Ein bewusstes Ja zum Glauben

Nicht immer lassen sich junge Menschen mit 18 Jahren firmen. Pflegefachfrau Anika Brunner hat sich erst mit 27 Jahren dafür entschieden – über Umwege hat sie zum Glauben und zurück zur Kirche gefunden.

Anika Brunner schliesst die Augen. Die Nervosität ist einer tiefen Konzentration gewichen. Aufmerksam hört sie den Worten von Generalvikar Sebastian Wetter zu. Für Anika Brunner ist es ein spezieller Moment, und einer, auf den sie sich lange vorbereitet und gefreut hat: «Es ist mein Zeichen des Bekenntnisses an den Glauben und an Gott», sagt die in Rapperswil wohnhafte junge Frau. Ende März hat die 27-Jährige gemeinsam mit 13 anderen Erwachsenen mit Jahrgang 1986 bis 2006 das Sakrament der Firmung im Bistum St. Gallen erhalten. Ein grosser Tag, sowohl für die Firmandinnen und Firmanden wie auch für das Bistum.

 

Austritt aus Kirche

Die Gründe, warum sich Katholikinnen und Katholiken im Erwachsenenalter firmen lassen, sind unterschiedlich. Anika Brunners Weg ist kein alltäglicher. Sie ist getauft und hat die Erstkommunion empfangen. Einen Bezug zum Glauben hatte sie allerdings nie, wie sie selbst sagt. «Irgendwann begann ich, die Kirche und die Religion allgemein zu hinterfragen.» Im Jugendalter trat Anika Brunner aus der katholischen Kirche aus. Sie traf die Entscheidung für sich allein, ohne direkten Auslöser, ohne ersichtlichen Grund. «Einfach, weil mir der Glaube nichts gesagt hat», sagt sie rückblickend.

 

Auf der Suche

Ein humanitärer Einsatz im Libanon brachte die junge Frau 2021 wieder zur Frage nach Gott und seiner Existenz. Die studierte Pflegfachfrau begann, in der Bibel zu lesen. In dieser Zeit stand Anika Brunner oft vor für sie unbeantworteten Fragen. Gibt es Gott wirklich? Hat das Leben einen tieferen Sinn? Einen, wie sie selbst sagt, entscheidenden Schritt machte sie Ende 2022: Durch einen Alpha-Kurs in einer freievangelischen Gemeinde habe sie erstmals bewusst zum christlichen Glauben gefunden. «Mit der Zeit merkte ich aber, dass in mir eine Sehnsucht nach Tiefe, nach Geschichte und nach einem grösseren Zusammenhang des Glaubens gewachsen ist.» Während der nächsten zwei Jahre wuchs in Anika Brunner immer mehr das Bedürfnis, die Wurzeln des christlichen Glaubens besser zu verstehen. Angestossen hatte dies auch ein Arbeitskollege – die erste gleichaltrige Person, die Anika Brunner kannte und die ihren katholischen Glauben bewusst und reflektiert lebte. «Je intensiver ich mich mit der Kirchengeschichte und den historischen Grundlagen des Christentums befasste, umso nachvollziehbarer und greifbarer wurde die katholische Tradition für mich. In der Liturgie und der Messe der katholischen Kirche habe ich Frieden und Ruhe gefunden.» Anika Brunner verlässt Ende 2024 die Freikirche. Die Zeit möchte sie nicht missen und ist dankbar dafür. «Dort erlebte ich Gemeinschaft, Offenheit und einen niederschwelligen Zugang zum Glauben. Besonders die Vielfalt der Menschen und der Anteil junger Gläubiger war sehr bereichernd für mich.»

 

Bedürfnis nach Wissen gestillt

Auf die Firmung vorbereitet hat sich Anika Brunner im Katechumenat im Kloster Einsiedeln, einem speziellen «Weg» für erwachsene Personen hin zur Taufe, zum Übertritt oder Wiedereintritt in die katholische Kirche. «Hier wird mein Bedürfnis nach Lernen und Wissen gestillt und ich erlebe gleichzeitig wieder Gemeinschaft im Glauben», sagt sie. Mit der Firmung hat Anika Brunner nun im Erwachsenenalter bewusst «Ja» zum christlichen Glauben gesagt. Bei der Zeremonie in der Schutzengelkapelle anwesend waren die Grosseltern und Anika Brunners Bruder. Firmpate war ihr Grossvater. Das freut Anika Brunner besonders. «Das Katechumenat und mein Wiedereintritt in die katholische Kirche haben mir geholfen, meinen Glauben besser zu verstehen, vertiefter zu leben und ihn auch mit meiner Familie zu teilen.»

 

Bild: Alessia Pagani

Zentrale Firmspendung 

Einmal im Jahr wird das Sakrament der Firmung in einer zentralen Feier für Erwachsene in St. Gallen gespendet. Wer Auskünfte oder ein Gespräch wünscht, kann sich bei den Seelsorgenden in den Pfarreien oder bei den Pfarreisekretariaten melden.

Veröffentlichung: 14.05.2026