Sr. M. Monja Schnider steht lächelnd beim Self-Check-in des Hotels Neu-Schönstatt und zeigt mit ein paar wenigen Klicks, wie einfach das Gerät funktioniert. «Veloreisende oder andere Touristen, die in Quarten vorbeikommen, können auch spontan bei uns übernachten und rund um die Uhr selbstständig einchecken», sagt sie. Vor fünf Jahren wagten die Schönstätter-Marienschwestern in Quarten einen grossen Schritt und gaben grünes Licht für eine umfassende Renovation des Hoteltraktes mit seinen rund 115 Betten. Ein Wagnis, das sich gelohnt hat. 1976 wurde das Zentrum Neu-Schönstatt gegründet, Sr. Monja hat vier Jahrzehnte davon persönlich miterlebt – vor vierzig Jahren kam sie zu den Marienschwestern. «Als junge Frau beschäftigten mich viele Fragen, mit Kirche konnte ich wenig anfangen. Ich spielte sogar schon mit dem Gedanken, aus der Kirche auszutreten, dann kam ich im Alter von 15 Jahren mit der Schönstatt-Bewegung in Kontakt und das war für mich wie eine andere Welt», erinnert sie sich. Den Marienschwestern hat sie sich dann mit 19 Jahren angeschlossen.
25 Marienschwestern
Heute leben 25 Schwestern in Quarten über dem Walensee, zu Bestzeiten waren es 55. Die Schwestern sind Teil einer internationalen Bewegung. Während in Mitteleuropa die Neuberufungen stark rückläufig sind, sieht es in Südamerika und Asien anders aus. «Es ist für uns eine grosse Kraftquelle, Teil dieser weltweiten Gemeinschaft zu sein.» Gerade jetzt im Jubiläumsjahr seien der Schwung und Elan, mit dem die Mitschwestern in anderen Ländern Aktionen und Anlässe planen, für die Schwestern in der Schweiz sehr belebend. «Das zeigt uns, welche Kraft in der Gemeinschaft steckt und dass es weitergeht.»
Ein besonderer Ort
In den Boom-Jahren der 1970er- und 1980er-Jahre hat sich das Haus zu einem grossen Zentrum mit mehreren Gebäuden und einem umfangreichen Angebot entwickelt – und ist für die Schwestern heute eine Herausforderung: «Selbstverständlich beschäftigt uns die Frage, wie es mit unserem Haus und uns weitergeht und wie wir diesen grossen Betrieb fortführen können», hält Sr. Monja fest. Doch sie ist überzeugt: «Unser Zentrum ist ein besonderer Ort, das spürt jeder, der hier ist. So etwas wird bleiben.» Sr. M. Priska Schnider fügt hinzu: «Gott hat einen Plan. Es wird irgendwie weitergehen.» Sr. Priska, gebürtig aus dem Wallis, trat mit Ende 20 den Marienschwestern bei und kam vor 20 Jahren in die Ostschweiz.
Wichtig für Spanischsprachige
In diesem Jahr feiern die Schwestern von Quarten zwei Jubiläen: 100 Jahre Schönstätter-Marienschwestern und 50 Jahre Zentrum Neu-Schönstatt in Quarten. Bis heute ist das Zentrum Neu-Schönstatt bekannt als Seminarzentrum und für die eigenen Bildungsangebote. Firmen, Vereine und Organisationen nutzen die Seminar-Räumlichkeiten mit dem atemberaubenden Blick auf den Walensee für Team-Anlässe, auch Geburtstagsfeste und Erstkommunionsessen finden hier statt. Bei ihren eigenen Angeboten haben die Marienschwestern den Schwerpunkt bei der Zielgruppe Familie. In den letzten Jahren habe die Anzahl spanischsprachiger Katholikinnen und Katholiken aus der ganzen Deutschschweiz bei uns im Haus stark zugenommen. «Sie kennen die Schönstatt-Spiritualität aus ihren Herkunftsländern und finden hier bei uns ein Stück Heimat.» Von dieser «internationalen Marke» profitiert auch der Hotel-Betrieb: Immer wieder nächtigen Touristinnen und Touristen aus anderen Ländern bei ihnen, da sie via Schönstatt-Bewegung auf das Zentrum aufmerksam geworden sind.
Persönlichkeiten mit Profil
Entstanden sind die Schönstätter-Marienschwestern vor 100 Jahren in Deutschland – in einer ganz anderen Zeit. Sr. Monja und Sr. Priska sind überzeugt, dass ihre Spiritualität auch heute aktuell ist: «Schönstatt verstand sich schon immer als ein Weg, den Aufbau einer persönlichen Gottesbeziehung und das Christsein im Alltag zu ermöglichen. Es geht um die Persönlichkeitsbildung. Jede und jeder wird befähigt, sich selbst in der Kirche und in der Gesellschaft einzubringen.» Das sei heutiger wichtiger denn je. «Die aktuellen politischen Entwicklungen und Konflikte in Europa und weltweit zeigen, dass heute Persönlichkeiten mit Profil dringend benötigt werden», so Sr. Priska, «unsere Spiritualität kann ein Fundament dafür schaffen.»
Maria als Vorbild
Wer sich mit der Schönstatt-Spiritualität beschäftigt, wird schnell auf Maria aufmerksam, die Mutter von Jesus – ist dieser Fokus noch zeitgemäss? «Diese Kritik ist nicht neu und beruht wohl meist auf einem Missverständnis», sagt Sr. Monja, «Maria war ein Mensch wie du und ich und gerade deshalb ist sie für uns ein Vorbild. Sie hat ihr Leben für Gott geöffnet.» Für Sr. Priska ist wichtig: «Gott hat bei Maria etwas Aussergewöhnliches bewirkt. Das soll uns sichtbar machen: Auch heute kann Gott an uns Aussergewöhnliches bewirken.»
Bilder: Ana Kontoulis
Jubiläumfest 12. und 13. September
Das Zentrum Neu-Schönstatt in Quarten ist auch ein beliebter Ausflugsort für Sonntagsspaziergänge mit anschliessendem Kaffee auf der Terrasse der Caféteria mit beeindruckenden Blick auf den Walensee. Eingebettet in die einzigartige Natur befindet sich direkt neben dem Hotel die kleine Marienkapelle. Am 12./13. September 2026 laden die Marienschwestern in Quarten zum grossen Jubiläumsfest.
→ Infos: www.neuschoenstatt.ch