«Brot, das ist zum Teilen da»

Ostern ist die perfekte Zeit, Brot zu backen und es mit anderen zu teilen. Einen Versuch wert ist das Hermann-Sauerteigbrot von Schwester Elisabeth aus dem Kloster Leiden Christi in Jakobsbad. Was macht Ostern für die Kapuzinerin besonders?

«Am liebsten backe ich in meinen Ferien. Dann habe ich Musse und Zeit, etwas neues auszuprobieren», sagt Schwester Elisabeth. Die 34-Jährige stellt den Backofen an. Die Küche des Klosters Leiden Christi in Jakobsbad füllt sich mit süssem Duft. «Heute morgen hat Schwester Rita mit ihrem Team Guetzli für den Klosterladen gemacht. Die produzieren unzählige davon pro Jahr», sagt Schwester Elisabeth. Sie selbst gehört nicht zum Backteam. «Ich probiere eher projektmässig hin und wieder etwas Neues aus.»

Schwester Elisabeth (34) kam von Norddeutschland ins Kloster Leiden Christi.

Bis der Teig blubbert

Das Hermann-Brot ist so ein Projekt. Es besteht aus Sauerteig, dessen Mutterteig über mehrere Tage hinweg ruht und reift. Alle drei Tage hat Schwester Elisabeth ihn mit etwas Milch, Mehl und Zucker gefüttert. Jetzt blubbert die Masse in einem grossen Glas vor sich hin. Brot zu backen, erdet und entschleunigt. Wer Brot backt, muss geduldig kneten, Ruhe mitbringen und Zeit im Teig wirken lassen. «Das passt gut zu Ostern», sagt sie. «Ausserdem ist Brot zu teilen etwas sehr Biblisches. Es ist etwas, das man in Gemeinschaft tut und schön, dass wir das jetzt zusammen ausprobieren.»

Schwester Elisabeth in der Küche des Klosters in Jakobsbad. Sie gehört zwar nicht zum Backteam der Gemeinschaft der Kapuzinerinnen, backt aber gerne in ihrer Freizeit.
«Jesus lebt», hat sie sich in ihren Professring eingravieren lassen. «Das fasst zusammen, was heute mein Lebensinhalt ist.»

Zwischen zwei Backöfen, dem Herd, der Teigmaschine für die Guetzli und der schweren Waage sucht Schwester Elisabeth zusammen, was sie alles braucht. Normalerweise kocht in der Profiküche eine Köchin für die neun Kapuzinerinnenschwestern und Mitarbeitenden im Kloster. Nebst dem Hermann-Sauerteig landen Mehl, Salz und lauwarmes Wasser in der Schlüssel. Daneben liegt Backpapier und eine grosse gusseiserne Form mit Deckel bereit. Zehn Minuten knetet Schwester Elisabeth von Hand. Anschliessend braucht der Teig sechs Stunden Ruhe. Sie öffnet die Wärmeklappe unter dem Herd, schiebt den Teig hinein und nimmt eine andere Schüssel heraus. «Ich habe extra schon einen Teig vorbereitet. Den hier können wir direkt backen», sagt sie.

 

In den Ort verliebt

Somit bleibt genügend Zeit für eine Kaffeepause am roten Arbeitstisch mitten in der Küche. Die Sonne scheint durch die Fenster und taucht den Raum in Licht. Vor der Küchentür, die in den Innenhof führt, ersetzt ein Mitarbeiter das Kopfsteinpflaster. Verschiedene Personen gehen ein und aus: eine Mitarbeiterin der Küche, zwei Gärtner auf dem Weg zur Kaffeepause, andere Schwestern, die sich gespannt nach dem Brot erkundigen, und eine junge Besucherin aus Hannover. Sie verbringt ihre Ferien im Kloster und nimmt am Alltag der Gemeinschaft teil. «Ich war schon öfters hier, denn ich habe mich in den Ort, die Umgebung und die Natur verliebt», sagt sie und setzt sich an den Tisch dazu. So gut es ihr hier gefällt, so kann sie sich doch nicht vorstellen, dauerhaft in einem Kloster zu leben. Schwester Elisabeth hingegen sagt: «Ich fände es natürlich schön, wenn mehr jüngere Frauen unserer Gemeinschaft beitreten würden. Wir geben nicht auf und versuchen Neues.» Zusammen mit den anderen Schwestern hat sie daher das Angebot «Kloster erleben» für Frauen zwischen 18 und 35 Jahren lanciert. Während einer Woche können Interessierte den Alltag mit den Schwestern teilen. In der Karwoche ab dem 1. April ist es wieder so weit. Interessierte können sich aber auch jederzeit für eine Schnupperwoche anmelden.

 

Pause im Klostergarten. Dort wächst vieles, was für die selbsthergestellten Produkte für den Klosterladen benötigt wird.
«Etwas miteinander zu teilen, dafür steht Brot ja sinnbildlich.» Bewusst etwas Gemeinschaftliches zu tun, passe als Vorsatz gut in die Osterzeit, findet Schwester Elisabeth.

Blitzbesuch in Jakobsbad

Schwester Elisabeth selbst war früh bewusst, dass das Klosterleben etwas für sie sein könnte. Bereits mit 19 Jahren, noch während ihrer Matura, kam sie zum ersten Mal für einen dreitägigen Besuch nach Jakobsbad. «Ich spürte in mir schon als Jugendliche diese Sehnsucht nach dieser Lebensform», sagt sie. Bei einer Internetrecherche stiess sie auf das Kapuzinerinnenkloster Leiden Christi und wollte diesen Ort kennenlernen. Zusammen mit ihrem Vater machte sie sich aus Bad Salzuflen in Norddeutschland auf den Weg in Richtung Ostschweiz. «Kurz vor unserer Ankunft sagte mein Vater etwas schwermütig im Auto zu mir: ‹Ach, ich spüre das schon. Du wirst hier bleiben.›»

 

Ohne persönlichen Besitz

Er sollte Recht behalten. Nach mehreren Jahren der Probe- und Ausbildungszeit – mit Kennenlernjahr, Kandidatur, Noviziat und erster Profess – legte sie mit 25 Jahren ihr ewiges Gelübde ab. Zahlreiche Medien berichteten darüber und besuchten sie im Kloster. «Jesus lebt», hat sie sich in ihren Professring eingravieren lassen. «Das fasst zusammen, was heute mein Lebensinhalt ist», sagt sie. Das schlichte goldene Schmuckstück trägt sie stets an ihrem Finger. Ansonsten haben sich die Kapuzinerinnen einem Leben in Bescheidenheit verschrieben: Sie verzichten auf persönlichen Besitz, teilen ihren Alltag, ihre Arbeit und ihr Gebet miteinander und verpflichten sich zu einem einfachen Lebensstil im Dienst an Gott und den Menschen.

 

Platz für Neues

Wer im Kloster Leiden Christi lebt, hat auch Urlaub. Im Wechsel reist Schwester Elisabeth in ihre Heimat oder verbringt Zeit mit Familie und Freunden in Jakobsbad. «Die schönste Zeit für mich in meinen Alltag ist aber Ostern. Das steht für alles, wofür ich lebe, und ich freue mich schon Wochen zuvor darauf», sagt sie. In der Fastenzeit verzichtet Schwester Elisabeth auf Süsses, Butter und Brot. «Aber ich bin nicht so streng. Wenn wir heute Brot backen, dann essen wir das natürlich auch», sagt sie. Vor allem gehe es in der Fastenzeit darum, der Seele und dem Geist Raum zu geben, innerlich leerer zu werden und sich von Ballast zu befreien – um Platz für Neues, für Gott, zu schaffen. «Die Stundengebete an Ostern machen mich dann immer froh und glücklich», sagt sie. Aber natürlich gehöre zu Ostern auch ein spezielles gemeinsames Frühstück mit Ostereiern und allem, was dazu gehört, sowie ein besonderes Abendessen.

Die zwei Apfelbäume vor dem Kloster hat Schwester Elisabeth gepflanzt. Noch befinden sie sich im Winterschlaf.

Brot als Sinnbild

Der Küchentimer piepst. Schwester Elisabeth holt das Brot aus dem Ofen und wir bewundern die goldbraune Kruste. «Wenn es etwas abgekühlt ist, teilen wir es und ihr nehmt ein Stück mit nach Hause», sagt sie und fügt an: «Etwas miteinander zu teilen, dafür steht Brot ja sinnbildlich.» Bewusst etwas Gemeinschaftliches zu tun, passe als Vorsatz gut in die Osterzeit. Schwester Elisabeth sagt, es gehe darum, eine Einheit in der Vielfalt zu sehen. Das sei etwas, das man auch im Kleinen üben könne und heute womöglich wichtiger sei denn je. «Nehmen wir Familien, Freunde oder unsere Schwesterngemeinschaft. Wir sind alle verschieden und so geht es darum, respektvoll miteinander umzugehen und andere Meinungen auszuhalten», sagt sie. «Vielleicht kann man nicht sofort das grosse Ganze ändern, aber wie sähe unsere Welt aus, wenn wir nicht für andere beten würde? Mit der Auferstehung von Jesus an Ostern feiern wir, dass das Gute stärker ist.»

 

Bilder: Ana Kontoulis

Ostern als Fest der Gemeinschaft: «Wir sind alle verschieden und so geht es darum, respektvoll miteinander umzugehen und andere Meinungen auszuhalten.» Im Bild das fertige Hermann-Sauerteigbrot.
Nina Rudnicki
Autorin
Veröffentlichung: 20.03.2026