Kloster statt Kosmetik

Sr. Maria-Amadea lebt neu auf der Iddaburg im Toggenburg und ist für den Wallfahrtsort ­zuständig. Ursprünglich wollte die Organistin und Komponistin Velomechanikerin werden.

«Eigentlich wollte ich Velomechanikerin oder Schuhmacherin werden», sagt die in Zug geborene Ordensfrau. Da ihr dies nicht erlaubt wurde, arbeitete sie zunächst als Kosmetikverkäuferin und -beraterin bei der Migros. Zwar hatte sie die Gelegenheit, den Tagesablauf von Ordensfrauen mitzuerleben, als sie in den Sommerferien in einem Kloster arbeitete. «Das war eine positive Erfahrung für mich», erinnert sich Schwester Maria-Amadea. Doch mit 17 hatte sie einen festen Freund. Als sie dann einmal an einem auswärtigen Ort übernachten musste und sie sich aus Gründen ihres schmalen Budgets für eine Nacht im Kloster entschied, war es plötzlich um sie geschehen.

 

Ausbildung zur Kirchenmusikerin

«Als die Schwester mich damals zum Vespergebet ins Oratorium führte, wusste ich sofort: Ich heirate nicht», erzählt sie. Als sie diese Entscheidung wenig später ihrem Freund mitgeteilt habe, sei dieser «völlig platt» gewesen. «Irgendetwas hat mir einfach in meinem Leben gefehlt», resümiert sie aus heutiger Sicht. Im Kloster Heiligkreuz in Cham entdeckte sie die Kirchenmusik und absolvierte eine Ausbildung zur Kirchenmusikerin mit Schwerpunktfach Orgel an der Diözesanen Kirchenmusikschule St.Gallen (DMKS).

Sr. Maria-Amadea lebt neu auf der Iddaburg. Bild: Urs Bucher

In einen Flow geraten

Beim Komponieren stehen für sie der Klang und seine Entwicklung im Vordergrund. So denkt sie nicht in Tonarten, sondern in Farbe und Emotion. Die meisten ihrer vertonten Texte hätten einen explizit religiösen Inhalt. «Aber auch die rein instrumentale Musik ist «religiös» im Sinne von «religere» – rückgebunden – an jenen Göttlichen Seins- und Urgrund, aus dem ich schöpfe, mit dem ich in Beziehung lebe», sagt sie. Aus ihrer Sicht kann Musik zur Gottesoffenbarung werden. «Aber Musik ist nicht Gott – er versteckt sich in und zwischen den Noten und will auch im Klang gefunden werden. Wenn die Musik einen erreicht, geschieht Himmel und Ewigkeit», stellt Schwester Maria-Amadea klar. Sie selbst schätzt es, beim Musizieren in einen Flow zu geraten und mit Gott auf einer anderen Ebene über die Musik kommunizieren zu können.

Welche Musik hört Sr. Maria-Amadea selbst gerne? «Die Songs von Leonard Cohen gefallen mir sehr gut – ebenso bluesiger und souliger Jazz», verrät sie. Auch Reggae töne auf der Orgel gut.

 

Text: kath.ch /ssi

Bild: zVg. / Bistum St.Gallen

Stephan Sigg
Leitender Redaktor
Veröffentlichung: 11.12.2025