Editorial

Die Begeisterung ist aus jedem Satz herauszuhören. Stefanie Blaser erzählt beim Interview auch Monate nach ihrem Freiwilligen-Einsatz so enthusiastisch, dass man selber Lust bekommt, sofort nach Messkirch zu reisen und mitanzupacken. In Messkirch wird der St. Galler Klosterplan nachgebaut. Dabei lässt mich persönlich die Faszination am Mittelalter eher kalt, genauso wie die Vorstellung, mit mittelalterlichen Arbeitsinstrumenten handwerkliche Arbeiten verrichten zu müssen. Aber ich spüre: ­Stefanie Blaser hat etwas gefunden, das total zu ihr passt und sie erfüllt. Es tut gut, ihrem Enthusiasmus zuzuhören. Und mir fällt auf, dass mir in letzter Zeit kaum Erwachsene mit einer ähnlichen Begeisterung begegnet sind. Wer sich wie ein Kind über etwas freut, wird in unserer Gesellschaft oft belächelt oder als leicht nerdig oder naiv abgetan. Begeisterung ist etwas «Pfingstliches»: An Pfingsten sandte Gott, so berichtet das Neue Testament, den Heiligen Geist zu den Jüngern. Diese werden vom Geist «entflammt». Sie können gar nicht anders, als anderen zu erzählen von dem, was ihnen wichtig ist. Begeisterung steckt an und setzt Energie bei mir und beim Gegenüber frei. Es lohnt sich, sich auf die Suche zu machen nach dem, was ­einen begeistert, und die Begeisterung mit anderen zu teilen.

Stephan Sigg
Leitender Redaktor
Veröffentlichung: 15.04.2026