«Etwas zurückgeben»

Alpstein, Natur, Brauchtum – davon lässt sich der pensionierte Chemiker Manfred Eugster für seine ausdrucksstarken Gemälde inspirieren. Aber am Donnerstag bleiben die Pinsel liegen. Dann ist er als Fahrer für den St. Galler Caritas-Markt im Rheintal ­unterwegs.

Donnerstagmittag, Manfred Eugster parkiert das Tiefkühlfahrzeug hinter dem Caritas-Markt in der Langgasse St. Gallen. Vier Stunden war er unterwegs – der 70-Jährige Teufner hat zehn Denner-Filialen zwischen Altstätten und St. Gallen-Ost besucht und Fleischprodukte eingesammelt. «Das Thema Foodwaste beschäftigt mich schon lange», erzählt er. «Es freut mich, dass ich mit meinem freiwilligen Engagement einen Beitrag dazu leisten kann, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden.» Es sei sehr unterschiedlich, wie viel bei einer Fahrt zusammenkomme. Manchmal sind es nur wenige Kilogramm, dann aber auch mal 40 bis 50 Kilogramm. Alles Fleischprodukte, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen. Gleichzeitig trägt er dazu bei, dass im Caritas-Markt Menschen mit einem knappen Budget Zugang zu einer wichtigen Proteinquelle haben.

Jeden Donnerstagvormittag rettet Manfred Eugster Lebensmittel: Als einer von mehreren freiwilligen Fahrern sammelt er bei Rheintaler Denner-Filialen Fleischprodukte für den Caritas-Markt ein.

Etwas Konkretes bewirken

Sein Engagement habe sich ziemlich spontan ergeben: Im vergangenen Herbst sah Manfred Eugster auf WhatsApp einen Aufruf von Philipp Holderegger, Co-Geschäftsleiter von Caritas St. Gallen-Appenzell: Fahrer für Caritas-Markt gesucht. «Mich hat angesprochen, dass ich etwas Konkretes bewirken kann», so Eugster. Nachdem bereits Caritas-Märkte in anderen Regionen mit Denner zusammenarbeiten, baute Caritas St. Gallen-Appenzell die Kooperation in der Ostschweiz aus. Beim Kauf des Lieferwagens fiel die Wahl bewusst auf ein Elektro-Modell.

 

Freiwilligenarbeit in der Pension

Er ist nun an jedem Donnerstagvormittag für den Lieferdienst eingeteilt – und ist damit auch eine Verpflichtung eingegangen. «Direkt nach meiner Pensionierung hätte ich mir nicht vorstellen können, mich für etwas bereit zu erklären, das mich regelmässig bindet. Aber jetzt, einige Jahre später, habe ich mehr Freiraum für so eine Aufgabe.» Und wenn es mal tatsächlich nicht anders gehe, bestehe die Möglichkeit, den Dienst mit einem anderen Fahrer zu tauschen. «Ich bin dankbar dafür, dass ich im Leben sehr viel Glück gehabt habe. Deshalb ist es mir wichtig, etwas zurückzugeben.» Vor der Pensionierung sei er neben seiner Tätigkeit in verschiedenen Führungsfunktionen in der Industrie und im Gewerbe politisch engagiert gewesen – im Gemeinde- und im Kantonsrat. «Das politische Engagement habe ich auch immer als Dienst an der Allgemeinheit gesehen.»

 

Blick in den Kühlschrank

Auf seiner Fahrt wird er jetzt jede Woche damit konfrontiert, wie viele Lebensmittel nicht vor Ende des Ablaufdatums verkauft werden können. Das sensibilisiere ihn neu für einen verantwortungsvollen Umgang: «Dazu gehört auch, sich nicht von den Angeboten in den Supermärkten verführen zu lassen.» Vielfach werden Produkte nur in Grosspackungen angeboten. «Man kauft viel mehr, als man eigentlich benötigt.» Bei seiner Frau und ihm zu Hause gelte das Prinzip «Blick in den Kühlschrank»: «Wir schauen, was da ist und kochen dann etwas aus diesen Zutaten.»

 

Bild: Ana Kontoulis

 

 

Kampagne: Ich bin dabei

Manfred Eugster ist eine von mehreren Personen, die bei der Kampagne «Ich bin dabei» mitwirken. Die Image-Kampagne, die das Bistum St. Gallen und der Kath. Konfessionsteil des Kantons St. Gallen Ende ­April lancieren, soll aufzeigen, in welchen Bereichen sich die Kirche engagiert und was sie alles Gutes macht. Dazu gehört neben dem Engagement für ein ­Leben in Würde (Caritas) unter anderem auch Jungwacht Blauring und die Gefängnisseelsorge.

Stephan Sigg
Leitender Redaktor
Veröffentlichung: 27.04.2026