Meine Sicht: Halber Fuss im Himmel?

Vor Kurzem sass ich draussen auf einer Bank. Ein guter Platz, um nach oben zu schauen und über den Himmel nach­zudenken. Das Fest Christi Himmelfahrt steht im Mai, 40 Tage nach Ostern, an.

Ein schöner, warmer Tag, als ich da sitze, der tiefblaue Himmel voll grosser, weisser Wolken. Ich kann mir in diesem Augenblick gut vorstellen, dass es so ein Himmel gewesen sein könnte, als Jesus vor den Augen seiner Jünger emporgehoben wurde. Dass es eine dieser imposanten Wolken war, die ihn aufnahm. Doch der Himmel Gottes ist nicht der Himmel über unseren Köpfen, das Firmament oder die Atmosphäre um unsere Erde herum und schon gar nicht ein Ort, an dem Gott auf einer Wolke sitzt. In unserer Sprache ist das Wort «Himmel» doppeldeutig. Zum einen meint «Himmel» das sichtbare Firmament über uns und es meint zum anderen etwas ganz anderes: den unsichtbaren Einflussbereich Gottes. In dieses Himmelreich Gottes ist Jesus heimgekehrt. Himmel heisst dann auch für mich: so bei Gott zu sein, zu Hause zu sein, wie Christus bei uns war: vergebend, heilend, aufrichtend, tröstend.

 

Himmel – hier und jetzt

Auf einmal geht mir der Satz aus dem Evangelium durch den Kopf: «Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?» Die Worte klingen nicht wie ein Zitat aus der Bibel, nein eher wie eine direkte Frage an mich: Du Monja, was sitzt du da herum und schaust in den Himmel empor? Hast du nichts Wichtigeres zu tun? Halber Fuss im Himmel? Mir wird klar, die Botschaft vom Reich Gottes heisst: Himmel beginnt schon auf unserer Erde, im Hier und Jetzt. Auch wenn ich hoffe, dass ich einst im «Himmel» Gottes für immer sein darf, so glaube ich auch: Schon hier und jetzt braucht Jesus mich. Er hat die Jünger und uns nicht einfach hier auf Erden zurückgelassen, um ihm verträumt in den Himmel nachzuschauen. Jesus braucht uns als Vertretung des Himmel-Reiches Gottes dort, wo wir leben, in der Familie, in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kirche. Mit beiden Beinen fest auf der Erde bin ich gerufen, dem Himmel hier und jetzt einen Ort zu schenken.

 

In diesem Sinn wünsche ich uns Orte und Gelegenheiten, an denen wir für andere wie Jesus vergebend, heilend, aufrichtend und tröstend ein Stück Himmel auf Erden sind.

 

Text: Schwester M. Monja Schnider, Schönstatt-Marienschwester in Quarten und Klinikseelsorgerin

 

Bild: zVg

Veröffentlichung: 21.04.2026