Netzwerken statt Gärtlidenken

Netzwerken wird immer wichtiger – auch für Frauengemeinschaften. Die Frauengemeinschaft Herisau-Waldstatt-Schwellbrunn geht neue Wege und setzt auf eine Community-Plattform. ­Bereits haben sich erste Zusammenarbeiten ergeben.

Zusammen erreichen wir mehr als allein. Ich bin der Überzeugung, dass wir gemeinsam unschlagbar sind», sagt Gabriela Hutter. Die 53-Jährige ist Präsidentin der Frauengemeinschaft Herisau-Waldstatt-Schwellbrunn und weiss, wie wichtig ein grosses Netzwerk und eine gute Sichtbarkeit im Alltag sind. Frauengemeinschaften sind längst keine Selbstläufer mehr. Während die Frauen früher oft Tipps für Heim und Kindererziehung erhielten, werden heute meist Anlässe für die Mitglieder organisiert. Die Mitgliederzahl der Frauengemeinschaft Herisau-Waldstatt-Schwellbrunn ist jahrelang gesunken. Vor einigen Jahren kam der Wendepunkt. Heute zählt der Verein über 300 Frauen. «Als Frauengemeinschaft muss man präsent und à jour sein. Vernetzung ist sehr wichtig», sagt Gabriela Hutter.

Netzwerk aktiv ausbauen

Ihr Netzwerk hat die Frauengemeinschaft in den vergangenen Monaten aktiv weiter ausgebaut. Seit November nutzt sie die Plattform beUnity, um sich untereinander und mit anderen Frauengemeinschaften schweizweit zu vernetzen. Auf der Plattform können die Mitglieder Informationen austauschen, Dokumente bereitstellen oder Nachrichten schreiben. Vereine können eigene Gruppen erstellen und Mitglieder hinzufügen. Daneben können Gruppenverantwortliche – hier die Vorstandsfrauen – sich mit anderen Frauengemeinschaften vernetzen und austauschen. Die Frauengemeinschaft Herisau-Waldstatt-Schwellbrunn gehört zum Kantonalen Dachverband Katholischer Frauenbund des Kantons St. Gallen-Appenzell. Dieser wiederum ist Teil des Schweizerischen Frauenbund-Netzwerks. «Das Netzwerk wird so schnell grösser und grösser. Davon können wir stark profitieren.»

 

Von Erfahrungen profitieren

Die Vorstandmitglieder sind überzeugt von der Plattform. Die Arbeit damit hat bereits Früchte getragen. Auf der Plattform sind die Herisauer Frauen auf eine Büchertauschaktion einer Frauengemeinschaft im Kanton Luzern aufmerksam geworden und nahmen Kontakt mit den Verantwortlichen auf. «Sie haben uns mit Tipps und Materialien beliefert. Von den Erfahrungen können wir natürlich profitieren. Nun haben wir auch einen solchen Anlass organisiert.» Gabriela Hutter ist kein Fan von «Gärtlidenken» und fördert die Zusammenarbeit wenn immer möglich: «Wir Frauengemeinschaften müssen nicht alles allein machen oder die Sachen immer wieder neu erfinden. Es ist doch schön, wenn wir uns unterstützen.»

 

«Interessant bleiben»

Der Vorstand ist überzeugt, dass in den neuen Medien viel Potenzial für die Frauengemeinschaft steckt. «Wenn man heute nicht mit der Zeit geht, fällt man aus dem Fokus. Man muss interessant bleiben.» Das «Posten» in den sozialen Medien oder eine frische Website seien unerlässlich. «Gerade junge Familien erreicht man nur so.» Noch nutzen wenige Mitglieder die neue digitale Plattform. Im April haben die Vorstandsfrauen drei Kurse organisiert, um Hemmschwellen abzubauen und den Mitgliedern die Nutzung zu erklären. «Nicht alle sind mit den neuen Medien und dem Smartphone gleich versiert. Manche kommunizieren lieber über die bekannten Kanäle.» Für den Vorstand bedeutet dies vor allem eines: Mehrarbeit. «Momentan fahren wir mehrspurig, auch noch per Mail. Dies soll irgendwann der Vergangenheit angehören.»

 

Text und Bild: Alessia Pagani

 

Eine Alternative zu WhatsApp

Die Community-Plattform beUnity als digitaler Treffpunkt regional und national: Der Schweizerische Frauenbund und auch der kantonale Dachverband empfehlen die Nutzung von beUnity. Sie haben die Plattform im November 2023 lanciert – als Alternative zu WhatsApp. Dank einer Partnerschaft können alle Mitgliedsvereine des Schweizer Frauenbundes die Bezahlversion der App nutzen.

 

Seit November nutzt die Frauengemeinschaft Herisau-Waldstatt-Schwellbrunn um Präsidentin Gabriela Hutter (l.) die Community-Plattform beUnity. Noch nutzen wenige Mitglieder den digitalen Treffpunkt. Kurse können helfen, Hemmungen abzubauen.

Alessia Pagani
Autorin
Veröffentlichung: 29.05.2026