«Nicht stolz, sondern dankbar für langjährige Beziehung»

Ursula und Jürg Wüst-Lückl aus Gommiswald sind seit 35 Jahren ein Paar und seit 25 Jahren bieten sie Impulstage für angehende Ehepaare an. Im Gespräch mit dem Pfarreiforum erzählen sie, warum sie selbst als Paar jedes Jahr vom Seminar profitieren und welches Valentinstagsgeschenk sie am meisten freut.

Kennengelernt haben sie sich, da war Ursula Lückl 16 Jahre alt und Jürg Wüst 17 Jahre alt. Wie lange sind sie jetzt verheiratet? Die Kirchenmusikerin und der Seelsorger schauen sich an und lachen laut. So exakt wissen sie es spontan nicht. 27 Jahre, rechnet Ursula Wüst dann nach. «Das ist jetzt aber überhaupt kein Grund, um darauf stolz zu sein», schiebt sie schnell hinterher, «viel mehr ist es etwas, wofür man dankbar sein kann.» Sie verdeutlicht es mit einer Metapher des bekannten Schweizer Psychologen und Paartherapeuten Guy Bodenmann: «Was kann der Apfel für den Wurm? Jede Beziehung oder Ehe wird mit so vielen Einflüssen von aussen konfrontiert: da tauchen andere Menschen auf, es gibt Veränderungen im Beruf, Krankheiten … Vieles, das man nicht selber in der Hand hat. Das war bei uns nicht anders. Aber je länger man zusammen ist, desto länger ist die gemeinsame Geschichte, auf die man zurückblicken kann – und die kann einem niemand nehmen. Und gerade das hilft auch in schwierigen Phasen.» Diese Sicht auf langjährige Beziehungen vermitteln die beiden auch immer den angehenden Ehepaaren in ihren Eheseminaren. Ursula Wüst-Lückl betont, dass Herausforderungen die gemeinsam gemeistert wurden, bestärken, wie etwa bei ihnen, wo anfangs die Frage der Beziehung geklärt werden musste, weil Jürg Wüst als Theologiestudent zunächst darüber nachdachte, sich zum Priester weihen zu lassen. «Das war für mich nicht einfach», hält Ursula Wüst fest, «ich wollte ja nicht dafür verantwortlich sein, dass er sich gegen seine Berufung entscheiden muss.»

 

Keine Blumensträusse

Der Valentinstag hat für die beiden noch nie eine grosse Rolle gespielt. «Als die Kinder klein waren, habe ich mich ganz auf das Familienleben konzentriert und war zu Hause, mein Mann ist der Erwerbsarbeit nachgegangen», so Ursula Wüst-Lückl, «wenn Jürg abends den Geschirrspüler ein- oder ausräumte oder die Wäsche mal gebügelt war, wenn ich nach Hause kam, war mir das viel mehr Wert als der schönste Blumenstrauss.» Trotzdem sieht Jürg Wüst, Seelsorger in der katholischen Kirche am Obersee, den 14.Februar positiv: «Die grosse Chance am Valentinstag ist aus meiner Sicht, dass er Paare jedes Jahr erinnert: Würdigt eure Partnerschaft. Unternehmt etwas, das euch als Paar guttut, wie zum Beispiel einen gemeinsamen Ausflug oder auswärts essen gehen. Aber das muss man dann natürlich nicht zwingend am Valentinstag machen.»

Interessierte Männer

Vor rund 25 Jahren haben Ursula und Jürg Wüst das erste Eheseminar angeboten. «Das war noch eine andere Zeit», erinnert sich Ursula Wüst-Lückl, «die meisten der Brautpaare kamen, weil der Pfarrer es von ihnen verlangt hat, und das merkte man auch ihrer Motivation an. So wie sich heute die meisten bewusst für eine kirchliche Trauung entscheiden, sind auch beim Eheseminar alle freiwillig da. Wir merken, dass heute auch oft die Männer daran interessiert sind, an der Beziehung zu arbeiten und Inputs dafür zu bekommen. Da hat sich etwas verändert.» Das Altersspektrum sei bei den heutigen Kursen viel grösser: Manche Paare sind Mitte zwanzig, manche Ende dreissig. «Und es sind auch Personen dabei, die nach einer gescheiterten Beziehung wieder einen neuen Partner gefunden haben. Es ist für alle Beteiligten sehr wertvoll, wenn diese sich mit ihren Erfahrungen einbringen.» Auch was die kirchliche Nähe betrifft, sei es ganz unterschiedlich. «Es machen auch Paare mit, die kaum oder gar keinen Bezug zum kirchlichen Leben haben, aber doch bewusst den Segen für ihre Partnerschaft wünschen.» Ursula und Jürg Wüst-Lückl leiten die Impulstage gemeinsam und geben dabei Einblicke in positive und herausfordernde Erfahrungen in ihrer Ehe: «Wir profitieren selbst jedes Mal von diesem Seminar», sagt Jürg Wüst und lacht, «es ist für uns immer wieder ein Impuls, über unsere Beziehung nachzudenken und uns bewusst zu machen, was uns wichtig ist.»

Die drei gemeinsamen Kinder sind inzwischen erwachsen, jetzt ist wieder mehr Zeit zu zweit: Ursula und Jürg Wüst sind gerne gemeinsam draussen in der Natur.

Ein Abend gemeinsam

Ursula Wüst-Lückl betont, dass sie am Eheseminar den angehenden Ehepaaren keine Tipps und Weisheiten mit auf den Weg geben. «Die Paare bearbeiten die Inhalte selbstständig, alle müssen selbst herausfinden, was für sie richtig ist und ihnen hilft.» Als bestärkend für die Beziehung und die Familie habe sie es erfahren, gemeinsame Rituale zu haben. Und rückblickend auf die Zeit als junge Eltern weiss sie aus eigener Erfahrung: «Mit dem Partner alleine ins Restaurant zu gehen und Zeit zu zweit zu geniessen, das lernst du als junge Mutter oder Vater enorm zu schätzen. Wenn da die Grosseltern oder andere anbieten, für einen Abend die Kinder zu hüten, damit die Eltern wieder mal Zeit als Paar verbringen können, ist das für sie das grösste Geschenk.» Als Paar sind Ursula und Jürg Wüst-Lückl jetzt in der nächsten Beziehungsphase angekommen: Ihre drei Kinder sind inzwischen erwachsen, aber sie wohnen alle noch zu Hause. «Doch sie sind nicht mehr auf uns angewiesen, sie führen ihr eigenes Leben», sagt Ursula Wüst. Aber etwas ist den beiden bis heute wichtig, wie Jürg Wüst festhält: «Uns war die gemeinsame Zeit am Esstisch schon immer wichtig. Dieses Ritual pflegen wir bis heute so. Wer am Mittag oder Abend zu Hause ist, verbringt gemeinsame Zeit am Tisch.»


Bild: Manuela Matt

 

Impulstage

Beim Eheseminar Linth regen Ursula und Jürg Wüst-Lückl die Teilnehmenden an, den Schritt in die Ehe bewusster und offener zu wagen, Wege zu fairer Partnerschaft und Kommunikation zu entdecken (faires Streiten) und sich Gedanken über den christlichen Gehalt der Heirat zu machen. Die nächsten Impulstage finden statt am Sonntag, 8.Februar 2026 (ökumenisch), und Sonntag, 22. März 2026, jeweils im Pfarreizentrum Gommiswald.

→Weitere Informationen und Anmeldung: www.eheseminarlinth.ch

Stephan Sigg
Leitender Redaktor
Veröffentlichung: 29.01.2026