«Heute mag ich meinen Namen»

Am 16. Oktober ist Gallustag. Der Name «Gallus» ist heute noch geläufig – bei manchen Namensvettern zeigen sich Gemeinsamkeiten zum Heiligen Gallus. Immobilienvermarkter Gallus Hasler ist einer von ihnen.

Ob sein Namensvetter dasselbe verschmitzte Lächeln hatte, ist nicht überliefert. Aber Gallus Hasler verbindet doch einiges mehr als nur der Name mit dem Heiligen Gallus, dem Schutzpatron von Kanton, Stadt und Bistum St. Gallen. «Gallus wird eine bestimmte Sturheit nachgesagt. Ich nenne es auch gerne Bestimmtheit zu wissen, was man will , und dafür einzustehen. Ich bin ein Sturkopf. Es ist wichtig, dass man seine Meinung vertritt und dafür kämpft und gleichzeitig andere Meinungen zulässt.» Aufgewachsen ist Gallus Hasler in Mörschwil, dort, wo er auch heute nach mehreren Auslandreisen wieder wohnt – direkt am Gallusbrunnenweg, jenem Weg, den der hl. Gallus vor rund 1500 Jahren beschritten haben soll. Also nochmals eine Parallele.

 

Legende allgegenwärtig

Gallus Hasler kennt die Geschichte des hl. Gallus gut, der sich von Arbon kommend in der Mühleggschlucht in St. Gallen niederliess. «Meine Eltern haben uns in der Kindheit davon erzählt. Sie haben meinen Namen bewusst gewählt», sagt Hasler. Er ist als jüngstes von vier Geschwistern in einem christlichen Haushalt aufgewachsen, und er besuchte die flade, die katholische Sekundarschule in St. Gallen. «Mein Bruder heisst Urs, wie der Bär des hl. Gallus. Meine Eltern dachten, das passe gut zusammen», sagt Hasler und muss lachen. Später hat auch der Lehrer die Geschichte aufgegriffen. Fortan begrüssten seine Mitschüler Gallus Hasler nicht selten mit den Worten: «Ach, der Heilige kommt.» «Als Kind fand ich den Namen nicht so cool. Ich hätte mir einen moderneren Namen gewünscht.» Besonders gerne erinnert er sich aber an seine Pfadizeit zurück. Der spätere Bischof Markus Büchel war unser damaliger Pfadi-Pfarrer mit dem Pfadinamen Riebel. Wir hatten eine super Zeit mit ihm.»

 

Genauso reiselustig

Nach der Schule absolvierte Gallus Hasler eine Lehre zum Hochbauzeichner und arbeitete als Bauleiter in einem St. Galler Architekturbüro. «Mit 23 Jahren hatte ich genug und wollte die Welt sehen.» Fortan arbeitet Gallus Hasler während einiger Jahre im Sommer als Surflehrer und Segellehrer in Spanien und im Winter als Skilehrer in der Lenzerheide. «Das war damals für mich perfekt.» Um als Skilehrer tätig sein zu können, musste Gallus Hasler die englische Sprache beherrschen und so reiste er für knapp ein Jahr in die USA. An der Uni San Diego schrieb sich Gallus Hasler für einen Englischkurs ein. «Meine Mitschüler aus aller Welt fanden, der Name stamme aus dem Comics Asterix und Obelix und töne ein wenig römisch.» Die letzten vier Wochen verbrachte er in verschiedenen Skigebieten in der Sierra Nevada. Damit war der Grundstein gelegt für seine weitere Tätigkeit: Zurück in der Schweiz bekam Gallus Hasler mit 25 Jahren das Angebot, Nationaltrainer der Schweizer Telemark-Ski-Nationalmannschaft zu werden.

Vom Nationaltrainer der Schweizer Telemark-Ski-Nationalmannschaft zum Immobilien-Vermarkter: Gallus Hasler arbeitet nunmehr seit 20 Jahren für den Hauseigentümerverband St.Gallen.

Er teilte sich das Amt mit zwei Kollegen und begleitete die Nationalmannschaft an Rennen nach Italien, Frankreich und auch im Heimatland. Jeden Winter ging es zudem je zwei Wochen nach Kanada und in die USA sowie nach Skandinavien. Gallus Hasler sagt: «Vor allem die Skandinavier fanden meinen Namen sehr speziell. Die schottischen Telemark Rennfahrer kannten sogar die Geschichte des Wandermönches aus Irland mit dem Namen Gallus.»

 

«Gefühl, speziell zu sein»

Mittlerweile arbeitet Gallus Hasler seit 20 Jahren beim Hauseigentümerverband St. Gallen als Immobilien-Vermarkter und schätzt, dokumentiert, inseriert und verkauft Liegenschaften. «Hier ist mir die Sturheit und Beharrlichkeit von Gallus teilweise sehr hilfreich», so Hasler und lächelt. Die Beziehung zu seinem Namen hat sich im Laufe der Zeit verändert: Heute ist der 58-Jährige stolz darauf. «Er ist nicht 08/15 und gibt mir ebendieses Gefühl: das Gefühl, dass ich speziell bin.» In St. Gallen selber wird Gallus Hasler nicht oft auf den hl. Gallus angesprochen. Er erzählt aber allen Interessierten immer wieder gerne, welche Geschichte sich hinter seinem Namen verbirgt. Am 16. Oktober, am Gallustag, dem Festtag zu Ehren des hl. Gallus, wird Gallus Hasler bestimmt wieder den einen oder anderen Spruch von Bekannten und Freunden hören. Wie jedes Jahr wird er an diesem Tag die Olma besuchen. Ebenfalls etwas, auf das die St. Galler stolz sind. «Und in diesem Jahr möchte ich endlich mal die Gallus-Feier im Kloster besuchen.»

 

Bilder: Alessia Pagani

Alessia Pagani
Autorin
Veröffentlichung: 02.10.2026