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Rheintaler Rebellin erobert die Welt

Als Clowner­in mit run­dem Bauch hat die Rhein­ta­lerin Gar­di Hut­ter die Büh­nen der Welt erobert. Ein­fluss auf ihren Werde­gang hat­ten auch ein franzö­sis­ch­er Priester und eine Thur­gauer Pfar­rfrau. Das zeigt die Biografie «Trotz allem», die die His­torik­erin Denise Schmid über die Rhein­taler Kün­st­lerin geschrieben hat.

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Viel mehr als nur Wasser treten

«Natür­lichkeit und Ein­fach­heit ist die Haupt­sache.» So fasste Sebas­t­ian Kneipp seine Naturheillehre zusam­men. Der soge­nan­nte Wasserp­far­rer kam vor 200 Jahren am 17. Mai in Ober­schwaben zur Welt und gilt als Vor­re­it­er des ganzheitlichen Naturheil­ver­fahrens. Pfar­reifo­rum-Redak­torin Ros­alie Manser hat unter fachkundi­ger Anleitung die Kneipp-Philoso­phie in einem Selb­stver­such getestet.

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Pfarreiforum HV 2021

26. Mai 2021, Start: 19.15 Uhr (Ein­loggen ab 19.00 Uhr)

Bitte melden Sie sich vor­ab im Doo­dle an (Tra­gen Sie Ihren Namen und Ihre Kirchge­meinde bzw. Zweck­ver­band ein):

Anmel­dung via Doodle

Mit fol­gen­dem Zoom-Link kön­nen Sie am 26. Mai an der HV teilnehmen:

Zoom-Link

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Vom Vater zum Backen inspiriert

Andreas Scham­bron hat eine eigene Bäck­erei in Ebnat-Kap­pel. Sil­vio Scham­bron arbeit­et bei ein­er regionalen Bäck­erei mit mehreren Fil­ialen. Vater und Sohn erzählen, wie sich der Beruf und der Wert des Brotes wan­delt. Welchen Ein­fluss haben diese Verän­derun­gen auf die beiden?

70-Stun­den-Wochen und die zunehmende Konkur­renz durch die Grossverteil­er: Andreas Scham­bron, wie fan­den Sie es, dass Ihr Sohn genau wie Sie Bäck­er wer­den wollte?

Sil­vio Scham­bron: Darf ich vor­weg­greifen? Für mich war von Anfang an klar, dass ich anders als mein Vater nie ein eigenes Geschäft würde haben wollen. Ich habe bei meinem Vater gese­hen, was das heisst und wie viel Zeit er in die eigene Bäck­erei steckt. Ich habe einen etwas anderen Weg gewählt und arbeite in ein­er regionalen Bäck­erei mit mehreren Fil­ialen. Dort kon­nte ich mich spezial­isieren und bin aktuell Einkauf­sleit­er. Es ist ein span­nen­der Job mit dem Vorteil, dass ich nach Feier­abend auch ein­fach abschal­ten kann.

Andreas Scham­bron: Als klar war, dass du Sil­vio eben­falls Bäck­er wer­den woll­test, wollte ich dir das zunächst ausre­den. Ich wollte nicht, dass du den Beruf wegen mir lernst. Aber du warst schon überzeugt und da freute ich mich natür­lich. Aber ich habe dir emp­fohlen, die Lehre in einem anderen Betrieb zu machen. Es ist wichtig, eigene Erfahrun­gen zu sam­meln. Für mich ist es beispiel­sweise nie in Frage gekom­men, den Betrieb mein­er Eltern zu übernehmen. Sie besassen im aar­gauis­chen Rudolf­stet­ten-Friedlis­berg eine Bäck­erei, zu der ausser­dem eine Beiz gehörte. Das war mir aber zu viel. So arbeit­ete ich an ver­schiede­nen Orten in der Schweiz, bis ich eines Tages eine Bäck­erei in Ebnat-Kap­pel ent­deck­te, die zum Verkauf aus-geschrieben war. Mit­tler­weile lebe und arbeite ich hier seit 26 Jahren.

Das Bäck­er­gen scheint in Ihrer Fam­i­lie zu steck­en. Woran erin­nern Sie sich am liebsten?

Andreas Scham­bron: Schon als Kind war ich oft in der Back­stube meines Vaters und durfte ihm dabei helfen, Guet­zli in Schog­gi zu tunken oder abends einen Vorteig zu machen. Am meis­ten liebte ich aber frischge­back­ene Bür­li. Bere­its in der Pri­marschule war für mich klar, dass ich Bäck­er wer­den würde.

Sil­vio Scham­bron: Ich war wohl defin­i­tiv auch von meinem Vater vorgeprägt. Als Kind ging ich gerne in der Back­stube. Ich liebte die Gerüche in der Wei­h­nacht­szeit und dass ich manch­mal die Lebkuchen aus­gar­nieren durfte. Und genau wie mein Vater wusste ich schnell, dass ich etwas mit Lebens­mit­teln machen und entwed­er Koch oder Bäck­er wer­den wollte.

Sie sind Bäck­er aus ver­schiede­nen Gen­er­a­tio­nen. Führt das zu Meinungsverschiedenheiten?

Andreas Scham­bron: Das nicht. Aber Sil­vio denkt bes­timmt, ich bin ein stur­er Bock. Und ja, in der Tat: Einige der neuen Entwick­lun­gen tun mir im Herz weh, ich bin eben vom alten Korn. Ich bin bekan­nt für grosse Brote und dafür, dass ich alles frisch backe. In Bäck­ereien mit Fil­ialen wird das Brot zen­tral vorge­back­en, dann aus­geliefert und in der jew­eili­gen Fil­iale fer­tig geback­en. Damit kann ich mich als klas­sis­ch­er Dorf­beck nicht anfre­un­den. Ich mache von Anfang bis Ende alles selber.

Sil­vio Scham­bron: Mein­er Mei­n­ung nach schmeckt man da keinen Unter­schied. Das Brot kommt frisch aus dem Ofen. In der heuti­gen Zeit wün­scht sich die Kund­schaft eine grosse Auswahl ver­schieden­er Spezial­brote. Da müssen ger­ade grössere Bäck­ereien mit mehreren Fil­ialen ihre Abläufe opti­mieren. Im Bere­ich der Dig­i­tal­isierung hat sich dies­bezüglich in den ver­gan­genen Jahren viel verän­dert. Von Hand aus­ge­füllte Backzettel mit Men­gen­berech­nun­gen für den näch­sten Tag gibt es bei uns beispiel­sweise nicht mehr. Mein Vater und ich kön­nen einan­der aber auch unter­stützen: Er kann von meinem Prozess­denken prof­i­tieren, ich wiederum von sein­er Lebens- und Beruf­ser­fahrung und seinem Ver­ständ­nis für die einzel­nen Produkte.

Sie bei­de arbeit­en bei Bäck­ereien, die jew­eils in der Fas­ten- zeit bei der Aktion «Brot zum Teilen» mit­machen. Mit dem Erlös von 50 Rap­pen pro Brot wer­den ver­schiedene Pro­jek­te im Süden unter­stützt. Warum dieses Engagement?

Andreas Scham­bron: Für mich ist das eine Herzenssache, etwas für andere zu tun. Wenn ich mir etwas für die Zukun­ft wün­schen kön­nte, dann dass sich mehr Men­schen auf Werte wie Näch­sten­liebe zurückbesin­nen wür­den. Ich wün­sche mir mehr Gelassen­heit und einen respek­tvolleren Umgang der Men­schen miteinan­der. Mir per­sön­lich hil­ft dabei mein Glaube.

Sil­vio Scham­bron: Ich finde solche Aktio­nen wichtig. Wir haben eine grosse Ver­ant­wor­tung gegenüber der Zukun­ft. Als Bäck­ereien kön­nen wir dazu beispiel­sweise etwas beitra­gen, indem wir regionale Pro­duk­te beziehen wie etwa Toggen­burg­er Mehl, Alter­na­tiv­en zu Palmöl ein­set­zen oder uns im Bere­ich Food­waste weit­er­en­twick­eln. Auch dabei prof­i­tieren wir von der Dig­i­tal­isierung und Apps wie «To good to go». Let­ztere verbindet Kun­den mit Restau­rants und Läden, die über­schüs­sige und nicht verkaufte Pro­duk­te zu einem stark reduzierten Preis anbi­eten. Aber qual­i­ta­tiv hochste­hende Pro­duk­te kosten natür­lich etwas mehr. Das ste­ht im Gegen­satz zum verän­derten Kun­den-ver­hal­ten. Viele Men­schen wollen immer weniger für Lebens­mit­tel aus­geben. Das bere­it­et mir Sor­gen. (nar)

Zum Inter­view

Pater Stephan Dähler

Marienburg: Adieu nach 93 Jahren

Die Tage in Thal SG sind für die Steyler Mis­sion­are gezählt: Nach 93 Jahren wer­den sie die Marien­burg aufgeben. Wie es genau mit den sieben Patres weit­erge­ht, sei noch nicht entschieden.

«Momen­tan wer­den ver­schiedene Optio­nen geprüft», sagt Pater Stephan Däh­ler. Die Her­aus­forderung sei, eine Lösung zu find­en, die sowohl für die jün­geren wie für die älteren Patres passt. Was fest­ste­ht: Der Ver­trag für das Gebäude läuft Ende Okto­ber aus (siehe Kas­ten). Auch wenn die Steyler Mis­sion­are kün­ftig keine grössere Nieder­las­sung im Bis­tum St.Gallen mehr haben wer­den, wollen sie weit­er­hin in der Seel­sorge im Bis­tum tätig sein. «Beson­ders in den Pfar­reien der Seel­sorgeein­heit Buech­berg, zu der die Marien­burg gehörte, wollen wir weit­er­hin präsent sein», betont Pater Stephan. Eine Option sei, dass die Patres kün­ftig dezen­tral in Woh­nun­gen leben. «Diese Lösung reibt sich aber mit dem Gemein­schafts­gedanken», räumt Pater Stephan ein.

Steyler Missionare verlassen die Marienburg Thal
Auf dem Gelände der Marien­burg soll neuer Wohn­raum entstehen.
Marienburg Thal
Pater Stephan Dähler
Pater Stephan Däh­ler wird auch kün­ftig als Seel­sorg­er im Bis­tum tätig sein.


Mis­sion­ar­ische Arbeit
Stephan Däh­ler, aufgewach­sen in Gais AR, ist selb­st ehe­ma­liger Schüler der Marien­burg. Heute ist der The­ologe Prov­inzial (Leit­er) der Mit­teleu­ropäis­chen Prov­inz der Steyler Mis­sion­are und pen­delt zwis­chen Wien und Thal. Auss­er im Mis­sion­shaus St.Gabriel (bei Wien), wo über 40 Mis­sion­are zusam­men­leben, gibt es in der ganzen Prov­inz ver­streute Nieder­las­sun­gen. «Auch an anderen Stan­dorten von uns in Frankre­ich, Kroa­t­ien und Öster­re­ich sind wir mit der Zukun­fts­frage beschäftigt», sagt er. Vor kurzem sei eine Nieder­las­sung bei Salzburg aufgegeben wor­den. «Man muss real­is­tisch sein: Die Zeit der grossen katholis­chen Gemein­schaften ist vor­bei», sagt er. In der Ostch­weiz seien die Steyler Mis­sion­are heute fast zu hun­dert Prozent in der Pfar­reiseel­sorge tätig. «Das ist eine Her­aus­forderung für die konkrete Gestal­tung des Gemein­schaft­slebens. Dieses ist ein wichtiger Pfeil­er für unser mis­sion­ar­isches Wirkens vor Ort.»

Marienburg Thal
Auf dem Gelände ste­hen die ältesten Mam­mut­bäume der Schweiz.

Älteste Mam­mut­bäume
Sieben Patres leben zurzeit noch in der Marien­burg, früher waren es auch schon mal über 25. Über neun­zig Jahre waren die Steyler Mis­sion­are in Thal SG präsent. 1929 kauften sie die Wein­burg und gaben ihr den Namen Marien­burg. Bis 2012 wurde die Inter­nats- und Tagess­chule von ein­er Stiftung geführt. Im Park der Marien­burg ste­ht der älteste Mam­mut­baum der Schweiz. Er wurde 1858 von der Köni­gin Vik­to­ria in Eng­land der dama­li­gen Besitzerin, dem Fürsten­haus Hohen­zoller-Sig­marin­gen geschenkt. Aus dieser Zeit stammt der Park. Aktuell ist im Gebäude des ehe­ma­li­gen Schul­be­triebes der Trägervere­in Inte­gra­tionspro­jek­te des Kan­tons St.Gallen (TISG) eingemietet welch­er darin unbe­gleit­ete min­der­jährige Asyl­be­wer­ber unter­bringt. Nun soll hier neuer Wohn­raum entste­hen. 2016 kaufte die Indus­triehold­ing Men­zi Muck Gruppe AG mit Sitz in Kriessern das Anwesen.

Am Pfin­gst­mon­tag soll der öffentliche Abschieds­gottes­di­enst mit anschliessen­dem Fest gefeiert wer­den. «Wir hof­fen, dass es bis dann trotz Coro­na-Sit­u­a­tion wieder möglich ist, mit ein­er grösseren Gemein­schaft zu feiern, sodass auch viele der ehe­ma­li­gen Marien­burg-Schü­lerin­nen und ‑Schüler dabei sein kön­nen», so Pater Stephan.

Kapelle Marienburg Thal
Kapelle der Marien­burg Thal

Prä­gend für das Bistum

Felix Bischof­berg­er, Präsi­dent des Steyler Fre­un­deskreis­es, beze­ich­net das Ende der Marien­burg als Zäsur für die Region, aber auch für das Bis­tum. «Diese Entwick­lung hat sich abgeze­ich­net, alle kon­nten sich darauf vor­bere­it­en», sagt er, «trotz­dem ist es ein emo­tionaler Moment.» Die Marien­burg habe nicht nur das Bis­tum St.Gallen, son­dern die gesamte Kirche der Deutschschweiz geprägt. «Viele ehe­ma­lige Schüler sind heute als Seel­sorg­er tätig oder engagieren sich frei­willig in ihren Pfar­reien. Und auch in vie­len Pfar­reiräten und Kirchen­ver­wal­tun­gen sind ehe­ma­lige Schüler vertreten.» Zu den ehe­ma­li­gen Schülern gehören zum Beispiel auch Bischof Markus Büchel. «Unser Vere­in hat 1300 Mit­glieder. Es wäre ein gross­er Ver­lust, dieses Net­zw­erk aus­laufen zu lassen. Wir haben uns deshalb schon vor vier Jahren bewusst dafür entsch­ieden, den Vere­in in die Zukun­ft zu führen.» Der Alum­ni-Vere­in wurde zum Steyler-Fre­un­deskreis weit­er­en­twick­elt. «Auf diese Weise soll es möglich sein, unab­hängig von der Marien­burg auch kün­ftig die wichtige Arbeit der Steyler Mis­sion­are zu unter­stützen – in der Schweiz, aber auch bei ihren zahlre­ichen Pro­jek­ten in Asien, Afri­ka und Südamerika.»

Marienburg Thal
Die Schule in der Marien­burg wurde 2012 geschlossen.
Steyler Missionare verlassen die Marienburg Thal
93 Jahre lebten die Steyler Mis­sion­are in der Marien­burg Thal
Steyler Missionare verlassen die Marienburg Thal

Text: Stephan Sigg, Bilder: Ana Kontoulis

Arnd Bünker

«Ein Baustein, um in die Zukunft zu gehen»

16.03.21 Braucht das Pfar­reifo­rum einen neuen Namen? Darüber haben an einem Info-Anlass vom Pfar­reifo­rum 40 Teil­nehmende disku­tiert. Arnd Bünker (siehe Bild) vom Schweiz­erischen Pas­toral­sozi­ol­o­gis­chen Insti­tut (SPI) in St.Gallen lieferte einen Überblick über die aktuelle Kirch­enen­twick­lung und die Bedeu­tung für ein diöze­sanes Pfarrblatt.

«Wir disku­tieren heute über ein brisantes The­ma, bei dem die Mei­n­un­gen weit auseinan­der gehen.» Mit diesen Worten begrüsste Bar­bara Häch­ler, Admin­is­tra­tionsrätin des Katholis­chen Kon­fes­sion­steils des Kan­tons St.Gallen und Präsi­dentin des Vere­ins Pfar­reifo­rum – Pfar­rblatt im Bis­tum St.Galllen, die 40 Teil­nehmenden des Zoom-Anlass­es zum The­ma «Neuer Name fürs Pfar­reifo­rum?» am 11. März 2021. Die Teil­nehmenden set­zten sich unter anderem aus Kirchen­ver­wal­tungsrätIn­nen, Seel­sorg­erIn­nen, Bis­tumsvertreterIn­nen und Redak­tion­s­mit­gliedern zusam­men. Pan­demiebe­d­ingt fand der Anlass online statt. Ziel war es, eine fundierte Grund­lage für die Abstim­mung über einen Namenswech­sel der Pub­lika­tion Pfar­reifo­rum an der Hauptver­samm­lung des Vere­ins Pfar­reifo­rum am 26. Mai 2021 zu schaf­fen. Dafür soll­ten am Zoom-Anlass vor allem die gesellschaftliche Gesamt­si­t­u­a­tion und die kirch­liche Real­ität beleuchtet werden.

Zwei Kirchenaus­tritte auf eine Taufe

Als Ref­er­ent ein­ge­laden war Arnd Bünker, Leit­er des Schweiz­erischen Pas­toral­sozi­ol­o­gis­chen Insti­tuts (SPI) in St.Gallen. «Was ich Ihnen präsen­tieren möchte, ist der Ver­such, eine extrem kom­plizierte Beziehung zu erk­lären», sagte Bünker. «Es geht um die Beziehung viel­er Kirchen­mit­glieder zur Kirche und zur Pfar­rei. Viel Roman­tik ist da nicht mehr. Die Beziehung ist oft abgekühlt.» Zunächst ging Bünker auf aktuelle Zahlen ein. So sind 2019 in der Deutschschweiz rund 32’000 Per­so­n­en aus der Kirche aus­ge­treten. Allein im Kan­ton St. Gallen waren es rund 3’400 Men­schen. 2019 kamen im Kan­ton St.Gallen auf zwei Kirchenaus­tritte auf eine Taufe. «Dieser Trend wird sich fort­set­zen», sagt Bünker. Immer wenn Skan­dale oder Ärg­ernisse hinzukom­men, nehmen die Kirchenaus­tritte zusät­zlich nochmals zu.

Einein­halb Mil­lion Kirchen­mit­glieder in der Schweiz kön­nen gemäss Bünker mit der Kirche kaum noch etwas anfan­gen. «Ein Drit­tel der Kirchen­mit­glieder hat schon über einen Aus­tritt nachgedacht», sagt er und betont, wie wichtig das Pfar­reifo­rum als Gesprächsin­stru­ment ger­ade auch mit den Mit­gliedern sei, die weit ent­fremdet sind.

Bünker unterteilt die Kirchen­mit­glieder in die «Behei­mateten» und in die «Dis­tanzierten». Zu den Behei­mateten zählen rund 20 Prozent. Sie erleben Kirche vor allem in ihrer Pfar­rei. Glaube hat einen fes­ten Platz in ihrem All­t­ag. Dis­tanzierte machen mit zwei Drit­teln der Kirchen­mit­glieder allerd­ings die Mehrheit aus. Per­sön­liche brauchen sie die Kirche nicht, find­en es aber gut, wenn die Kirche für andere da ist.

Für Dis­tanzierte und Beheimatete

«Das Pfar­reifo­rum soll nun Behei­matete und Dis­tanzierte gle­icher­massen ansprechen. Aber kann das über­haupt gelin­gen?», fragte Arnd Bünker. Behei­matete wür­den unab­hängig vom Namen zum Pfar­reifo­rum greifen. Bei den Dis­tanzierten hinge­gen wür­den Fra­gen im Vorder­grund ste­hen, «wieviel nahe Kirche, wieviel Pfar­rei, wieviel Kircheniden­ti­fika­tion mit dem Cov­er des Pfar­reifo­rums und mit dem Titel Pfar­reifo­rum gegeben sei» ? Bünker fragt: Passt das zum Ver­such, die Kom­mu­nika­tion mit den Dis­tanzierten möglichst vor­sichtig und behut­sam wieder aufzunehmen? Oder ver­schreckt der Titel eher diejeni­gen Kirchen­mit­glieder, um die wir uns eigentlich beson­ders küm­mern müssten?»

Über let­ztere Fra­gen disku­tierten die Teil­nehmenden in Grup­pen. Die Ergeb­nisse wur­den anschliessend im Plenum präsen­tiert. So zeigten sich viele Teil­nehmende über­rascht darüber, dass zwei Drit­tel aller Kirchen­mit­glieder Dis­tanzierte sind. Es kam die Frage auf, ob der Name der Pub­lika­tion wirk­lich so wichtig sei oder ob es nicht eher auf das Lay­out und den Inhalt ankomme. Einige sprachen sich für einen neuen Namen aus, um auch jene Kirchen­mit­glieder zu erre­ichen, die keinen Bezug zu ein­er Pfar­rei und somit zum «Pfar­reifo­rum» haben.

Skep­sis gegen Mut: Das waren die zwei Emo­tio­nen, die sich an diesem Abend am stärk­sten abze­ich­neten. «Mein­er Mei­n­ung nach ist der Name auss­chlaggebend für die Wahrnehmung», sagte Präsi­dentin Bar­bara Häch­ler. Das Pfar­reifo­rum hat eine Auflage von rund 122’000 Exem­plaren und ist für viele der einzige Kon­takt, den sie mit der Kirche haben. «Das Pfar­reifo­rum kann daher ein Baustein dafür sein, als Kirche erfol­gre­ich in die Zukun­ft zu gehen», sagte sie.  (nar)

Video Refer­at Arnd Bünker

Spitalseelsorge in Corona-Zeiten

«Oft tre­ffe ich auf eine grosse Hil­flosigkeit», sagt Ulrike Wolitz, Seel­sorg­erin am Spi­tal Grabs, über ihre Begeg­nun­gen mit Covid-19-Patien­ten. «Sie wur­den mit­ten aus dem Leben und ihren Beziehun­gen her­aus­geris­sen und sind nun im Spi­tal ganz auf sich geworfen.»

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Perplex bei Witzen über Armut

Satirik­er Rena­to Kaiser bei dig­i­talem Anlass der Caritas

Armut in der Schweiz sei für ihn als Satirik­er ein absur­des The­ma, sagt Rena­to Kaiser. Der St.Galler erzählt, wieso Armut ein Gesicht braucht und wie Witze über Vorur-teile funktionieren.

«Unfair finde ich es, wenn man den Leuten auf der Strasse Geld wegen ihrem Erschei­n­ungs-bild gibt. Ich zum Beispiel bin pri­vat sehr schlecht gek­lei­det. Also nicht, weil ich kein Geld habe, son­dern ein­fach keinen Stil. Es kön­nte also dur­chaus sein, dass ein Obdach-los­er mich von oben bis unten anschaut, mir das Geld zurück­gibt und sagt, ich hätte das Geld nötiger als er.» Der St.Galler Satirik­er Rena­to Kaiser ste­ht auf der Bühne. In vorder­ster Rei­he im Pub­likum sitzt eine allein­erziehende Mut­ter, die am Exis­tenzmin­i­mum lebt. Neben ihr zu sehen ist ein Mann, der nach einem Burnout alles ver­lor. Und dann ist da noch Markus, der bei Pflegeel­tern und im Heim aufwuchs und für den das Schlimm­ste an der Armut die soziale Ver­wahrlosung ist. Nachgeschaut wer­den kann die Szene im SRF Archiv. Sie ist Teil der Sendung «Tabu», in der Rena­to Kaiser 2019 einige Tage mit von Armut betrof­fe­nen Men­schen ver­brachte und ver­suchte, der Armut in der Schweiz ein Gesicht zu geben.

Reich und fair

«Armut in der Schweiz ist für mich als Satirik­er eines der inter­es­san­testen The­men, denn es ist ein absur­des The­ma. Ich baue es seit Jahren regelmäs­sig in meine Pro­gramme ein», sagt Rena­to Kaiser gegenüber dem Pfar­reifo­rum. Er nen­nt das The­ma deshalb absurd, weil man auf den ersten Blick meinen kön­nte, Armut gebe es in der Schweiz eigentlich gar nicht, da die Schweiz doch so reich ist und irgend­wie fair daherkommt. «Bringe ich also Witze über Armut, dann sind viele im Pub­likum erst ein­mal aufrichtig per­plex. Manche haben sich noch nie Gedanken über dieses Prob­lem gemacht», sagt der 35-Jährige. Als Gegen­beispiel nen­nt er Sex­is­mus oder Ras­sis­mus – bei­des The­men, die mit ver­gle­ich­sweise mehr offen­sichtlichen Vorurteilen belastet seien.

Eigene Vorurteile entlarven

Das näch­ste Mal das The­ma Armut im Rah­men sein­er Auftritte aktu­al­isieren wird Rena­to Kaiser am 25. März. Dann hat ihn die Car­i­tas als Haupt-Act am dig­i­tal­en Frei­willi­ge­nan­lass «Gemein­sam gegen Armut mit Rena­to Kaiser» gebucht (siehe Text unten). The­ma des Abends ist unter anderem, wie sich im ganzen Car­i­tas-Netz in der Schweiz 4600 Men­schen gegen Armut ein­set­zen. «Bei Ver­anstal­tun­gen wie bei der Car­i­tas wis­sen eigentlich alle bess­er über das The­ma Bescheid als ich. Meine Auf­gabe als Satirik­er ist es daher, nicht ober­lehrerhaft daherzukom­men, son­dern den Blick von aussen hineinzubrin­gen», sagt Rena­to Kaiser. «Zweck der Satire ist es, nach oben auszuteilen und auch seine eige­nen Vorurteile zu ent­lar­ven.» Auf diese Weise gelinge es, Witze über harte The­men wie Armut zu machen. Rena­to Kaiser geht dabei oft von sich sel­ber aus: Was geht ihm durch den Kopf, wenn ihn auf Strasse ein Obdachlos­er um Geld bit­tet? Oder: Was denkt er, wenn wieder ein­mal Schlagzeilen liest wie etwa «Der frech­ste Sozial­hil­febezüger»? Die Art und Weise, wie in den Medi­en über Sozial-hil­febe­trof­fene berichtet wurde, war es denn auch, die ihn einst auf das The­ma Armut in der Schweiz aufmerk­sam machte. «Ich fand diese Sprache so komisch, dass ich mich zu fra­gen begann, woher das kommt», sagt er. (nar)

Frei­willig gegen Armut

An den dig­i­tal­en Frei­willi­ge­nan­lass «Gemein­sam gegen Armut mit Rena­to Kaiser» am 25. März 2021 sind alle ein­ge­laden, die sich für das frei­willige Engage­ment in der Car­i­tas inter­essieren oder sich bere­its als Frei­willige betäti­gen. Der Link zur Online-Ver­anstal­tung wird auf www.caritas-stgallen.ch pub­liziert. Ohne das frei­willige Engage­ment wäre die Bekämp­fung von Armut in der Schweiz nicht machbar.

Das Pfarreiforum bekommt ein neues Layout

«Wir möcht­en mit einem frischen, zeit­gemässen Erschei­n­ungs­bild eine bre­it­ge­fächerte Leser­schaft ansprechen», sagt Bar­bara Häch­ler, Admin­is­tra­tionsrätin und Präsi­dentin des Vere­ins Pfar­reifo­rum – Pfar­rblatt im Bis­tum St.Gallen.

Bar­bara Häch­ler, warum braucht das Pfar­reifo­rum einen Relaunch?

Das bish­erige Lay­out ist rund zehn Jahre alt. Die Lesege­wohn­heit­en, die Bedürfnisse der Leserin­nen und Leser und auch die Medi­en­land­schaft haben sich in dieser Zeit verän­dert. Es war also an der Zeit, über das «Out­fit» nachzu­denken. Uns war es wichtig, all diese Verän­derun­gen aufzunehmen. Mit dem neuen Relaunch kommt das Pfar­reifo­rum frisch und zeit­gemäss daher. Das neue Lay­out soll noch mehr Lust machen, ins Mag­a­zin «einzu­tauchen». Dazu kommt: Unsere Pub­lika­tion soll in der Ostschweiz­er Medi­en­land­schaft noch stärk­er wahrgenom­men wer­den und an Bedeu­tung gewin­nen. Das Pfar­reifo­rum bringt spir­ituelle The­men in die Öffentlichkeit und doku­men­tiert kirch­liche Ereignisse. Aber es kom­men zum Beispiel auch poli­tis­che The­men aus­ge­wogen zu Wort wie zulet­zt bei der Konzernverantwortungsinitiative.

Wie wurde das neue Lay­out entwickelt?

Der Relaunch­prozess hat schon vor län­ger­er Zeit begonnen. 2019 gaben die Mit­glieder des Vere­ins an der Hauptver­samm­lung das OK. Der Prozess bein­hal­tete mehrere Phasen. Es wur­den unter anderem Feed­backs von Lesern sowie Fach­per­so­n­en aus Jour­nal­is­mus und Kom­mu­nika­tion einge­holt und aus­gew­ertet. In einem Wet­tbe­werb wur­den drei Agen­turen beauf­tragt, Lay­outvorschläge zu entwick­eln. Die Vorschläge der St.Galler Agen­tur «Die Gestal­ter» haben die Jury überzeugt. Neben dem Print-Relaunch wurde auch die Web­site erneuert. Teil des Prozess­es ist auch die Frage, ob der Name Pfar­reifo­rum erneuert wer­den muss. Die Mit­glieder wer­den an der Hauptver­samm­lung im Mai darüber befinden.

Worauf wurde bei der Entwick­lung des neuen Lay­outs Wert gelegt?

Das Pfar­reifo­rum soll möglichst viele ver­schiedene Alters­grup­pen ansprechen. Das erre­ichen wir mit ein­er gut les­baren Schrift und einem «ein­facheren» Lay­out. Der bewährte Mix aus län­geren und kürzen Beiträ­gen soll beibehal­ten wer­den. Das Redak­tion­steam hat­te im bish­eri­gen Lay­out wenig redak­tionellen und gestal­ter­ischen Spiel­raum. Das neue Lay­out soll mehr Flex­i­bil­ität ermöglichen.


Zoom-Anlass für Interessierte

11. März 2021, 18.30 Uhr: Arnd Bünker, Leit­er des Schweiz­erischen Pas­toral­sozi­ol­o­gis­chen Insti­tuts (SPI) St.Gallen, gibt Ein­blick in die kirch­liche Sit­u­a­tion und aktuelle Entwick­lun­gen: Was heisst das für die Kirche? Und für das Pfar­reifo­rum? Braucht es einen neuen Namen? Redak­tion, Vor­stand und Redak­tion­skom­mis­sion­s­mit­glieder freuen sich auf den Aus­tausch mit Inter­essierten. Die Teil­nehmerzahl ist beschränkt

Anmel­dung


Was sind die Chan­cen des Pfarreiforums?

Ich sehe unsere Pub­lika­tion als eine Beglei­t­erin. Sie schafft Ori­en­tierung und hil­ft bei der Mei­n­ungs­bil­dung. Es beleuchtet aktuelle The­men und Ereignisse aus christlich­er Sicht, es begleit­et aber auch die Ereignisse im Bis­tum und in den Seel­sorgeein­heit­en. Die Medi­en­land­schaft befind­et sich im Wan­del, es gibt immer weniger Platz für religiöse und ethis­che The­men. Das Pfar­reifo­rum füllt somit eine Nis­che. Das Pfar­reifo­rum ist ein Mag­a­zin für mod­erne Christi­nen und Chris­ten – es liefert auch Impulse, wie der christliche Glauben in der Gegen­wart gelebt wer­den kann. Wichtig scheint mir, dass das Pfar­reifo­rum mit der Zeit geht und der Relaunch ist ein Schritt in diese Rich­tung. Wenn wir uns bewe­gen, gehen neue Chan­cen auf und das Pfar­reifo­rum kann ganz nahe bei den Lesern sein.

Welche Beiträge inter­essieren Sie persönlich?

Ich finde es span­nend, dass das Pfar­reifo­rum jew­eils einen the­ma­tis­chen Schw­er­punkt hat. Oft nimmt dieser die aktuelle Jahreszeit auf und immer wieder wird Bezug genom­men auf Lebenssi­t­u­a­tio­nen, die einen per­sön­lich betr­e­f­fen. Inspiri­erend fand ich in diesem Jahr zum Beispiel das Jan­u­ar-The­ma zu «Aufräu­men» und «Ord­nung» oder das Valentin­stags-Porträt über ein Ehep­aar. Das regt zum Nach­denken an. Mir gefällt der lokale Bezug: Das Pfar­reifo­rum berichtet über Ereignisse im Bis­tum und im Innen­teil, im Kern, finde ich dann Infor­ma­tio­nen der Pfar­reien / Kirchenge­mein­den. Die Bärentatze behalte ich mir immer für den Schluss ab: Die witzi­gen, kurzen State­ments lese ich sehr gerne. 

Inzwis­chen erscheint das Pfar­reifo­rum in fast allen Pfar­reien des Bis­tums. Es ist somit auch ein Medi­um, das Brück­en baut und das Gemein­schafts-Gefühl im Bis­tum stärkt.

Bar­bara Hächler

Wie hat sich die Bedeu­tung des Pfar­reifo­rums in den let­zten zwanzig Jahren verändert?

Ich bin erst seit ca. zehn Jahren Leserin des Pfar­reifo­rums, aber ich glaube allein schon in dieser Zeit hat eine grosse Verän­derung stattge­fun­den. Ich kann mich noch an die Sit­u­a­tion in mein­er Pfar­rei St.Gallen-Bruggen erin­nern: Da erhiel­ten früher die Pfar­reim­it­glieder ein reines Infor­ma­tions­blät­tli mit Gottes­di­en­stzeit­en, Büroad­ressen, per­son­ellen Verän­derun­gen usw. Heute erhält man mit Pfar­reifo­rum ein pro­fes­sionelles Mag­a­zin, mit dem eine bre­ite Leser­schaft ange­sprochen wer­den kann. Es beste­ht die grosse Chance, dass durch den attrak­tiv­en The­men­mix auch Kirchen­ferne auf die Ange­bote der Pfar­reien / Kirchge­mein­den aufmerk­sam wer­den und mit­bekom­men, was vor Ort läuft. Das Pfar­reifo­rum vere­int kirchen­na­he und ‑ferne Leserin­nen und Leser. Inzwis­chen erscheint das Pfar­reifo­rum in fast allen Pfar­reien des Bis­tums. Es ist somit auch ein Medi­um, das Brück­en baut und das Gemein­schafts-Gefühl im Bis­tum stärkt.

Inter­view: Stephan Sigg

«Musik wäscht mir den Staub von der Seele»

Musik ist und war für Roland «Tschi­ibii» Grossen­bach­er (71) stets Ther­a­pie und Kraftquelle. Mit dem eige­nen Rock- & Pop-Muse­um in Nieder­büren hat er sich seinen Leben­straum erfüllt. Immer wieder halfen dem gel­ern­ten Koch die Musik und sein Glaube aus per­sön­lichen Talsohlen.

«Over and over» von «The Dave Clark Five» war Roland Grossen­bach­ers erste Plat­te, die er sich Mitte der 60er-Jahre von seinem beschei­de­nen Lehrlingslohn gekauft hat. «Ich arbeit­ete im Bahn­hof­buf­fet in St.Gallen ger­ade in der Patis­serie, als dieser Song im Radio lief und mich ab den ersten Tak­ten fes­selte», erin­nert sich der 71-Jährige. Diese Plat­te ist heute neben Tausenden von anderen Exponat­en im Rock- & Pop-Muse­um in Nieder­büren zu bewun­dern. Dank ein­er Erb­schaft kon­nte Roland Grossen­bach­er, der von seinem Umfeld nur Tschi­ibii genan­nt wird, eine einzi­gar­tige Samm­lung an Trou­vaillen erste­hen. Dazu gehören beispiel­sweise sel­tene Orig­i­nal-Auto­gramme sowie Gold- und Platin­schallplat­ten von Kün­stlern, welche vorher von Spezial­is­ten auf deren Echtheit über­prüft wur­den. Das wohl wertvoll­ste Stück dieser imposan­ten Samm­lung: eine gold­ene LP von John Lennon, welche die Ikone einst für «Imag­ine» erhal­ten hat.

Schwierige Zeit­en
Mit viel Lei­den­schaft und Fach­wis­sen führte Roland Grossen­bach­er in den ver­gan­genen sieben Jahren über 1600 Grup­pen durch die Ausstel­lung und damit durch über hun­dert Jahre Musikgeschichte. Er und sein Team arbeit­en alle ehre­namtlich im Muse­um. Materielles ist für den uner­schüt­ter­lichen Opti­mist sowieso neben­säch­lich. Seine Mut­ter hat er nie gekan­nt, stattdessen wuchs Roland Grossen­bach­er in Basel und im Emmen­tal auf und ver­brachte auch einige Zeit in einem Rhein­taler Waisen­haus. Nach dem Lehrab­schluss als Koch fol­gten bewegte und wie Tschi­ibii sagt «unge­sunde» Jahre in Zürich. «Es waren die wilden 60er und ich liess mich voll vom dama­li­gen Zeit­geist und dem aufk­om­menden psy­chodelis­chen Sound mitreis­sen. Ich lebte von der Hand in den Mund und ver­schuldete mich zuse­hends.» Mit zwanzig wurde er erst­mals Vater.

Schritt für Schritt Halt gefun­den
Halt und Struk­tur brachte ihm das Fuss­ball­spie­len im Vere­in, die Musik und auch sein bis heute unge­broch­en­er Glaube: «Im Rück­blick sehe ich klar, wie Jesus mich an der Hand nahm und mir sagte: ‹Tschi­ibii, nimm dein Leben in die Hand und gehe einen neuen, soli­den Weg.›» Zusam­men mit sein­er zweit­en Frau Uschy, die er 1975 ken­nen­lernte, arbeit­ete er sich Schritt für Schritt aus dem Schulden­sumpf her­aus. «Ich hat­te in meinem Leben trotz viel­er Steine im Weg auch sehr viel Glück und eine Art Urver­trauen. Heute geht es uns gut. Wir führen ein beschei­denes, aber sehr erfülltes Leben.» Beson­ders viel Freude bere­it­en ihm die Begeg­nun­gen im Rock- & Pop-Muse­um. Der Vere­in «Rock- & Pop-Muse­um Nieder­büren» zählt 530 Mit­glieder. Er unter­hält und sichert den Fortbe­stand des Muse­ums. «Ich erlebe immer wieder, wie die Musik die Men­schen berührt, tröstet und glück­lich macht. Dass ich und mein Team diese Gefüh­le mit unserem Ange­bot den Besuch­ern näher brin­gen und ver­mit­teln dür­fen, erachte ich als gross­es Geschenk.»

Ros­alie Manser

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