Max Gmür ist nervös. Sein Beichtstuhl ist auf dem Openair St. Gallen Kult, aber dass ein kirchlicher Journalist mit ihm darüber sprechen will – das ist eine Premiere. Hinter dem Beichtstuhl steht eine längere Geschichte, die aus vielen Insidern und gemeinsamen Erlebnissen des Openair-Bauteams besteht: «Sie hat den Ursprung im hölzigen Himmel», so Max Gmür. Diese Redensart steht für Chaos, Tohuwabohu oder lärmige Zustände: «Bei den jungen Menschen ist das heute kaum mehr bekannt, aber sie passt perfekt für die Stimmung, die manchmal beim Aufbau und auch während des Openairs herrscht.» Manchmal gebe es beim Aufbau Reibereien oder es laufe nicht so wie geplant. Und es passieren auch mal Fehler.» Die Redensart bekam irgendwann eine Eigendynamik. Als Gag habe vor über zehn Jahren ein Mitglied des Bauteams ihm diesen Beichtstuhl geschreinert.
Was habe ich zu beichten?
Bald startet das Openair, an diesem Vormittag ist Max Gmür schon mit den Vorbereitungen beschäftigt. Viele Stunden investieren er und zahlreiche Helfer jedes Jahr, um den besonderen «VIP-Bereich» herzurichten, der sich direkt bei seinem Hof befindet, es ist ein grosser Barbereich im Heustadel-Look – und dem Beichtstuhl als besonderer Trouvaille. «Viele checken sofort, was das ist», so Max Gmür, «nicht selten wollen sie mit mir gleich über die Kirche, den Glauben, aber auch über das, was sie gerade beschäftigt, sprechen.» Oft lande das Gespräch schnell beim Thema Beichten. «Die Menschen denken laut darüber nach, was sie aktuell zu beichten hätten.»
Fehler gehören dazu
Beim Interview mit Max Gmür spürt man sofort: Es ist ihm ein Herzensanliegen, anderen etwas mitzugeben, sie zu bestärken. Der Beichtstuhl, ursprünglich als Gag gedacht, ermöglicht ihm genau das – er regt zum Nachdenken an, aktiviert, Persönliches mitzuteilen. Für Max Gmür ist der Beichtstuhl ein Symbol für die Fehlerkultur. «Niemand ist ohne Fehler, Fehler gehören dazu. Läuft mal etwas nicht so wie geplant, sollte man sich nicht davon unter Druck setzen lassen.» Diese Haltung ist es auch, die er weitergeben möchte. «Jeder Mensch kommt als gutes Wesen auf die Welt. Wie einen andere und die Umwelt prägen, das hat man oft nicht in der Hand.» Wenn nötig, hat Max Gmür aber auch den Mut, dem Openair-Gast ins Gewissen zu reden: «Wenn jemand über seine Sorgen jammert, frage ich nach: ‹Warum hast du diese Sorgen – wenn sie selbstverschuldet sind, dann musst du nicht jammern, sondern etwas unternehmen.› Etwas in seinem Leben zu verändern, dazu fehlt vielen aber der Mut.»