Einblicke
Sie finden hier ausgewählte Artikel aus der jeweils aktuellen Ausgabe des "Pfarreiforums".
Alleine leben
Ehelos? Um Himmels Willen!
Eine uralte christliche Tradition ist bis heute höchst lebendig: Wer sich in Kirchenkreisen umhört, findet erstaunlich viele Menschen, die sich aus religiösen Gründen freiwillig entschieden haben, ehelos zu bleiben – unabhängig vom Pflichtzölibat für Priester und ohne in ein Kloster einzutreten. Darunter sind erstaunlich viele Frauen.
«Diese Lebensform macht mich stark, sie macht mich frei», sagt Barbara Walser. Sie ist Pastoralassistentin in der Dompfarrei und Mitglied im Säkularinstitut des Katharina-Werks. Viele zölibatär Lebende sind einer Gemeinschaft angeschlossen und wissen sich auf diese Art getragen von Gleichgesinnten. Zu keiner Gemeinschaft gehört Hildegard Aepli, die seit kurzem im Ordinariat im Amt für Pastoral und Bildung sowie in der Dompfarrei tätig ist. «Ich kenne keine freieren Menschen als mich», sagt sie. Und Marlis-Fabienne Bucher, Seelsorgerin am Kantonsspital, lebt als Eremitin im Pächterhaus des Klosters Wonnenstein in Niederteufen. «Ich trage all die Menschen mit, von denen ich weiss, dass sie Sorgen haben.» Zahlreiche Formen des christlich motivierten Alleinlebens gibt es – fast so viele wie Menschen, die beschlossen haben, allein zu bleiben. Als offizielle Form kennt die Kirche insbesondere die sogenannte Geweihte Jungfrau. Diese verspricht bei ihrer Weihe die evangelischen Räte Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Im Bistum St.Gallen gibt es jedoch keine.
Gelübde: «neue Radikalität»
Auch Barbara Walser hat beim Eintritt ins Katharina-Werk die klassischen Gelübde abgelegt. «Die Entscheidung zur Ehelosigkeit steht nun in neuer Radikalität da», sagt sie. «Es ist anders, als das mit sich allein abzumachen.» Wenn sie sich verlieben würde, würde sie sich nun fragen: Will ich das, was ich im Gelübde versprochen habe, wirklich aufgeben? Ist das wirklich mein neuer Weg oder lockt mich etwas anderes, das mir in meiner jetzigen Lebensform fehlt? Bei Verheirateten, findet sie, sei das genauso. Und sie fügt hinzu: Körperliche, sexuelle Bedürfnisse habe jeder Mensch. Sie müsse nicht mit Scheuklappen durchs Leben gehen, dass «es» ja nicht passiert. Fabienne Bucher hat ihren Weg als Diözesan- Eremitin des Bistums St.Gallen erst im Januar 2011 begonnen. Sie verkaufte ihre Eigentumswohnung und zog nach Wonnenstein. Analog zum Eintritt in ein Kloster befindet sie sich derzeit im Noviziat. Am Ende wird sie keine Gelübde ablegen, sondern, wie es der Schönstatt-Gründer, Pater Josef Kentenich, vorgeschlagen hatte, ihre Ganzhingabe an Gott durch eine Weihe und ein Versprechen gegenüber dem Bischof von St.Gallen ausdrücken.
«Gedrängt gefühlt»
Kein feierliches Gelübde hat auch Hildegard Aepli abgelegt. «Ich habe mich gedrängt gefühlt da hinein», sagt sie, obwohl sie eigentlich zunächst heiraten und Kinder haben wollte. Nach einer gescheiterten Beziehung, die sie «an meine Grenzen geführt hat», hat sie «zusammen mit meinem Gott entschieden, mich auf das Fremde einzulassen». Verbunden allerdings mit einem Aber: «Ich will Beziehungen zu Frauen und Männern, die tief sind und mich tragen.» Das bekommt man von allen drei Frauen zu hören: Solche Beziehungen braucht man – gerade als Alleinstehende. Sie müssen aktiv gesucht werden, was zuweilen anstrengend sein kann. Man muss selber vorsorgen für Krankheit und Alter, sich die Ferien organisieren und vieles mehr. Dafür macht diese Lebensform solche Beziehungen manchmal sogar tiefer.
mehr zum Thema im Pfarreiforum
Zugriffe heute: 1 - gesamt: 5412.







