Von klassisch bis poppig

Klavier- und Orgelunterricht an der diözesanen Kirchenmusikschule St.Gallen ist gefragt. Das Angebot nutzen nicht nur angehende Kirchenmusikerinnen und -musiker, sondern es steht allen offen. Das füllt eine Lücke: Der Unterricht für Erwachsene steht unter politischem Druck.

In der Stadt St. Gallen gibt es drei grosse Anbieter für Musikunterricht für Erwachsene: Die städtische Musikschule, die Migros Klubschule sowie die Diözesane Kirchenmusikschule (dkms) beziehungsweise die evangelische Kirchenmusikschule (ekms). Wegen Sparmassnahmen steht der Erwachsenenunterricht an der städtischen Musikschule nun auf der Kippe. Xoán Castiñeira, Leiter der dkms, ist wenig erstaunt über diese Entwicklung. «Die meisten musikalischen Ausbildungen sind defizitär. Selten werden von den Schülerinnen und Schüler die Vollkosten gezahlt.» Bei der dkms heisst das explizit: «Circa ein Drittel der Kosten übernimmt der Schüler oder die Schülerin.» Die dkms wird getragen vom Katholischen Konfessionsteil des Kantons St. Gallen. «Ohne diese Gelder ginge es nicht.» 

Xoán Castiñeira leitet seit einem Jahr die ­Diözesane ­Kirchenmusikschule St. Gallen. Die Schule bietet auch Einzelunterricht in Klavier und Orgel an.

Castiñeira kann das geplante Vorgehen der Stadt ein Stück weit nachvollziehen. «Jeder Abstrich ist schmerzhaft, aber manchmal muss man einfach einsparen. Wichtig ist, nicht bei den Kindern anzufangen.»

 

Ergänzung mit eigenem Profil

Die dkms bietet Erwachsenen einerseits Einzelunterricht in Klavier, Orgel, Gesang und Dirigieren, andererseits bietet sie Studiengänge in Kirchenmusik an. Als einziger Anbieter (Stufen C und B) schweizweit auch berufsbegleitend. Kinder können ab vier Jahren in der Domsingschule in verschiedenen Chören singen und erhalten ebenfalls Einzelunterricht. Der Unterricht an der Domsingschule sowie der Erwachsenenunterricht in Form von Einzellektionen sind im Gegensatz zu den Studiengängen relativ kostendeckend. An der dkms anmelden kann sich jeder. Der grosse Unterschied zum städtischen Angebot ist die kirchenmusikalische Ausrichtung. «Wir unterrichten Kirchenmusik. Diese kann mal klassisch, mal poppig sein, aber der Bezug zum christlichen Glauben liegt in der Musik selbst. Gerade in den Studiengängen lernen bei uns auch Menschen, die vielleicht keiner Kirche angehören. Was alle verbindet, ist das Interesse an dieser Musiktradition und ihren Räumen.»

Xoán Castiñeira kann das geplante Vorgehen der Stadt ein Stück weit nachvollziehen.

Die dkms sei keine Konkurrenz zur städtischen Musikschule. «Wir sind eine Ergänzung zum ‹normalen› Angebot – mit einem eigenen Profil.»

 

20 Studierende

Die dkms geniesst laut Xoán Castiñeira einen ausgezeichneten Ruf im Bereich der Erwachsenenbildung. Momentan sind rund 20 Studierende eingeschrieben. Castiñeira spricht vor allem von zwei Gruppen: «Junge Menschen, die eine Stelle als Kirchenmusiker suchen, und gesetztere Menschen, die gut situiert sind und im ‹neuen› Lebensabschnitt eine neue Beschäftigung suchen. Die Kosten pro Semester für einen Studiengang liegen momentan bei 2600 Franken. «Wir haben die Preise in den vergangenen Jahren mehrmals angepasst. Das hat immer direkte Auswirkungen auf die Studierendenzahlen», sagt Castiñeira.

Momentan sind 20 Studierende an der dkms eingeschrieben.

Als die Kosten vor einigen Jahren noch doppelt so hoch gewesen seien, habe das zu einem einschneidenden Rückgang der Anmeldungen geführt.

 

Musikakademie soll entlasten

Um die dkms breiter abzustützen, wurde 1997 als gemeinnützige Stiftung die Musikakademie gegründet, in die neben der Jazzschule der Klubschule Migros und der Jugendmusikschule der Stadt auch dkms und ekms eingebunden wurden – ein ökumenisches Gemeinschaftswerk mit staatlich anerkannten Diplomen. Träger sind die politische Gemeinde St. Gallen, der Katholische Konfessionsteil, die Evang.-ref. Kirche des Kantons St. Gallen und die Klubschule Migros. Heute werden die Studiengänge nur noch durch die beiden kirchlichen Vertreter finanziert. Dies soll sich wieder ändern, wie Castiñeira erklärt. «Wir organisieren die Stiftung neu und suchen zusätzliche Unterstützung, mit dem Ziel, den Konfessionsteil finanziell zu entlasten.»

 

Angebot streichen?

Die Stadt St. Gallen plant 59 Sparmassnahmen, u. a. soll der Unterricht an der Musikschule der Stadt für Erwachsene gestrichen werden. SP-Stadtparlamentarierin Eva Crottogini wandte sich im Juli mit einer Einfachen Anfrage an die Stadtregierung. Sie verlangt Antworten auf die Frage, inwieweit eine Anpassung der Tarife in Erwägung gezogen wurde. Eine Antwort steht noch aus.

 

Bilder: Ana Kontoulis

Alessia Pagani
Autorin
Veröffentlichung: 15.07.2026