeil­er für unser mis­sion­ar­isches Wirkens vor Ort.»

Marienburg Thal
Auf dem Gelände ste­hen die ältesten Mam­mut­bäume der Schweiz.

Älteste Mam­mut­bäume
Sieben Patres leben zurzeit noch in der Marien­burg, früher waren es auch schon mal über 25. Über neun­zig Jahre waren die Steyler Mis­sion­are in Thal SG präsent. 1929 kauften sie die Wein­burg und gaben ihr den Namen Marien­burg. Bis 2012 wurde die Inter­nats- und Tagess­chule von ein­er Stiftung geführt. Im Park der Marien­burg ste­ht der älteste Mam­mut­baum der Schweiz. Er wurde 1858 von der Köni­gin Vik­to­ria in Eng­land der dama­li­gen Besitzerin, dem Fürsten­haus Hohen­zoller-Sig­marin­gen geschenkt. Aus dieser Zeit stammt der Park. Aktuell ist im Gebäude des ehe­ma­li­gen Schul­be­triebes der Trägervere­in Inte­gra­tionspro­jek­te des Kan­tons St.Gallen (TISG) eingemietet welch­er darin unbe­gleit­ete min­der­jährige Asyl­be­wer­ber unter­bringt. Nun soll hier neuer Wohn­raum entste­hen. 2016 kaufte die Indus­triehold­ing Men­zi Muck Gruppe AG mit Sitz in Kriessern das Anwesen.

Am Pfin­gst­mon­tag soll der öffentliche Abschieds­gottes­di­enst mit anschliessen­dem Fest gefeiert wer­den. «Wir hof­fen, dass es bis dann trotz Coro­na-Sit­u­a­tion wieder möglich ist, mit ein­er grösseren Gemein­schaft zu feiern, sodass auch viele der ehe­ma­li­gen Marien­burg-Schü­lerin­nen und ‑Schüler dabei sein kön­nen», so Pater Stephan.

Kapelle Marienburg Thal
Kapelle der Marien­burg Thal

Prä­gend für das Bistum

Felix Bischof­berg­er, Präsi­dent des Steyler Fre­un­deskreis­es, beze­ich­net das Ende der Marien­burg als Zäsur für die Region, aber auch für das Bis­tum. «Diese Entwick­lung hat sich abgeze­ich­net, alle kon­nten sich darauf vor­bere­it­en», sagt er, «trotz­dem ist es ein emo­tionaler Moment.» Die Marien­burg habe nicht nur das Bis­tum St.Gallen, son­dern die gesamte Kirche der Deutschschweiz geprägt. «Viele ehe­ma­lige Schüler sind heute als Seel­sorg­er tätig oder engagieren sich frei­willig in ihren Pfar­reien. Und auch in vie­len Pfar­reiräten und Kirchen­ver­wal­tun­gen sind ehe­ma­lige Schüler vertreten.» Zu den ehe­ma­li­gen Schülern gehören zum Beispiel auch Bischof Markus Büchel. «Unser Vere­in hat 1300 Mit­glieder. Es wäre ein gross­er Ver­lust, dieses Net­zw­erk aus­laufen zu lassen. Wir haben uns deshalb schon vor vier Jahren bewusst dafür entsch­ieden, den Vere­in in die Zukun­ft zu führen.» Der Alum­ni-Vere­in wurde zum Steyler-Fre­un­deskreis weit­er­en­twick­elt. «Auf diese Weise soll es möglich sein, unab­hängig von der Marien­burg auch kün­ftig die wichtige Arbeit der Steyler Mis­sion­are zu unter­stützen – in der Schweiz, aber auch bei ihren zahlre­ichen Pro­jek­ten in Asien, Afri­ka und Südamerika.»

Marienburg Thal
Die Schule in der Marien­burg wurde 2012 geschlossen.
Steyler Missionare verlassen die Marienburg Thal
93 Jahre lebten die Steyler Mis­sion­are in der Marien­burg Thal
Steyler Missionare verlassen die Marienburg Thal

Text: Stephan Sigg, Bilder: Ana Kontoulis

Arnd Bünker

«Ein Baustein, um in die Zukunft zu gehen»

16.03.21 Braucht das Pfar­reifo­rum einen neuen Namen? Darüber haben an einem Info-Anlass vom Pfar­reifo­rum 40 Teil­nehmende disku­tiert. Arnd Bünker (siehe Bild) vom Schweiz­erischen Pas­toral­sozi­ol­o­gis­chen Insti­tut (SPI) in St.Gallen lieferte einen Überblick über die aktuelle Kirch­enen­twick­lung und die Bedeu­tung für ein diöze­sanes Pfarrblatt.

«Wir disku­tieren heute über ein brisantes The­ma, bei dem die Mei­n­un­gen weit auseinan­der gehen.» Mit diesen Worten begrüsste Bar­bara Häch­ler, Admin­is­tra­tionsrätin des Katholis­chen Kon­fes­sion­steils des Kan­tons St.Gallen und Präsi­dentin des Vere­ins Pfar­reifo­rum – Pfar­rblatt im Bis­tum St.Galllen, die 40 Teil­nehmenden des Zoom-Anlass­es zum The­ma «Neuer Name fürs Pfar­reifo­rum?» am 11. März 2021. Die Teil­nehmenden set­zten sich unter anderem aus Kirchen­ver­wal­tungsrätIn­nen, Seel­sorg­erIn­nen, Bis­tumsvertreterIn­nen und Redak­tion­s­mit­gliedern zusam­men. Pan­demiebe­d­ingt fand der Anlass online statt. Ziel war es, eine fundierte Grund­lage für die Abstim­mung über einen Namenswech­sel der Pub­lika­tion Pfar­reifo­rum an der Hauptver­samm­lung des Vere­ins Pfar­reifo­rum am 26. Mai 2021 zu schaf­fen. Dafür soll­ten am Zoom-Anlass vor allem die gesellschaftliche Gesamt­si­t­u­a­tion und die kirch­liche Real­ität beleuchtet werden.

Zwei Kirchenaus­tritte auf eine Taufe

Als Ref­er­ent ein­ge­laden war Arnd Bünker, Leit­er des Schweiz­erischen Pas­toral­sozi­ol­o­gis­chen Insti­tuts (SPI) in St.Gallen. «Was ich Ihnen präsen­tieren möchte, ist der Ver­such, eine extrem kom­plizierte Beziehung zu erk­lären», sagte Bünker. «Es geht um die Beziehung viel­er Kirchen­mit­glieder zur Kirche und zur Pfar­rei. Viel Roman­tik ist da nicht mehr. Die Beziehung ist oft abgekühlt.» Zunächst ging Bünker auf aktuelle Zahlen ein. So sind 2019 in der Deutschschweiz rund 32’000 Per­so­n­en aus der Kirche aus­ge­treten. Allein im Kan­ton St. Gallen waren es rund 3’400 Men­schen. 2019 kamen im Kan­ton St.Gallen auf zwei Kirchenaus­tritte auf eine Taufe. «Dieser Trend wird sich fort­set­zen», sagt Bünker. Immer wenn Skan­dale oder Ärg­ernisse hinzukom­men, nehmen die Kirchenaus­tritte zusät­zlich nochmals zu.

Einein­halb Mil­lion Kirchen­mit­glieder in der Schweiz kön­nen gemäss Bünker mit der Kirche kaum noch etwas anfan­gen. «Ein Drit­tel der Kirchen­mit­glieder hat schon über einen Aus­tritt nachgedacht», sagt er und betont, wie wichtig das Pfar­reifo­rum als Gesprächsin­stru­ment ger­ade auch mit den Mit­gliedern sei, die weit ent­fremdet sind.

Bünker unterteilt die Kirchen­mit­glieder in die «Behei­mateten» und in die «Dis­tanzierten». Zu den Behei­mateten zählen rund 20 Prozent. Sie erleben Kirche vor allem in ihrer Pfar­rei. Glaube hat einen fes­ten Platz in ihrem All­t­ag. Dis­tanzierte machen mit zwei Drit­teln der Kirchen­mit­glieder allerd­ings die Mehrheit aus. Per­sön­liche brauchen sie die Kirche nicht, find­en es aber gut, wenn die Kirche für andere da ist.

Für Dis­tanzierte und Beheimatete

«Das Pfar­reifo­rum soll nun Behei­matete und Dis­tanzierte gle­icher­massen ansprechen. Aber kann das über­haupt gelin­gen?», fragte Arnd Bünker. Behei­matete wür­den unab­hängig vom Namen zum Pfar­reifo­rum greifen. Bei den Dis­tanzierten hinge­gen wür­den Fra­gen im Vorder­grund ste­hen, «wieviel nahe Kirche, wieviel Pfar­rei, wieviel Kircheniden­ti­fika­tion mit dem Cov­er des Pfar­reifo­rums und mit dem Titel Pfar­reifo­rum gegeben sei» ? Bünker fragt: Passt das zum Ver­such, die Kom­mu­nika­tion mit den Dis­tanzierten möglichst vor­sichtig und behut­sam wieder aufzunehmen? Oder ver­schreckt der Titel eher diejeni­gen Kirchen­mit­glieder, um die wir uns eigentlich beson­ders küm­mern müssten?»

Über let­ztere Fra­gen disku­tierten die Teil­nehmenden in Grup­pen. Die Ergeb­nisse wur­den anschliessend im Plenum präsen­tiert. So zeigten sich viele Teil­nehmende über­rascht darüber, dass zwei Drit­tel aller Kirchen­mit­glieder Dis­tanzierte sind. Es kam die Frage auf, ob der Name der Pub­lika­tion wirk­lich so wichtig sei oder ob es nicht eher auf das Lay­out und den Inhalt ankomme. Einige sprachen sich für einen neuen Namen aus, um auch jene Kirchen­mit­glieder zu erre­ichen, die keinen Bezug zu ein­er Pfar­rei und somit zum «Pfar­reifo­rum» haben.

Skep­sis gegen Mut: Das waren die zwei Emo­tio­nen, die sich an diesem Abend am stärk­sten abze­ich­neten. «Mein­er Mei­n­ung nach ist der Name auss­chlaggebend für die Wahrnehmung», sagte Präsi­dentin Bar­bara Häch­ler. Das Pfar­reifo­rum hat eine Auflage von rund 122’000 Exem­plaren und ist für viele der einzige Kon­takt, den sie mit der Kirche haben. «Das Pfar­reifo­rum kann daher ein Baustein dafür sein, als Kirche erfol­gre­ich in die Zukun­ft zu gehen», sagte sie.  (nar)

Video Refer­at Arnd Bünker

Perplex bei Witzen über Armut

Satirik­er Rena­to Kaiser bei dig­i­talem Anlass der Caritas

Armut in der Schweiz sei für ihn als Satirik­er ein absur­des The­ma, sagt Rena­to Kaiser. Der St.Galler erzählt, wieso Armut ein Gesicht braucht und wie Witze über Vorur-teile funktionieren.

«Unfair finde ich es, wenn man den Leuten auf der Strasse Geld wegen ihrem Erschei­n­ungs-bild gibt. Ich zum Beispiel bin pri­vat sehr schlecht gek­lei­det. Also nicht, weil ich kein Geld habe, son­dern ein­fach keinen Stil. Es kön­nte also dur­chaus sein, dass ein Obdach-los­er mich von oben bis unten anschaut, mir das Geld zurück­gibt und sagt, ich hätte das Geld nötiger als er.» Der St.Galler Satirik­er Rena­to Kaiser ste­ht auf der Bühne. In vorder­ster Rei­he im Pub­likum sitzt eine allein­erziehende Mut­ter, die am Exis­tenzmin­i­mum lebt. Neben ihr zu sehen ist ein Mann, der nach einem Burnout alles ver­lor. Und dann ist da noch Markus, der bei Pflegeel­tern und im Heim aufwuchs und für den das Schlimm­ste an der Armut die soziale Ver­wahrlosung ist. Nachgeschaut wer­den kann die Szene im SRF Archiv. Sie ist Teil der Sendung «Tabu», in der Rena­to Kaiser 2019 einige Tage mit von Armut betrof­fe­nen Men­schen ver­brachte und ver­suchte, der Armut in der Schweiz ein Gesicht zu geben.

Reich und fair

«Armut in der Schweiz ist für mich als Satirik­er eines der inter­es­san­testen The­men, denn es ist ein absur­des The­ma. Ich baue es seit Jahren regelmäs­sig in meine Pro­gramme ein», sagt Rena­to Kaiser gegenüber dem Pfar­reifo­rum. Er nen­nt das The­ma deshalb absurd, weil man auf den ersten Blick meinen kön­nte, Armut gebe es in der Schweiz eigentlich gar nicht, da die Schweiz doch so reich ist und irgend­wie fair daherkommt. «Bringe ich also Witze über Armut, dann sind viele im Pub­likum erst ein­mal aufrichtig per­plex. Manche haben sich noch nie Gedanken über dieses Prob­lem gemacht», sagt der 35-Jährige. Als Gegen­beispiel nen­nt er Sex­is­mus oder Ras­sis­mus – bei­des The­men, die mit ver­gle­ich­sweise mehr offen­sichtlichen Vorurteilen belastet seien.

Eigene Vorurteile entlarven

Das näch­ste Mal das The­ma Armut im Rah­men sein­er Auftritte aktu­al­isieren wird Rena­to Kaiser am 25. März. Dann hat ihn die Car­i­tas als Haupt-Act am dig­i­tal­en Frei­willi­ge­nan­lass «Gemein­sam gegen Armut mit Rena­to Kaiser» gebucht (siehe Text unten). The­ma des Abends ist unter anderem, wie sich im ganzen Car­i­tas-Netz in der Schweiz 4600 Men­schen gegen Armut ein­set­zen. «Bei Ver­anstal­tun­gen wie bei der Car­i­tas wis­sen eigentlich alle bess­er über das The­ma Bescheid als ich. Meine Auf­gabe als Satirik­er ist es daher, nicht ober­lehrerhaft daherzukom­men, son­dern den Blick von aussen hineinzubrin­gen», sagt Rena­to Kaiser. «Zweck der Satire ist es, nach oben auszuteilen und auch seine eige­nen Vorurteile zu ent­lar­ven.» Auf diese Weise gelinge es, Witze über harte The­men wie Armut zu machen. Rena­to Kaiser geht dabei oft von sich sel­ber aus: Was geht ihm durch den Kopf, wenn ihn auf Strasse ein Obdachlos­er um Geld bit­tet? Oder: Was denkt er, wenn wieder ein­mal Schlagzeilen liest wie etwa «Der frech­ste Sozial­hil­febezüger»? Die Art und Weise, wie in den Medi­en über Sozial-hil­febe­trof­fene berichtet wurde, war es denn auch, die ihn einst auf das The­ma Armut in der Schweiz aufmerk­sam machte. «Ich fand diese Sprache so komisch, dass ich mich zu fra­gen begann, woher das kommt», sagt er. (nar)

Frei­willig gegen Armut

An den dig­i­tal­en Frei­willi­ge­nan­lass «Gemein­sam gegen Armut mit Rena­to Kaiser» am 25. März 2021 sind alle ein­ge­laden, die sich für das frei­willige Engage­ment in der Car­i­tas inter­essieren oder sich bere­its als Frei­willige betäti­gen. Der Link zur Online-Ver­anstal­tung wird auf www.caritas-stgallen.ch pub­liziert. Ohne das frei­willige Engage­ment wäre die Bekämp­fung von Armut in der Schweiz nicht machbar.

Zurück ins Kinderzimmer

Uni-Seel­sorg­er Thomas Reschke darüber, was junge Men­schen während der Pan­demie bedrückt.

Thomas Reschke, wir befind­en uns im zweit­en Jahr des Social Dis­tanc­ing. Mit welchen The­men kom­men die Studieren­den auf Sie als Uni-Seel­sorg­er zu?

Thomas Reschke: Vor einem Jahr hat­te die Coro­n­akrise für die Studieren­den noch den Reiz des Neuen und wirk­te kaum bedrohlich. Im Vorder­grund standen Fra­gen wie die Prü­fungs­gerechtigkeit und der Wun­sch nach Präsen­zprü­fun­gen. Da viele Studierende während des Lock­downs nur ein kleines Zim­mer in St.Gallen hat­ten, zogen sie wieder nach Hause in ihr «Kinderz­im­mer». Diese «Zwangsin­fan­til­isierung» ste­ht dem Traum von der Stu­dien­zeit als schön­ste Zeit des Lebens mit vie­len neuen Begeg­nun­gen sehr ent­ge­gen. Da in die Stu­dien­zeit auch die Phase der Part­nerfind­ung fällt, ist diese durch die Coro­na-Sit­u­a­tion erschwert. 

Aktuell hat sich die Sit­u­a­tion noch nicht wirk­lich geändert.

Thomas Reschke: Lei­der ja. Ich kenne auch keinen Studieren­den, an dem die Coro­na-Pan­demie spur­los vor­beige­gan­gen ist. Die Pan­demie hat die Vul­ner­a­bil­ität aller Men­schen gezeigt: Egal ob arm oder reich. Sie ver­stärk­te zudem die Äng­ste, die bei manchen Studieren­den ohne­hin da sind. Beispiele dafür sind die Sor­gen, ganz allein oder dem Studi­um nicht gewach­sen zu sein. Hinzu kom­men die Angst vor der Kli­makatas­tro­phe oder vor ein­er poli­tisch fatal­en Welt­si­t­u­a­tion, die Sorge um Men­schen im Ver­wandtenkreis, die schw­er krank sind oder die Gewis­sheit, nicht ein­mal eine Hochzeit ver­lässlich pla­nen zu können. 

Wie wirkt sich diese Unsicher­heit auf Ihre Arbeit als Uni-Seel­sorg­er aus? 

Thomas Reschke: Die Seel­sorge ist in Zeit­en von Coro­na per­sön­lich­er und inten­siv­er ge-wor­den. Auch kom­men viele Studierende zu mir, die sich früher wohl nicht an mich gewen­det hät­ten. Einige haben die ablenkungs­freie Zeit während der Pan­demie auch als Phase der Entschei­dungs­find­ung genutzt und etwa um Taufe und Fir­mung gebeten. Die Coro­na-Zeit ist also auch eine pas­torale Chance. Die jun­gen Men­schen erwarten, dass die Kirchen Denkange­bote des Glaubens ver­mit­teln, die ihnen Hoff­nung und Halt geben. 

Um Hoff­nung während der Coro­na-Zeit zu schenken, haben Sie in die Semes­ter­gottes­di­en­ste Back­cast­ing-Gedanken­ex­per­i­mente einge­baut. Wie funk­tion­ieren diese?

Thomas Reschke: Meine Predigt um Back­cast­ing-Exper­i­mente zu erweit­ern, kam bei den Studieren­den extrem gut an. Die Meth­ode funk­tion­iert fol­gen­der­weise: Man set­zt das ret­tende Han­deln Gottes voraus und blickt auf die Gegen­wart. Dabei stellt man sich die Frage, worüber man sich nach Coro­na wun­dern wird. Das kön­nte zum Beispiel sein, dass durch die Pan­demie Sol­i­dar­ität wichtiger gewor­den ist statt der Egotrip. Oder dass einem die Bedeu­tung von Fre­und­schaften neu bewusst wird und man sie wieder stärk­er wertschätzt. 

Wie hat die Pan­demie Sie per­sön­lich verändert?

Thomas Reschke: Für jeman­den wie mich, der es gewohnt ist, alle Anlässe ein Jahr im voraus zu pla­nen, ist die Coro­na-Zeit eine spir­ituelle Her­aus­forderung, zu mehr Gelassen­heit und Demut zu find­en. Nahe ging mir vor allem, dass Anlässe wie Trauer­feiern nur im kle­in­sten Kreise stat­tfind­en kon­nten und das Trös­tende der sicht­baren Gemein­schaft fehlte. Auch das etliche Hochzeit­en ver­schoben wer­den mussten, war berührend. Eine Braut war so untröstlich, dass ich an ihrem geplanten Tag eine Seg­nung im kle­in­sten Kreis gemacht habe, sozusagen als ersten Schritt auf die Hochzeit hin. Für mich per­sön­lich gab diese Zeit auch einen Schub, mich mehr mit den dig­i­tal­en Optio­nen zu beschäfti­gen, wie etwa ein Anmeldesys­tem für Ver­anstal­tun­gen zu kreieren oder mehr via sozialen Net­zw­erken zu interagieren. 

Wenn Sie einen Wun­sch frei hät­ten, welch­er wäre das für das aktuelle Jahr?

Thomas Reschke: Eines der wichtig­sten The­men 2021 ist sich­er die Rückbesin­nung auf den Wert der Gemein­schaft. Doch welche Nähe ist in diesem Jahr möglich und welche Dis­tanz ist nötig? Für die Studieren­den bein­hal­tet das beispiel­sweise die Frage nach Aus­landsse­mes­tern. Wer­den sie möglich sein? Was bringt ein Aus­landsse­mes­ter etwa in Har­vard, wenn dort online unter­richtet wird und man kaum die Möglichkeit hat, andere ken­nen­zuler­nen? An der Uni­ver­sität St.Gallen gibt es über hun­dert Vere­ine. Auch da stellt sich die Frage, wie Gemein­schaft weit­er­hin gepflegt wer­den kann, falls Präsen­zver­anstal­tun­gen ver­boten sein soll­ten. Hätte ich einen Wun­sch frei, dann wäre dieser, dass wir 2021 ein gross­es unbeschw­ertes Fest feiern kön­nen, weil die Pande-mie über­wun­den ist und wir uns an der Mor­gen­röte ein­er neuen Welt erfreuen dür­fen. (nar)

Hermann Schmelzer Rabbiner

Rabbiner Schmelzer

Rab­bin­er Her­rmann Schmelz­er stand der Jüdis­chen Gemeinde in St.Gallen über 44 Jahre als geistlich­es Ober­haupt vor. Als engagiert­er Dialog­part­ner prägte er das Miteinan­der der Reli­gio­nen in der Ostschweiz. Er starb am 30. Novem­ber in St.Gallen.

«Ich habe Rab­bin­er Schmelz­er als beein­druck­enden Botschafter des Juden­tums erlebt», sagt Eve­lyne Graf, The­olo­gin und langjährige Redak­torin des Pfar­reifo­rums. Sie begeg­nete Rab­bin­er Schmelz­er als Jour­nal­istin und als The­olo­gin, in der Ethik­gruppe des Kan­tons und als Mit­glied der Christlich-Jüdis­chen Arbeits­ge­mein­schaft St.Gallen/Ostschweiz. «Mich hat seine tiefe religiöse und human­is­tis­che Bil­dung beein­druckt.» Roland Richter, ehe­ma­liger Präsi­dent der Jüdis­chen Gemeinde St.Gallen, schreibt im Nachruf im St.Galler Tag­blatt: «Sein wach­er Geist blieb Schmelz­er bis zulet­zt erhal­ten. Er beobachtete, über­legte, notierte auf Zetteln, die er immer auf sich trug, und kom­men­tierte. (…) Gerne emp­fahl er kon­tro­verse Büch­er und freute sich auf die anschliessende Diskus­sion darüber.»

Inter­re­ligiös­er Dia­log
«Typ­isch für Rab­bin­er Schmelz­er war auch seine Fröh­lichkeit», sagt Eve­lyne Graf, «das war nichts Aufge­set­ztes, diese Fröh­lichkeit wurzelte in ein­er tiefen Gottes­beziehung.» Der Inter­re­ligiöse Dia­log sei ihm ein wichtiges Anliegen gewe­sen. Er habe inten­siv die Schriften des Islams und des Chris­ten­tums studiert, um ein Ver­ständ­nis für die Posi­tio­nen der anderen Reli­gio­nen zu bekom­men. «Das beschränk­te sich bei ihm aber nicht nur auf die abra­hami­tis­chen Reli­gio­nen, son­dern er beschäftigte sich auch mit den asi­atis­chen Religionen.»

Von Malmö nach St.Gallen
1932 in Ungarn geboren, besuchte Schmelz­er die Rab­bin­er­schule in Budapest und die Ecole Rab­binique in Paris. 1958 wurde er als Reli­gion­slehrer nach Stock­holm berufen, studierte später in Lon­don. Im schwedis­chen Malmö erhielt Schmelz­er 1962 seine Ordi­na­tion als Rab­bin­er. 1968 wurde er schliesslich nach St.Gallen berufen. «Schmelz­er hielt die kleine und bedeu­tende jüdis­che Gemeinde durch Respekt, Öff­nung, Dia­log und ange­wandtes Juden­tum zusam­men», schreibt der Jour­nal­ist Yves Kugel­mann im Nachruf im jüdis­chen Mag­a­zin «tach­les». Sein Wis­sen über die Reli­gion­s­geschichte und die hebräis­che Sprache gab er auch weit­er, viele Jahre hat­te er einen Lehrauf­trag an der Uni­ver­sität St.Gallen und war Stu­den­tenseel­sorg­er. 2012 been­dete er seine Tätigkeit als Rab­bin­er. Schmelz­er war laut «tach­les» dien­stäl­tester Schweiz­er Rabbiner.

Ein­satz für Human­ität
Schmelz­er war von Anfang an Mit­glied der Christlich-Jüdis­chen Arbeits­ge­mein­schaft St. Gallen/Ostschweiz (CJA). Der Vere­in will mit Ver­anstal­tun­gen, Infor­ma­tio­nen und Begeg­nun­gen das gegen­seit­ige Ver­ständ­nis von Chris­ten und Juden fördern. Men­schen jüdis­chen und christlichen Glaubens sollen sich mit gegen­seit­igem Ver­ständ­nis und Respekt für die andere Glaubens­ge­mein­schaft begeg­nen, gemein­same Anliegen erken­nen und sich vere­int für Human­ität, Gerechtigkeit und Frieden ein­set­zen. Der aktuelle Präsi­dent der CJA St.Gallen, Pfar­rer Andreas Schwen­den­er, traf Rab­bin­er Schmelz­er nach dessen Pen­sion­ierung oft bei Spaziergän­gen in Rot­mon­ten. «Rab­bin­er Schmelz­er war stets über­aus zurück­hal­tend, sein span­nen­des Leben in der Öff entlichkeit pub­lik zu machen», so Schwen­den­er. Als er 2018 Schmelz­er bei einem Spazier­gang
traf, kon­nte er ihn zu einem spon­ta­nen Video-Inter­view motivieren.


Schwen­den­er und Schmelz­er sprechen im Video vor allem über the­ol­o­gis­che The­men wie die geschichtliche Wende zur Säku­lar­isierung und die daraus resul­tieren­den Vor- und Nachteile für die Reli­gio­nen. «Am Schluss erzählte Her­mann Schmelz­er auch von sein­er Zeit im kom­mu­nis­tis­chen Ungarn und der Ethik eines Rab­bin­ers in schwieri­gen Zeit­en», so Schwen­den­er, «Schmelz­er wusste, was die Neuzeit für die Reli­gio­nen an Her­aus­forderun­gen gebracht hat. Und er kon­nte sich trotz­dem für das Spez­i­fi sche ein­er Reli­gion ein­set­zen, auch wenn darin vieles unzeit­gemäss und skur­ril erscheint.» Bat­ja Guggen­heim, Co-Präsi­dentin der Jüdis­chen Gemeinde St.Gallen, sagte in einem Inter­view auf kath.ch zum Tod von Rab­bin­er Schmelz­er: «Wir haben einen Gesprächspart­ner, einen Denker und Forschen­den ver­loren. Her­rmann Schmelz­er war ein Fra­gen­der, ein kri­tis­ch­er Geist, eine her­aus­fordernde Per­sön­lichkeit und eine moralis­che Instanz.»

Stephan Sigg

Wie lässt sich in Zeiten von Corona und Abstandsregelungen trotz Distanz trauern? Das hat das Pfarreiforum Jacqueline Bollhalder vom Trauercafé in Gossau gefragt.

Sich umarmt fühlen

Bild: pixabay.com

Wie lässt sich in Zeiten von Corona und Abstandsregelungen trotz Distanz trauern? Das hat das Pfarreiforum Jacqueline Bollhalder vom Trauercafé in Gossau gefragt.

Tipp 1: Eigene Abschiedsfeier gestalten 

Wer nicht an einem Begräb­nis teil­nehmen kann, kann stattdessen eine häus­liche Feier gestal­ten. Eine bren­nende Kerze, ein Foto oder ein Musik­stück erin­nern an die ver­stor­bene Per­son. Erkundi­gen Sie sich zudem bei der zuständi­gen Seel­sorg­erin oder dem Seel­sorg­er nach den Tex­ten, die während der Trauer­feier gele­sen wer­den. Auch Trauer­cafés und Trauertr­e­ffs bieten häu­fig Broschüren mit Gebeten, Tex­ten und Impulsen an, die durch die Trauer­phase helfen. Gedanken und Gefüh­le lassen sich dabei per What­sapp oder Tele­fon mit Ange­höri­gen und Fre­un­den teilen.

Tipp 2: Alltagsgegenstände, die durch den Tag helfen 

«Neb­st spir­ituellen Tex­ten kön­nen auch ganz alltägliche Dinge Trost spenden », sagt Jacque­line Boll­halder vom Trauer­café Gos­sau. Sie nen­nt als Beispiel Glas­murmeln, die sie während eines Tre­ffs an die Teil­nehmenden verteilt hat­te. Sym­bol­isch lassen sich Gedanken und Gefüh­le, aber auch Wün­sche für die ver­stor­bene Per­son in die Murmel leg­en und in die Ver­gan­gen­heit aber auch in die Zukun­ft blick­en. «Ein Teil­nehmer erzählte mir, dass er die Murmel sei­ther immer bei sich trage und sie ihm in schwieri­gen Sit­u­a­tio­nen weit­er­helfe», sagt Jacque­line Boll­halder. Eine weit­ere Idee find­et sich auf der Home­page der Katholis­chen Kirche Luzern: Zu einem verabre­de­ten Zeit­punkt kön­nen Ange­hörige ihre Gedanken in Fed­ern, Ästchen oder dünne Zweige leg­en, diese dann dem Wind übergeben und so bewusst loslassen.

Tipp 3: Trostkissen statt Umarmungen 

Nichts hil­ft in Trauer­phasen so sehr wie Umar­mungen. «Ger­ade ältere Trauernde erzählen mir, wie sehr ihnen vor allem die Umar­mungen der Grosskinder fehlen», sagt Jacque­line Boll­halder. «Kinder helfen einem gut über Trauer hin­weg, weil sie anders mit dem Tod umge­hen als Erwach­sene. Sie akzep­tieren diesen viel ein­fach­er.» Ganz auf die Enkelkinder verzicht­en müssen Sie aber auch während der Coro­na- Pan­demie nicht: Tre­f­fen Sie sich an der frischen Luft. Über die fehlende Kör­pernähe hin­weghelfen kön­nte beispiel­sweise ein Trostkissen, das Sie für sich oder für die Enkelkinder aus Klei­dungsstück­en des Ver­stor­be­nen nähen. Eine Anleitung find­et sich auf der Plat­tform «Abschied­srituale für Zuhause» unter der etwas kom­plizierten Webadresse sway.o_ce.com/ HycAcAotl6wLWXHd.

Tipp 4: Sich gemeinsam etwas gönnen 

Miteinan­der essen und trinken oder sich etwas Spezielles gön­nen, das man schon lange nicht mehr gehabt hat: Auch das hil­ft laut Jacque­line Boll­halder Betro_enen über ihre Trauer hin­weg. Während der Coro­na-Zeit sind im Inter­net diverse Plat­tfor­men mit Rezep­tideen für gemein­sames Kochen per Videochat ent­standen. Zu den schön­sten Ideen gehört jene der Schweiz­er The­olo­gin Bar­bara Lehn­er. Ein­er ihrer Tipps ist, sich per Videochat zu verabre­den und dann gemein­sam ein Lieblings­menü der ver­stor­be­nen Per­son zuzu­bere­it­en und gemein­sam zu essen.

Tipp 5: Der Trauer Raum geben 

«Die Licht- und Dunkel­heit-The­matik ist Teil jedes Trauer­prozess­es», sagt Jacque­line Boll­halder. «Im Trauer­café zün­den wir daher gemein­sam Kerzen für die Ver­stor­be­nen an und beten das Vaterunser. » Boll­halder emp­fiehlt, dieses Rit­u­al auch zuhause zu wieder­holen. Alter­na­tiv kön­nen Sie in die Kirche oder auf den Fried­hof gehen. In manchen Kirchen gibt es einen speziellen Bere­ich, wo an die Ver­stor­be­nen gedacht wird. Auf diese Weise kann das Trauern einen Raum find­en. (nar)

Jacque­line Boll­halder. (Bild: pd)

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