Editorial

Kürzlich war ich in Wien morgens ziemlich früh in einer Ausstellung – und das fast ganz allein. Die Bilder – moderne Kunst – waren überhaupt nicht das, was ich erwartet hatte. Schon nach kurzer Zeit war mir klar, dass ich damit wenig anfangen kann und dabei warteten noch zahlreiche Gemälde auf mich. Den Besuch abbrechen oder doch weiterschauen? Ich entschied mich für Letzteres. Denn es passierte, was so oft bei Besuchen von Ausstellungen und Museen passiert: Es tat einfach nur gut, in diesem hohen, weiten, stillen und ziemlich leeren Raum zu sein. An diesem Morgen schien es fast so, als wäre das Security-Team vor allem dafür da, diese besondere Atmosphäre zu schützen. Ich spazierte durch die Halle, während ich die Gemälde nur flüchtig betrachtete. Mit der Zeit fiel mir immer mehr auf: Die bunten Farben, auf die der Künstler setzt, haben eine belebende Kraft. An Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Lange wurde diese auf die Busse und den Verzicht auf Fleisch und Süsses reduziert. Heute betonen viele Theologinnen und Theologen die Fastenzeit auch als Einladung, die Achtsamkeit oder das Staunen neu zu trainieren. Dafür bieten sich die Orte an, die einem Kraft geben. An welchen Orten wollen Sie in der Fastenzeit neue Impulse finden?

Stephan Sigg
Leitender Redaktor
Veröffentlichung: 21.01.2026