Patrizia Cucchia hat viele Geschichten zu erzählen. Etwa, als ihre Reisegruppe wegen eines Streiks der italienischen Bahnangestellten spätabends beinahe in Mailand strandete. Oder jene Anekdote, als einer ihrer Schützlinge vor den Toren des Petersdoms fast in Handschellen abgeführt wurde. Patrizia Cucchia lacht bei der Erinnerung an den Tag. «Er hatte ein Schweizer Sackmesser dabei. Aber das hat ja fast jeder Schweizer Bub», sagt die 59-Jährige. Patrizia Cucchia erzählt gerne von ihren Romreisen. Seit mehr als 21 Jahren begleitet sie die Ministrantinnen und Ministranten der Pfarreien Niederuzwil, Henau, Oberuzwil und Bichwil aus der Seelsorgeeinheit Uzwil auf der Minireise in die Ewige Stadt. Im vergangenen Jahr war sie zum siebten Mal als freiwillige Begleitperson dabei. «Beim ersten Mal hat es mir die Ärmel reingezogen. Mittlerweile sind die Minireisen eine Art Ausgleich zur Arbeit», so die Postangestellte. Sie ist die Einzige im fünfköpfigen Team, die nicht bei einer Pfarrei angestellt ist.
Planung als Herausforderung
Ihre Kolleginnen und Kollegen sind vor allem für die Sprachkenntnisse und das planerische Talent der gebürtigen Italienerin dankbar. Patrizia Cucchia ist für jegliche organisatorischen Belange zuständig, vor der Abreise nach Rom und vor Ort. «Die grösste Herausforderung ist jeweils die Planung und das Einhalten dieser», sagt Patrizia Cucchia. Die Organisation ist enorm, deswegen ist sie auch dem Team, vor allem Urs Lenz, der seit Beginn mit dabei ist, extrem dankbar. «Vor Ort geht er mit der Stadtkarte voraus und leitet die Gruppe.»
Sobald Patrizia Cucchia wieder zu Hause ist, beginnen die Vorbereitungen für die nächste Minireise. Patrizia Cucchia reserviert die Herberge und die Restaurants, organisiert Eintrittsbillette – und sie kümmert sich liebevoll um die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Auf dem Pflichtprogramm steht der Besuch des Petersdoms und der Schweizergarde. «Das fasziniert die Kinder immer. Sie lieben den Besuch bei den Gardisten.» Dann gibt es auch immer wieder kleine Überraschungen, die schnelle Lösungen verlangen. Etwa, wenn das reservierte Restaurant doch keine freien Plätze mehr hat oder es einem Kind gesundheitlich kurzfristig nicht gut geht. «Keine Romreise gleicht der anderen. Und es wird nicht einfacher, es gibt immer mehr Vorschriften und Regeln», sagt Patrizia Cucchia und lächelt. «Aber wir haben noch immer eine Lösung gefunden.»
Auf jeden eingehen
Auf den vergangenen Reisen sind immer 30 bis 40 Minis zwischen 14 und 18 Jahren mitgereist. «Es macht mir immer riesengrossen Spass. Die Kinder sind einfach super und ich geniesse die Zeit mit ihnen sehr», sagt Patrizia Cucchia.
Sie versuche jeweils, auf jeden Einzelnen und jede Einzelne einzugehen. «Sie sind alle einzigartig. Wichtig ist, ihnen Raum zu lassen, sich auszudrücken.» Dass die dreifache Mutter die «Arbeit» mit Kindern liebt, merkt man ihr bei jeder Geschichte an. «Es war all die Jahre sehr schön und wir hatten immer ein gutes Miteinander.» Patrizia Cucchia ist dankbar, dass sie als Freiwillige stets grosses Vertrauen und viel Dankbarkeit seitens der Pfarreiverantwortlichen gespürt hat. In drei Jahren wird sie die Minis nochmals nach Rom begleiten. «Dann werden wir sehen, was die Zeit bringt.»
Bilder: zVg.