Ich sage fast zu schnell: «Nein.» Ich bin noch aufgewachsen mit dem Spruch: «Von nichts kommt nichts.» Aber endet dort unsere christliche Haltung und unsere biblische Weisheit?
Ameise und Löwe: Sei fleissig!
Die Bibel nennt die Ameise als Vorbild: «Geh zur Ameise, Du Fauler, sieh ihre Wege an und werde weise.» (Spr 6,6) Dazu kommen die Anmerkungen, dass die Ameise keinen Antreiber braucht: niemanden, der ihre Arbeit kontrolliert, kein Aufseher weit und breit. Unsere Ameise ist so gut intrinsisch motiviert, dass sie aus sich heraus arbeitet. Sie sorgt gut vor. (Die Biologie von heute ergänzt, dass auch Ameisen Pausen machen und bei Hitze langsamer arbeiten.) Die Bibel hält dem Faulen einen Spiegel vor: «Der Faule spricht: Da draussen ist ein Löwe, in der Gasse.» (Spr 22,13) Würde der Faule aufstehen, rausgehen, so würde ihn sicherlich ein Löwe auf offener Strasse verspeisen? Was für eine billige Ausrede! Das ist hier der Punkt: Der Faule redet sich was ein, er greift zu Ausflüchten, eigentlich betrügt er sich selbst. Menschlich betrachtet sind wir manchmal wahre Meister darin, uns irgendetwas einzureden. Also sei eine Ameise und erfinde keine imaginären Löwen.
Aber in Massen und für wen eigentlich?
Dabei bleibt es nicht. Die Bibel kennt eben nicht nur ein Lob von Arbeit, Fleiss, Leistung, sondern alles in Massen: Es ist nicht gut, zu viel zu arbeiten. Die Sabbatruhe soll und will den Rhythmus der Arbeit zum Wohle von Mensch und Gemeinschaft unterbrechen. Die fleissige Martha wird gerügt, die zuhörende Maria wird gelobt. Es gibt Wichtigeres. Und die Frage stellt sich, wofür ich mich denn anstrenge. Das Gleichnis Jesu vom reichen Bauern zeigt das. (Lk 12,16-21) Dieser Bauer hat wie eine Ameise hart gearbeitet. Sein Einsatz hat sich gelohnt, sodass er eine grössere Scheune braucht. Und ich finde seine Motivation ziemlich verständlich: Er will Sicherheit, und er hat vorgesorgt für viele Jahre. Er will Ruhe. Er will sich freuen. Das ist alles vernünftig. Dennoch widerspricht Jesus: Er sammelt bloss für sich, also eigentlich aus egoistischen Gründen. Es geht nur um seine Sicherheit, seine Ruhe, seinen Frieden. Bei Gott ist das zu wenig. Und dann stellt sich bei all der Arbeit und bei allem Fleiss schon die Frage, was für Schätze ich eigentlich sammle und wem die Scheune letztlich wirklich gehört.
Die Bibel ist reich an Erfahrung und an Weisheit. Sie ist voll von Verständnis für all unsere menschlichen Verhaltensweisen. Aufs Ganze hilft mir die Bibel, meinen Alltag, mein Arbeiten gut und gesund auf Gott hin auszurichten, um letztlich in ihm meine Sicherheit, meine Ruhe und meine Freude zu finden. Da sorgt Gott vor.
Text: Carsten Wolfers, Diakon Sevelen
Mehr zum Thema «Faul sein» in der neusten Folge des Podcasts «Soulfood» mit Carsten Wolfers: https://open.spotify.com/episode/1dkpfKL8QYCvKAHYvdveGE?si=t0Px6gDcS1-skba_521pGw