Editorial

Statt zu schlafen, verbrachten wir einmal im Skilager der Primarschule eine Nacht damit, aus dem Fenster des Schlafzimmers den Sternenhimmel zu betrachten. Plötzlich glaubten wir, ein Ufo zu sehen: Ein grosses, helles Licht bewegte sich langsam über den Himmel. Unsere Aufregung steigerte sich zum Leidwesen der Lehrpersonen schnell zu einer kleinen Massenhysterie. Ich erinnere mich an das Staunen und Schaudern, die uns zeitgleich ergriffen. Wir fühlten wir uns in diesem Moment mit etwas Spektulärem verbunden. Sterne sind nicht bloss Lichtpunkte am Himmel. Sie sind Wegweiser, erinnern uns an unsere Träume und spiegeln unsere Sehnsucht. Auch der Stern von Bethlehem, der heute als Lichtfigur in vielen Fenstern hängt, erinnert an die Hoffnung, die sein Erscheinen mit sich brachte. Wir vergessen oft, dass der Himmel über uns nicht nur eine Kulisse, sondern ein Ort der Stille, des Staunens und der Fragen ist, die über unseren Alltag hinausreichen. Kürzlich habe ich mit meinen Kindern mit einem Feldstecher den Mond beobachtet. Wir waren fasziniert davon, wie schön er ist, und fragten uns, was das für dunkle Lichtflächen im silbrigen Schein sind. Wäre es nicht so kalt gewesen, hätten wir noch lange nach oben geschaut. Es tut gut, innezuhalten und zur Ruhe zu kommen.

Nina Rudnicki
Autorin
Veröffentlichung: 23.12.2025