Im Ehrenamt Kioskfrau

Seit Anfang August hat der Kiosk Maria Bildstein wieder geöffnet. Künftig begrüssen 14 ehrenamtliche Frauen die Gäste beim Wallfahrtsort und verwöhnen sie mit selbstgebackenem Kuchen.

Herta Egli kann sich noch gut an die Velofahrten mit ihren Geschwistern und der Mutter erinnern. Gemeinsam traten sie sonntags in die Pedale und bewältigten die rund 15 Kilometer lange Strecke durch den steilen Wald von Schänis zur Wallfahrtskirche Maria Bildstein in Benken, um den Gottesdienst zu besuchen. Heute, über 60 Jahre später, nimmt die mittlerweile 72-Jährige den Weg immer noch gerne und regelmässig auf sich. Kürzlich hat sie gemeinsam mit 13 anderen Frauen den Betrieb des Kiosks Maria Bildstein übernommen. Die Frauen stammen alle aus der Region und arbeiten ehrenamtlich. «Wir freuen uns sehr auf viele Begegnungen.»

 

Immer einen Plan haben

Die Kioskfrauen haben das Projekt innert Kürze aus dem Boden gestampft. Der Kiosk bei der Wallfahrtsstätte wurde seit 2013 in Pacht betrieben. Die ehemalige Pächterin legte ihre Arbeit per Ende Juni nieder. «Für uns war klar, dass es hier weiterhin ein solches Angebot geben soll», sagt Herta Egli. Sie engagiert sich in der Freizeit oft ehrenamtlich, betreut etwa dreimal im Monat das Kafi Allerlei in Kaltbrunn, ein Treffpunkt, bei dem die unterschiedlichsten Menschen ohne Konsumzwang zusammenkommen können, oder besucht als Präsidentin des Elisabethenverein Menschen ab 85 Jahren an ihren Geburtstagen. In ihrer Pfarrei ist sie zudem als Lektorin tätig und organisiert Spiel- und Jassnachmittage. Daneben ist Herta Egli leidenschaftliche Grossmutter und verbringt gerne viel Zeit mit ihren Enkeln. «Ich bin eine Schafferin und könnte es mir nicht anders vorstellen. Am schönsten ist für mich, am Abend zu wissen, was ich am kommenden Tag machen soll.»

 

Von Erfahrungen profitieren

Innert vier Wochen trafen die Frauen die Entscheidung, putzten, schliffen und malten die Oberflächen, bestellten die Produkte, erstellten eine kleine Sitzecke, jäteten und kümmerten sich um das Wirtepatent.

Seit Anfang August begrüssen 14 Frauen die Gäste beim Kiosk Maria Bildstein beim gleichnamigen Wallfahrtsort.

Dabei brachte jede ihr Wissen und ihre Erfahrungen ein. «Wichtig ist, jene machen zu lassen, die es auch können», sagt Herta Egli. Der Kiosk hat von Ostern bis Allerheiligen jeweils samstags und sonntags geöffnet. Auch für Grossanlässe stehen die Frauen zur Verfügung. Im Kiosksortiment gibt es nebst wenigen Devotionalien, Büchern und Kerzen auch allerlei Getränke und Knabbereien. Die Kuchen backen die Frauen zu Hause und bringen sie zum Kiosk. Vor Ort müssen die Frauen mit einer einfachen Infrastruktur auskommen. Fliessend Wasser gibt es nicht. Ein 20-Liter-Tank muss reichen. «Es ist einfach, aber alles klappt bestens.»

 

Ein Ort für die Menschen

Am 1. August feierten die neuen Betreiberinnen Feuertaufe. Und diese stellte sie direkt vor eine erste Herausforderung: «Wegen des Feuerverbots durften wir nicht grillieren. Da mussten wir schnell umplanen.» Die ungefähr 120 Gäste wurden schliesslich mit Wienerli und Pommes verwöhnt. «Wir müssen flexibel sein», sagt Herta Egli und lacht. Es scheint, als könnte die Kaltbrunnerin nichts aus dem Konzept bringen. «Wir sind keine Gastroprofis. Es muss nicht perfekt sein. Es soll einfach für die Menschen sein. Der Ort soll leben und einladend sein.»

 

Bilder: Manuela Matt

Alessia Pagani
Autorin
Veröffentlichung: 24.08.2026