«Setz dich ans Klavier»

Ein klassischer Kirchenchor? «Das ist mir viel zu steif», dachte Stefan Wieske aus Thal als junger Mann und entschied sich für einen anderen Weg. (Bilder: Ana Kontoulis)

Wie man es schafft, dass eine Kirche «rappelvoll» ist, sagt der Thaler Stefan Wieske. Der Chorleiter setzt auf Gospel, lässt sich gerne auf Neues ein und findet: Alle können singen.

Wie wird man Kirchenmusiker? Stefan Wieske sitzt in seinem Tonstudio in Thal. In einer Ecke stapeln sich Schallplatten, zuoberst Ella Fitzgerald. An der Wand hängt ein E-Bass, an der Seite steht das E-Piano, gegenüber auf dem Pult alles Technische. Stefan Wieske war in der 7. Klasse, als seine Lehrerin zu ihm sagte: «Setzt dich mal ans Klavier, ich glaube, das passt zu dir.» Es ist eine von verschiedenen Stationen, die ihn Kirchenmusiker werden liessen. Er erinnert sich an seine Uroma, die mit ihm als kleiner Bub durch die Wälder am Rande von Berlin spazierte und dabei stets Lieder sang. Da ist der Vater, der ihn sonntags ins Pfarrhaus brachte, weil dort ein Klavier stand. Er erzählt von der Pfarrerin, die ihn aufmunterte, die Orgel auszuprobieren. Durch die Pfarrerin entdeckte er auch den Glauben, den er heute zusammen mit der Musik als seine zwei Fundamente im Leben bezeichnet. «Meine Familie kam aus Ostdeutschland, wo der Glaube und die Kirche ja generell keine grosse Rolle spielten», sagt er.

Musik und der Glaube sind die zwei Fundamente im Leben von Stefan Wieske.

Mittendrin und auf Augenhöhe

Vom Lutheraner zum Katholik: Erst vor wenigen Jahren ist der heute 37-Jährige konvertiert, weil der katholische Glaube mit seiner Liturgie sinnlicher sei als der schweizerisch-reformierte. Auch ist es der Gospel, der ihn so richtig berührt. «Als ich als Student der Kirchenmusik an der Universität der Künste in Berlin erstmals in einem klassischen Kirchenchor sang, dachte ich: ‹Oh nein, das ist mir viel zu steif.›» Während seines Studiums in Berlin wurde ihm ausserdem bewusst, dass er noch lieber als Orgel zu spielen zusammen mit anderen Menschen singt und er seinen Schwerpunkt auf Chorleitung legen würde. Er mag es, in der Kirche mit dem Chor mittendrin zu sein. «Wenn du im Chor singst, bist du stets auf Augenhöre mit den Seelsorgenden oder dem Pfarrer oder der Pfarrerin. Du bist im Verkündungsdienst. Und dafür braucht es Musik, Gesang und Predigten gleichermassen», sagt er.

 

«Singen können alle»

Von Berlin zog es Stefan Wieske zunächst nach Süddeutschland, dann über Meisterschwanden im Aargau und Uzwil in die Seelsorgeeinheit Buechberg, die sich von St. Margrethen bis nach Staad erstreckt. Dort leitet er heute unter anderem den Gospelchor Life. «Bei unseren Auftritten ist die Kirche in Buechen oft rappelvoll», sagt er. Rund 60 Personen sind es, die im Schnitt beim Chor mitsingen. Es ist ein Projektchor, das heisst, Interessierte können auch nur für ein bestimmtes Konzert mitmachen. Die Proben für das nächste Projekt, das sich dem Southern Gospel widmet, beginnen im September. Aktuell läuft die Anmeldefrist. Stefan Wieske sagt: «Alle können singen. Und alle sollen singen. Das ist mein Ziel. Denn Singen macht glücklich und wer singt, führt keinen Krieg.»

Nebst der Musik ist das Fotografieren eine weitere Leidenschaft von Stefan Wieske.

→ Aktuelles Chorprojekt Southern Gospel: Konzerte 4. und 5. Dezember, Probenbeginn: ab 10. September. Anmeldung und Infos: s.wieske@kath-buechberg.ch; www.gospelchor-life.ch

 

→ Podast mit Stefan Wieske: https://www.youtube.com/watch?v=Hbcstl-5cfY&feature=youtu.be

 

Nina Rudnicki
Autorin
Veröffentlichung: 25.06.2026