«Leicht umsetzbar»

Glas statt Plastik

Umwelt­fach­mann beobachtet wach­sendes Ökolo­gie-Bewusst­sein bei Pfar­reien im Bis­tum St.Gallen

Wie kön­nen Kirchen ihren ökol­o­gis­chen Fuss­ab­druck reduzieren? Andreas Frei (Fach­stelle «oeku – Kirche und Umwelt») zeigt Ehre­namtlichen und kirch­lichen Mitar­bei­t­en­den bei der Lauda­to si-Impulsver­anstal­tung in Abtwil (siehe Kas­ten), welch­es Papi­er und welche Heiztech­nik die Schöp­fung am wenig­stens belastet.

Andreas Frei, oeku

Andreas Frei ist reformiert­er The­ologe und Mitar­beit­er bei oeku. In dieser Funk­tion begleit­et er seit mehreren Jahren Kirchge­mein­den und andere kirch­liche Insti­tu­tio­nen zu ihrem Ziel, nach­haltiger zu wer­den. Im Gebi­et des Bis­tums St.Gallen ist allerd­ings noch keine katholis­che Kirchge­meinde im Besitz des oeku-Labels «Grün­er Güggel». «Die Anfra­gen aus der Ostschweiz für Lehrgänge oder Refer­ate haben aber in let­zter Zeit merk­lich zugenom­men», rel­a­tiviert Andreas Frei die beschei­dene Nach­haltigkeits­bi­lanz der Kirchge­mein­den im Bis­tum.

Recy­cling­pa­pi­er

Eine mögliche Mass­nahme, wie Kirchen ihren jew­eili­gen ökol­o­gis­chen Fuss­ab­druck reduzieren kön­nten, ist die Opti­mierung der Heizungsan­la­gen. Andreas Frei konkretisiert: «Wer­den die Heizzeit­en mit einem pro­gram­mier­baren Ther­mo­stat den effek­tiv­en Nutzungszeit­en angepasst, kön­nen Kirchge­mein­den bis zu 15 Prozent der Heizkosten sparen. Zudem wäre es wün­schenswert, dass Gemein­den, die mit fos­silen Energi­eträgern heizen, auf erneuer­bare Energien umsteigen.» Auch beim The­ma Papi­er gibt es für zahlre­iche Gemein­den Luft nach oben. «Viele Pfar­reien ver­wen­den nach wie vor Frischfaser­pa­pi­er, wozu auch FSC zählt. Recy­cling­pa­pi­er benötigt kein Neuholz und ver­fügt über eine deut­lich bessere Öko­bi­lanz als Frischfaser­pa­pi­er.»

Vor­bild­funk­tion wahrnehmen
oeku will ganz im Sinne der Enzyk­li­ka «Lauda­to si» von Papst Franziskus die Mitar­bei­t­en­den von Kirchge­mein­den dazu ani­mieren, die Bewahrung der Schöp­fung in der Pfar­rei aktiv zu leben. «Als Werte-Insti­tu­tion hat die Kirche eine Ver­ant­wor­tung und Vor­bild­funk­tion. Wir müssen zuerst vor unseren eige­nen Kirchtüren kehren», betont der Ökolo­gie-Fach­mann. Bei einem Umwelt­man­age­mentsys­tem wie «Grün­er Güggel» wer­den sys­tem­a­tisch die ver­schiede­nen Bere­iche der Kirchge­meinde beleuchtet und so Verbesserungspoten­zial eruiert. «Die Leute staunen immer wieder, wo über­all pos­i­tive Mod­i­fika­tio­nen leicht umset­zbar wären», so Frei.

In den Hin­ter­grund gerückt
Im Sog der glob­alen Kli­made­bat­ten und ‑Bewe­gun­gen stellte Andreas Frei bei «oeku» ger­ade im let­zten Jahr eine höhere Nach­frage für Beratun­gen und Kurse fest. «Die Men­schen in den Pfar­reien woll­ten sich ver­stärkt mit dem The­ma ‚Bewahrung der Schöp­fung‘ auseinan­der­set­zen. Das hat viel mit ‚Lauda­to si‘ zu tun und auch mit den Kli­ma-Streik-Bewe­gun­gen, sowie der sich durch­set­zen­den Erken­nt­nis, dass eine andere Wirtschaft nicht nur nötig son­dern auch möglich ist.» Allerd­ings seien im Zuge von Covid 19 Umweltschutzbe­mühun­gen vorüberge­hend in den Hin­ter­grund gerückt. Coro­na habe neue Pri­or­itäten geset­zt, hält Andreas Frei fest. «Die Kli­ma- und Umweltkrise ist deswe­gen aber nicht ver­schwun­den. Die gesellschaftliche Debat­te darüber wird wieder zurück­kehren – auch in die Kirchge­mein­den.»

Preis­gekröntes St.Galler Kirchen­dach
Auch wenn aktuell im Bis­tum St.Gallen noch keine Kirchge­meinde im Besitz des «Grü­nen Güggel» ist, ver­fügt die Region den­noch über ein ökol­o­gis­ches Leucht­turm­pro­jekt: Das Solar­dach der Kirche Halden. Nach inten­siv­er Zusam­me­nar­beit der Evan­ge­lis­chen Kirchge­meinde Tab­lat, der Katholis­chen Kirchge­meinde St.Gallen sowie der SAK wurde im Sep­tem­ber 2010 die bis dato schweizweit grösste inte­gri­erte Solaran­lage auf einem Kirchen­dach eingewei­ht. Mit ihrer per­fekt ins Dach inte­gri­erten Pho­to­voltaik-Anlage erzeugt sie jährlich knapp 50 000 kWh Solarstrom, was in etwa dem Jahresver­brauch von 14 Haushal­ten entspricht. Für die gelun­gene Verknüp­fung solar­er Energien­utzung mit den hohen ästhetis­chen Ansprüchen ein­er Kirche erhielt die «Solarkirche Halden» den Solarpreis 2012.

Ros­alie Manser

 

Bis­tums- Ver­anstal­tung für mehr Umweltschutz

Papst Franziskus hat 2015 die Enzyk­li­ka «Lauda­to si» veröf­fentlicht. Der beherzt und mit wis­senschaftlichen Erken­nt­nis­sen unter­legte Appell für einen nach­halti­gen Umgang mit der Schöp­fung sorgte weit über Kirchenkreise hin­aus für Aufmerk­samkeit. In diesem Mai rief der Papst ein «Lauda­to si-Jahr» aus. Dieses Mot­to-Jahr soll bis Mai 2021 dauern und dazu ani­mieren, sich inten­siv dem Schutz der Schöp­fung zu wid­men. Das Bis­tum St.Gallen und LOS-Team St.Gallen laden alle, die in der Kirche ehre­namtlich / frei­willig tätig sind, zur  Lauda­to si-Impulsver­anstal­tung am 1. Sep­tem­ber 2020, 19.00 Uhr, im Pfar­rei­heim Abtwil ein. Am 2. Sep­tem­ber find­et dieselbe Ver­anstal­tung für kirch­liche Mitar­bei­t­ende statt.

Infos und Anmel­dung (bis 21. August):

www.bistum-stgallen.ch/aktuelles/agenda/

 

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