Das Stadion Espenmoos in St. Gallen hat für Kevin Friedauer eine besondere Bedeutung: Hier nahm sein Vater den damals 3-Jährigen zu seinem allerersten Fussballspiel mit. Die Leidenschaft für Fussball hat ihn bis heute nicht mehr losgelassen. Spiele des FC St. Gallen hat er schon in der ganzen Schweiz miterlebt. Auch wenn der FC St. Gallen heute im Kybunpark zu Hause ist, ist Kevin Friedauer noch regelmässig im Espenmoos anzutreffen. Denn hier finden die Trainings und Spiele der Frauenequipe statt. In den letzten Jahren ist Friedauer ein immer grösserer Fan von diesem Team geworden – ausgelöst durch sein Engagement beim Fanblog gruenweiss.sg
Familiäre Atmosphäre
«Es ist sehr erfreulich, dass die Akzeptanz des Frauenfussballs in den letzten Jahren zugenommen hat», sagt er, «es beeindruckt, was die Spielerinnen leisten. Im Unterschied zu den Männern absolvieren die meisten das Training neben Beruf und Studium – und das bei bis zu fünf Mal in der Woche, dazu kommen die Spiele am Wochenende.» Zudem fasziniere ihn die familiäre Atmosphäre: Fans haben nach den Spielen die Möglichkeit, mit den Spielerinnen ins Gespräch zu kommen und Selfies mit ihnen zu machen. Dies bekommt man auch beim Interview mit: «Hoi Kevin!», ist im Espenmoss mehrmals zu hören, als während des Interviews mit dem Pfarreiforum die Spielerinnen zum Training eintrudeln.
Kirche braucht Menschen
Beruflich ist Kevin Friedauer als Ratsschreiber in der Gemeinde Uzwil tätig. Trotz der grossen Fussballpassion findet er privat auch noch Zeit für ein freiwilliges Engagement in der Pfarrei Winkeln. Beim Pfarreirat sei er zufällig gelandet: Im Pfarreiforum habe er einen Aufruf entdeckt und sich spontan gemeldet. «Meine Freundin und ich waren zu der Zeit gerade neu nach Winkeln gezogen», erzählt er. Als Kind und Jugendlicher habe er in Walzenhausen AR ministriert. «Die Kirche und die Gottesdienste hatten so schon immer eine Präsenz in meinem Leben. Diese positiven Erfahrungen haben mein Bild von Kirche geprägt und ich wusste, dass Kirche mehr ist als man manchmal in den Medien mitbekommt.» Er schätze das Miteinander im Pfarreirat. «Es ist eine Gremium mit spannenden Personen.» Auch vom Seelsorgeteam spüre er viel Offenheit für Veränderungen und Neues – die Ideen des Pfarreirats und der Pfarreiangehörigen werden ernstgenommen. Durch sein Engagement sei ihm bewusst geworden, wie viel Kirche leiste. Neu engagiert er sich auch in der Vinzenzkonferenz. Diese katholische Hilfsorganisation unterstützt unbürokratisch Menschen in Not.
Sternsinger begleiten
Das Vorurteil, der Pfarreirat sei nur ein Gremium, das Apéros organisiert, entkräftet Kevin Friedauer sofort: «Pfarreiräte tragen Themen und Anliegen, die die Bevölkerung beschäftigen, an das Seelsorgeteam heran. Wir helfen bei den verschiedensten Aufgaben in der Pfarrei», so Friedauer. Anfangs Jahr war er zum Beispiel als Begleitperson mit einer Sternsingergruppe unterwegs. Nur jeweils zwischen 26. Dezember und 2. Januar muss die Pfarrei auf Kevin Friedauer verzichten. Dann fliegen er und seine Freundin – die Wurzeln in Polen hat – nach England, wo sie fünf bis sechs Spiele der obersten vier Ligen verfolgen. «Dort sind die Menschen fussballverrückt und im Unterschied zur Schweiz gibt es dort zwischen Weihnachten und Neujahr auch keine Spielpause.»