«Zu Beginn war es eine Schnapsidee», sagt Anne-Dominique Wolfers. Bei einem Anlass der grössten Kirche Kunterbunt in Deutschland habe sie die Kraft gespürt, die entsteht, wenn sich so viele Familien treffen. «Ich wollte diese Erfahrung auch in unserem Bistum umsetzen.» Wolfers Idee fand schnell Anklang und so begann ein OK vor zwei Jahren mit der Planung. Entstanden ist nun mit dem «Familienfest Kirche Kunterbunt» der erste grosse, pfarrei- und seelsorgeeinheiten-übergreifende Anlass von Kirche Kunterbunt im Bistum St. Gallen. Das am 13. Juni stattfindende Familienfest wird organisiert von der Fachstelle Partnerschaft – Ehe – Familie des Bistums St. Gallen (PEF) und der Arbeitsstelle Familien und Kinder der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen. «Eingeladen sind alle Familien aus den Kantonen St. Gallen und beider Appenzell. «Egal, ob sie bereits Erfahrung mit Kirche Kunterbunt haben oder nicht», sagt PEF-Leiterin Madeleine Winterhalter.
In verschiedenen Seelsorgeeinheiten organisieren die Verantwortlichen für die Familienarbeit eine gemeinsame Anreise für die Familien. Erwartet werden gegen 1000 Besucherinnen und Besucher. «Es wird eine grosse Sache. Die Familien erleben mit anderen Familien einen tollen Tag und feiern gemeinsam den Glauben.»
Zeichen des Dankes
Das Familienfest soll – in Anlehnung an das Konzept von Kirche Kunterbunt – bunt und wild werden. Das Programm richtet sich nach den vier Eckpunkten von Kirche Kunterbunt: Willkommenszeit, Aktivzeit für Gross und Klein, eine Feierzeit in der Kathedrale sowie ein gemeinsames Essen und offenes Ausklingen des Tages. An verschiedenen Aktivstationen wird experimentiert, gebastelt, sportlich gekämpft, ruhig meditiert, musiziert und gesungen. Ein Spiegelgarten im Chorraum der Kathedrale oder ein Zauberer in der Schutzengelkapelle werden die Familien verzaubern. «Angebote zum Mitmachen für alle Sinne und jeden Geschmack. Und ganz wichtig sind die Begegnungen der Familien untereinander», sagt Madeleine Winterhalter. Für die Organisatorinnen und Organisatoren ist das Familienfest auch eine Gelegenheit, Danke zu sagen: «Es soll auch ein Zeichen von Anerkennung und Wertschätzung sein für die tägliche, wertvolle Arbeit der Familien», so Madeleine Winterhalter.
Lebendig und mit allen Sinnen
Das Konzept von Kirche Kunterbunt fand von England (Messy Church) über Deutschland den Weg in die Schweiz. Kindgerecht wird gebastelt, gespielt und experimentiert. Da sieht man auch schon mal ein Mädchen aus Spass mit einem Laubbläser hantieren. «Kirche Kunterbunt gibt Familien einen Platz, an dem sie sein können, wie sie sind. Einen Platz, an dem sie willkommen sind», sagt Gabriela Hutter, die gemeinsam mit Urszula Pfister in der Pfarrei Heiligkreuz für das Angebot zuständig ist.
Pfister sagt: «Kirche Kunterbunt zeigt, dass eine Änderung möglich ist von ‹Kinder sollen still in der Kirchenbank sitzen› zu ‹Der Glaube kann auch lebendig und mit allen Sinnen erfahren werden›. Die Familien, die bei uns mitmachen, treffen wir nicht in den Sonntagsgottesdiensten an», sagt Pfister. Auch Anne-Dominique Wolfers sieht in der Kirche Kunterbunt eine Chance für die Familien, Kirche anders zu erleben.
Bedürfnis nach Spiritualität
Im Bistum St. Gallen gibt es mittlerweile über 20 Kirche-Kunterbunt-Initiativen, und es kommen laufend neue hinzu. «Daneben gibt es aber auch viele andere Formate, die wertschätzend und gastfreundlich Räume für Familien schaffen, um den christlichen Glauben neu zu entdecken», sagt Winterhalter. Ramona Casanova, die mit Anne-Dominique Wolfers für Kirche Kunterbunt im DomZentrum verantwortlich ist, weiss um die Bedeutung solcher Angebote. «Familien sind unsere Zukunft. In sie müssen wir investieren. Sie sind dankbar, wenn sie einen Ort haben, an dem sie Gleichgesinnte treffen und miteinander Werte teilen können, die für das Familienleben wichtig sind.»