Leserfrage

Die Anfrage finde ich sehr berechtigt. Dass nun seit einigen Jahren neben Ostern, Weihnachten und Muttertag auch Halloween vermarktet wird, ist ärgerlich. Ich zumindest muss keine künstlichen Spinnweben kaufen, sondern ­befinde mich regelmässig im Kampf mit den echten.

 

Aber wie steht es eigentlich um den Inhalt dieses Festes? Können wir als Christinnen und Christen dahinterstehen? In Rheineck durfte ich über einige Jahre bei den ökumenischen «Hello Win Games» mitwirken. Das tolle Angebot gibt es nach wie vor: Kinder verkleiden sich, veranstalten ein Töggeliturnier, trinken blutrote Cocktails und ziehen mit Lichtern durch die Gassen. Daran kann doch nichts verkehrt sein, oder? Auch, dass die Kinder an den Haustüren einen Spruch aufsagen, finde ich herzig. So kaufte ich letztes Jahr einen grossen Sack Süssigkeiten und stellte mich auf viele Kinder in unserem Familienquartier ein. Doch niemand war gekommen. Ich hatte keinen Kürbis vor die Haustür gestellt, der signalisiert, dass Besuch gewünscht ist.

 

Kürbis statt Räbeliechtli

Der Kürbis hat das Räbeliechtli abgelöst. Auch an der Konkurrenz von Halloween zu unseren einheimischen Bräuchen stören sich viele. Ich mich auch. Gleichzeitig mache ich mir bewusst, dass auch christliche und volkstümliche Feste gewachsen sind. Übrigens gibt es auf der «Isle of Man», einer Insel in der Irischen See, einen waschechten Räbeliechtli-Umzug an Halloween. In diese Region reichen auch die Wurzeln von Halloween zurück. Das keltische Fest Samhain wurde in Irland bereits vor über 2000 Jahren gefeiert und erst mit der Ausbreitung des Christentums zu «All Hallows’ Eve» (der Abend vor Allerheiligen). Halloween ist also keine Erfindung der Amerikaner, sondern der Kelten, die glaubten, dass an diesem Tag das Tor zur Geisterwelt besonders durchlässig sei.

 

Sich auf Leichtigkeit einlassen

Die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits ausloten. Dieses Bedürfnis scheinen verschiedene Kulturen zu kennen. Durch die «Coco»-Filme ist der mexikanische Día de los Muertos populär geworden. Bunte Totenköpfe und ein Festmahl mit den Verstorbenen machen hier den Vorabend von Allerheiligen aus. Durch diesen Umgang mit dem Thema Tod verleihen die Menschen dem unsagbaren Verlust eine Leichtigkeit, die ansteckend ist.

 

Auch Kinder sind fasziniert von Skeletten, Monstern und Gruselmasken, vielleicht gerade, weil sie unheimlich sind. Kinderpsychologen sagen, dass Halloween für Kinder sogar etwas Ermächtigendes sein kann: im Dunkeln draussen sein, zu einem gefährlichen Wesen werden und mutig an fremden Haustüren läuten. All dies sind Dinge, die Kindern sonst niemals erlaubt wären. Für die meisten ist es ein Riesenspass. Der Spass hört allerdings auf, wo Kinder oder Erwachsene bewusst verängstigt werden oder  wo Vandalismus ins Spiel kommt. Das ist auch an Halloween nicht lustig.

 

Text: Leila Liebenberg, Seelsorgerin Kirche Alttoggenburg

 

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Veröffentlichung: 16.10.2026