«Physisch sind wir zwar da, aber angekommen noch nicht richtig. Das dauert eine Weile», sagt David Rüttimann. Er steht in seinem Garten und lässt den Blick über die Stadt St. Gallen schweifen. Es ist ein gewohnter Blick, und dennoch einer, an den sich David Rüttimann und seine Frau Willemijn wieder gewöhnen müssen. Vor drei Jahren haben sie gemeinsam mit ihren beiden Kindern im Teenageralter ihre Heimatstadt verlassen, um in Kenia für Comundo – einer Schweizer NGO in der personellen Entwicklungszusammenarbeit – zu arbeiten. Seit Anfang August sind sie wieder in der Schweiz.
Gutes Miteinander
David und Willemijn Rüttimann haben Kenia nicht gerne verlassen. «Wir haben uns sehr wohlgefühlt und hatten eine super Zeit», so Rüttimann. Der 57-jährige Elektrotechniker hat am North Coast Medical Training College Lehrkräfte in Facility Management und Medizinaltechnik ausgebildet und unter anderem den Aufbau von Werkstätten begleiten. Seine Frau Willemijn hat am selben College bei der Ausbildung im Gesundheitsbereich mitgewirkt und Menschen mit einer Beeinträchtigung das Studium am College ermöglicht.
Die Arbeit haben die Rüttimanns als bereichernd empfunden. «Es war wirklich ein Miteinander. Wir sind gut aufgenommen worden und sind uns immer alle auf Augenhöhe begegnet. Alle waren freundlich und hilfsbereit.»
Zeit für Mitmenschen
Trotz der schönen Erfahrungen war der Anfang vor allem von kulturellen Herausforderungen geprägt. Kaum im ostafrikanischen Land angekommen, zeigte sich der Tatendrang der Schweizer. Dieser wurde jedoch jäh gebremst. «Wir wollten direkt mit der Arbeit und der Neuanschaffung von Materialien starten, doch das Geld fehlte.» Kenia sei ein Ort, der einem Geduld lehre, so David Rüttimann. «Die Kenianerinnen und Kenianer haben ein anderes Zeitverständnis als wir. Sie sind gelassener.» Die Menschen dort würden oft darauf vertrauen, dass etwas den richtigen Weg gehe und gut komme. «Für sie ist Zeit nicht die Uhr. Das zeigt sich auch darin, dass sie sich für die Mitmenschen immer sehr viel Zeit nehmen. Beziehungen sind ihnen wichtig. Wir persönlich vergessen im Stress manchmal die Zeit für Begegnungen.»
Auf Nachhaltigkeit gesetzt
Die Anfangszeit hat David Rüttimann genutzt, um Ideen zu sammeln, die er später mit den lokalen Mitarbeitern umsetzte. «Es ging dabei nicht darum, wie ich etwas haben wollte, sondern wie wir sie bei der Gestaltung von etwas Nachhaltigem unterstützen konnten. Wichtig war uns immer, dass etwas bleibt, auch wenn wir längst weg sind. Das heisst für uns, dass wir auf ihre Bedürfnisse hören müssen.» Auch wenn alles etwas länger gedauert habe, hätten sie alles geschafft, was sie sich vorgenommen hätten, sagt David Rüttimann. Für ihn und seine Frau war es der zweite Arbeitseinsatz in Afrika. Ob es der letzte sein wird, wird sich zeigen. Vorerst geniessen die beiden die Zeit in der Schweiz. Im September hat David Rüttimann seine neue Stelle im Energiesektor angetreten. «Die Schweiz ist unsere Heimat und wir kommen immer gerne zurück mit wertvollen neuen Erfahrungen.»
Vortragsabend: Am Freitag, 6. November, 19 Uhr, im Festsaal Katharinen in St. Gallen (Katharinengasse 11) erzählen Willemijn und David Rüttimann von ihrem Arbeitseinsatz in Kenia.
Bilder: Urs Bucher