Meine Sicht: Auch im ­Dunkel dem Leben trauen

Vera Maria Rösch, Seelsorgerin Katholische Kirche Region Rorschach (Bild: zVg)

Ich komme an keiner Kirche vorbei, ohne zumindest für alle meine Lieben eine ­Kerze angezündet zu haben – manchmal reicht eine einzige, in Notsituationen muss jedoch ein ganzes Lichtermeer ­gegen meine Ängste und Sorgen ankämpfen.

Licht erhellt das Dunkel, bekämpft die Ohnmacht, hilft, wenn Worte fehlen. Wenn man die vielen Kerzen sieht, die in unseren Kirchen tagtäglich angezündet werden, scheint es vielen Menschen so zu gehen.

 

Mariä Lichtmess

Am 2. Februar feiert die Kirche «Darstellung des Herrn» oder auch «Mariä Lichtmess», wie das Fest im Volksmund genannt wird. Das Fest geht auf das Lukas-Evangelium zurück, in dem berichtet wird, dass Jesus als Erstgeborener von seinen Eltern in den Tempel gebracht wurde, um ihn dem Herrn vorzustellen. Gleichzeitig brachte Maria ein Reinigungsopfer dar, wie es nach jüdischem Gesetz vorgesehen war. Traditionellerweise werden an diesem Festtag alle Kerzen für den liturgischen und persönlichen Gebrauch gesegnet, eben auch die unzähligen Votivkerzen, die unsere Kirchen erhellen.

 

Hoffnung im Herz

Lichter und heller werden auch die Tage. Mit Lichtmess hat die Anzahl der Sonnenstunden seit der Wintersonnwende schon um über eine Stunde zugenommen, an sonnigen Tagen ist dies deutlich spürbar. Die heller werdenden Tage, die den Frühling ankündigen, schicken mir Hoffnung ins Herz: Licht hilft nicht nur, weil es das Dunkel vertreibt, es stärkt auch mein Vertrauen, gerade im Dunkel dem Leben zu trauen, weil es immer schon da ist.

 

Text: Vera Maria Rösch

Vera Maria Rösch
Seelsorgerin katholische Kirche Region Rorschach
Veröffentlichung: 23.01.2026